Im Rahmen des Projektes „Bekannte Persönlichkeiten Reschitzas von gestern“ fand am 3. Februar d.J. im Deutschen „Alexander Tietz“-Zentrum Reschitza eine Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an Terezia Damacsek (Pipi), Sopranistin, Hauptdarstellerin in der deutschen Operettengruppe Reschitza (1958 – 1981), aktives Mitglied im Kirchenchor „Harmonia Sacra“ Reschitza (ab 1975), anlässlich des 90. Geburtstages (*30. Januar 1930, Reschitza †20. Oktober 2005, Reschitza) statt, die in Zusammenarbeit mit Georg Colța, Regens Chori des „Harmonia Sacra“-Kirchenchors der römisch-katholischen Pfarrei„Maria Schnee“ Reschitza und Christine Maria Surdu, Leiterin des „Fiamma“-Jugendchors der gleichen Pfarrei organisiert wurde.

Ausbildung bei den Notre-Dame-Schwestern
Wer war Terezia Damacsek, die in Reschitza bei jung und alt nur unter dem Namen „Pipi“ bekannt war? Pipi (den Kosename gaben ihr die Eltern) Damacsek wurde am 30. Januar 1930 in Reschitza, in der Familie eines Arbeiters geboren. Ihr Vater, der slowakischer Abstammung war, arbeitete in den Reschitzaer Eisenwerken. Die Mutter, ungarischer Abstammung, war, wie die Mehrheit aller Mütter in Reschitza, Hausfrau. Pipi wuchs im Arbeiterviertel „Erbstollen“ auf. Im Elternhaus lebte sie bis ans Ende ihrer Tage. Die Grundschule besuchte Pipi im Hof der Evangelischen Kirche A.B. mit Unterricht in ungarischer Sprache. Pipi sprach aber fließend Deutsch, die Reschitzaer Umgangssprache und Rumänisch, auch die in Reschitza gebrauchte Mundart. Später, als sie heranwuchs, nach den Gepflogenheiten der damaligen Zeit, wurde sie nach Temeswar geschickt und zwar zu den Notre-Dame-Schwestern, wo sie eine vielseitige Ausbildung bekam, auch was Musik und Gesang anbelangt. Dies geschah in den Jahren 1944 1948. Viel später, als sie mit uns im Kirchenchor der katholischen Kirche sang, erzählte sie uns über die Besuche des Generalvikars der Temeswarer Diözese. Ferdinand Cziza kam nach Reschitza (immer am ersten Wochenende des Monats September, noch bevor das Schuljahr begonnen hätte), um den Jugendlichen die heilige Firmung zu spenden: „Er war unser Beichtvater in der Klosterschule“ (Ferdinand Tivadar Cziza, *23. Dezember 1915 – †6. Juni 1993, Lehrkraft und Beichtvater am Temeswarer Priesterseminar und Generalvikar der Temeswarer Diözese in den Jahren 1954-1990). Nach Reschitza zurückgekehrt, wollte Pipi ihren Lebensunterhalt verdienen und bewarb sich um einen Posten als Büroangestellte im Reschitzaer Hüttenwerk, wo sie bald der Buchhaltung des Walzwerks zugeteilt wurde. Diese Tätigkeit einer Buchhalterin übte sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 1985 aus.

Beliebte Solistin der Deutschen Operettengruppe
Bereits in den Jugendjahren schloss sie sich den Vereinen der Reschitzaer Laienkünstler an, zuerst der ungarischen Theatergruppe und dem Musikverein „Magyar Dalárda“ (d.h. Ungarischer Gesangverein), wo man Mitte der 50er Jahre eine Oper auf die Bühne bringen konnte und zwar „János Vitéz“ nach dem Werk von Sandor Petöfi. Die Librettisten Károly Bakonyi und Jenö Heltai bearbeiteten das Petöfi-Werk und Pongrác Kacsóh komponierte die Musik dazu. Die Uraufführung fand am 20. August 1904 in der Budapester Volksoper (Nemzeti Opera) statt. Die Reschitzaer Aufführungen erfolgten in den Jahren 1956–58. In dieser Oper bekam Pipi die Rolle der französischen Königstochter, eine Rolle für eine hohe Sopranistin mit Koloraturleichtigkeit. Nach Auflösung des Ungarischen Gesangvereins „Magyar Dalárda“ schloss sich Pipi Damacsek der Gesangsektion der Eisen- und Metallarbeiter (ab 1972 Deutsche Operettengruppe Reschitza genannt) an, wo sie mit großer Freude und Begeisterung aufgenommen wurde. In den folgenden Jahren trat sie unter der Stabführung von Josef Dudl, Franz Stürmer, Rolf Busch und Ladislaus Hunyadi in verschiedenen Rollen folgender Operetten auf: „Das Mädchen von Montmartre“ (1958) von Robert Stolz; „Lasst mich singen“ von Gherase Dendrino (1959 – 1961), mit Aufführungen in deutscher und rumänischer Sprache; „Der Vogelhändler“ von Karl Zeller (1962 – 1964); „Die keusche Susanne“ von Jean Gilbert (1973 – 1974); „Die Tanzgräfin“ von Robert Stolz (1974 – 1975); „Im weißen Rössl“ von Ralf Benatzky (1975 – 1976); „Gräfin Maritza“ von Emmerich Kalman (1978 – 1981). Mit der Titelrolle der Gräfin Maritza nahm sie 1981, zusammen mit ihrem langjährigen Bühnenpartner Rudi Karlicsek, Abschied von der Bühne. Aber beide traten noch in der Jubiläumsvorstellung „60 Jahre deutsche Arbeiteroperette in Reschitza“ im Mai 1983 mit großem Erfolg auf. Bereits Mitte der 60er Jahre sang Pipi Damacsek auch im Kirchenchor der römisch-katholischen Pfarrei Reschitza unter der Stabführung von Emil Kummergruber (später von Ladislaus Hunyadi und Georg Colța), wo sie auch den Feierlichkeiten des Zentenariums des Chors (100 Jahre Kirchenchor in Reschitza 1877 – 1977) beiwohnen durfte. Hier sang sie neben den Chorpartien auch sie Soloteile für Sopran in den feierlichen Messen von: Joseph Haydn (Harmoniemesse in B-Dur), W.A. Mozart (Die Krönungsmesse und Die Spatzenmesse, beide in C-Dur), August Wairich (Missa in honorem purissimi cordis Beatæ Mariæ Virginis in Es-Dur), Josef Schöpf (Neue Sonntagsmesse), Franz Schubert (Deutsche Messe), Joseph Rheinberger (Große Messe in C-Dur), Max Filke (Feierliche Messe in D-Dur), Peter Rohr (Jubilet-Messe in D-Dur, die die Reschitzaer Kirchweihmesse seit 1932, für das Fest Mariæ Schnee, um den 5. August war und auch heute noch ist!), Charles Gounod (Missa brevis in C-Dur), Josef Gruber (Requiem in d-Moll). Einen wesentlichen Beitrag leistete sie auch in den Oratorien von Joseph Haydn („Die letzten sieben Worte des Erlösers am Kreuze“) und von Friedrich Seitz („Die Passion – Oratorium auf den heiligen Karfreitag“), in welchen ihre kräftige Sopranstimme besonders in den Solopartien zur Geltung kam. Sowohl in der Deutschen Operettengruppe als auch im Kirchenchor war Pipi Damacsek ein zuverlässiger Mensch. Sie war sonst eine sehr bescheidene Frau, die sich durch außergewöhnliche Musikalität, Gewissenhaftigkeit, Genauigkeit, Pünktlichkeit, Geduld und Toleranz, Hilfsbereitschaft und Kollegialität, Selbstlosigkeit auszeichnete. Sie glänzte nur auf der Bühne, wo sie Sensibilität ausstrahlte und eine schöne elegante Haltung ihrem Auftritt zu verleihen wusste. In den Jahren 1983 – 2005 musste sie gegen einen plagenden Hautkrebs kämpfen und auch da zeigte sie Mut und Ausdauer während der oftmals wiederholten Operationen und Betäubungen. Sie hatte ein Leben lang Freude am Singen und gab sich der Gesangskunst völlig hin, dazu ist sie auch ihrem Glauben und der Reschitzaer römisch-katholischen Kirche treu geblieben.
Während der Gedenkveranstaltung berichteten aus ihren persönlichen Erinnerungen und Erlebnissen mit Pipi Damacsek aus dem Publikum Dana Antoaneta Bălănescu, Marianne Chirilovici, Agnes Csiszár, Elfriede Gheorghiță, Mihai Popescu und Georg Colța, der auch Moderator des Gedenknachmittags und Darsteller war. Dabei sei noch erwähnt, dass Mariana und Nelu Florea sowie Elfriede Chwoika Gastgeber seitens des Kulturzentrums waren. Zwischendurch erklangen Lieder des „Fiamma“- Jugendchors der römischkatholischen Pfarrei „Maria Schnee” („Lieben“ / „A iubi“ und „Beschütze mich, Herr“ / „Ocrotește-mă Doamne“), das „Ave Maria“ von Jacques Arcadelt und das „Ave Maria“ von Mozart, mit dem „Harmonia Sacra“-Chor der gleichen Pfarrei, ein festlicher Marsch von Georg Friedrich Händel in der Interpretation von Patrick Paulescu und die Arien „Wie mein Ahnl“ aus der Operette „Der Vogelhändler“ von Karl Zeller und „Dein ist mein ganzes Herz“ aus der Operette „Land des Lächelns“ von Franz Lehar sowie das Lied „Du bist die Ruh“ von Franz Schubert, vorgetragen von Georg Colța mit der Klavierbegleitung von Christine Maria Surdu.
Wir, die Pipi Damacsek gekannt haben und mit ihr in Operettenaufführungen und im Kirchenchor singen durften, freuen uns, dass sie Teil unseres Daseins war und dass wir von ihr viel lernen konnten. Diese Erinnerungen werden bleiben, wir werden sie als etwas Wertvolles bewahren.
Georg Colța, Reschitza
RedaktionelleBearbeitung: Balthasar Waitz
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Erschienen in: Banater Zeitung, Wochenblatt für Temesch, Arad und das Banater Bergland, 28. Jahrgang/ Nr. 1353, Mittwoch, 26. Februar 2020, S. VI.