In diesem Jahr beherbergte der Hohe Dom zum Hl. Georg, die römisch-katholische Kathedrale von Temeswar, am Sonntag, dem 18. Januar, das traditionelle Eröffnungstreffen der Gebetsoktav für die Einheit der Christen. An der Feier nahmen die Leiter, Priester, Stellverträter und Gläubigen der verschiedenen Kirchen und Konfessionen der Stadt an der Bega teil. Bei der ökumenischen Feier um 17 Uhr waren Vertreter von acht Konfessionen und Religionen anwesend: Erzbischof Dr. Ioan Selejan, Metropolit des Banats, Seine Exzellenz Josef Csaba Pál, römisch-katholischer Bischof von Temeswar, Seine Exzellenz Ioan Călin Bot, griechisch-katholischer Bischof von Lugosch, seitens der Evangelischen Kirche A.B. Pfr. Walther Sinn, Pastor der Gemeinde in Semlak (Kreis Arad), seitens der Evangelisch-Lutherischen Kirche Pastor Zsombor Kovács, seitens der Reformiert-Kalvinischen Gemeinde Pastor Sándor Demeter, seitens der Pfingstlergemeinde Pastor Ticu Leontescu und seitens der Baptisten-Gemeinschaft Pastor Alexandru Neagoe.
Gemäß einer alten Temeswarer Tradition, die sich gleich nach 1990 entwickelt hat, sind jedes mal auch die Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde zum ökumenischen Gebet für die Einheit der Christen eingeladen. An dem Treffen nahm Rabbiner Zvika Kfir in Begleitung von Herrn Ervin Weinberger, dem Vorbeter der jüdischen Gemeinde, teil. Anwesend waren u.a. auch Msgr. Johann Dirschl, römisch-katholischer Generalvikar, Pfr. Răzvan Oprișa, griechisch-katholischer Dechant-Pfarrer von Temeswar, Pfr. Zaharia Pereș, rumänisch-orthodoxer Dechant-Pfarrer von Temeswar, Pfr. Dorin Gyula Filip, römisch-katholischer Dechant-Pfarrer von Temeswar und Detta, Laurențiu Grigore Timiș, Pastor der Christlichen Gemeinde „Hoffnung und Licht“, sowie Frau Anja Zougouari, Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar.
Zahlreiche Chöre verschiedener Konfessionen waren ebenfalls anwesend: der ökumenische Jugendchor „Harmonia Christi“, die Chöre der griechisch-katholischen, der jüdischen und der reformierten Gemeinde sowie der Chor der rumänisch-orthodoxen Theologischen Fakultät Temeswar, die den Gebetsabend mit Gesang begleiteten. Moderator des Abends war Domherr Nikola Lauš, Direktor des Bischöflichen Kanzlei.
In seiner einleitenden Ansprache begrüßte Bischof Josef Csaba Pál die Anwesenden und erklärte: „In diesem Jahr wurde die Gebetsoktav von der ökumenischen Gruppe der armenischen Christen vorbereitet, und die Texte dieser Oktav wurden vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf sowie vom Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen in Rom überarbeitet und abgeschlossen. Das Motto der Oktav stammt aus dem Brief des heiligen Apostels Paulus an die Epheser: «Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung.» (Eph 4,4). Nach einem kurzen Gebet wird nun ein Lied angestimmt und die vor dem Altar aufgestellte Kerze entzündet, als Symbol für Jesus Christus, Ihn, der die Mitte unseres Lebens ist. Die Einheit ist ein Geschenk Gottes. Wenn Er in unserem Herzen, in unseren Worten und in unseren Taten wohnt, dann vereint Er uns.“
Die erste Botschaft des Abends wurde von Metropolit Ioan Selejan, dem orthodoxen Erzbischof des Banats, übermittelt. Er lud die Anwesenden symbolisch zu einer Reise nach Ephesus ein, einer der großen Städte der Antike. „Der heilige Apostel Paulus verbrachte während seiner dritten Missionsreise in den Jahren 53–56 längere Zeit in dieser Stadt. Ephesus war eines der bedeutenden christlichen Zentren der Frühkirche. Im Jahr 63 n. Chr. befand sich der heilige Apostel Paulus in Rom im Gefängnis. Dort wurde ihm erlaubt, vier Briefe zu schreiben: an die Epheser, an die Kolosser, an die Philipper und an Philemon. Der Text, der hier gelesen wurde, entstand hinter Gittern, und man kann erkennen, welch große geistliche Kraft dieser Brief des heiligen Apostels Paulus besitzt. In den Ketten des Gefängnisses offenbarte Gott dem heiligen Apostel Paulus erneut die universale Idee des Heils, denn Jesus Christus ist für alle gekommen. Das, woran der heilige Apostel Paulus dachte, ermutigt auch uns, Vertrauen in das von Christus gebrachte Heil zu haben“, sagte der Metropolit.
Anschließend wurde laut Programm Seine Exzellenz Ioan Călin Bot, Bischof von Lugosch, ans Mikrofon eingeladen. „Mein Beitrag zu diesem Treffen geht von einer Frage aus: «In der Welt, in der wir leben, in der Gesellschaft, in der wir leben – was erleben wir, was finden wir allgemein vor?» Ich glaube, dass wir unter anderem viel Unsicherheit in unserer Zeit finden: politische Unsicherheit, Unsicherheit hinsichtlich der Beständigkeit von Beziehungen, Unsicherheit bezüglich der Ressourcen, die wir benötigen, Unsicherheit in Bezug auf grundlegende Werte, auf Frieden und Sicherheit. Es stellt sich die Frage: «Worauf können wir uns im Leben stützen, was bleibt beständig?» Wir können uns auf unsere Eltern verlassen, solange sie leben und gesund sind. Wir können uns auf wahre Freunde verlassen, auf unsere eigenen Kräfte, und selbstverständlich – wir, die wir hier sind – stützen wir uns auf Gott“, erklärte der Bischof von Lugosch.
Als Vertreter der Evangelischen Kirche A.B. sprach Pastor Walther Sinn auf Deutsch zu den Anwesenden und erinnerte sowohl an das Erste Ökumenische Konzil von Nicäa – dessen 1700. Jubiläum im Jahr 2025 gefeiert wurde – als auch an die große Zahl von Christen, die weltweit aufgrund ihres Glaubens verfolgt wurden und werden. „Die Einheit der Kirche bedeutet nicht Uniformität, sondern vielmehr die gegenseitige Anerkennung der Vielfalt in all ihrem Wert und Glanz“, betonte der evangelische Pfarrer und schloss seine Ansprache mit den Worten des vorbereitenden Textes der Gebetsoktav: „Unsere gemeinsame Hoffnung auf das Heil durch Jesus Christus ist der Grundstein dieser Einheit.“
Pastor Sándor Demeter von der Reformiert-Kalvinischen Gemeinde Temeswar–Innenstadt sprach auf Rumänisch und Ungarisch zu den Anwesenden: „Ich möchte mit einer Frage beginnen: Warum haben wir uns an diesem Sonntagnachmittag hier in der Kirche versammelt? Warum war es wichtig, zu kommen und gemeinsam vor Gott zu stehen? Die Antwort des Apostels Paulus ist einfach und doch herausfordernd: weil wir dazu berufen wurden! Der Apostel fordert uns auf, in einer Weise zu leben, die der Berufung würdig ist, die wir in Christus empfangen haben. Dies ist eine Berufung zur Gemeinschaft – zu einer Gemeinschaft, die auf Demut, Sanftmut, Geduld und Liebe gründet. Ohne diese gibt es keine Einheit, nur ein Nebeneinanderherleben. Paulus betont: Wir sollen uns bemühen, die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens zu bewahren. Achten wir auf seine Worte: Wir müssen die Einheit nicht schaffen – Christus hat sie bereits geschaffen. Unsere Aufgabe ist es, sie zu bewahren und zu leben.“
Rabbiner Zvika Kfir sprach auf Englisch zu den Anwesenden, und seine Worte wurden ins Rumänische übersetzt. Er benutzte ein Buch, um zu veranschaulichen, dass wir Menschen dieselbe Sache unterschiedlich wahrnehmen können, nur weil wir sie aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten: Wer von vorne schaut, sieht nur die weißen Seiten, während diejenigen, die von der Seite schauen, den schwarzen Einband sehen. „Aber haben wir tatsächlich einen Widerspruch? Nein. Wir alle sehen denselben Gegenstand, doch wir brauchen einander, um unser Verständnis davon zu vervollständigen. Sicherlich ist es viel einfacher, einander zu widersprechen. Aber wenn wir klug sind, arbeiten wir zusammen und erkennen, was dieser Gegenstand in Wirklichkeit ist. Dies ist nur ein Beispiel für Zusammenarbeit“, erklärte der Rabbiner.
Seitens der Pfingstlergemeinde erinnerte Pastor Ticu Leontescu, Dichter und Schriftsteller, an den Seniorpastor Constantin Leontiuc, der im September 2025 gestorben ist und von dem er – wie er sagte – sehr viel gelernt hat. Der Pastor schloss seine Ansprache mit einem Gedicht: „Was ist Liebe? Ein Fels. Ewig, unerschütterlich, lebendig. Wer auf diesen Felsen baut, Baut für die Ewigkeit.“ (Freie Übersetzung.)
Seitens der Baptisten-Gemeinschaft sprach Pastor Alexandru Neagoe über das Gleichnis von den Talenten und darüber, wie Bequemlichkeit und das Unterlassen guter Taten der gesamten Gemeinschaft schaden. „Die Sünde der Unterlassung, die Entscheidung, nichts zu tun, lauert, so glaube ich, uns allen. Es besteht die Gefahr, zu denken, dass die anderen die Arbeit für das Reich Gottes tun werden. Gott hat jedem Gläubigen Gaben, Talente, Fähigkeiten und Ressourcen gegeben. Möge Er uns helfen, dass jeder von uns die Talente und Fertigkeiten entdeckt, mit denen Er uns ausgestattet hat und die wir zum gemeinsamen Ziel des Reiches Gottes einsetzen können“ – schloss Pastor Alexandru Neagoe seine Ansprache.
Am Ende erhielt jeder Vertreter eine brennende Kerze, mit der sie zum Abschluss der Feier ein Kreuz vor dem Altarraum der Domkirche formten. Das Grundgebet aller Christen, das „Vaterunser“, wurde von den anwesenden Gläubigen auf Rumänisch, Deutsch und Ungarisch gesprochen. Anschließend erteilten die Priester und Amtsträger der anwesenden Konfessionen den Gläubigen nacheinander den Segen.

Pressestelle der Diözese Temeswar