Die Vergangenheit trägt in sich die Wirklichkeit der Gegenwart und die Hoffnung auf die Zukunft.

Am 20. September 2025 kamen über 400 Jugendliche aus den Diözesen Zrenjanin/Groß-Betschkerek, Szeged-Csanád und Temeswar in einer Pilgerreise nach Tschanad, um sich am historischen Sitz der ehemaligen Diözese Tschanad zu begegnen. Sie machten sich auf den Weg, den einst ihre Vorfahren beschritten haben, und trugen zugleich das Bild der zukünftigen Kirche dieser Region in ihren Herzen.

Die Vergangenheit
Das Bistum Tschanad wurde im Jahr 1030 vom Heiligen König Stephanus von Ungarn gegründet, der den Benediktinermönch Gerhard Sagredo aus Venedig zum ersten Bischof dieses Kirchensprengels ernannte. Die Pressburger Annalen (heute Bratislava) vermerken seine Weihe mit einem kurzen Satz aus dem Jahr MXXX/1030: Gerardus episcopus ordinatur. Seitdem sind fast tausend Jahre vergangen!
Gerhard bestimmte Tschanad, das alte Urbs Morisena, zum Sitz der Diözese, die dort bis zum Beginn der osmanischen Herrschaft im Jahr 1552 bestand. Bischof Gerhard wurde im September 1046 in Buda (heute Budapest) von Heiden ermordet und auf Bitte von König Ladislaus I. im Jahr 1083 von Papst Gregor VII., gemeinsam mit König Stephanus und dessen Sohn, dem Kronprinzen Emerich heiliggesprochen
Nach der Befreiung Temeswars und später des gesamten Diözesangebietes von der osmanischen Herrschaft, im Jahr 1716, durch die Truppen des Prinzen Eugen von Savoyen, wurden die Voraussetzungen für das Neuerwachen der Diözese geschaffen. Da die alte Bischofsresidenz und die Stadt Tschanad jedoch zerstört worden waren, wurde der Bischofssitz bereits 1710 nach Segedin verlegt und ab 1732 nach Temeswar.
Das Ende des Ersten Weltkriegs (1919) bedeutete die Aufteilung des Gebietes der ehemaligen Diözese Tschanad in drei unterschiedliche Teile. So verblieben 33 Pfarrgemeinden und die Stadt Segedin in Ungarn und bilden heute die Diözese Szeged-Csanád. Ein zweiter Teil des Diözesangebietes mit 64 Pfarrgemeinden wurde dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (später Jugoslawien/ heute Serbien), mit dem Zentrum in Großbetschkerek (heute Zrenjanin) zugeteilt, das seit 1988 als Diözese Zrenjanin organisiert ist. Der größte Teil des ehemaligen Diözesangebietes, mit 153 Pfarrgemeinden und dem Zentrum in Temeswar — heute die Diözese Temeswar, wurde dem Königreich Rumänien einverleibt.
Im Jahr 2030 soll das 1000-jährige Jubiläum der Gründung der ehemaligen Diözese Tschanad feierlich begangen werden. Als geistliche und kulturelle Vorbereitung darauf — beginnend mit diesem Jahr und fortgesetzt in den kommenden Jahren — werden die drei Nachfolgediözesen: Temeswar, Szeged-Csanád und Zrenjanin eine Reihe von Veranstaltungen initiieren. In diesem Rahmen fand am 20. September 2025 auch das interdözesane Jugendtreffen in Tschanad statt, dem historischen Sitz der ehemaligen Diözese.

Die Wirklichkeit der Gegenwart
Im Jahr 2030 soll das 1000-jährige Jubiläum der Gründung der ehemaligen Diözese Tschanad feierlich begangen werden. Als geistliche Vorbereitung darauf — beginnend mit diesem Jahr und fortgesetzt in den kommenden Jahren — werden die drei Nachfolgediözesen: Temeswar, Szeged-Csanád und Zrenjanin eine Reihe von Veranstaltungen starten. In diesem Rahmen fand am 20. September 2025 auch das interdözesane Jugendtreffen in Tschanad statt, dem historischen Sitz der ehemaligen „alten“ Diözese. Das Motto des Treffens lautete: „Von Christus neu ausgehen“, gewählt aus dem Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte von Papst Johannes Paul II. Die Gastgeber — die Römisch-Katholische Diözese Temeswar und die Pfarrei Tschanad — luden die Jugendlichen in die Pfarrkirche St. Gerhard ein, wo sich der Sarkophag unseres ersten Märtyrerbischofs befindet, der zugleich den Altartisch bildet. An der Organisation des Treffens, dessen Vorbereitung bereits im April dieses Jahres begann, beteiligten sich die Verantwortlichen für Jugendpastoral aus allen drei Diözesen: – P. Elias Ohoiledwarin SVD, Referent für Jugend- und Ministrantenpastoral, Pfarrer von Mužlja in der Diözese Zrenjanin, Pfr. Levente Serfőző, Vikar für Bildungsangelegenheiten, Pfarrer von Szeged-Felsőváros (Obere Stadt) in der Diözese Szeged-Csanád, Domherr Zoltán Kocsik, Direktor des Römisch-Katholischen Lyzeums Gerhardinum und Pfr. Daniel Dumitru, Verantwortlicher für Jugendpastoral, Pfarrer von Temeswar II. Fabrikstadt in der Diözese Temeswar.

Katechese, Zeugnisse, gemeinschaftliche Momente
Das Programm des Treffens begann um 10.30 Uhr mit einer Prozession: Die Jugendgruppen aus den drei Diözesen zogen zu Fuß von den zwei Ortseingängen der Gemeinde Tschanad bis vor die Kirche, wo sie sich betend und singend trafen, mit Kreuzen und kirchlichen Fahnen. Nach dem gemeinsamen Einzug in die Kirche St. Gerhard folgten Lobpreislieder, vorgetragen von der Musikband Jelenlét aus Szeged und vom ökumenischen Jugendchor Harmonia Christi aus Temeswar, unter der Leitung des Musiklehrers Iustin Călin.
Eine berührende Botschaft zu diesem Treffen ist auf der Facebook-Seite der Gruppe Jelenlét zu lesen: „Mit dankbarem Herzen preisen wir Gott gemeinsam mit euch in der Diözese des hl. Bischofs Gerhard!“
Die Begrüßungsworte wurden auf Rumänisch und Ungarisch von Pfarrer Zoltán Kocsik gesprochen, Direktor des Römisch-Katholischen Theologischen Lyzeums Gerhardinum und Mitglied des Organisationsteams, der auch die Rolle des Moderators übernahm. „Liebe Jugendliche, wir heißen euch herzlich willkommen hier in Tschanad, dem alten Sitz der Diözese. Wir begrüßen in unserer Mitte Seine Exzellenz Josef Csaba Pál, Diözesanbischof von Temeswar, der gemeinsam mit uns zu Fuß im Pilgerzug angekommen ist. Wir wünschen Euch, dass dieser Tag ein Tag der Begegnungen wird: der Begegnung mit Gott und der Begegnung mit den anderen Jugendlichen, die heute hier versammelt sind.“ – sagte Pfarrer Kocsik. Anschließend trug der Direktor einige historische Eckdaten zur Gründung der ehemaligen Diözese Tschanad vor und präsentierte ausführlich das Tagesprogramm, wobei er nützliche Hinweise zum Ablauf der Veranstaltung gab.
Nach einer kurzen Pause wurden die Jugendlichen zur Katechese eingeladen, deren Titel dem Motto des Treffens entsprach: „Von Christus neu ausgehen“. Die Katechese wurde von Pfarrer Daniel Dumitru gehalten, Verantwortlicher für Jugendpastoral in der Diözese Temeswar. Pfarrer Daniel, gebürtig aus Tschanad, hatte die Freude, die Anwesenden in der Kirche zu begrüßen, in der er selbst getauft wurde.
In seiner Katechese lud er die Jugendlichen zu einer symbolischen Schachpartie ein, bei der die Figuren auf dem schwarz-weißen Brett jeweils einem Heiligen der römisch-katholischen Kirche zugeordnet wurden:

  • Der Bauer– der heilige Prinz Emerich, der junge Thronfolger, der – wie Pfarrer Daniel sagte – „in jeder seiner Taten Christus gesucht hat“.
  • Der Turm– stark und standhaft, wie der heilige Gerhard, fest im Glauben, durch dessen Bemühungen die Völker dieser Region die Lehre Christi empfangen haben.
  • Das Pferd– die überraschendste und kreativste Figur, vergleichbar mit dem heiligen Carlo Acutis, dem technikbegeisterten Jugendlichen, bekannt als „Influencer Gottes“, der am 7. September dieses Jahres heiliggesprochen wurde.
  • Der Läufer– die Figur, die „die Dinge aus einem anderen Blickwinkel sieht“, identifiziert mit der heiligen Elisabeth von Thüringen, aus dem Hause der Arpaden, die „die Armen mit anderen Augen sah. Sie verachtete sie nicht, sondern half und unterstützte sie, als wären sie ihre Geschwister“ — sagte Pfarrer Daniel.
  • Die Königin– die stärkste Figur, die – laut Pfarrer Daniel – „in unserem Leben die heilige Jungfrau Maria sein könnte, deren mütterliches Herz für alle offen ist“.
  • Der König– „Ohne ihn gibt es keinen Sieg, deshalb symbolisiert der König für uns Jesus Christus selber. Jeder unserer Schritte bekommt Sinn, wenn wir ihn gemeinsam mit ihm gehen“ – schloss Pfarrer Daniel.

Nach der Katechese wurde das Programm mit zwei Zeugnissen fortgesetzt: auf Ungarisch sprach Laura Szabó aus der Diözese Zrenjanin/Großbetschkerek, auf Rumänisch Iustin Călin, Leiter des Jugendchores Harmonia Christi.
Nach dem Mittagessen folgten unterhaltsame und geistliche Programmpunkte: Flashmob, Tanz, Gemeinschaftsspiele und ein Bastelworkshop im Pfarrhof, Lobpreislieder, Gebetsmomente in der Kirche, sowie die Möglichkeit zur hl. Beichte im Kirchhof – in verschiedenen Sprachen und mit der Teilnahme mehrerer Priester.

Vier Bischöfe am Altar der Pfarrkirche zum Hl. Gerhard in Tschanad
Das interdözesane Jugendtreffen endete mit einer feierlichen Heiligen Messe am Altar der Kirche St. Gerhard — dem Sarkophag, in dem einst der Leib des heiligen Bischofs Gerhard ruhte. An der hl. Messe nahmen vier Bischöfe und zwanzig Priester aus den Diözesen Zrenjanin/Groß-Betschkerek, Szeged-Csanád und Temeswar teil. Hauptzelebrant war S.E. László Kiss-Rigó, Diözesanbischof von Szeged-Csanád. Mit ihm konzelebrierten: S.E. Mirko Štefković, Diözesanbischof von Zrenjanin/Groß-Betschkerek, S.E. Josef Csaba Pál, Diözesanbischof von Temeswar, sowie S.E. Dr. h.c. Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar, und alle Priester, die die Jugendlichen begleitet hatten.
In seiner auf Ungarisch gehaltenen Predigt ermutigte Diözesanbischof Mirko Štefković die Jugendlichen, stets den Mut zu haben, neu von Christus auszugehen: „Von Christus neu auszugehen bedeutet nicht, dass wir bisher auf dem falschen Weg waren, sondern dass wir in jeder Lebensphase zum lebendigen Christus zurückkehren müssen, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Wir wissen, dass wir jedes Mal, wenn wir fallen, wenn wir das Gefühl haben, nicht mehr weitergehen zu können, einen Ort haben, zu dem wir zurückkehren können: zu Christus. Bei Ihm finden wir immer die Kraft für einen Neuanfang.“
Bezugnehmend aufs Fragment aus dem Evangelium, das von Diakon Péter Baum verkündet wurde, sprach Diözesanbischof Josef Csaba Pál in seiner rumänischsprachigen Predigt: „Wie sehr wünschen auch wir uns, jener ‘gute Boden’ zu sein, der hundertfach Frucht bringt. Jesus sagt, dass dafür drei Dinge nötig sind. Erstens: das Wort Gottes mit reinem und aufrichtigem Herzen hören. Zweitens: das Wort mit großzügigem Herzen hören. Wenn Jesus etwas von mir verlangt, soll ich mehr geben, als er verlangt. Und drittens: das Wort Gottes mit Geduld aufnehmen. Das bedeutet Standhaftigkeit im Alltag. Liebe Jugendliche, ich wünsche euch und uns alle, dass wir guter Boden sind, damit unsere heutige Begegnung — und unsere Begegnung mit Jesus — reiche Frucht in unserem Leben bringt.“

Das Pilgernde Kreuz – Zeichen der Kontinuität
Am Ende der Heiligen Messe segnete Seine Exzellenz Josef Csaba Pál, Diözesanbischof von Temeswar, das Pilgernde Kreuz der drei Diözesen — ein zwei Meter hohes Holzkreuz, geschnitzt von einem Handwerker aus Tschanad und während des Treffens neben dem Altar aufgestellt. Dieses Kreuz, das die Symbole des Jubiläums Millennium Csanadiense 1030–2030 trägt, wird im pastoralen Jahr 2025–2026 bei verschiedenen Veranstaltungen in allen Pfarrgemeinden der Diözese Temeswar weitergereicht. Anschließend wird es jener Diözese übergeben, die das nächste interdözesane Jugendtreffen ausrichten wird. Dies wird die Diözese Szeged-Csanád in Ungarn sein, wo Diözesanbischof László Kiss-Rigó bereits eine herzliche Einladung an alle Jugendlichen ausgesprochen hat, an dem Treffen teilzunehmen, das im Jahr 2026 in Szeged stattfinden wird.

Die Hoffnung der Zukunft
Am Samstag, dem 20. September 2025, füllten sich die Bänke der Kirche in Tschanad mit jungen Menschen, die sich an diesem Tag entschieden hatten, an einer Premiere teilzunehmen — und mit Recht kann man dieses Ereignis auch als historisch bezeichnen, denn es war das erste Treffen dieser Art in der Geschichte der ehemaligen Diözese Tschanad.
Doch es ging nicht nur um bloße Anwesenheit: Alle 400 Jugendlichen legten Zeugnis von ihrem Glauben ab, sangen und beteten gemeinsam, durchquerten die Straßen von Tschanad, tanzten und spielten miteinander im Pfarrhof. Einige baten auf die Fürsprache des heiligen Gerhard und beteten kniend vor dem Altar; andere fanden Klarheit für Herzen im Sakrament der Versöhnung, im Kirchhof. Eine Gruppe von 25 Schülern des Römisch-Katholischen Theologischen Lyzeums Gerhardinum übernahm freiwillig Aufgaben: Sie halfen bei der Verteilung von Snacks, Mittagessen und Wasser, sorgten für Sauberkeit, verteilten Übersetzungskopfhörer und unterstützten die Arbeit des Diözesanmedienbüros .

Danksagung
Zum Abschluss sprach Pfarrer Zoltán Kocsik Worte des Dankes und der Anerkennung aus an die anwesenden Bischöfe und Priester für die Feier der Heiligen Messe und die Begleitung der Jugendlichen bei diesem Treffen, an Pfarrer Tamás Bene, Gastgeber der Veranstaltung und Pfarrer von Tschanad und Alt-Beba, an das Bürgermeisteramt der Gemeinde Tschanad sowie an die Mitglieder der Organisationsteams aus den drei Diözesen: – P. Elias Ohoiledwarin SVD, aus der Diözese Zrenjanin/Groß-Betschkerek, Pfr. Levente Serfőző,  vom Katechetischen Institut der Diözese Szeged-Csanád, die Herren Mihály Kónya und Gellért Gyuris, vom Jugendpastoralbüro in Szeged, zusammen mit Frau Gréta Losonczi; aus der Diözese Temeswar: Pfr. Daniel Dumitru, Schw. Erika Mária Bukovics, Schönstatt-Marienschwester und Referentin für Jugendpastoral, sowie Schw. Margareta Frâncu CJ –, den Mitgliedern der Musikband Jelenlét und des Chors Harmonia Christi – Herrn Béla Kercsó, Kantor in Tschanad, der die Arbeit des Organisationsteams unterstützte, sowie der serbisch-orthodoxen Pfarrgemeinde, die sich in der Nähe der Römisch-Katholischen Pfarrkirche befindet, für die Unterstützung bei der Internetverbindung.

In den Fußstapfen des Heiligen Gerhard und ihrer Vorfahren haben die Jugendlichen aus den drei Diözesen gezeigt, dass die Kirche durch Gemeinschaft, Glauben und gemeinsame Freude lebt, und Tschanad, der Ort, an dem 1030 die Geschichte der Ortskirche begann, ist wieder zu einem Ort der Begegnung, des Segens und der Mission geworden.

Pressestelle der Diözese Temeswar