„Heute, am zweiten Adventssonntag, stellt sie uns die strenge Gestalt des Vorläufers vor Augen, die der Evangelist Matthäus so einführt: »In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe« (Mt 3,1–2). Seine Sendung bestand darin, dem Messias den Weg zu bereiten und zu ebnen, indem der das Volk Israel dazu aufrief, seine Sünden zu bereuen und alles Unrecht zu beseitigen. Mit herausfordernden Worten kündigte Johannes der Täufer das bevorstehende Gericht an: »Jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen« (Mt 3,10). Er warnte vor allem vor der Heuchelei dessen, der sich in Sicherheit wägt, allein aufgrund der Tatsache, daß er zum auserwählten Volk gehört: Vor Gott, so sagte er, hat keiner Ansprüche geltend zu machen, sondern muß »Frucht hervor(bringen), die (seine) Umkehr zeigt« (Mt 3,8).

Während der Weg des Advents vorangeht, während wir uns auf die Feier der Geburt Christi vorbereiten, erklingt in unseren Gemeinden dieser Aufruf Johannes’ des Täufers zur Umkehr. Es ist dies eine drängende Aufforderung, das Herz zu öffnen und den Sohn Gottes aufzunehmen, der mitten unter uns kommt, um das göttliche Gericht zu offenbaren. (…) Der himmlische Vater, der uns in der Geburt seines eingeborenen Sohnes seine barmherzige Liebe offenbart hat, ruft uns auf, dessen Spuren zu folgen und wie er aus unserem Dasein ein Geschenk der Liebe zu machen.

Durch das Evangelium spricht Johannes der Täufer Jahrhunderte hindurch zu jeder Generation. Seine deutlichen und harten Worte erweisen sich mehr denn je als heilsam für uns, die Männer und Frauen unserer Zeit, in der leider auch die Art, das Weihnachtsfest zu leben und zu erfahren, sehr oft von einer materialistischen Mentalität beeinträchtigt ist. Die »Stimme« des großen Propheten fordert uns auf, dem Herrn, der kommt, den Weg zu bereiten, in den Wüsten von heute, in den äußeren und inneren Wüsten, die nach dem lebendigen Wasser dürsten, das Christus ist. Die Jungfrau Maria führe uns zu einer wahren Umkehr der Herzen, auf daß wir die notwendigen Entscheidungen treffen können, um unsere Denkweisen mit dem Evangelium in Einklang zu bringen.“ (Papst Benedikt XVI., Angelus, II. Adventssonntag, 9. Dezember 2007)