Die Feier der hl. Joachim und Anna, der Eltern der Heiligen Jungfrau Maria, trug auch in diesem Jahr in der Diözese Temeswar eine doppelte Bedeutung: Sie war der traditionelle Wallfahrtstag der Gläubigen aus den Temeswarer Pfarreien zum Marienwallfahrtsort Radna, zugleich aber auch das Treffen der älteren Menschen anlässlich des Welttags der Großeltern und Senioren, der im Jahr 2021 von Papst Franziskus seligen Angedenkens eingeführt wurde.
So boten am 25. Juli, dem letzten Samstag des Monats, die Basilika und das Kloster Maria Radna bereits zum sechsten Mal den Rahmen für dieses gemeinsame Fest.
Die Heilige Messe wurde von Msgr. Johann Dirschl, Generalvikar, zelebriert. Es konzelebrierten: Pfr. Zsolt Szilvágyi, Pastoralvikar, Pfr. Adalbert Jäger, Dechant und Pfarrer von Temeswar VI.–Fratelia, Pfr. Marin Matieș, Dechant und Pfarrer von Karansebesch, Pfr. Piry Radulov, Pfarrer von Winga, Pfr. Francisc Lisi, Pfarradministrator von Lugosch und Pfr. Ovidiu Virag, Kaplan der Pfarrei Lugosch. Die musikalische Umrahmung wurde von Frau Andreea Bodroghi, Organistin und Kantorin der Basilika, gestaltet.
Das Tagesevangelium aus dem Heiligen Matthäus (Kapitel 13) – die Gleichnisse vom Schatz, von der Perle und vom Fischnetz – wurde von Pfr. Piry Radulov verkündet.
In der auf Rumänisch gehaltenen Predigt sagte Pfr.Francisc Lisi: „Jedes Mal, wenn ich mich hier mit den Gläubigen treffe, vor oder nach der Heiligen Messe, und sie frage: ‚Wie geht es euch?‘, ist die Antwort fast immer dieselbe: ‚Es geht mir gut, Herr Pfarrer, weil ich hier bin.‘ Liebe Gläubige, liebe Großeltern, der Himmel, nach dem wir uns sehnen, beginnt genau hier, mitten unter uns. Ihr seid unsere Perlen, denn durch eure Weisheit und Lebenserfahrung könnt ihr uns so vieles lehren. Heute ist jeder von uns mit einem Wunsch von zu Hause aufgebrochen. Auf dem Weg, während wir den Heiligen Rosenkranz gebetet haben, fragten wir uns: ‚Für wen beten wir?‘ Für die Großeltern. Aber für wen beten die Großeltern? Für die Enkel. So sind wir also mit einem einzigen Ziel von zu Hause aufgebrochen: füreinander zu beten.“
Pfr Marin Matieș begann seine auf Deutsch gehaltene Predigt mit einer an die Anwesenden gerichteten Frage: „Liebe Gläubige, hattet ihr jemals das Gefühl, unsichtbar zu sein? Dass ihr ruft und niemand euch hört? Dass ihr wartet und niemand zu euch kommt? In unserer modernen Welt, die sich so schnell bewegt, sehen sich immer mehr Menschen mit der Stille konfrontiert. Es sind unsere Großeltern, die ältere Generation in unseren Gemeinschaften. Gerade in dieser Stille ruft uns Gott heute – anlässlich des sechsten Welttags der Großeltern und Senioren – dazu auf, uns an Sein Versprechen zu erinnern: ‚Ich werde dich nicht vergessen.‘ Gottes Verheißung ist das Fundament der Hoffnung und Seine Antwort auf die Einsamkeit.“
Die ungarische Predigt wurde von Pfr. Zsolt Szilvágyi gehalten, der die Gläubigen auf die Botschaft aufmerksam machte, die der Heilige Vater Papst Leo XIV. in diesem Jahr zum Welttag der Großeltern und Senioren übermittelt hat: „Der Heilige Vater richtet in seiner Botschaft für diesen Tag einen weiteren Aufruf an uns: einander zu besuchen. Wir sollen Werkzeuge Gottes sein, der dem einsamen Menschen in Erinnerung ruft, dass er nicht vergessen ist. Das Evangelium spricht von einem Schatz. Was ist der größte Schatz des Lebens? Die Gesundheit? Sie ist vergänglich. Das Geld? Es ist vergänglich. Beziehungen, Freundschaften? Sie sind vergänglich. Was bleibt? Das Leben mit Gott. Der Glaube ist der größte Schatz.“
Nach dem Schlusssegen nahmen die rund 300 Pilger an der Kreuzwegandacht teil und gingen die Stationen in der Basilika, da wegen der Hitze und der Erschöpfung, viele ältere Personen den Hügel hinter der Kirche nicht hätten hinaufsteigen können. Die Gebete für diese Andacht wurden vom Büro für Familienpastoral vorbereitet, durch Sr. M. Böbe Tari, Referentin des Büros, gemeinsam mit der Gruppe für Seniorenpastoral, die von Frau Irina Varga koordiniert wird. Dasselbe Büro organisierte auch diese Pilgerfahrt.
Am Nachmittag nahmen die älteren Teilnehmer an dem Vortrag von Frau Emese Ferencz teil, Redakteurin‑Moderatorin und Leiterin des Studios Radio Maria Siebenbürgen in Klausenburg sowie Sozialkoordinatorin der Unitarischen Kirche Klausenburg–Innere Stadt. Die Referentin schloss ihre Betrachtung zum Welttag der Großeltern und Senioren mit einem Gebet ab: „Barmherziger und treuer Gott, wir danken Dir, dass kein einziger Tag unseres Lebens vor Dir verloren geht. Du kennst jede Etappe unseres Weges, unsere Freuden und Schmerzen, unsere gesprochenen Worte und unsere verborgenen Tränen. Du vergisst uns nicht einmal dann, wenn die Aufmerksamkeit der Menschen um uns herum nachlässt. Wir danken Dir für die älteren Menschen, die uns durch ihr Leben den Weg bereitet haben. Wir danken Dir für alles, was sie uns geschenkt haben: ihre Liebe, ihre Geduld, die Früchte ihrer Arbeit, ihren Glauben und ihre Gebete. Wir danken Dir auch für jene Opfer, die vielleicht niemand gesehen hat außer Dir. Herr, lehre uns, einander mit demselben Herzen anzuschauen, mit dem Du uns anschaust. Gib uns Zeit für jene, die darauf warten, dass jemand ihnen zuhört. Gib uns aufmerksame Ohren für die Geschichten, die vielleicht schon oft erzählt wurden, die aber immer Fragmente eines kostbaren Lebens in sich tragen. Bewahre uns davor, jene zu vergessen, die langsamer gehen, die stiller leben, deren Stimme in dieser Welt weniger gehört wird.“
Für diejenigen, die die ungarische Sprache nicht beherrschten, wurde der Vortrag mittels Kopfhörer von Frau Clara Balint ins Rumänische übersetzt.
Das Programm wurde mit Gesprächen in kleinen Gruppen fortgesetzt, ausgehend von drei Reflexionsfragen:
„Wann habe ich in meinem Leben gespürt, dass jemand mich nicht vergessen hat?“
„Was hat mich der Lauf der Zeit im Leben gelehrt?“
„Was bedeutet für mich heute der Satz: ‘Gott vergisst mich nicht’?“
Der Wallfahrtstag endete mit einer Eucharistischen Anbetung, die von Pfarrer Francisc Lisi geleitet wurde.
Pressestelle der Diözese Temeswar
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