Die katholische Kirche in der Europäischen Union
Erklärung
24. 04. 2026

Erklärung der Frühjahrsvollversammlung 2026 der COMECE vor dem Hintergrund der besorgniserregenden Lage im Nahen Osten und darüber hinaus

Versammelt in Zypern zu unserer Frühjahrsvollversammlung wenden wir, die Delegierten der Bischofskonferenzen der Europäischen Union, uns im Gebet an den Herrn und stehen in Solidarität mit all jenen, die unter verheerender Gewalt, Instabilität und Ungerechtigkeit im Heiligen Land, im Libanon, im Iran und im gesamten Nahen Osten leiden. Insbesondere gedenken wir der christlichen Gemeinschaften, deren Präsenz in diesen Ländern, in denen unser Glaube seine Wurzeln hat, ein kraftvolles Zeugnis für Ausdauer, Widerstandsfähigkeit und Hoffnung bleibt. In besonderer Weise sind in unseren Gedanken und Herzen die Ukraine, der Sudan sowie andere Teile der Welt, die unter dem Übel des Krieges und der Gewalt leiden. Wir sind zutiefst betrübt über diese Tragödien, die den Verlust unzähliger Menschenleben, weitreichende Zerstörung und humanitäre Krisen zur Folge haben, von denen so viele Familien betroffen sind. Mit tiefer Sorge angesichts der wachsenden globalen Instabilität und der gewalttätigen Konflikte, die unsere Nachbarschaft sowie andere Teile der Welt heimsuchen, erinnern wir uns der jüngsten Worte von Papst Leo XIV.: „Lassen wir unser Herz von seiner unermesslichen Liebe zu uns verwandeln! Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden! Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog! Nicht mit dem Willen, den anderen zu beherrschen, sondern ihm zu begegnen! “ In Unterstützung der unermüdlichen Appelle des Papstes an die Staats- und Regierungschefs der Welt, den Weg des Friedens einzuschlagen, bekunden wir unsere uneingeschränkte Solidarität und Verbundenheit mit dem Heiligen Vater, dessen geistliche und moralische Autorität nicht von der Logik politischer Konfrontation geleitet wird, sondern von der Treue zum Evangelium und einem mutigen Zeugnis für die Wahrheit. In Zypern, einem Land, das durch sein reiches kulturelles und religiöses Erbe geprägt ist, aber auch durch eine Geschichte, die weiterhin die Wunden der Spaltung trägt, werden wir an die Bedeutung nachhaltiger Bemühungen um Vertrauensbildung und Versöhnung erinnert. Wir waren tief bewegt vom Zeugnis der maronitischen Gemeinschaften im nördlichen Teil der Insel, deren fortdauernde Präsenz wichtig ist, um den Dialog zu fördern und zu einer Kultur der Begegnung beizutragen. Die Europäische Union, die als Friedensprojekt ins Leben gerufen wurde, trägt eine besondere Verantwortung, als glaubwürdige Kraft für den Frieden und als aktiver Förderer von Stabilität und Dialog in der gesamten Nahostregion zu agieren und gleichzeitig im Rahmen eines umfassenden Friedensprozesses einen Beitrag zu leisten zur maritimen Sicherheit und der Sicherheit der Energieversorgung, sowie zu den Bemühungen um die Nichtverbreitung von Kernwaffen. In diesem Sinne fordern wir die EU und ihre Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, weiterhin geeint und entschlossen zu handeln: Sie müssen ihr diplomatisches, politisches und humanitäres Engagement verstärken, damit die Menschenwürde geschützt, das Völkerrecht gewahrt und inklusive Friedensinitiativen unterstützen werden. Ferner sollten sie sicherstellen, dass die Stimmen aller, einschließlich der Religionsgemeinschaften, gehört und ihre Rechte geachtet werden. Gleichzeitig ist die Union aufgerufen, Solidarität mit den von der regionalen Instabilität betroffenen Mitgliedstaaten zu üben und angemessen auf die Auswirkungen dieser Konflikte innerhalb der europäischen Gesellschaften zu reagieren. Dies ist wesentlich im Hinblick auf die Förderung des sozialen Zusammenhalts und die Bewältigung der gestiegenen Lebenshaltungskosten. Als Jünger Christi fühlen wir uns in dieser Osterzeit, in der der Sieg des Lebens über den Tod und der Hoffnung über die Verzweiflung gefeiert wird, besonders ermutigt, unser Engagement als Baumeister des Friedens und der Versöhnung zu erneuern. Möge das Licht des auferstandenen Herrn diese gemeinsame Anstrengung stärken, damit auch in den dunkelsten Momenten Gewalt und Ungerechtigkeit nicht das letzte Wort haben, sondern ein Weg zu einem gerechten und dauerhaften Frieden gesucht und beschritten wird. Unterzeichnet von den Bischöfen, die von den Bischofskonferenzen der Europäischen Union entsandt wurden und zur Frühjahrsvollversammlung der COMECE (Nikosia, 24. April 2026) zusammengekommen sind.

Quelle: www.comece.eu

Foto: Ada Lushi/COMECE