Anfang Juli stand Reschitza im Zeichen seines Jubiläums zu 250 Jahre Industriegeschichte. Am 3. Juli 1771 bliesen in Deutsch-(Montan)-Reschitza deutsche, aus Bokschan hierher versetzte Schmelzer die Hochöfen „Josephus” und „Franziskus” an, die Geburtsstunde der Industrie in Reschitza. Pater Michael Grozdich aus Karaschowa weihte davor diese beiden Hochöfen. Das Demokratische Forum der Banater Berglanddeutschen (DFBB) und der Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ starteten bereits seit dem vergangenen Jahr mehrere Projekte, die diesem Jubiläum gewidmet waren. Der Höhepunkt davon war selbstverständlich, wie anders, in der Zeitspanne 1. – 4. Juli 2021.
Am 1. Juli fand beginnend mit 18:00 Uhr im Hof der Deutschen „Alexander Tietz“-Bibliothek Reschitzas im Rahmen des Projekts „Reschitza: 250 Jahre Industriegeschichte“ die Buchpräsentation: „Reşiţa: Viziuni 2 = Reschitza: Visionen 2“ (Hrsg.: Gheorghe Jurma, Erwin Josef Ţigla), erschienen im „Banatul Montan”-Verlag Reschitza als die 110. Veröffentlichung des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza” statt. Vorgestellt wurde das Buch-Album als Teil der hier erschienenen Serie der Visionen (bis jetzt im Laufe der Jahre über Reschitza, Anina – Steierdorf, Bokschan, Orawitza und Karansebesch veröffentlicht) durch die beiden Herausgeber. Dazu sprachen noch die Leiterin der Kreisbibliothek „Paul Iorgovici“ Karasch-Severin, Clara Maria Constantin und der Schriftsteller Nicolae Sârbu.
Im Hof konnte man innerhalb der Veranstaltung auch die einmalige Philatelie-Ausstellung des Sammlers Dipl.-Ing. Anton Schulz (aus Reschitza, heute in Regensburg / Deutschland wohnhaft) unter dem Titel „Die ehemalige Reschitzaer Industrie anhand der Philatelie“ sowie die Alte-Ansichtskarten-Ausstellung im Großformat des Lucian Duca besichtigen, eine lobenswerte Ergänzung der Buchpräsentation.
Im Museum des Banater Montangebiets Reschitza fand am 2. Juli im Rahmen von Buchpräsentationen mehrerer vom Bürgermeisteramt und vom Rotary-Club geförderter Veröffentlichungen, die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Univ.-Prof. Dr. Rudolf Gräf statt. Die Initiative zur Verleihung dieser Ehrenbürgerschaft hatten das DFBB und das Universitätszentrum Reschitza der „Babeș – Bolyai“-Universität Klausenburg, welche durch den Stadtrat in seiner letzten Sitzung einstimmig angenommen wurde.
Die Laudatio hielt der DFBB-Vorsitzende, während der Bürgermeister Ioan Popa die Urkunde überreichte. Es folgten die Dankworte des Geehrten, für den es eine große Ehre gewesen sei, diesen Ehrentitel am Vortrag des Reschitzaer Jubiläums, seiner Heimatstadt, bekommen zu haben.
Am Geburtstag der Reschitzaer Industrie, am 3. Juli, fand nachmittags im Foyer des Universitätszentrums Reschitza der „Babeș – Bolyai“-Universität Klausenburg die Eröffnung der Kunstausstellung „Reschitza 250: Zeit und Gegenzeit“ statt. In Rahmen des vom DFBB entwickelten Projekts, das sich in Zusammenarbeit mit dem Universitätszentrum, mit der Kreisbibliothek „Paul Iorgovici“, mit dem Museum des Banater Montangebiets, mit den beiden deutschen Kunstkreisen des DFBB („Deutsche Kunst Reschitza“ – Malerei und „Jakob Neubauer“-Holzschnitzereikreis), mit der Reschitzaer Filiale der Union der Künstler Rumäniens und nicht zuletzt mit der Kunst- und Berufs-Volksschule „Ion Românu“ Reschitza entwickelte, fand eine gut besuchte Veranstaltung statt. In Rahmen der vom DFBB-Vorsitzenden moderierten Eröffnung sprachen Dr. Saskia Schmidt, Leiterin des Kulturreferats der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Rumänien, Univ.-Prof. Dr. Rudolf Gräf, Dr. Ing. Christian Paul Chioncel (diesmal in seiner Eigenschaft als Prodekan der Ingenieur-Fakultät des Universitätszentrums Reschitza), die Kunstkritikerin Dr. Ada Cruceanu-Chisăliță, sowie die drei Vertreter der Künstler: Ion Bobeică (Leiter der Reschitzaer Filiale der Union der Künstler Rumäniens), Costi Moise (seitens der Kunst- und Berufs-Volksschule „Ion Românu“ Reschitza) und Gustav Hlinka („Deutsche Kunst Reschitza“).
Wetterbedingt folgte ebenfalls im Inneren des Universitätszentrums Reschitza das festliche Kulturprogramm zum Reschitzaer Jubiläum, von den deutschen Kulturgruppen gestaltet: der „Franz Stürmer“-Chor (Dirigentin: Elena Cozâltea), die „Intermezzo“-Musikgruppe (Koordination: Lucian Duca), die „Banater Bergland“-Musikgruppe (Koordination: George Gassenheimer) und Duo Gassenheimer. Langen Beifall erhielten auch die Tanzvorführungen seitens der deutschen „Enzian“-Volkstanzgruppen (Leitung: Marianne und Nelu Florea), die mit drei Gruppen – Kleine, Jugendliche und Erwachsene – auftraten.
Am Sonntag, dem 4. Juli, fand ab 10:30 Uhr in der „Maria Schnee“-Kirche Reschitzas der Festgottesdienst als Dank für die 250 Jahre Reschitzaer Industrie, konzelebriert von Bischof József Csaba Pál der römisch-katholischen Diözese von Temeswar und von Weihbischof Ioan Călin Bot der griechisch-katholischen Eparchie Lugosch, statt. Mit dabei waren seitens der römisch-katholischen Kirche als Gastgeber Dechant-Pfarrer Veniamin Pălie, sowie der Erzdechant des Banater Berglands, Pfr. Mihai Titi Dumitresc, der Pfarrer von Reschitza – Govândari Attila Puskas, P. Gheorghe Iordache (Reschitza I) und der in Reschitza geborene Priester Janos Varga (z.Z. in Arad), während die Griechisch-Katholische Kirche durch Generalvikar Angelo Narcis Pop, Protopope Nicolae Tutaș (Bokschan), Protopope Silviu Lucian Bindea (in Reschitz geboren, in Broos / Orăștie tätig) und die Pfarrer Viorel Costinaș (Târnova) und Ovidiu Pop (Reschitza – Govândari). Im Geiste der Ökumene waren anwesend der rumänisch-orthodoxe Protopope von Reschitza, Gheorghe Suveți und der emeritierte Protopope Petru Berbentia.
Anwesend waren in der Reschitzaer Kirche Dr. Saskia Schmidt (Leiterin des Kulturreferats der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Rumänien), Georg Bardeau (Honorarkonsul der Republik Österreich in Temeswar), der Unterpräfekt Iosif Attila Bognar und die Vizebürgermeisterin Mădălina Chiosa. Weitere Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland waren ebenfalls beim Fest dabei, doch kann man nicht alle hier erwähnen da es den Rahmen sprengen würde…
Nach der Begrüßung durch Dechant-Pfarrer Veniamin Pălie und Einführung in die Geschichte durch den DFBB-Vorsitzenden, folgte der Festgottesdienst, musikalisch umrahmt von den drei Reschitzaer römisch-katholischen Kirchenchören „Harmonia Sacra”, „Fiamma” und „Gaudete”. Gepredigt hatten Bischof József Csaba Pál in Deutsch und Ungarisch, während Weihbischof Ioan Călin Bot es in Rumänisch tat. Mitgestaltet hatten das Fest auch die Erstkommunikanten der gastgebenden Pfarre. Berührend war für alle Anwesenden der Moment der Gabenüberreichung. Die Erstkommunikanten (5 Jugendliche) überreichten u.a, ein Stück Eisenerz als Symbol der 250 Jahre Industrie.
Zum Schluss des Festgottesdienstes verlas Weihbischof Ioan Călin Bot die Botschaft zum Reschitzaer Jubiläum seitens des Papstes Franziskus, durch den Apostolischen Nuntius für Rumänien und Republik Moldawien, Miguel Maury Buendia, zugesandt. Es folgten Dankesworte des Gastgebers Dechant-Pfarrer Veniamin Pălie, des Kirchenkurators Günter Cziple (Präses des Kirchenrates), des Direktors der TMK-Werke (Hüttenwerke), Dipl.-Ing. Ioan Romulus und des DFBB-Vorsitzenden, der den beiden Bischöfen die Medaille „Reschitza 250” überreichte.
Es waren diese ersten Tage des Monats Juli Festtage, die noch lange in den Erinnerungen der Teilnehmer weilen werden…
von Erwin Josef Ţigla








