Seit der Renaissance und später des Barock zeigen in römisch-katholischen Kirchen die Gemälde, Reliefs oder Statuen auf dem Hauptaltar meistens jenen himmlischen Schutzpatron, zu dessen Ehren Altar und Kirche geweiht sind. In der Pfarrkirche von Otelek stellt das Gemälde über dem Hauptaltar die Entdeckung eines großen Teils des Heiligen Kreuzes durch die Heilige Helena — die Mutter von Kaiser Konstantin dem Großen — dar, an dem Jesus Christus gekreuzigt wurde. Das Heilige Kreuz wurde feierlich vom Bischof Makarios von Jerusalem am 14. September 326 erhoben. Am Triumphbogen des Kirchenschiffs in Otelek ist dieselbe Inschrift zu lesen, die auch das Kreuz trug, das Kaiser Konstantin dem Großen vor der Schlacht an der Milvischen Brücke erschien: „In hoc signo vinces“ (Unter diesem Zeichen wirst du siegen). Laut dem Bischof und Chronisten Eusebius von Caesarea ließ der Kaiser diese Worte auf die Fahnen und Schilde der Soldaten schreiben — und er siegte.
Unter dem gesegneten Zeichen des Kreuzes versammelten sich auch jene Gläubigen, die vor 140 Jahren die Pfarrkirche in Otelek erbauten — geweiht dem Fest der Kreuzerhöhung. Auf Einladung von Pfarrer József Heinrich wurde die Kirchweihmesse heuer von S.E. Josef Csaba Pál Diözesanischof zelebriert, und die Predigt hielt Pfarrer György Kóbor, Direktor des Caritas-Vereins in Tschakowa und emeritierter Pfarrer.
Zu Beginn der Festmesse wurde S.E. Josef Csaba Pál, Diözesanbischof, im Namen der Gemeinde von Pfarrer József Heinrich begrüßt. An der Jubiläumsmesse nahm auch Frau Silvia Fechete, Bürgermeisterin der Gemeinde Otelek, teil. Zahlreiche Gläubige kamen aus den umliegenden Ortschaften — Filialen dieser Pfarrei — sowie aus Temeswar, um gemeinsam zu feiern.
Im Zusammenhang mit den Evangeliumsversen dieses Festes teilte Pfarrer György Kóbor in seiner Predigt einige bewegende Erfahrungen, die er in seiner Caritas-Arbeit gemacht hat: „Ich erinnere mich noch heute an jenen älteren Rentner, der jeden Morgen mit einem Rucksack auf dem Rücken zur Heiligen Messe um sechs Uhr kam, um danach seinen Weg fortzusetzen. Eines Tages fragte ich ihn: »Wozu dient Ihnen dieser Rucksack, den Sie täglich tragen? Er scheint leer zu sein.« Er antwortete: »Er ist nur leer, bis ich hier zur Heiligen Messe komme. Auf dem Rückweg ist er immer voll. In unserer Straße leben Menschen, die nicht mehr einkaufen oder ihre Angelegenheiten erledigen können. Morgens klopfe ich an ihre Tür oder sie warten am Fenster und sagen mir, was sie brauchen. Ich gehe für sie dorthin, wo sie nicht mehr hinkommen. Wenn ich alles erledigt habe und nach Hause zurückkehre, ist es bereits Mittag.« Dieser alte Mann schöpfte Kraft aus der Heiligen Messe, damit die Last, die er von den Schultern anderer nahm, für ihn selbst nicht zu schwer werde. Denn er wusste, wem er dient. Wie wir heute im Evangelium gehört haben: »Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.«“
Am Ende der Heiligen Messe dankten zwei Mitglieder der örtlichen Gemeinde dem Diözesanbischof für die feierliche Zelebration. Zum Abschluss betonte der Hirte der Diözese, wie wichtig es ist, dass die Mitglieder der Gemeinschaft füreinander Sorge tragen.
Das Patronatsfest war ein Moment tiefer Dankbarkeit für die 140 Jahre unter dem Zeichen des Heiligen Kreuzes und ein lebendiges Zeugnis der Gemeinde — umso bedeutungsvoller, da Pfarrer József Heinrich, Gastgeber dieser Feier, seit 47 Jahren als Priester dient: ein Leben, das er mit Glauben und Treue der Kirche und dem Volk Gottes gewidmet hat.
Pressestelle der Diözese Temeswar













