Auf dem Gebiet der Diözese Temeswar gibt es mehrere Ortschaften, deren urkundliche Erwähnung bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht und deren Namen in den Listen der päpstlichen Zehnten aus den Jahren 1333–1335 zu finden sind, Listen die im Apostolischen Archiv des Vatikans aufbewahrt werden. Es gibt jedoch auch ältere Ortschaften wie Bulci, ein Dorf am Ufer der Marosch, das diskret, vor den Augen der Welt verborgen, inmitten der Wälder der Lippaer-Hügeln liegt.
„Wie reich die Vergangenheit eines heute abgelegenen Dorfes sein kann, zeigt das Beispiel des Dorfes Bulci im Kreis Arad. Die Abteikirche von Bulci, die der Muttergottes geweiht ist und im Übergangsstil von der Romanik zur Gotik erbaut wurde, stammt aus dem 12. Jahrhundert und war etwa 80 Meter lang. Sie war eine der größten Kirchen der Diözese. Die Ruinen, die vom bekannten Benediktinermönch P. Floris Franz Romer OSB aus Pannonhalma untersucht wurden, wurden leider im März 1871 abgerissen und für den Bau der heutigen Kirche verwendet. Die Bedeutung, die die Abtei in der Vergangenheit hatte, wird auch durch das Abkommen von Bereg aus dem Jahr 1233 unterstrichen, das dem Kloster als Vergünstigung fünftausend Salzblöcke gewährte. Ein im Mittelalter handkopiertes Werk – der sogenannte Livius-Codex – aus der Bibliothek der Abtei Bulci (Biulcz) befindet sich heute in der Nationalbibliothek in Wien. (…) Ein weiterer Schatz der Abtei war die Glocke, die am 30. April 1807 in den Ruinen der ehemaligen Klosterkirche von Bulci entdeckt wurde. Sie wurde 1468 gegossen, und von Bischof Alexander Bonnaz mit großem Respekt aufbewahrt, bis er sie 1870 von der Pfarrei Bulci im Austausch gegen zwei neu gegossene Glocken für die neue Kirche erwarb. Zuerst brachte Bischof Bonnaz sie in den Turm der alten Seminarkirche zu Temeswar, aber die mittelalterliche Glocke mit ihrem eigenartigen Klang passte nicht zum Klangbild der neueren Glocken der Stadt, sodass sie 1873 ins Nationalmuseum in Budapest kam. Hier kann man sie auch heute noch besichtigen, da sie in einem der Säle ausgestellt ist“, schrieb S.E. Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar, über die Geschichte dieser Ortschaft im ersten Band der Reihe „Erbe und Auftrag – Die Alte Diözese Csanád“.
Der Historiker Frigyes (Friedrich) Pesty schreibt in seinem Werk „Krassó vármegye története“ (Geschichte des Komitats Karasch) über den Ort Bulci Folgendes: „Varianten des Namens: Wulch, Bulch, Bulcz. An dieser Stelle befand sich in der Antike eine römische Siedlung, deren Name uns nicht bekannt ist. Dies wird durch die in Bulci gefundenen römischen Ziegelsteine belegt, die mit dem Zeichen LEG XIII G gekennzeichnet sind, als Beweis für die Anwesenheit der Legion XIII. Gemina hier. Die Aufgabe dieser Legion war wahrscheinlich der Bau und die Verteidigung der Festungen am Ufer der Marosch. Unter den Ruinen der Abtei von Bulci wurden mehrere römische Überreste gefunden. [Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass es sich bei den römischen Materialien, die sowohl in Bulci als auch in anderen Ortschaften im Marosch-Tal bis nach Tschanad gefunden wurden, um Spolien handelt, d. h. um hochwertige Baumaterialien, die aus den römischen Ruinen der Militärlager und Siedlungen im Kreis Hunedoara/Eisenmarkt gewonnen und mit Flößen auf der Marosch transportiert wurden, um in den im Mittelalter flussabwärts errichteten Gebäuden verwendet zu werden.] Im Jahr 1225 beauftragte Papst Honorius III. die Äbte von Pécsvárad und Bulcs (de Wulch), die Mönche des Ordens des Heiligen Benedikt zu verpflichten, jährliche Kapitel abzuhalten, und fordert sie damit auf, die klösterlichen Regeln des Ordens einzuhalten. Im Jahr 1233 gewährt König Andreas II. von Ungarn der Abtei von Bulci 5000 Salzblöcke aus den Einnahmen der Salinen.
Am zweiten Sonntag im August (10. August 2025) erwies sich die römisch-katholische Kirche in Bulci, die 1872 aus den Mauern der ehemaligen Abtei erbaut und zu Ehren der Himmelfahrt Mariä geweiht wurde, für die Dutzenden von Gläubigen, die am 800-jährigen Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes teilnehmen wollten, zu klein. Die Feierlichkeiten versammelten viele Einwohner des Dorfes, aber auch aus den umliegenden Ortschaften sowie deren Verwandte und Freunde. Es kamen auch Teilnehmer aus dem Ausland, beispielsweise aus der Schweiz oder den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Jubiläumsprogramm wurde auf Initiative und unter Mitwirkung von Herrn Cristian Giorgian Matiaș, Bürgermeister der Gemeinde Bata, zu der auch das Dorf Bulci gehört, des Gemeinderats von Bata, zusammen mit der römisch-katholischen Pfarrei Bulci und Domherr emeritus Andreas Reinholz, Pfarrer von Radna und Bulci, begann mit einer Heiligen Messe, die von S.E. Josef Csaba Pál, Diözesanbischof, zelebriert wurde. Konzelebriert haben: Domherr Reinholz aus Radna, Pfarrer János Kapor, Pfarrer von Kischineu am Kreisch und Schimonydorf und Pfarrer Ion Cădărean, Pfarrer von Lippa und Neudorf. Anwesend waren auch Priester der orthodoxen Kirche.
In Bezug auf das Sonntags-Evangelium (Lukas, Kapitel 12) erklärte der Diözesanbischof in seiner Predigt: „In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: Fürchtet euch nicht, ihr kleine Herde, denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben! Verkauft, was ihr habt, und gebt Almosen.“ Diese Worte finden wir nur beim Evangelisten Lukas, da er besonders sensibel für das Leiden des Volkes war. Die Ermutigung Jesu lag ihm sehr am Herzen. Und es ist sehr schön, was Jesus danach sagt. Warum solltet ihr euch nicht fürchten, ihr kleine Herde? Weil es eurem Vater gefallen hat, euch sein Reich zu geben. Reicht uns das? Vielleicht kennt ihr das Leben des Heiligen Philipp Neri, der den Armen und Kindern sehr geholfen hat. Einmal wurde er zum Kardinal ernannt. Als er den großen Hut erhielt, den die Kardinäle damals trugen, warf er ihn in die Luft und sagte: „Ich brauche keinen Kardinalshut, ich brauche den Himmel.“ Für ihn war das Reich Gottes genug. Und er war ein glücklicher Mensch.“
„Vor 800 Jahren wurde hier eine christliche Gemeinde gegründet“, betonte Bürgermeister Matiaș kurz vor dem Schlusssegen und bedankte sich beim Diözesanbischof und den Priestern für ihre Anwesenheit sowie bei allen, die die Organisation dieser Feier unterstützt hatten. Er verlieh drei Ehrenauszeichnungen an Personen, die sich durch ihre Tätigkeit sich Tag für Tag für die Gemeinde engagiert haben und weiterhin engagieren: Frau Elisabeta Micloș, das älteste Mitglied dieser Gemeinde (91 Jahre), die aus Arad gekommen ist, Herr Ladislau Heleport, der Organisator des Bulci-Fest, ehemaliger Vizebürgermeister, und Herr Andrei Buda, der als Sakristan für die römisch-katholische Kirche zuständig ist.
Das Jubiläumsprogramm wurde mit dem Vortrag „Bulci – 800 Jahre seit der ersten urkundlichen Erwähnung“ fortgesetzt, gehalten von Herrn Prof. Dr. Dumitru Tomoni, Direktor des Museums für Geschichte und Ethnographie in Făget. In seiner Präsentation sprach Herr Tomoni sowohl über die Vergangenheit des Ortes als auch über die aktuellen demografischen Daten und die gegenwärtige Situation des Dorfes.
Die Feier endete mit einem künstlerischen Programm. Klassische Stücke wurden interpretiert von: Frau Andreea Bodroghi, Organistin der Basilika Maria Radna (die auch die musikalische Umrahmung der Heiligen Messe sicherte), Prof. Dr. Silviana Ana Cîrdu (Klavier), Univ.-Assistentin Dr. Cosmina Silvia Sitzl (Mezzosopran) und Rhea Vanessa Panea (Klavier). Koordinatorin: Prof. Dr. Veronica Laura Demenescu, Universität „Aurel Vlaicu“ in Arad.
Zum Abschluss wurden alle Anwesenden zu einer Agape, im Freiem, vor der Kirche, in eigens dafür errichtete Zelte eingeladen.
Bulci – 800 Jahre am Ufer der Marosch – mit diesem Motto des Jubiläums wurde ein neues Kapitel in der Geschichte einer Gemeinde geschrieben, die ihre Wurzeln mit Würde bewahrt. Das Jubiläum war jedoch nicht nur ein Fest der Vergangenheit, sondern auch ein lebendiges Zeugnis der Kontinuität, des Glaubens und der tiefen Verbundenheit der Menschen mit dem Ort, den sie „Zuhause“ nennen.
Pressestelle der Diözese Temeswar

















