Im Ungarischen Katholischen Lexikon, aber auch im ähnlichen deutschen Lexikon, findet man unter dem Begriff „Schutzheiliger“ folgende Definition: „Schutzheiliger, Patron, Patronin: ein Heiliger / eine Heilige, der bzw. die von einem Volk, einer Diözese, einem Ort oder einer juristischen Person mit Zustimmung des Heiligen Stuhls als himmlischer Schutzpatron gewählt wird. Bei Kirchen handelt es sich um den Titelheiligen, zu dessen Ehren der Hauptaltar geweiht ist und unter dessen Schutz sich gewöhnlich das betreffende Kloster oder die betreffende Einrichtung befindet.“ Der Titel einer Kirche (lateinisch titulus ecclesiae) bezeichnet „eine göttliche oder geschaffene Person (Heiliger), zu deren Ehren eine Kirche geweiht oder nach der sie benannt ist. Neben einer solchen Person kann der Titel einer Kirche auch ein ihr zugehöriges göttliches Geheimnis sein“.
Die Verehrung der heiligen Rosalia, deren Schutz von den Gläubigen in vergangenen Jahrhunderten während der Pest und anderer Epidemien angerufen wurde, fasste in der Barockzeit auch im Banat Fuß. Ihre Statue befindet sich auf der Dreifaltigkeitssäule (Pestsäule) am Domplatz in Temeswar, zusammen mit weiteren Schutz- und Pestheiligen (dem heiligen Karl Borromäus, dem heiligen Sebastian und dem heiligen Rochus). Im Hohen Dom zum Hl. Georg, der römisch-katholischen Kathedrale, erscheint die Gestalt der heiligen Rosalia auf dem Gemälde des ersten Seitenaltars auf der rechten Seite beim Eingang in die Kirche, ebenfalls zusammen mit den bereits erwähnten Heiligen.
Laut dem Schematismus von 1913 gab es auf dem Gebiet der Diözese Tschanad auch einige der heiligen Rosalia geweihte Kapellen, beispielsweise in Szeged, in Temeswar, die Anfangs zur Pfarrei Josefstadt, später Elisabethstadt, gehörte, sowie in Gertjanosch. Die einzige Kirche des Bistums, die sich unter dem Schutz der heiligen Rosalia befindet steht in Sekeschut; sie ist eine Filialkirche der Pfarrei Perjamosch, wo die Gemeinde am Sonntag, dem 6. September, das Kirchenpatrozinium feierte. Das Fest der heiligen Rosalia wird im römisch-katholischen Kalender am 4. September begangen.

„Die heilige Rosalia ist ein Beispiel für Einfachheit“
Auf Einladung von Diakon Mihai Kiss, dem Pfarrverweser der Pfarrei Perjamosch, wurde die Festmesse zum Kirchenpatrozinium um 17.00 Uhr von Pfarrer Adalbert Jäger, Domherr, Dechant und Pfarrer von Temeswar VI Fratelia, in der Kirche gefeiert, die laut der Inschrift über dem Eingang im Jahr 1840 erbaut wurde. Bei der heiligen Messe konzelebrierten P. Artur Prenkiewicz OFMConv, Pfarrer von Arad-Zentrum, P. Cristian Tiba OFMConv, Kaplan der Pfarrei Arad-Zentrum, Pfarrer Augustin Bărbuț aus Temeswar IX Marienheim, Pfarrer Attila Andó, aus Groß-Sanktnikolaus, sowie Pfarrer Martin Jäger, aus Pankota. Am Altar dienten die Diakone Mihai Kiss und Ladislaus Piklor. Für die musikalische Gestaltung der heiligen Messe sorgte der Chor „Fehér Tulipán“ (Weisse Tulpe) aus Petschka. Auch der Kinderchor der örtlichen Gemeinde sang im Gottesdienst.
Anlässlich des Patroziniums wurde während der heiligen Messe der neue Altartisch gesegnet. Gleichzeitig wurde die Innenausstattung der Kirche durch eine neue Kanzel und ein neues Prozessionskreuz bereichert.
In seinen einleitenden Worten begrüßte Pfarrer Adalbert Jäger die Mitglieder der Gemeinde sowie die Vertreter der örtlichen Behörden: Herrn Gheorghe Grad, Bürgermeister der Gemeinde Sekeschut, und Herrn Tamás Péró, Vizepräsident des Kreisrats Arad. Anschließend erinnerte Pfarrer Jäger auch an die der heiligen Rosalia geweihte Kapelle im Temeswarer Stadtteil Elisabethstadt, die im Jahr 1962 von der kommunistischen Machtherrschaft abgerissen wurde.
In seiner auf Ungarisch gehaltenen Homilie sagte P. Artur Prenkiewicz OFMConv: „Im 21. Jahrhundert zeigt das Beispiel der heiligen Rosalia dem Menschen von heute, wie wahre Werte geschätzt werden können, denn ihr Leben war von Selbstverleugnung und Liebe zu Christus geprägt. Im 21. Jahrhundert werden viele Menschen vom Wunsch nach schnellem Erfolg und Anerkennung angetrieben. Im Gegensatz dazu lehrt uns das Beispiel des Lebens der heiligen Rosalia, dass innerer und seelischer Frieden nicht aus dem entsteht, was wir besitzen, sondern oft aus Verzicht, Einfachheit und der Beziehung zu Gott. Wir könnten sagen, dass die heilige Rosalia ein Beispiel für Einfachheit, geistige Stärke und mutige Entscheidungen ist.“
In seiner auf Rumänisch gehaltenen Homilie sprach P. Cristian Tiba OFMConv. über das Leben der heiligen Rosalia und betonte: „Die Pest. Wenn wir dieses Wort hören, erschaudern wir, denn die Pest ist eine schreckliche Krankheit, und die Pandemie hat im 14. Jahrhundert Millionen von Menschen in Europa das Leben gekostet. Doch es gibt noch eine andere Pest, die Seelen tötet und auch heute noch ihr Unwesen treibt, nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt. Diese Pest zeigt sich in der heutigen Gesellschaft in verschiedenen Formen: Gleichgültigkeit gegenüber dem Willen Gottes, geistliche Lauheit, Verhärtung des Herzens, Entfernung von den heiligen Sakramenten, Egoismus, Neid, Verleumdung. Diese ‚Parasiten‘ führen zum Tod der Seele. Das stärkste Gegenmittel ist Gott selbst, der in der heiligen Eucharistie mitten unter uns ist.“
Am Ende der heiligen Messe dankte Diakon Mihai Kiss den Familien und Wohltätern für ihre Unterstützung und ihr Engagement bei der Organisation und Durchführung des Patronatsfestes. Die brüderliche Agape, zu der alle Anwesenden eingeladen waren, fand im Kulturheim von Sekeschut statt.

Angaben zur Kirche
Laut dem im Jahr 1900 herausgegebenen Schematismus der Diözese Tschanad (S. 158) heißt es: „In Székesút capella in honorem S. Rosaliae V. sumtibus Comitis Francisci Szapáry et e fundatione Joannis Nunkovits a. 1838–1840 aedificata, a. vero 1865 liberalitate Alexandri Bonnaz Episcopi condam Csanádiensis et Simeonis L(iber). B(aro). Sina restaurata.“ In der Übersetzung: „In Sekeschut (Székesút) wurde die zu Ehren der heiligen Rosalia, der Jungfrau, errichtete Kapelle in den Jahren 1838–1840 auf Kosten des Grafen Franz Szapáry und aus der Stiftung von Johann Nunkovits erbaut und im Jahr 1865 durch die großzügige Unterstützung des ehemaligen Bischofs von Tschanad, Alexander Bonnaz, und des Barons Simon Sina restauriert.“
In einem Inventar aus dem Jahr 1869, das sich im Diözesanarchiv des Bistums Temeswar befindet und die Ausstattung der Kirche von Sekeschut betrifft, verzeichnet der Pfarrer Franciscus Bilszky Folgendes: „IV. Supellectilis varia (Verschiedene Möbelstücke und bewegliche Güter): Crux processionalis lignea; Armarium in sacristia; Altare cum Imagine S. Rosaliae; Candelabra lignea 6, ex pakfong 2; Candelabra ex pakfong in sacristia; Crux lignea cum Crucifixo in ara; Cathedra lignea colorata et inaurata“. In der Übersetzung: „IV. Verschiedene Möbelstücke und bewegliche Güter: Prozessionskreuz aus Holz; Schrank in der Sakristei; Altar mit dem Bild der heiligen Rosalia; sechs Leuchter aus Holz, zwei aus Alpaka (=Neusilber); Leuchter aus Alpaka in der Sakristei; Holzkreuz mit Kruzifix auf dem Altar; bemalter und vergoldeter Holzstuhl (Kathedra).“
Aus diesem Inventar geht hervor, dass sich zu jener Zeit auf dem Hauptaltar ein Gemälde der heiligen Rosalia und keine Statue befand, wie es auch heute der Fall ist. Bei diesem Gemälde handelt es sich höchstwahrscheinlich um jenes, das heute an der linken Wand des Kirchenchors hängt.

Historische Daten
In seinem Werk mit dem Titel Magyarország geographiai szótára / Geographisches Wörterbuch Ungarns, das im Jahr 1851 in Budapest erschien, erwähnt der Autor Elek Fényes Folgendes: „Székesút, ein rumänischer Marktflecken im Komitat Temesch, liegt an der Landstraße, die Arad mit Torontal verbindet, in einer Entfernung von 2 1/2 Meilen. Der Ort zählt 150 deutsche Katholiken und 2359 rumänische Einwohner orthodoxen Glaubens, deren Frauen verschiedene Arten von Stoffen und Kleidermaterialien weben. Hier befinden sich eine alte, imposante orthodoxe Kirche mit einer schön gestalteten Innenausstattung, drei orthodoxe Priester sowie eine elegante katholische Kapelle, katholische und orthodoxe Schulen und ein gut geführtes Wirtshaus. (…) Nicht weit von der Stadt entfernt befinden sich die Brauerei und die Brennerei des Gutshofs. Im gesamten Gemeindegebiet sind die Weiden sehr ertragreich, und es wird reichlich Heu gewonnen. Die Bäche Galambos und Aranka durchfließen das Gebiet. Der Ort hält drei Jahrmärkte ab: am 27. Januar, 27. Juni und 4. September; außerdem findet jeden Donnerstag ein Wochenmarkt statt. Der derzeitige Besitzer des Gutshofs ist Baron György Szina.“
In einem anderen Buch mit dem Titel CODEX DIPLOMATICUS TRANSSYLVANIAE / ERDÉLYI OKMÁNYTÁR (Budapest, 2014), Band IV, der die Jahre 1360–1372 umfasst, wird unter der Nummer 523 ein Dokument vom 25. August 1366 zitiert, in dem König Ludwig I. von Ungarn die Urkunde des siebenbürgischen Kapitels vom 19. Mai 1359 abschreibt, in der der Ortsname Secusigiu in der Form „Zekulzegh“ erscheint: „Am 25. August 1366 (VIII. Kalendas Septembris, im 25. Jahr) schreibt König Ludwig I. – auf Bitte von Péter, dem Sohn von Mihály aus Jara, Magister und Vizewoiwoden von Siebenbürgen – die Urkunde des siebenbürgischen Kapitels vom 19. Mai 1359 (CDTrans III, Nr. 1073) in privilegierter Form ab und erteilt zugleich seine Zustimmung zu deren Inhalt. Die Urkunde betrifft den Tausch der Besitzungen Legen (Komitat Klausenburg) und Toty (Komitat Bihar) sowie zweier Mühlen am Fluss Moros, im Grenzgebiet des Ortes Zekulzegh. Die Urkunde wurde von Miklós (Nikolaus), Erzbischof von Esztergom (Strigoniensis / Gran), Erbgraf und königlichem Kanzler, ausgestellt.“

Eine junge Frau adeliger Herkunft wird zur Schutzheiligen
Über das Leben der heiligen Rosalia finden wir im Ökumenischen Heiligenlexikon folgende Angaben: „Geboren: um 1130 in Palermo, Italien. Verstorben: am 4. September 1170 (?) auf dem Monte Pellegrino bei Palermo, auf Sizilien, in Italien. Rosalia soll, einer spät entstandenen Überlieferung zufolge, die Tochter des Grafen Sinibald, des Herren der Besitzungen Quisquina und Monte delle Rose, gewesen sein. Ihre Jugend verbrachte sie am Hof des sizilianischen Königs Roger II. im Normannenpalast als Hofdame von Beatrix von Rethel. Der Legende zufolge rettete eines Tages ein Mann namens Baldwin den König vor einem Tiger, der ihn angegriffen hatte, und der König versprach ihm zum Dank die Hand Rosalies. Am Vorabend der Hochzeit jedoch sah Rosalia im Spiegel das Antlitz Jesu Christi, erinnerte sich an den Glauben, den sie bereits seit ihrer Kindheit gelebt hatte, und verließ deshalb im Alter von 15 Jahren den Palast und ihr Elternhaus, um der Heirat zu entgehen. Sie wurde Nonne im Basilianerinnenkloster Santissimo Salvatore in Palermo, das nach der Rückeroberung der Stadt von den Muslimen im Jahr 1072 gegründet worden war. Da ihre Eltern und ihr Verlobter unablässig versuchten, sie nach Hause zurückzubringen, zog sich Rosalia der Überlieferung zufolge um das Jahr 1150 als Einsiedlerin in eine Höhle bei Santo Stefano Quisquina am Monte delle Rose zurück, dem Berg, der heute ihren Namen trägt, in der Nähe von Bivona. Von 1162 bis zu ihrem Tod lebte sie in einer Grotte auf dem Monte Pellegrino bei Palermo. Wahrscheinlicher ist, dass Rosalia sich zurückzog, weil sie gezwungen war, vom königlichen Hof zu fliehen, nachdem König Wilhelm I. von Sizilien im Jahr 1156 einen Aufstand des normannischen Adels mit harten Maßnahmen niedergeschlagen hatte: Unter diesen Umständen wurde ihr Vater wegen Verschwörung hingerichtet und die Familie ihres Besitzes beraubt.
Die ersten Anzeichen der Verehrung Rosalies finden sich im 12. Jahrhundert in Kalabrien.
Rosalia wurde im Jahr 1630 von Papst Urban VIII. in das Martyrologium Romanum aufgenommen. Sie ist die Patronin der Städte Palermo, Santo Stefano Quisquina und Bivona sowie der gesamten Insel Sizilien. Sie wird gegen die Pest angerufen.“
Das Beispiel der heiligen Rosalia ist auch heute noch aktuell: Die Einfachheit des Lebens, der Mut, sich für Christus zu entscheiden, und das Vertrauen auf Gott können dem modernen Menschen Orientierung geben. Unter dem Schutz ihrer heiligen Patronin ist die Gemeinschaft von Secusigiu dazu berufen, dieses Glaubenszeugnis zu bewahren und weiterzugeben.

Pressestelle der Diözese Temeswar