Am 11. November feiert die römisch-katholische Kirche den hl. Martin, Bischof von Tours. Aus diesem Anlass organisieren viele Pfarreien der Diözese Temeswar in Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen ein geistliches Programm für Kinder und Schüler sowie einen Laternenumzug. Solche Veranstaltungen fanden und finden auch in diesem Jahr beispielsweise in Temeswar statt, in der Domkirche zum hl. Georg, der römisch-katholischen Kathedrale, sowie in der Pfarrei Temeswar I. Innenstadt in Zusammenarbeit mit dem Nikolaus-Lenau-Kindergarten und dem Nikolaus-Lenau-Lyzeum, im Römisch-Katholischen Theologischen Lyzeum Gerhardinum, in der Pfarrei Temeswar VI. Fratelia für die Kinder der Pfarrgemeinde zusammen mit den Kindern des Kindergartens von der Herculane-Straße, in der Pfarrei Anina und Steierdorf in Zusammenarbeit mit der örtlichen Schule, in der Kirche von Arad-Schega zusammen mit den Schülern der Aurel-Vlaicu-Schule, in der Kirche von Petschka für die Kinder dieser Gemeinde, im Kindergarten der Notre-Dame-Schwestern in Temeswar IV. Josefstadt, im Gemeinschaftshaus der Schönstatt-Schwestern in Temeswar (Raaben-Gasse), in Sanktanna zusammen mit den Kindern der Pfarrgemeinde und den Schülern der örtlichen Schule – deutsche Abteilung, in Eibenthal zusammen mit den Kindern dieser tschechischsprachigen Gemeinde sowie in Groß-Sankt-Nikolaus in Zusammenarbeit mit der deutschen Abteilung der Allgemeinen Schule Nr. 2 und dem deutschen Kindergarten, in Karansebesch in Zusammenarbeit mit den Franziskanerinnen usw.

Treffen der Jugendlichen des Erzdekanats Temesch
Anlässlich dieses Festes organisierte das Diözesanjugendzentrum der Römisch‑Katholischen Diözese Temeswar in Zusammenarbeit mit der Römisch‑Katholischen Pfarrei Tschakowa am 11. November um 17.00 Uhr das Treffen der Jugendlichen des Erzdekanats Temesch.
Die Teilnehmer – Kinder und Eltern – wurden in der römisch‑katholischen Pfarrkirche von Tschakowa von Pfarrer Filip Dorin Gyula, dem Seelsorger dieser Gemeinde, empfangen. Das Symbol des diesjährigen Festes war die Gans, wohlbekannt aus der Legende des hl. Martin. Das Programm in der Kirche umfasste Lieder, Gebete und den abschließenden Segen erteilt von Msgr. Georg Kóbor. Danach folgte die Prozession von der Kirche bis zum Hauptplatz – dem Burgplatz – im Rhythmus der Blasmusik aus Rekasch. Dort fand auch das traditionelle Lagerfeuer statt, und 100 Lampions wurden in den Himmel geschickt. Gleichzeitig wurden den Kindern und Jugendlichen Tee und Krapfen angeboten. Das Programm des diesjährigen Martinsfestes enthielt auch eine Premiere: den Wettbewerb „Gänsetreiben“. Zusammen mit dem Alexandru‑Mocioni‑Lyzeum in Tschakowa wurde außerdem ein Zeichenwettbewerb mit Preisen organisiert, für die schönste gezeichnete oder gemalte Gans. Partner waren: das Rathaus und der Stadtrat von Tschakowa, das Alexandru‑Mocioni‑Lyzeum,  die Römisch‑Katholische Pfarrei sowie mehrere lokale private Sponsoren.

Leben und Legende des hl. Martin
Nach dem Ökumenischen Heiligenlexikon sowie dem Werk Vita Sancti Martini, das um 395 von Sulpicius Severus verfasst wurde, wurde Martin „in Sabaria in Pannonien geboren, aber in Ticinum, das in Italien liegt, erzogen.“ „Martin war der Sohn eines heidnischen römischen Tribuns. Schon als Kind zog er mit seinen Eltern nach Pavia, wo sein Vater als Veteran ein Landgut erhalten hatte. Mit 15 Jahren musste er auf Wunsch des Vaters in den Soldatendienst bei einer römischen Reiterabteilung in Gallien eintreten. Im Alter von 18 Jahren wurde er von Hilarius, dem späteren Bischof (und Heiliger) von Poitiers, getauft. Zuvor geschah der Legende zufolge um 338, was Martin weltberühmt machte: Martin begegnete am Stadttor von Amiens als Soldat hoch zu Ross einem frierenden Bettler, ihm schenkte er die mit dem Schwert geteilte Hälfte seines Mantels 1; in der folgenden Nacht erschien ihm im Traum dann Christus mit dem Mantelstück bekleidet: er war es, der Martin als Bettler geprüft hatte. Martin verzichtete auf den Dienst als Soldat im Heer. „Bis heute habe ich dir gedient, Herr, jetzt will ich meinem Gott dienen und den Schwachen. Ich will nicht mehr länger kämpfen und töten. Hiermit gebe ich dir mein Schwert zurück. Wenn du meinst, ich sei ein Feigling, so will ich morgen ohne Waffen auf den Feind zugehen“ – berichtet Sulpicius Severus in der Vita Sancti Martini über Martins Absage an den Kaiser.
„Martin beeindruckte das Volk durch sein asketisches Leben, seine Fürsorge für die Nöte der Armen und seine Wundertaten. 371/372 wurde er auf Drängen des Volkes Bischof von Tours – die damalige, ab 590 Mauritius geweihte Kathedrale stand an der Stelle der heutigen Kathedrale“ – ist im Ökumenischen Heiligenlexikon zu lesen, wo auch Martins „Gänsegeschichte“ erwähnt wird: „Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten. Der volkstümliche Brauch der Martinsgans, die man vielerorts zum Martinsfest verzehrt, rührt wohl von dieser Geschichte her.“

Verschiedene Traditionen, die mit diesem Tag verbunden sind
Das Ökumenische Heiligenlexikon berichtet auch darüber, dass „am Martinstag das neue Wirtschaftsjahr des Bauern begann, an das Gesinde wurden die Löhne bezahlt, Pachtverträge wurden geschlossen, Steuern abgeführt, Knechte und Mägde konnten den Dienstherrn wechseln. In Gegenden, wo Weinbau betrieben wurde, war es üblich, am 11. November den Helfern bei der Weinlese vom Winzer eine Lesgans zu schenken. Mancherorts zogen die Kinder singend von Tür zu Tür, um Geschenke zu erbitten: Äpfel, Nüsse und Gebäck. Mitunter gab es auch Gans-Wettkämpfe in Form des Ganslreißens, Ganslschießens und Ganslschlagens. In manchen Gebieten entzündete man Martinifeuer; die heutigen Kinderlaternen zu Martini sind ein Relikt davon.“

Pressestelle der Diözese Temeswar