Im Ungarischen Katholischen Lexikon sowie im Deutschen lesen wir über den Begriff „Schutzheiliger“ folgendes: „Schutzpatron, Patron, Patronin: ein von einem Volk, einer Diözese, einer Ortschaft oder einer amtlichen Person mit Zustimmung des Heiligen Stuhls als himmlischer Beschützer gewählter Heiliger. Bei Kirchen ist es der Titularheilige, zu dessen Ehren der Hauptaltar geweiht ist und unter dessen Schutz das betreffende Kloster oder die betreffende Siedlung oder Einrichtung gewöhnlich steht“. Und der Titel einer Kirche (lateinisch: titulus ecclesiae) ist „eine göttliche oder irdische Person (Heiliger), zu deren Ehren eine Kirche geweiht oder benannt ist. Neben dieser Person kann der Titel der Kirche auch das göttliche Geheimnis sein, das zu ihr gehört“.

„Item Paulus de Kakot solvit III. grossos“ – so lautet ein Eintrag in den päpstlichen Zehntregistern aus den Jahren 1332–1337 über die Pfarrei Kakot, die zum Erzdiakonat von Temeswar gehörte (De Archidyaconatu Timisiensi). Damals war ein Priester namens Paulus dort tätig, der mit drei Groschen zur Unterstützung der unterdrückten Christen im Heiligen Land beitrug. Jahrhunderte später sollte dieser mittelalterliche Ort zur Gemeinde Orzydorf / Orțișoara werden, die etwa auf halber Strecke zwischen Temeswar und Arad liegt. Auf Anfrage des Pressebüros teilte Pfarrer Piry Radulov, Seelsorger von Winga und Orzydorf mit, dass die Gemeinde, bestehend aus Gläubigen rumänischer, ungarischer und deutscher Muttersprache, in diesem Jahr das Patrozinium der Hl. Hubertus-Kirche am 9. November um 16:00 Uhr feiern wird. Beim Festgottesdienst singt der Männerchor Ad Patrem unter der Leitung von Herrn Denis Moldovan, Organist der Katharinenkirche in Temeswar I. Innere Stadt. Auf Einladung des Pfarrers wird P. Cristian Tiba OFMConv der Hauptzelebrant der Festmesse sein.

Ein Stück Geschichte
In seinem Werk „Magyarország vármegyéi és városai – Temes vármegye (1896–1914)“ (Die Komitate und Städte Ungarns – Komitat Temesch) schreibt der Historiker Samu Borovszky: „Orzydorf ist eine große Gemeinde entlang der Eisenbahnlinie Arad–Temeswar. Sie zählt 564 Häuser und 2161 Einwohner, mehrheitlich deutschsprachig und römisch-katholisch. Im Mittelalter befand sich an der Stelle des heutigen Orzydorf die Ortschaft Kakat (Kokoth), deren erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1318 stammt, als András, Sohn des Miklós aus Kokaachi, als benachbarter Grundbesitzer genannt wird. (…) Im Jahr 1487 besaßen Bischof János von Tschanad sowie Péter und Imre Dóczi Teile dieses Landes. (…) Auf der Karte von Graf Mercy aus den Jahren 1723–1725 erscheint der Ort unter dem Namen „Kokot“ als unbewohnt. (…) Während der dritten deutschen Ansiedlungswelle unter Kaiser Joseph II. ließ die Kaiserlische Administration mit Sitz in Temeswar 209 neue Häuser auf diesem Gut errichten und siedelte zwischen 1784 und 1786 rund 200 deutsche Familien aus Deutschland an, sowie 1785 auch deutsche Familien aus dem Inland. Das Dorf erhielt damals den Namen Orczyfalva/ heute Orțișoara, nach dem ehemaligen Komitatsvorsteher Graf József Orczy. (…) Die römisch-katholische Kirche wurde im Jahr 1809 erbaut. Im Ort gab es zwei Sparkassen, eine Bestattungsgenossenschaft, die Dampfmühle und das Elektrizitätswerk von János Ortmann sowie die Dampfmühle von Flórián Eipert und Partnern.“
Im Band 5 des Werkes „Das Banat und die Banater Schwaben – Städte und Dörfer” von Elke Hoffmann, Peter-Dietmar Leber und Walter Wolf heißt es über Orczydorf: „Rund ein drittel von Orzydorfer Ansiedler kam aus Lothringen, etwa ein viertel aus dem Banat, der Rest verteilt sich auf das Saarland (6%), Rheinland-Pfalz und Württemberg (5%), sowie Elsass, Bayern und Ungarn. Orzydorf war von Anfang an, eine selbstständige Pfarrei. Der erste Pfarrer trat noch im Ansiedlungsjahr seines Dienst an. Die Gottesdienste wurden anfangs im Schulhaus abgehalten. Erst im Jahre 1809 erhielt das Dorf auch ein Gotteshaus (Arhitekt Anton Schmidt). Schutzpatron is der hl. Hubertus (3. November). Das bekannteste Grab des Friedhofs ist jenes des Ansiedlers Fidel Teufel, welcher – wie uns das schlichte Sandsteinkreuz erzählt – aus Schwalldorf bei Rottenburg am Neckar gebürtig war und 1827 hier im Alter von 60 Jahren begraben wurde.“
Im Familienbuch der deutschen Gemeinde Orzydorf, herausgegeben von Gertrude Adam und Anton Peter Petri, heißt es: „Am 20. Juni 1785 wandte sich Ladislau Freiherr von Orczy, der damalige Präsident der Temescher Kameraladministration, an der Bischof der Tschanader Diözese Emmerich Christovich mit der Bitte um Seelsorger für sechs neue Dörfer, unter denen auch Orczydorf aufgezählt war. Diesem Wunsch wurde bald entsprochen, im September 1785 trat Pfarrer Adalbert Moehrle sein Amt in Orczydorf an. (…) Bischof Ladislaus Kőszeghy de Remete weihte das neue Gotteshaus ein, zu dessen Schutzpatron der HI. Hubertus gewählt wurde. Eine ausführliche Beschreibung unserer Kirche aus dem 19. Jh. enthält die lateinisch geschriebene „Visitatio canonica“ vom 28. Mai 1838. Bischof Josef Lonovics de Krivina führte die Visitation durch, Domherr Ignaz Fabry verfaßte den umfangreichen Bericht: Die Kirche ist aus solidem Material erbaut („ex solidis materialibus“) und hat einen Turm. Kirche und Turm sind mit Schindel gedeckt. (…) Das Kircheninnere ist gewölbt, das Sanktuarium ist auf Kosten der Gemeinde ausgemalt worden.“
In der hagiographischen Sammlung Acta Sanctorum, herausgegeben von Jesuiten — einem Werk, das das Leben der christlichen Heiligen in 67 Foliobänden auf über 60 000 Seiten behandelt — finden sich im Novemberband mehrere Legenden über den hl. Hubertus. In der Einleitung zum Kapitel über diesen Heiligen heißt es: „Über den hl. Hubertus, jenen berühmten Bischof von Maastricht oder Lüttich, dessen Schutz seit Jahrhunderten mit so großem Vertrauen und — wie die gemeinsame Überlieferung sagt — mit ebenso großem Erfolg gegen die schreckliche Krankheit, die gewöhnlich auf die Bisse tollwütiger Hunde folgt, von den katholischen Gläubigen Belgiens und der angrenzenden Regionen angerufen wird, sind viele Dinge durch die Erinnerung überliefert worden, doch nicht alle können mit gleicher Gewissheit angenommen werden.“ Im Novemberband der Acta Sanctorum heißt es im Kapitel über den hl. Hubertus: „Zunächst wird eine zeitgenössische Vita angeboten, ja sogar von einem Schüler oder engen Vertrauten des Heiligen verfasst, der mit ihm lebte, Zeuge seines Todes und seiner Beisetzung war und einige Jahre später der ersten Erhebung seines Leichnams beiwohnte. Ach, wäre er ebenso eifrig gewesen, alle weiteren Taten und Ereignisse zu sammeln und zu schildern, die das lange bischöfliche Wirken des seligen Mannes prägten, wie er es bei der Darstellung seiner Tugenden war! Dennoch sind uns aus diesem Werk wenigstens einige wesentliche Züge erhalten geblieben, auf die wir uns bei der Bestimmung der Epoche des hl. Hubertus und anderer Aspekte mit Zuversicht stützen können. Diese Vita war bislang nur aus einer anderen Version bekannt, die kurz nach dem Jahr 825 auf Wunsch des Bischofs Walcaudus von Lüttich von einem damals sehr renommierten kirchlichen Schriftsteller, Jonas von Orléans, verfasst wurde“ – es wird in den Acta Sanctorum erwähnt (Quelle: Acta Sanctorum)
Aus den Legenden sowie dem Ungarischen Katholischen Lexikon erfahren wir über den hl. Hubertus: „Der heilige Hubertus, Bischof von Lüttich († Tervueren, Flämische Region, 30. Mai 727), war ein Schüler des heiligen Bischofs Lambert und trat zwischen 703 oder 705 dessen Nachfolge im Bistum Maastricht an. In seinem Bistum bekehrte er die letzten Heiden. Am 24. Dezember 717 oder 718 überführte er die Reliquien des hl. Lambert von Maastricht nach Lüttich. In den letzten Monaten seines Lebens verletzte er sich bei einem Angelausflug; obwohl krank, machte er sich auf den Weg zur Weihe einer Kirche, starb jedoch unterwegs. Sein Leichnam wurde in der Kirche St. Peter in Lüttich beigesetzt. Im Jahr 743 wurde sein Körper bei der Öffnung des Grabes unversehrt vorgefunden. 825 wurden seine Reliquien in die Abtei von Andage (Ardennen) überführt, die bald nach ihm benannt wurde. Sein Kult verbreitete sich in Nordwesteuropa.“
Die Verehrung des heiligen Hubertus, Schutzpatron der Jäger und Forstarbeiter, wurde vermutlich durch deutsche und französische Siedler aus Rheinland-Pfalz in diese Gegend gebracht. Auf dem Hauptaltarbild der Kirche in Orzydorf ist der hl. Hubertus in bischöflichem Gewand dargestellt, mit dem Hirtenstab in der Hand. Links erscheint ein Hirsch mit einem leuchtenden Kreuz zwischen den Geweihstangen. Der Legende nach jagte Hubertus nach dem Tod seiner Frau in den Bergen, als er einem Hirsch begegnete, zwischen dessen Geweih ein schwebendes Kruzifix erschien. Dieses Erlebnis führte zu seiner Bekehrung, und er entschied sich für ein Leben als Einsiedler in den Bergen. Nachdem er zum Bischof ernannt wurde, verlegte er den Bischofssitz nach Lüttich, wo er mit dem Bau einer Kathedrale begann. Dieses Detail ist im rechten Hintergrund des Gemäldes zu erkennen, das von einem Künstler namens „Hemlein“ geschaffen wurde — über dessen Person jedoch keine weiteren Informationen bekannt sind.

Für den Glauben verurteilt
Mit der Pfarrei und Gemeinde von Orzydorf ist auch der Name eines Priesters und Dekans verbunden, der von den kommunistischen Behörden verhaftet wurde: Georg Bittenbinder. Im zweiten Band des Buches „Priesterschicksale im Schatten des Hakenkreuzes und des roten Sterns“ von Hetényi Varga Károly heißt es: „Pfarrer Georg Bittenbinder wurde am 20. April 1887 in Perjamosch geboren und starb am 15. Oktober 1969 in Orzydorf. Seine Gymnasialstudien begann er in Szeged, setzte sie in Temeswar fort, wo er auch die Theologie absolvierte. Am 29. Juni 1911 wurde er von Julius Glattfelder, Diözesanbischof von Tschanad, zum Priester geweiht. Er war Kaplan in Ostern, Gyorok und Türkisch-Betsche (heute in Serbien). 1916 wurde er nach Tschawosch zum Pfarradministrator ernannt. Von 1926 bis zu seinem Tod, 1969, war er Pfarrer in Orzydorf. In der Nacht vom 10. März 1951 verhaftete die rumänische kommunistische „Miliția“ alle Dekane der Diözese. Damals wurde Dechant Bittenbinder im Gefängnis von Aiud eingekerkert. Sein Name wurde von zwei Mitgefangenen erwähnt: dem Franziskanerpater Ernst Harnisch und dem Domherr Josef Nischbach. Letzter bemerkte, dass er zusammen mit Georg Bittenbinder auch im Gefängnis von Ocnele Mari inhaftiert war. Das Datum seiner Entlassung ist nicht genau bekannt, aber dies kann kaum vor 1953 stattgefunden haben, da seine Mitgefangenen in diesem Jahr noch mit ihm im Gefängnis waren. Später kehrte er nach Orzydorf zurück.“
Der Name von Pfarrer Georg Bittenbinder erscheint auch in den Registern der politisch inhaftierten Priester im Gefängnis von Aiud in den Jahren 1949–1952. Diese werden von Maria Angela Ureche in ihrem Werk „The Oppressive Justice System and Priests Imprisoned in the Penitentiary of Aiud (1949–1952)“ / „Das repressive Justizsystem und die im Gefängnis von Aiud inhaftierten Priester (1949–1952)“ zitiert (Seite 128, Quelle hier). Dort heißt es: „Das Register von 1952, Band II, umfasst 500 Akten, davon betreffen 24 katholische Priester, einer davon verstorben. Unter den Namen befinden sich: Dumitrescu Petre, Vasilescu Petre, Gheorghescu Vasile, Dunca Ioan, Boieriu Valeriu, Goydacsy Adalbert, Niyhacher Iosif, Schiovartz Iosif, Kronter Ioan, Saschaber Ioan, Elssner Iosif, Kisezer Martin, Bittenbinder Gheorghe, Kilian Iosif, Bittenbinder Matei, Wilyung Mihai, Fodor Iosif, Pelesz Iosif, Schutz Blazius, Kleitsch Iosif, Bacoțiu Augustin, Viman Aurel, Riti Emil, Guțiu Gheorghe.“ [die Schreibweise der Familiennamen entspricht den Securitate-Unterlagen]

Weitere Quellen und geistige Wegzehrung
Für weiterführende Informationen — über die in diesem Beitrag zitierten Werke und Artikel hinaus — steht eine Fülle von Büchern und Webseiten zur Verfügung. Zum Beispiel auf der offiziellen Seite des Internationalen Ordens des hl. Hubertus heißt es: „Im Jahr 1695 gründete der österreichisch-ungarische Graf Franz Anton Sporck den Orden des hl. Hubertus, um das Andenken des Heiligen zu ehren und verantwortungsvolle Jagd sowie den Schutz der Wildtiere zu fördern. Dieser Orden besteht bis heute unter dem Namen Internationaler Orden des hl. Hubertus. Sein Wahlspruch lautet: Deum Diligite Animalia Diligetes – Ehrt Gott, indem ihr seine Geschöpfe ehrt.“ Weitere lokale Informationen befinden sich auf der offiziellen Webseite der Gemeinde Orzydorf.
Unter dem Schutz des hl. Hubertus kann jeder Leser zum „Jäger“ werden — nicht nach Trophäen, sondern nach Wissen und Tradition. Und was könnte nach einer solchen „Jagd“ passender sein als ein Moment der Ruhe mit einem Glas Kräuterlikör St. Hubertus, zu Ehren des geistlichen Patrons all jener, die mit Leidenschaft, Mut und Ehrfurcht vor dem Glauben der Vorfahren auf der Suche sind.

Pressestelle der Diözese Temeswar