Über den Diener Gottes Áron Márton, Bischof von Siebenbürgen, wurde bereits viel geschrieben: Historiker, Archivare, Theologen und Zeitzeugen haben die Ereignisse seines Lebens in Büchern, Studien und Dokumentenbänden festgehalten. Der Reichtum und die Vielfalt dieser Literatur zeigen schon für sich, welch außergewöhnliche Gestalt er für Siebenbürgen im 20. Jahrhundert und für die katholische Kirche in unserem Lande war. Und doch gibt es Erinnerungen, die nirgendwo sonst zu finden sind als im Herzen jener Menschen, die ihm persönlich begegneten.
Diese Interviewreihe, die im Rahmen des Áron‑Márton‑Jahres (am 18. Februar dieses Jahres von der Abgeordnetenkammer durch ein Gesetz verabschiedet, das zuvor den Senat passiert hatte, wodurch das Jahr 2026 zum „Bischof-Márton-Áron-Jahr“ erklärt wurde, um den 130. Jahrestag der Geburt des Bischofs zu begehen), entstanden ist, möchte keine neuen historischen Daten hinzufügen und kein weiteres Kapitel zu den bestehenden Monografien bieten. Vielmehr will sie jenes persönliche Erbe bewahren, das nur das menschliche Gedächtnis bewahren kann: die Wärme eines Händedrucks, den ermutigenden Blick, das Gewicht eines Wortes oder Satzes, die prägende Kraft einer Begegnung.
Jede Erinnerung ist einzigartig – und gerade deshalb bergen diese Interviews besondere Schätze. Nicht, weil sie neue Informationen liefern, sondern weil sie zeigen, wie Áron Mártons Gestalt in denen weiterlebt, die ihn aus der Nähe erlebten. Wie er auf sie wirkte, was sie von ihm lernten, was für ein Mensch er für sie war. Und wie sie ihn heute, Jahrzehnte später, mit Respekt, Dankbarkeit und Zuneigung im Gedächtnis bewahren.
Jede einzelne Erinnerung ist ein einmaliges Zeugnis, ohne das unser gemeinsames Gedächtnis ärmer wäre.
Interview mit Martin Roos, emeritiertem Bischof von Temeswar
Seine Exzellenz Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar, wurde am 17. Oktober 1942 in Knees/Satchinez, Kreis Temesch, geboren. Er begann sein Theologiestudium 1961 am Römisch-Katholischen Theologischen Institut in Alba Iulia / Karlsburg, wo er zuvor die Kantorenschule absolviert hatte. Von 1962 bis 1969 studierte er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule zu Königstein im Taunus, Deutschland. Am 3. Juli 1971 wurde er von Bischof Dr. h. c. Carl Joseph Leiprecht zum Priester für die Diözese Rottenburg-Stuttgart geweiht. Nach den Ereignissen von Dezember 1989 kehrte er mit Erlaubnis des Bischofs von Rottenburg-Stuttgart, damals Dr. Walter Kasper, in die Diözese Temeswar zurück. Am 20. Juli 1990 ernannte ihn Bischof Sebastian Kräuter, der damalige Diözesanbischof von Temeswar, zum Direktor der Bischöflichen Kanzlei. Am 28. August 1999 wurde der Priester Martin Roos zum Bischof von Temeswar geweiht. Am Freitag, den 4. Februar 2011, verlieh ihm die Theologische Fakultät zu Fulda (Hessen) die Ehrendoktorwürde im Fachbereich Katholische Theologie.
– Hochwürdigster Herr Bischof, was sind Ihre ersten Erinnerungen an Bischof Áron Márton?
– Ich begegnete ihm zum ersten Mal, als ich nach dem Abschluss der Kantorenschule die Aufnahmeprüfung für das Theologiestudium in Karlsburg ablegte. Bis dahin hatte ich ihn nur in der St. Michaels-Kathedrale gesehen. Doch 1961, als wir uns für das Theologiestudium bewarben, erlebten wir ihn persönlich. Wir trafen den Bischof im Garten, denn seit dem Frühjahr 1957 war er erneut seiner Freiheit beraubt. So stand er unter Hausarrest und durfte das Gelände der Bischofsresidenz nicht verlassen; daher konnte er uns weder im Seminar noch in der Kantorenschule aufsuchen. Er konnte nur unterrichten, indem die Theologiestudenten zu ihm in den altehrwürdigen Bischofspalast kamen. So traten wir Bewerber als Kurs im bischöflichen Garten zur Aufnahmeprüfung an.
– Hat er auch Sie unterrichtet?
– Uns, den Studenten des ersten Semesters, nicht. Das zweite Mal sah ich Bischof Márton, als ich mich von ihm und vom Seminar verabschiedete. Nach dem Zweiten Weltkrieg war mein Vater in Kriegsgefangenschaft geraten und schließlich nach Kanada ausgewandert. Meine Mutter und ich beantragten mehrfach die Ausreisegenehmigung bevor wir diese im Oktober erhielten. Also nahm ich Abschied vom Bischof in seinem Arbeitszimmer.
– Wie reagierte er auf diese Nachricht?
– Er versicherte mir sein Gebet, schenkte mir ein Andachtsbildchen und entließ mich mit dem Wunsch, weiterhin von mir zu hören, ich solle ihm schreiben. Und ich schrieb ihm zu Weihnachten, zu Ostern. Ich schrieb ihm auch, als ich – inzwischen in Deutschland, wo ich mein Theologiestudium fortsetzte – zur Priesterweihe zugelassen wurde. „Mein lieber Sohn!“, antwortete er am 28. Juni 1971 – „Dein Brief vom 18. Juni hat mir doppelte Freude bereitet. Zuerst, weil du dich wieder gemeldet hast. Dann, weil du am 3. Juli das Sakrament der Priesterweihe empfängst und am 11. Juli deine Primiz in der Heimat deiner Eltern feiern wirst. An beiden Festtagen werden wir im Geist bei dir sein und für dich beten. Wir bitten den Heiligen Geist, dir beizustehen, damit du in der treuen Dienstbereitschaft Christi, des ewigen Hohenpriesters, viele unsterbliche Seelen zu ihm führen oder bei ihm bewahren kannst. Wir wünschen dir ein langes und segensreiches priesterliches Wirken und senden dir unsere herzlichen Grüße.“ Unterzeichnet: Áron Márton.

In einem weiteren Brief vom 10. März 1972, der auf Deutsch verfasst war, erhielt ich ebenfalls Hinweise von Bischof Áron Márton:
Lieber Martin!
Deine lieben Zeilen von 19. Februar habe ich erhalten und danke für Deine Aufmerksamkeit und für Deine Mühe. Ja, es ist so: wir freuen uns, so oft wir einen lieben Brief erhalten, dann aber zerbrechen wir oft unseren Kopf, wie wir darauf eine würdige Antwort schreiben sollen.
Mach Dich keine Vorwürfe, dass Du die ungarische Sprache nicht mehr so sprichst, wie Du sie bei uns gelernt hast. Eins aber kann ich aus Deinem Brief mit Freuden feststellen: dass der göttliche Same, den Deine ehemaligen Professoren in Deine Seele gelegt haben, auf einen guten Boden gefallen sind. Wenn Du ihnen dafür dankbar bist, ist schön; vergiss nicht sie in Deine Gebete einzuschließen, so oft Du für Deine Wohltäter betest. Einige von ihnen sind schon in der Ewigkeit.
Es freut mich zu wissen, dass Du Deine Arbeit im Weingarten des Herrn begonnen hast, und zwar unter der Führung eines guten Pfarrers. Du opferst viele Stunden auch für die christliche Erziehung der Jugend auf. Diese Arbeit verlangt viele Mühe und Geduld, sie bereitet aber auch sehr viel Freude. Ich möchte Dich bei der Erziehung der Jungen auf die Worte des hl. Paulus aufmerksam machen: „Ermahne die jüngeren Männer zu edlem Mass in allen Dingen. Du selbst zeige Dich als Vorbild in der Verwirklichung des Guten, durch Lauterkeit in der Lehre, würdigen Ernst und gediegene, unwiderlegliche Redeweise… Handle in Rede, Zuspruch und Beweisführung mit ganzer Entschiedenheit: niemand soll geringschätzig von dir denken können.“ (An Titus Kap. 2.)
Ich danke Dir nochmals für Deinen Bericht, so wie auch für die beigelegten schönen Bilder und wünsche zu Deiner pastoralen Arbeit Gottes reichsten Segen.
Alba Iulia, den 10. März 1972
A. Márton, Bischof
Die war die erste handgeschriebene Karte, die ich von ihm erhielt – am 25. März 1964 –, mit einer Darstellung des Karlsburger Doms und einem Ostergruß. Und wann immer ich später als Theologiestudent oder als Priester nach Hause kam, besuchte ich ihn. Er lud mich zum Mittagessen ein, und wir sprachen über meinen Werdegang und meine Arbeit. Er war immer sehr interessiert.
– Was hat Sie an Bischof Áron Márton besonders beeindruckt?
– Zum Beispiel, wie er mich und jene, die er kannte, auf unserem Lebensweg begleitet hat. Das war eine große Ermutigung. Ich bin sehr dankbar für diese Begegnungen. Es gibt auch eine persönliche Begebenheit, die seine Aufmerksamkeit auf mich zufällig gelenkt hat. Als er 1971 zur Firmung nach Simeria (Fischdorf / Pischky) im Kreis Hunedoara/Eisenmarkt kam, begegnete er beim Mittagmahl meinem Großonkel gleichen namens – Martin Roos -, der als Maschienenbauingenieur in Pisky lebte. Bischof Aaron erinnerte sich sofort meiner und erzählte meinem Großonkel von mir voll des Lobes, von den alten Onkel, Bruder meines väterlichen Großvaters, überaus gefreut hat. So hat Bischof Márton uns stets im Auge behalten. An seiner Beerdigung konnte ich leider nicht teilnehmen. Damals konnte man nur mit Visum ins Land einreisen, und ich erfuhr auch nicht rechtzeitig von seinem Tod.
– Wir danken Ihnen für das Gespräch.
Pressestelle der Diözese Temeswar










