„Der Glaube ist bewahrt geblieben“ – dies wurde mehrfach von den Rednern bei der Vernissage des zweiten Teils der Ausstellungsreihe mit dem Titel „Millennium Csanadiense 1030–2030“ betont, die am Donnerstag, dem 23. April dieses Jahres, um 11.00 Uhr in der Domkirche zum Hl. Georg, der römisch-katholischen Kathedrale in Temeswar, stattfand. Die Ausstellung ist Teil der spirituellen Vorbereitungsprogramme auf die Feier des 1000-jährigen Jubiläums der Gründung der alten Diözese Tschanad im Jahr 1030 und wird bis 2030 – dem Jubiläumsjahr – jeweils eine Etappe der Geschichte der Ortskirche, die die Vergangenheit und Gegenwart des alten Bistums Tschanad sowie der drei Diözesen veranschaulicht, die nach 1920 separat auf dessen Gebiet gegründet wurden: die Diözese Temeswar, die Diözese Szeged-Csanád und die Diözese Großbetschkerek/Zrenjanin. Somit sind sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Organisation der Ausstellung diese drei benachbarten und befreundeten Bistümer beteiligt.
„Der Glaube ist erhalten geblieben“ – der Grund, warum dieser Aspekt besonders hervorgehoben wird, liegt darin, dass der zweite Teil der Ausstellung „Millennium Csanadiense 1030–2030“ dem Publikum eine von Prüfungen geprägte Zeit des alten Bistums Tschanad vor Augen führt: die Zeit der osmanischen Herrschaft zwischen 1552 und 1716/18. Hinter diesen Worten, die wir heute als Mitglieder der lokalen Kirche in dieser Gegend mit großer Dankbarkeit aussprechen können, stehen das Opfer, die Mühen, die Standhaftigkeit, die Prüfungen und die Herausforderungen derer, die damals hier lebten: Priester, Ordensmänner, Bischöfe, Menschen guten Glaubens.
„Wir sehen, dass der Glaube in den Gemeinden erhalten blieb, meist in sehr kleinen Pfarrgemeinden und Filialen. Der in der Gemeinschaft gelebte Glaube hat Kraft. Es ist eine Zeit, in der die Bischöfe vertrieben werden, in vielen Fällen auch die Priester. Hier und da gibt es einen Pfarrer oder Missionar. Laien, die sogenannten Lizentiaten, übernehmen den Großteil der Seelsorgearbeit: Sie taufen, predigen, assistieren bei Trauungen, halten Beerdigungen… Die Kirche war immer in der Lage, sich den jeweiligen Bedürfnissen anzupassen; der Heilige Geist hat in jedem Zeitalter den Weg gewiesen, auf dem die Menschen Jesus nachfolgen konnten. Das ist auch heute noch so. Das Zeugnis der Geschichte bestärkt uns in der Hoffnung, dass der Herr des Lebens auch in der heutigen Zeit den Weg weisen wird, uns hilft, unseren Glauben fruchtbar zu leben, und dass auch wir die Glut und, wenn möglich, auch die Flamme weitergeben.
Wir wünschen und wollen, dass diese fünf Jahre, Jahre der Erneuerung werden. In unserer Zeit, in der der Individualismus die Gemeinschaften zersplittert und das Leben vieler Menschen zerstört hat, legt die Kirche – insbesondere seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil – immer mehr den Schwerpunkt auf die gemeinschaftliche Dimension des Glaubens, denn es ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen, irgendwo dazuzugehören. Wir hoffen und arbeiten darauf hin, dass immer mehr Menschen jene christliche Gemeinschaft finden, in der sie aufgenommen, geachtet, geliebt und in ihrer Entfaltung unterstützt werden.
Ich wünsche mir, dass der heilige Gerhard, der erste Bischof unserer Diözese, wenn er vom Himmel auf uns herabblickt, anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums, Gemeinschaften nach seinem Herzen vorfindet!“
Gleichzeitig begrüßte der Diözesanbischof die Gäste, die diese Eröffnung mit ihrer Anwesenheit beehrten, sehr herzlich: S.E. Mirko Štefković, Diözesanbischof von Zrenjanin / Groß-Betschkerek, S.E. László Böcskei, Diözesanbischof von Groß-Wardein, Msgr. Lajos Kondé, Bischofsvikar der Diözese Szeged-Csanád, S.E. Lukijan Pantelić, serbisch-orthodoxer Erzbischof und Metropolit von Buda, Administrator der Eparchie Temeswar, Pfr. Marinko Markov, Vikar der serbisch-orthodoxen Eparchie Temeswar, Pfr. Răzvan Oprișa, griechisch-katholischer Dechant (Protopope) von Temeswar, Pfr. Dr. Ionel Popescu, emeritierter Verwaltungsvikar der rumänisch-orthodoxen Erzdiözese Temeswar, der evangelisch-lutherische Pastor Zsombor Kovács aus Temeswar, der evangelische Pastor C.A. Walter Sinn aus Semlak, Frau Ibolya Kovács-Pap, Reformierte Pastorin von Ciarda Roșie (Vöröscsárda), Frau Cornelia Elena Micicoi, Präfektin des Kreises Temesch, Herr Dipl.-Ing. Dejan Popov, Unterpräfekt des Kreises Temesch und Vertreter des Vereins der Serben in Rumänien, Frau Milena Mureșan, Vertreterin der Stadtverwaltung von Timișoara, Frau Simona Bejan, Ratsmitglied des Schulinspektorats Temesch, Frau Herr Szabolcs János Fábry, Konsul des Generalkonsulats von Ungarn in Cluj-Napoca, Frau Anja Zougouari, Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Timișoara, Herr Georg Bardeau, Honorarkonsul der Republik Österreich in Timișoara, Herr Jose Miguel Vinals, Honorarkonsul des Königreichs Spanien in Timișoara, Frau Ilona Sipos, Vorstandsvorsitzende des Ungarnverbands (UDMR) im Kreis Temesch, Herr Benjamin Neurohr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, Herr Erwin Josef Țigla, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banater Bergland, Frau Beatrix Ferencz-Gross und Frau Dagmar Șiclovan vom Demokratischen Forum der Deutschen in Temeswar; Dr. Gheorghe Sebők, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Temeswar; Frau Anca Panici, Vorsitzende des Vereins der Bulgaren in Temeswar, Herr Lucian Oprea, Vorsitzender des Kulturvereins „Pusta“ in Tschanad; Frau Christine Theresia Neu, stellvertretende Vorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Deutschland, zusammen mit ihrem Ehemann; Herrn Walter Altmayer, Vertreter der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Deutschland sowie Frau Erna Paler, Vorsitzende der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung, Temeswar.
An der Veranstaltung nahmen Vertreter der lokalen Behörden sowie rumänischer, deutscher, ungarischer, serbischer und bulgarischer Kulturinstitutionen und -vereine teil, ebenso wie Priester der Diözesen Groß-Betschkerek, Szeged-Csanád, Groß-Wardein und Temeswar. Eine Delegation bestehend aus Frau Vesna Zlatičanin und Tamás Fodor von der Stadtbibliothek Vršac/Werschetz sowie die Anwesenheit von Prof. Dr. Péter Zakar, Vertreter der Universität Szeged, von Prof. Dr. Vasile Docea, Direktor der Zentralen Universitätsbibliothek Temeswar, von Prof. Dr. Vasile Râmneanțu vom Lehrstuhl für Geschichte der Fakultät für Literatur, Geschichte und Philosophie der West-Uni Temeswar, von Doz. Dr. Mihaela Șandor vom Lehrstuhl für Germanistik der Fakultät für Literatur, Geschichte und Philosophie der West-Uni Temeswar, sowie von Vertretern des Nationalarchivs Rumäniens, des Bezirksdienstes Temesch: Frau Ligia Drăghici und Herr Raul Ionuț Rus (Direktor) den Banater, multiethnischen, multikonfessionellen, mehrsprachigen, aber auch inter-gemeinschaftlichen und nicht zuletzt wissenschaftlichen bzw. interdisziplinären Charakter der Veranstaltung hervorgehoben.
Im Zeichen des seit Jahrzehnten gepflegten Geistes der Zusammenarbeit, der auf eine lange Tradition zurückblickt, ist die Teilnahme von Vertretern des Deutschen Kulturzentrums Temeswar, des Banater Nationalmuseums, des Banater Dorfmuseums, der Kreisbibliothek Temesch „Sorin Titel“ sowie des „Caritas“-Vereins der Diözese Temeswar, des Landes-Kolping-Verbands, des Malteser Hilfsdienstes sowie der Print- und audiovisuellen Medien – der Redaktionen von Radio Temeswar und TVR Temeswar – in ungarischer, deutscher und rumänischer Sprache.
Für die musikalische Umrahmung sorgte Herr Róbert Bajkai-Fábián, der Domorganist, der Werke der Komponisten Girolamo Frescobaldi, Christian Erbach und Andreas Düben vortrug.
In seinem Vortrag betonte Bischof emeritus Roos: „Wir von heute, die wir seit rund 80 Jahren in Frieden leben und keinen Krieg erfahren haben, können uns kaum vorstellen, was diese Zahlen und Ereignisse an Chaos, Durcheinander, Leid und Elend damals mit sich gebracht haben. Die Bischöfe von damals waren nicht nur Seelsorger sondern auch die Heerführer ihrer Gläubigen und mußten neben der königlichen Armee mit ihren eigenen Soldaten ins Feld ziehen. Es genügt zu erinnern, dass nacheinander vier der Bischöfe auf dem Schlachtfeld blieben oder einfach ermordet wurden. Ein beträchtlicher Teil der Gläubigen floh aus dieser Hölle gen Norden in die heutige Slowakei, dem damaligen Ober-Ungarn, die gewohnten Pfarrstrukturen lagen meist darnieder, nur wenige Priester standen zur Verfügung, zerstörte Dörfer, Kirchen, Burgen und Festungen. Das Land, zumal das endlose Flachland lag offen und schutzlos dem Feind ausgeliefert.
So sah es nach dem 27. Juli 1552 auch in Temeswar, der Hauptstadt dieses Landstriches aus, aber auch im gesamten Bistum Csanád/Cenad von Szegedin bis Orschowa, von Lippa bis Pantschowa, von Karansebesch bis Großbetschkerek, von Arad bis Werschetz und Weißkirchen.
Doch die kleine Schar der Katholiken, die in ihrer Heimat verblieben war oder die in den letzten Zeiten hierher vor den Türken geflüchtet war, war von der großen weltweiten katholischen Kirche weder vergessen noch verlassen worden. Als ein erstes Zeichen des am Ort noch vorhandenen katholischen Lebens war die Teilnahme des Bischofs von Csanád 1562 am Konzil von Trient. Es war der Dominikaner Johannes von Klausenburg, der durch seine Wortmeldung, vorgetragen in klassischem Latein, den Konzilsvätern positiv auffiel.
Im Jahre 1579 machten sich drei junge Männer zu Fuß auf den weiten Weg nach der Propstei Lelesz in der heutigen Slowakei, um von ihrem eigenen Bischof Balthasar Melegh, der damals als ungarischer Magnat sein Bistum unter den Türken nicht betreten konnte und hier als Propst, doch mit der Bischofsweihe und dem Titel „von Csanád“, im Exil leben musste. Die Kandidaten waren von ihren Pfarrern vorbereitet und mit den nötigen Empfehlungsschreiben versehen nun auf den Weg geschickt worden.
Diese zufällig bekannt gewordene Begebenheit zeigt klar: Es gab soetwas wie ein Rest von Pfarrleben, auch war immer noch bekannt, wer der zuständige Bischof war und wo sich dieser zu dieser zu dieser verworrenen Zeit aufhielt. Ebenso gab es ein Rest von Pfarrern, die sich der jungen Leute, die Neigung zum Priestertum zeigten, angenommen und sich mit ihnen beschäftigt und diese zu den Weihen vorbereitet haben. Auch war es ein positives Zeichen, dass man drei junge Kandidaten gleichzeitig auf den Weg schicken konnte. Es war noch ein Rest von kräftigem Glaubensleben vorhanden, in dessen Atmosphäre Priesterberufungen in den Familien heranwachsen konnten. Es war noch nicht alles verloren!
Auch die Päpste suchten den Kontakt zu dem Bistum Csanád „in Turchia“, dabei bedienten sie sich, wie auch in anderen Fällen der Stadt-Republik Ragusa, dem heutigen Dubrovnik, am westlichen Ufer des Adriatischen Meeres, dessen aufgeweckte Bürger, Handels- und Kaufleute mit weitgehenden Verbindungen, aber auch finanzkräftige Faktoren waren. Ihnen schlossen sich als Seelsorger Diözesanpriester und Ordensleute an, meist Dominikaner, Franziskaner und Jesuiten, die „in der Temescher Umgebung“ als Missionare, als Missionsbischöfe sich der verbliebenen oder inzwischen zugewanderten Katholiken angenommen haben. Einer der ersten war der Bischof von Stonj in Dalmatien, P. Bonifatius a Ragusa, ein Dominikaner, den Papst Gregor XIII. 1572 als Missionar nach Temeswar geschickt hat und der zehn Jahre später im Februar 1582 hier in Temeswar auch verstarb. Vermutlich wurde er in der mittelalterlichen Kirche zur hl. Katharina in der „Kleinen Palanka“ beigesetzt. Sein Nachfolger war P. Dominikus a Ragusa, ab Februar 1582 Pfarrer von Temeswar.“ Der Vortrag zum Ausstellungsthema, verfasst von S.E. Martin Roos, wurde von Ehrendomherr Dr. László Bakó und Diözesanarchivar Dr. Claudiu Călin in ungarischer, deutscher und rumänischer Sprache vorgetragen.
Am Ende der Vernisage ergriff S.E. Martin Roos das Wort und erläuterte den Inhalt von zwei der wichtigsten Vitrinen: Die erste zeigt die Briefe ungarischer und slawischer Katholiken aus Temeswar, aus dem Jahr 1582, die an den Papst gerichtet waren, in der Hoffnung, einen Priester und einen Lehrer für das geistliche und schulische Leben zu erhalten. Die zweite Vitrine wiedergibt die Kopien der Berichte einiger Missionare aus Lippa, Temeswar und Karansebesch aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, in denen sie über ihre Arbeit, aber auch über die Lage der von ihnen betreuten Gemeinden berichten.
Anschließend bedankte sich S.E. Martin Roos persönlich bei S.E. Josef Csaba Pál, Diözesanbischof, für die Ausrichtung der Ausstellung in der Domkirche zum Hl. Georg, bei S.E. László Böcskei, Diözesanbischof von Groß-Wardein, sowie beim hochw. Herrn Vakon Zsolt, dem Sekretär der Diözese Groß-Wardein, für die geleistete Unterstützung sowie für die Gestaltung der Tafeln, des Kommentarhefts (Katalogs), des Banners und des Logos der Ausstellung. Die Tafeln bieten Informationen in rumänischer, ungarischer, deutscher und englischer Sprache. Der Ausstellungsführer, der separat in rumänischer, ungarischer, deutscher, englischer und kroatischer Sprache herausgegeben wurde, wurde den Anwesenden am Ende der Veranstaltung in der Domkirche vorgestellt und verteilt.
Die Mitglieder des Medienbüros der Diözese Temeswar sorgten für die Live-Übertragung über Facebook und YouTube. Moderator der Veranstaltung war Dr. László Bakó.
Die Ausstellung „Millennium Csanadiense 1030–2030“, die im Hohen Dom zum Hl. Georg eröffnet wurde, kann bis Anfang August täglich besichtigt werden, wobei jedoch der liturgische und andachtsbezogene Zeitplan zu beachten ist (während der Heiligen Messe ist die Besichtigung nicht gestattet). Die Organisatoren bieten Führungen in rumänischer, ungarischer, deutscher und englischer Sprache für Gruppen an, die mindestens 3–5 Tage im Voraus angemeldet werden.

Pressestelle der Diözese Temeswar