Das vom Diözesanbüro für Familienpastoral der römisch-katholischen Diözese Temeswar organisierte Familientreffen fand bereits zum fünften Mal statt. Das erste dieser Treffen fand im Juni 2022 in der Basilika und im Kloster Maria Radna statt, parallel zum Weltfamilientreffen, das auf Initiative des verstorbenen Papstes Franziskus in Rom organisiert wurde. Seitdem treffen sich die Familien aus den Pfarreien der Diözese Temeswar jedes Jahr in Maria Radna, um an verschiedenen spirituellen und kulturellen Programmen teilzunehmen, gemeinsam zu beten und Gemeinschaft zu pflegen.
In diesem Jahr haben Pfarrer Valentin Macedon Hiticaș, Pfarrer von Reschitza II. Govândari und diözesaner Beauftragter für die Familienpastoral, zusammen mit Schw. Böbe M. Tari, Referentin in diesem Bereich, der Familie Muntean, Petre und Monica sowie den Mitarbeitern des Büros für Familienpastoral festgelegt, dass das Familienfest am 26. September von 9.30 bis 16.00 Uhr stattfinden soll. Die diesjährigen Gäste waren Radu und Oana Capan, eine Familie, die sich seit vielen Jahren im Bereich der Evangelisierung, der Katechese und der geistlichen Bildung im Rahmen des Büros für Evangelisierung und Katechese der Eparchie Cluj-Gherla/Klausenburg-Neuschloß engagiert. Die Veranstaltung fand in rumänischer und ungarischer Sprache statt und stand unter dem Motto: „Das Haus auf dem Felsen – Festigung des geistlichen Fundaments der Familie“.
„Wo gegenseitige Liebe ist, da ist Gott“
Das Treffen begann mit einer eucharistischen Anbetung unter der Leitung des ständigen Diakons Francisc Craia.
Die Heilige Messe wurde um 10.00 Uhr von S.E. Josef Csaba Pál, Diözesanbischof, gefeiert. Mehrere Priester, die zusammen mit den teilnehmenden Familien angereist waren, konzelebrierten. Die musikalische Umrahmung der Heiligen Messe übernahmen Mitglieder der kirchlichen Bewegung „Der Neokatechumenale Weg“ sowie die Familie Zöld.
In seiner Predigt erklärte der Diözesanbischof: „Ihr habt dieses Motto gewählt: ‚Das auf Fels gebaute Haus – Die Festigung des geistlichen Fundaments der Familie‘. Ich halte es für ein Motto, das uns allen hilft, darauf zu schauen, was der Familie Festigkeit verleiht. Wir haben im Evangelium gehört, dass das auf Fels gebaute Haus nicht wankt. Doch am Anfang dieses Evangeliumverses sagt Jesus: ‚Wer diese meine Worte hört …‘ Lasst uns auch darüber nachdenken, ob wir hören, was Gott uns sagt. Im vergangenen Jahrhundert lebte in Siebenbürgen ein Franziskaner, der für seine Heiligkeit bekannt war: Elek Csiszér. Als er bereits hochbetagt war, verlor er sein Augenlicht, weshalb seine Mitbrüder zu ihm kamen und ihm aus der Heiligen Schrift vorlasen. Oft kam es vor, dass er nach einem Satz mit großer Sanftmut sagte: „Das reicht. Mein Herz ist erfüllt von diesem Wort. Den ganzen Tag werde ich dieses Wort in meiner Seele tragen.“ Er lauschte der Heiligen Schrift mit sehnsüchtigem Herzen. Wie hören wir Gott zu? Im Gebet haben wir ihm vielleicht alles gesagt, was uns auf dem Herzen liegt, alles, worum wir ihn bitten. Aber lassen wir ein wenig Stille einkehren, um zu hören, was Er uns sagt – wie lautet Seine Antwort? Es ist so, als würden wir zum Arzt gehen, wo wir ihm alles erzählen, was uns wehtut, aber danach gehen wir nicht sofort wieder, sondern hören zu, was er uns rät. Mit dieser Aufmerksamkeit wollen wir in Stille auch darauf hören, was der liebe Gott uns sagt. Und hören wir eigentlich unserem Nächsten zu, denen, die neben uns leben: dem Ehemann, der Ehefrau, dem Kind, dem Kranken in der Familie? Haben wir Herz und Ohr, um zuzuhören und zu verstehen, was sie uns mitteilen? Denn wo gegenseitige Liebe ist, da ist Gott.“
Die Familie ist dazu berufen, den durch die Taufe empfangenen Auftrag zu leben
Im Rahmen des Treffens in Maria Radna luden Oana und Radu Capan die teilnehmenden Familien zu einer Reflexion ein, die vom Bild des auf Fels gebauten Hauses und von der Berufung, die jeder Christ durch die Taufe erhält, ausging. Die Taufe, so betonten die beiden, sei das Fundament des christlichen Lebens und das Tor zum sakramentalen Leben. Durch die Taufe wird der Mensch in Christus eingegliedert und hat Anteil an seiner Sendung als Priester, Prophet und König. Diese Sendung ist nicht dem Klerus vorbehalten, sondern konkretisiert sich auch im Familienleben.
Um zu verdeutlichen, wie diese Berufung konkret gelebt werden kann, wurde der Vortrag um die vier Buchstaben des Wortes „fiat“ herum aufgebaut, in Anlehnung an die Antwort der Heiligen Jungfrau Maria auf den Ruf Gottes:
F – Mache dein Leben zu einem Opfer. Der Christ ist aufgerufen, Gott nicht nur einen Teil seines Lebens, sondern seine gesamte Existenz darzubringen. Arbeit, familiäre Verpflichtungen, Gebet, Momente der Ruhe und sogar Leiden können mit Christus vereint und Gott dargebracht werden. In diesem Sinne kann die Familie die alltäglichen Handlungen in Gelegenheiten der Hingabe und des spirituellen Wachstums verwandeln.
I – Bete für deinen Nächsten. Die christliche Familie ist dazu berufen, eine Familie zu werden, die auch für andere betet. Ausgehend von den Beispielen Moses’ und der Heiligen Jungfrau Maria wurde die Bedeutung des beharrlichen Fürbittgebets hervorgehoben. Das Gebet darf sich nicht auf persönliche Anliegen beschränken, sondern muss die Menschen, Situationen und Nöte um uns herum mit einbeziehen. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Wort von Papst Franziskus in Erinnerung gerufen: „Wer betet, lässt die Welt niemals hinter sich.“ Die Teilnehmer wurden dazu ermutigt, die Nöte der Menschen in ihrer Umgebung wahrzunehmen und sie in Gebetsanliegen umzuwandeln.
A – Verkünde die frohe Botschaft. Diese Dimension steht im Zusammenhang mit dem prophetischen Auftrag, den man durch die Taufe erhalten hat. Der Christ ist dazu berufen, durch sein Leben und sein Wort ein Verkünder des Evangeliums zu sein. Die Familie kann für die Menschen in ihrer Umgebung zu einem „Fragezeichen“ werden: Frieden, die Fähigkeit zur Vergebung, die Fürsorge für andere und die Freude, die man auch inmitten von Schwierigkeiten erlebt, können Fragen aufwerfen und Wege zum Glauben eröffnen. Der Glaube darf keine Realität bleiben, die nur in der Kirche gelebt wird, getrennt vom Rest des Daseins, sondern muss sich in der Art und Weise zeigen, wie der Christ sein Leben führt.
T – Lebe für andere. Die letzte Dimension bezog sich auf den königlichen Auftrag des Christen. Das Vorbild ist Christus, dessen Königtum nicht in Herrschaft, sondern im Dienen besteht. Für den Christen ist das erste „Königreich“, über das er Herrschaft ausüben soll, seine eigene Person: Die Freiheit von Leidenschaften und Anhaftungen befähigt ihn, sich in den Dienst der anderen zu stellen. In der Familie bedeutet dies auch, die Kinder nicht in einer Mentalität von „kleinen Prinzen“ zu erziehen, sondern im Geist der Verantwortung, der Selbstbeherrschung und des Dienens.
Abschließend kamen die beiden Redner noch einmal auf das Bild des auf dem Felsen erbauten Hauses zurück. Der Christ ist nicht nur dazu aufgerufen, sein eigenes Leben und seine eigene Familie auf Christus zu gründen, sondern gemeinsam mit seiner Familie zu einem „lebendigen Stein“ und zu einer Stütze für andere Familien zu werden. Nicht, damit diese ihr Leben auf Menschen gründen, sondern damit sie durch das Zeugnis und die Unterstützung, die ihnen zuteilwird, Stabilität finden und Christus entdecken können.
Buchvorstellung
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung stellten Oana und Radu Capan auch ihr neues Buch „Ein Gott, der sich selbst hingibt“ vor, in dessen Mittelpunkt die Idee eines Gottes steht, der sich selbst hingibt und die Menschen dazu aufruft, seine Mitarbeiter zu werden.
Die beiden Autoren wurden als Personen vorgestellt, die sich seit vielen Jahren in der Katechese engagieren und Materialien zur Vermittlung des katholischen Glaubens erstellen. Sie haben gemeinsam Bücher verfasst, katechetische Materialien für verschiedene Altersgruppen erarbeitet und Bücher sowie katechetische Programme übersetzt.
Bei der Vorstellung des neuen Buches wurde das Symbol des Pelikans erwähnt, das auch in der christlichen Kunst als Bild der Selbsthingabe vorkommt. Der Kerngedanke ist, dass Gott den Menschen nicht nur ruft, sondern ihm auch die Möglichkeit bietet, mit ihm zusammenzuarbeiten. Und selbst die Erfahrung des Leidens kann in dieser Perspektive zu einem Ort werden, an dem der Mensch dazu berufen ist, mit Gott zusammenzuarbeiten.
Fragen und Antworten
Im Anschluss an den Vortrag folgten Beiträge der Teilnehmer.
Der Diözesanbischof hob insbesondere den Zusammenhang zwischen der Botschaft des Vortrags und der Wiederentdeckung der Taufberufung im Kontext der Synodalität hervor. Die aktive Teilnahme der Gläubigen am Leben der Kirche, so betonte der Diözesanbischof, habe ihre Grundlage in der Taufe: Die Getauften seien bereits in das Leben Christi eingeführt und dazu berufen, für andere zu leben und ihr Leben hinzugeben.
Im Gespräch mit den Teilnehmern sprachen Oana und Radu Capan auch über ihren eigenen Glaubensweg und darüber, wie sie dazu gekommen sind, sich immer stärker im Leben der Kirche zu engagieren. Im Rückblick sprachen sie über das Vertrauen, das ihnen von einigen Menschen in der Kirche entgegengebracht wurde, und darüber, wie sie durch diese aufeinanderfolgenden Berufungen nach und nach den Weg entdeckten, den Gott vor ihnen eröffnete.
Eine Frage aus dem Publikum bezog sich auf die Situation, in der sich Kinder von Gott oder der Kirche entfernen. Die Antwort betonte die bedingungslose Liebe zu den Kindern und die aufrichtige Kommunikation mit ihnen, die bereits vor dem Auftreten solcher Situationen gepflegt werden sollte. Gleichzeitig wurde die Bedeutung der Gemeinschaft hervorgehoben und insbesondere für Kinder und Jugendliche die Existenz von Gruppen, in denen sie ihren Glauben gemeinsam mit Gleichaltrigen leben können. Ihre Erfahrung hat gezeigt, dass eine solche Gemeinschaft wichtige Unterstützung bieten und dazu beitragen kann, die Verbindung zur Kirche aufrechtzuerhalten.
Programme für Kinder und Jugendliche
Während die Erwachsenen an dem Vortrag teilnahmen, gab es für die Kinder und Jugendlichen Spiele und Aktivitäten, die auch nach dem Mittagessen fortgesetzt wurden. Laut Pfarrer Valentin Macedon Hiticaș machten die jüngeren Generationen einen bedeutenden Anteil der rund 300 Teilnehmer der Veranstaltung aus. Die aufblasbare Rutsche und die sehr unterhaltsamen und spannenden Gesellschaftsspiele, die Strategie, Geduld und Ausdauer erforderten und von Pfr. Piry Radulov, Seelsorger von Vinga und Orzydorf, mitgebracht worden waren, füllten den Platz vor dem Infozentrum und wurden zu Anziehungspunkten für Kinder und Jugendliche. Betreut wurden sie von den jungen Frauen der Schönstatt-Bewegung zusammen mit einer Gruppe von Jugendlichen aus den Pfarreien Slatina Timiș, Vinga und Temeswar IV Josefstadt sowie einigen Eltern unter der Leitung von Schw. Erika Mária Bukovics, Referentin des Diözesanjugendezentrums. Nach dem Mittagessen fand ein musikalischer Gottesdienst der Gruppe „Der Neokatechumenale Weg“ und der Familie Zöld statt.
Der Tag endete in einer Atmosphäre der Gemeinschaft, nach einem Programm, das den teilnehmenden Familien Zeit zum Gebet, zur Besinnung, zur Begegnung und zur Stärkung der gemeinschaftlichen Bindungen bot.
Pressestelle der Diözese Temeswar
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