Der am Fluss Bârzava in einer bergigen Gegend gelegene Kern, aus dem die heutige Stadt Bocșa/ Deutsch-Bokschan entstanden ist, ist seit der Antike bewohnt. Im Laufe der Geschichte kamen die Gründer der heutigen römisch-katholischen Gemeinde dieser Stadt zu Beginn des 18. Jahrhunderts hierher, und zwar deutsche Siedlerfamilien aus den österreichischen Provinzen, aber auch aus Böhmen und Mähren. Als gläubige Menschen gründeten sie 1723 die römisch-katholische Pfarrei, nachdem sie sich in ihrer neuen Heimat niedergelassen hatten. Laut den Diözesanschematismen, die in den Jahren 1900 und 1948 herausgegeben wurden, wurde die erste Kirche der Gemeinde ebenfalls 1723, also vor 300 Jahren, erbaut. Sie war dem Heiligen Florian geweiht und wurde später am Fest der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria gesegnet. Diese erste Kirche wurde während der Türkeninvasion im Jahr 1738 schwer beschädigt, so dass die Pfarrei im Jahr 1747 neu organisiert und die Kirche mehrmals repariert und wieder aufgebaut wurde, unter anderem in den Jahren 1747, 1768 und 1800. Aus dem Tagebuch der Temeswarer Jesuitenpatres geht hervor, dass 1727 (wahrscheinlich schon 1723) Philipp Johann Bettendorf Valentiniani Pfarrer in Bokschan war.
Anlässlich des dreihundertjährigen Jubiläums feierte Seine Exzellenz Josef Csaba Pál, Diözesanbischof, am Samstag, den 22. Juli um 10.00 Uhr in der Pfarrkirche von Bokschan eine Heilige Messe. Konzelebranten waren Pfr. Nicolae Tutaș, griechisch-katholischer Dechant von Reschitza, der H.H. Cristinel Balan, Pfarrer von Lowrin, der H.H. Augustin Bărbuț OC, Pfarrer von Orawitza, der H.H. Francisc Lisi, Diakon in der Pfarrei Lugosch. Zu Beginn der Liturgie wurden der Diözesanbischof, die Mitbrüder im Priesteramt, der Bürgermeister Patriciu Mirel Pascu, der stellvertretende Bürgermeister Perian Sorin, die Ratsmitglieder, Herr Erwin Josef Țigla, Vorsitzender des Deutschen Demokratischen Forums im Banater Bergland, die Gäste aus Graz, Österreich und alle Anwesenden vom Seelsorger Emil Alin Irimiciuc, Pfarrer dieser Gemeinde begrüßt.
„Es ist ein Moment der Dankbarkeit. Dreihundert Jahre lang ist so viel în dieser Ortschaft passiert, und doch hat die Pfarrgemeinschaft überlebt, ist präsent, und Gott ist in ihrer Mitte präsent, und dafür danken wir ihm. Für ihn ist es nicht wichtig, wie groß die Gemeinschaft ist. Für ihn ist jeder Mensch ein absoluter Wert. Die Gemeinschaft von Bokschan, dieses Volk Gottes hat es geschafft, all diese 300 Jahre im Glauben zu leben“ – so der Diözesanbischof in seiner Einführungsrede.
In seiner Predigt in deutscher, ungarischer und rumänischer Sprache sagte der Oberhirte: „Dreihundert Jahre im Leben einer Gemeinschaft… wie viele Menschen sind durch gute und schlechte Zeiten gegangen, und so auch diese Gemeinschaft! Wie viele Gnaden sind an diesem Ort der Anbetung weitergegeben worden! Jetzt sind wir hier, um dem lieben Gott für diese dreihundert Jahre zu danken, für alles, was schön war, für alles, was Leben war. Im Evangelium, das wir vorhin gelesen haben, sind zwei Dinge hervorgetreten: zum einen, dass die schlechte Hefe entfernt werden muss, und zum anderen, dass das Unkraut bis zur Ernte beim guten Weizen bleiben muss. Mit Hefe sind im Allgemeinen Lehren, Ideen, Gedanken, Denkweisen gemeint, die gären und das Leben des Menschen prägen. Und wenn es eine falsche Lehre, eine schlechte Idee ist, muss sie korrigiert werden. Und Eltern müssen bei der Erziehung ihrer Kinder sehr vorsichtig sein, denn es gibt viele schlechte Einflüsse. Andererseits, als wir mit unseren Sünden zu Gott kamen, hat er uns nicht abgewiesen, er hat uns mit Barmherzigkeit empfangen, mit Vergebung, er hat uns eine neue Chance gegeben, wann immer wir zu ihm kamen. Er lehrte uns zu vergeben, wann immer wir es brauchten. Der gute Weizen ist unter dem Unkraut in der Kirche und in unseren Gemeinschaften. Es ist sehr einfach, bestimmte Menschen zu verurteilen und auszusondern, d.h. das Unkraut zu entfernen. Nur wenn wir das tun, können wir auch den guten Weizen entfernen, der in diesem Moment vielleicht noch nicht sichtbar ist.“
Am Ende des Gottesdienstes sprach Pfr. Emil Alin Irimiciuc und dankte der Gemeinde und allen, die an der Organisation dieses Jubiläums beteiligt waren und dazu beigetragen haben. Wie der Pfarrer erwähnte, gibt es viele, die nicht mehr zu dieser Gemeinschaft gehören, sie haben Bokschan verlassen, aber hier wurden sie getauft, hier haben sie das Geschenk des Glaubens empfangen. Gleichzeitig bedankte sich der Pfarrer auch bei den Mitgliedern des Deutschen Demokratischen Forums aus Reschitza, aber auch aus Bokschan, sowie bei den Mitgliedern des Vinzenzvereins aus Graz, Österreich, mit deren Unterstützung der Pfarrer und die Vinzentiner aus Bokschan es geschafft haben, Sommercamps für Kinder und viele karitative Aktionen zu organisieren.
Anschließend gab Erwin Josef Țigla, Vorsitzender des Deutschen Demokratischen Forums im Banater Bergland, eine kurze historische Darstellung des Ortes und der römisch-katholischen Pfarrgmeinde Bokschan: „Sie ist eine der ältesten existierenden Pfarreien und Kirchen in der Diözese Temeswar, sie ist eine lebendige Gemeinde durch die Menschen, die sich hier oder in den anderen Filialen der Pfarrei im Dienst des Guten Hirten engagieren“, betonte Herr Țigla, der auch daran erinnerte, dass das 300-jährige Jubiläum auch durch die Einführung eines philatelistischen Gelegenheitsumschlags und eines philatelistischen Gelegenheitsstempels, gefeiert wurde. „Die gesamte Post, die Deutsch-Bokschan gestern verlassen hat, trägt diese Briefmarke“ – sagte Herr Țigla.
In seiner Rede übermittelte Bürgermeister Patriciu Mirel Pascu auch die Grüße des rumänisch-orthodoxen Bischofs Lucian Mic, von Karansebesch, und überreichte im Namen der Stadtverwaltung Pfr. Irimiciuc eine Plakette – eine Auszeichnung zum gefeierten Jubiläum.
Die Feierlichkeiten endeten mit einer Buchpräsentation. Der Band mit dem Titel „Die römisch-katholische Kirche von Deutsch-Bokschan – zur Dreihundertjahrfeier 1723-2023“ wurde von Lehrer Mihai Vișan und der Bibliothekarin Gabriela Șerban verfasst und herausgegeben, die zusammen mit Pfr. Irimiciuc und dem Bürgermeister an der Präsentation teilnahmen. Musikalisch umrahmt wurde die Heilige Messe vom Bokschaner Kirchenchor.
Die hohen Gäste erhielten als Geschenk je ein Gemälde des lokalen Künstlers Nik Potocean, das das Äußere und den Hochaltar der Kirche in Deutsch-Bokschan darstellt. Die hl. Messe wurde sowohl auf der Facebook-Seite der Pfarrei als auch auf der Seite des Bistums Temeswar online übertragen und auch auf eine Leinwand auf dem Platz vor der Kirche projiziert. Das Kulturprogramm wurde nach der Messe, vor der Kirche fortgesetzt. Es bestand aus Tänzen, die vom Enzian-Ensemble des Deutschen Demokratischen Forums aus dem Banater Bergland / Reschitza vorbereitet wurden, bzw. von den Erwachsenen- und Kindergruppen, geleitet von Marianne und Nelu Florea. Die Blasmusikkapelle von Anina-Steierdorf unter der Leitung von Miti Omescu begleitete musikalisch das Fest.

Pressestelle der Diözese Temeswar