Auf der Straße, die von Temeswar nach Perjamosch führt, jenseits dieser kleinen Stadt der Banater Heide, an der Grenze zwischen den Landkreisen Temesch und Arad, liegt die über 800 Jahre alte Ortschaft Egresch. Chroniken und alte Dokumente berichten, dass König Béla III. von Ungarn hier ein Kloster für Zisterziensermönche gründete. Diese kamen aus Frankreich, aus Pontigny, einem wichtigen Zentrum des Ordens, einem Zweig des bereits älteren Benediktinerordens. Ab den 1220er Jahren wurde das Kloster von König Andreas II. von Ungarn und seiner zweiten Frau, Königin Yolande de Courtenay stark unterstützt. Nach weniger als zwei Jahrzehnten fand das Königspaar seine letzte Ruhestätte im Kloster Egresch: Königin Yolande im Jahr 1233 und König Andreas II. zwei Jahre später, im Jahr 1235.
Der große Tatarensturm (Mongoleninvasion) im Jahr 1241 stellte einen Wendepunkt für das Kloster Egresch dar und wart mit katastrophalen Zerstörungen verbunden. Das Kloster wurde jedoch wieder aufgebaut und erlebte eine neue Blütezeit. Nach fast dreihundert Jahren, im Jahr 1551, wurde das Kloster von osmanischen Truppen erobert und zerstört.
Im Jahr 2016 beschloss ein Team von Archäologen des Banater Nationalmuseums aus Temeswar zusammen mit Spezialisten des Instituts für Archäologie der Katholischen Universität „Pázmány Péter“ in Budapest, die Vergangenheit dieses Klosters wieder ans Tageslicht zu bringen. Es auszugraben, im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Gelände, auf dem sich einst die Kirche und der Klosterkomplex befanden, ist zu einer archäologischen Stätte geworden, an der seit 2016 regelmäßig Forschungen bzw. Ausgrabungen durchgeführt werden. Heuer (2025) wurden die Arbeiten Ende Juli abgeschlossen. Bei dieser Gelegenheit wurde die Stätte von Mitarbeitern des Pressebüros der Diözese Temeswar sowie dem Bürgermeister der Gemeinde Gross-Sanktpeter (zu der das Dorf Egresch gehört), Herrn Bogdan-Marius Petrean, besucht. Die Ergebnisse der diesjährigen Arbeit wurden uns von Frau Dr. Zsuzsanna Kopeczny, Archäologin und Museografin am Banater Nationalmuseum, und Herrn Keve Botond Jámbor, Student der Katholischen Universität „Pázmány Péter“, vorgestellt. Frau Dr. Daniela Tănase, Archäologin und wissenschaftliche Koordinatorin des Projekts in Egresch, und Dr. Balázs Major, Universitätsdozent und Leiter des Instituts für Archäologie der Katholischen Universität „Pázmány Péter“, gaben uns jeweils ein interessantes Interview. In diesem Kontext veröffentlichen wir den schriftlichen Text des Interviews, das uns Frau Dr. Daniela Tănase gegeben hat.
– Sehr geehrte Frau Daniela Tănase, Sie leiten seit mehreren Jahren die archäologischen Ausgrabungen hier in Egresch. Aus der Geschichte wissen wir, dass das Kloster 1179 von König Béla III. von Ungarn gegründet wurde uns somit ein altes spirituelles Zentrum war. Es ist ein Kloster mit Tradition und einer sehr interessanten, reichen Geschichte. Die Abtei wurde von König Andreas II., dem Vater der Heiligen Elisabeth von Thüringen – d.h. der Heiligen Elisabeth von Ungarn – gefördert. Welche Neuigkeiten bringen die diesjährigen Forschungen?
– Die diesjährigen Ausgrabungen bringen, wie auch die bisherigen, vor allem Neuigkeiten zur Planimetrie der Klostergebäude und der Klosterkirche. Die Planimetrie bezieht sich auf das Aussehen der Gebäude, ihre Anordnung im Gelände, ihren Grundriss und die Anzahl ihrer Bauphasen. Bevor wir mit diesen archäologischen Forschungen begannen, war über dieses Kloster nicht viel bekannt, abgesehen von einer Skizze eines denkmalbegeisterten Ingenieurs aus dem Jahr 1870. Wir sind die ersten Archäologen, die hier forschen, weshalb jede Kampagne sicherlich Neuigkeiten bringt.
– In dem von Ihnen unter der Schirmherrschaft des Banater Nationalmuseums herausgegebenen Band über archäologische Forschungen („Das Zisterzienserkloster Igriș aus der Perspektive der archäologischen Forschung“) werden die Ausgrabungen von 2016 bis heute beschrieben. Bei diesen Ausgrabungen wurden sicherlich aus archäologischer und wissenschaftlicher Sicht interessante Gegenstände entdeckt, aber es gab auch einige, die wahrscheinlich aufgrund ihres menschlichen Wertes beeindruckend waren. Welche Objekte hielten Sie für etwas ganz Besonderes?
– Die architektonischen Fragmente aus rotem Marmor, die die Königsgräber schmückten, sind etwas ganz Besonderes. Sie wurden mit großem Geschick gefertigt und beweisen, dass die Handwerker, die diese Gräber schmückten, wahre Künstler waren. Die Köpfe von Engeln, Erzengeln, wahrscheinlich biblischen oder sogar historischen Figuren, die wir gefunden haben, sind sehr schön. Leider können wir nicht genau herausfinden, was sie darstellen. Vielleicht stellen sie sogar den verstorbenen König dar; es ist möglich, dass sie ihn in verschiedenen Phasen seines Lebens darstellten, von seiner Jugend bis zum Erwachsenenalter. Auch die verschiedenen liturgischen Gegenstände – manche fragmentarisch erhalten – sind besondere Stücke. Wir fanden ein wunderschönes Kreuz in einer Grube mit menschlichen Knochen, das mit dem tragischen Ereignis von 1241 in Verbindung steht, als die Mongolen das Kloster Egresch verwüsteten. In derselben Grube fanden wir auch Fragmente eines Bergkristallkrugs, ein ganz besonderes Stück, in dem möglicherweise Reliquien einiger Heiliger aufbewahrt oder sogar in der Liturgie verwendet wurden. Es wäre außergewöhnlich, wenn wir in Zukunft noch mehr solcher Fragmente finden würden. Diese Stücke sind sehr selten und wurden mit Sicherheit von König Andreas II. hierher gebracht, der auf seinem Kreuzzug ins Heilige Land verschiedene heilige Gegenstände und Reliquien kaufte, und es ist möglich, dass er auch diesen Gegenstand mitbrachte. Auf jeden Fall wurde der Bergkristallbehälter vor 1241 hierher gebracht, denn er wurde in dieser Grube gefunden. Wir wissen, dass Reliquien von Heiligen in solchen Krügen aufbewahrt wurden.
– In dem oben genannten Band konnten wir lesen, dass ein gemischtes Team aus Spezialisten aus Ungarn und Rumänien hier in Egresch an den archäologischen Ausgrabungen gearbeitet hat. Es besteht eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Katholischen Universität „Pázmány Péter“ in Budapest und dem Banater Nationalmuseum, Temeswar. Neben Archäologen und Historiker gehörten dem Team auch ein Biologe, ein Geomatiker und ein Architekt an. Wie werden die Spezialisten, die in einer solchen Mannschaft, an einem solchen Projekt arbeiten ausgewählt?
– Bei solchen Projekten ist zunächst ein Team von Archäologen erforderlich, das im Laufe der Zeit mit verschiedenen Forschern aus anderen Bereichen zusammenarbeitet: Anthropologen und Geomatiker – die Messungen durchführen und 3D-Pläne der Ausgrabungen erstellen, Photogrammetrie durchführen und Fotos machen, um 3D-Rekonstruktionen zu erhalten. Architekten helfen bei der virtuellen Rekonstruktion der Kloster- und Kirchengebäude.
– Wie Sie bereits erwähnt haben, haben Sie im Laufe der Zeit verschiedene Objekte entdeckt. Darunter befinden sich Bergkristallfragmente, Ringe, Kreuze und persönliche Gegenstände derjenigen, die im Areal des Klosters begraben wurden. Kann man angesichts dieser Objekte und der Ausdehnung des Klosters, seiner Größe und seiner geografischen Lage sagen, dass Egresch im mittelalterlichen Ungarn ein wichtiges spirituelles, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum war?
– Natürlich war Egresch ein sehr wichtiges religiöses und kulturelles Zentrum. Ein Beweis dafür ist vor allem die Tatsache, dass das Königshaus an der Entwicklung dieses Klosters beteiligt war. Es wurde nicht nur von König Béla III. gegründet, sondern seine Nachkommen verliehen dem Kloster auch Privilegien. Der größte Wohltäter war König Andreas II., der hier in Egresch begraben wurde. Durch diese Privilegien erhielt das Kloster viel Geld, das es für den Bau und die Dekoration grandioser Gebäude verwendete. Wir wissen, dass hier in Egresch um 1280 auch die königliche Schatzkammer und die ungarische Königskrone untergebracht waren. Die Abtei Egresch war ein „glaubwürdiger Ort“ wo Urkunden beglaubigt wurden, und die Äbte des Klosters nahmen an verschiedenen kirchlichen Versammlungen oder an der Lösung wichtiger Fragen auf der Ebene des ungarischen Königreichs teil.
– Welche weiteren Pläne haben Sie für Igriș in der Zukunft?
– Wir werden wie bisher weiterforschen, um die Position der Gebäuden des Klosterkomplexes zu entdecken. Natürlich wollen wir auch im Inneren des Kirchenareals graben, um ihre Nordseite zu analysieren, da wir die Südseite bereits untersucht haben. Wir wollen letztendlich herausfinden, welchen Plan dieses Kloster hatte.
– Vielen Dank für Ihre Zeit und für das interessante Gespräch!
Pressestelle der Diözese Temeswar






















