Vor 81 Jahren, im Januar, wurden gemäß einem Dekret des Staatlichen Verteidigungskomitees der Sowjetunion, das am 16. Dezember 1944 von Josef Wissarionowitsch Stalin, dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, unterzeichnet wurde, aus Rumänien mehrere zehntausenden Banater Schwaben, Deutsche aus dem Banater Bergland, Siebenbürger Sachsen und Sathmarer Schwaben zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert – zur sogenannten „Wiederaufbauarbeit“. Betroffen waren Männer zwischen 17 und 45 Jahren sowie Frauen zwischen 18 und 30 Jahren. Die große Mehrheit der Banater Schwaben und der Deutschen aus dem Banater Bergland war römisch-katholisch und gehörte zu den Pfarrgemeinden der Diözese Temeswar. Für die Seelen der in der UdSSR verstorbenen Deportierten, aber auch für die Opfer von Gewalt, Krieg und Vertreibung, wurde am Freitag, dem 20. Februar dieses Jahres, in der Katharinenkirche in Temeswar I. – Innere Stadt, im Rahmen einer Heiligen Messe gebetet. An der Feier nahmen alle teil, die jener Ereignisse gedenken wollten: Offizielle Vertreter, Repräsentanten des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Angehörige der Deportierten und Gläubige. Die Heilige Messe wurde um 11.00 Uhr von Msgr. Johann Dirschl, Generalvikar, zelebriert, in Anwesenheit des evangelisch-lutherischen Pfarrers Walther Sinn aus Semlak. Konzelebrant war der hochw. Herr Josef Hajdú, emeritierter Pfarrer. Nach der Heiligen Messe fand eine Kranzniederlegung am Denkmal der Deportierten vor dem Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus statt.
An der Heiligen Messe und an den Gedenkveranstaltungen nahmen teil: Frau Anja Zougouari, Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Dr. Paul Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Dr. Ioan Fernbach, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, Herr Erwin Josef Țigla, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banater Bergland, Frau Cornelia Elena Micicoi, Präfektin des Kreises Timiș, Frau Milena Mureșan, Seitens des Bürgemeisteramtes Temeswar und Herr Ignaz Bernhard Fischer, Vorsitzender des Vereins der ehemaligen Russlanddeportierten. Seitens der Landsmannschaft der Banater Schwaben waren Frau Christine Theresia Neu, stellvertretende Vorsitzende, Herr Johann Janzer, Mitglied des Bundesvorstands, sowie Erna Paler und Walter Altmayer, vom Temeswarer Büro der Landsmannschaft.
Gemeinden wie Großsanktnikolaus, Lugosch, Busiasch, Sackelhausen, Sanktandreas, Reschitza und Arad sowie die Gruppe „Banater Kranz“ waren bei der liturgischen Gedenkfeier vertreten.
Die musikalische Gestaltung der Heiligen Messe wurde vom Domorganisten, Herrn Róbert Bajkai-Fábián, übernommen.
„Wir feiern heute eine hl. Messe für diejenigen, die leiden mussten – für die nach Russland Verschleppten. Es war eine schreckliche Zeit für die deutsche Minderheit in Rumänien. Viele unserer Verwandten, Freunde, Bekannten und Nachbarn – Eltern und Grosseltern – wurden in den Krieg eingezogen. Der Krieg war noch nicht einmal ganz zu Ende, da mussten schon diejenigen, die noch zu Hause geblieben waren – Männer zwischen 17 und 45 Jahren, aber besonders schmerzhaft auch Frauen zwischen 18 und 30 Jahren – nun Arbeitsdienst in Russland leisten. Wie wir aus den Statistiken wissen, kehrten ungefähr 15 Prozent von ihnen nicht mehr zurück. Ich glaube, jeder hatte jemanden in Russland verschleppt, vielleicht auch jemanden dort verloren. Mein Großvater Dirschl war ebenfalls in Russland, zusammen mit seinen zwei Brüdern und zwei Schwestern. Sogar im Donbass, eine Region über die wir heute so oft wegen des dortigen Kriegs hören. Mein anderer Großvater war im Krieg, dann in Gefangenschaft in England, zusammen mit seinem Bruder. Meine Großmutter väterlicherseits, die Dirschl-Großmutter, ist bei der Geburt meines Vaters verstorben. Die andere Großmutter war zu Hause mit meiner Mutter, weil sie noch klein war, aber ihre Geschwister – ein Junge und drei Mädchen – waren ebenfalls in Russland. Der Junge war erst 14 Jahre alt, aber trotzdem wurde er nach Russland verschleppt und dort vor den Augen seiner Schwestern erschossen. Wir sehen also, dass diese Zeiten keine einfachen Zeiten waren. Und zusätzlich wussten sie nicht, wie viele Jahre es dauern würde – ein Jahr, zwei Jahre, fünf Jahre oder noch mehr, bis sie wieder nach Hause kommen dürfen“, sagte Msgr. Johann Dirschl in seinem einleitenden Wort.
Die Evangelienlesung wurde von Pfarrer Josef Hajdú verkündet.
In der in deutscher und rumänischer Sprache gehaltenen Predigt erinnerte Msgr. Johann Dirschl an jene Ereignisse auch anhand historischer Daten und zitierte aus dem Band „Deportarea germanilor în Uniunea Sovietică (1945). Cu referire specială la Banat“ des Autors Mircea Rusnac: „Die Geschichte des zaristischen Russlands und später der Sowjetunion ist reich an Fällen massenhafter Deportationen von Bevölkerungsgruppen aus jenen Gebieten, in denen sich ein stärkerer Widerstand gegen das repressive Regierungssystem zeigte, in die am schwersten zugänglichen Regionen des Landesinneren (Sibirien, Kasachstan, Ferner Osten, Workuta, Kolyma usw.). Dieses Phänomen verstärkte sich während des Zweiten Weltkriegs, als die sowjetischen Machthaber es fertigbrachten, ganze Völker unter dem Vorwand der Zusammenarbeit mit dem Besatzer zu deportieren. Das erste Land, das dieses Phänomen erlebte – da es als erstes von der Roten Armee besetzt und der sowjetischen Einflusssphäre überlassen wurde – war Rumänien. Das rumänisch-sowjetische Waffenstillstandsabkommen vom 12. September 1944 legt fest, dass Rumänien der UdSSR 100.000 Arbeitskräfte zur Verfügung stellen muss. Die rumänische Regierung (…) bestimmte Männer zwischen 17 und 45 Jahren sowie Frauen zwischen 18 und 35 Jahren: 27.000 Siebenbürger Sachsen, davon 16.000 Frauen, 35.000 Banater Schwaben, davon 20.000 Frauen, und 18.000 Deutsche aus anderen Regionen Rumäniens.“
Nach dem Schlusssegen folgten Ansprachen von Dr. Ioan Fernbach, dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, Dr. Paul Jürgen Porr, dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Frau Konsulin Anja Zougouari, Frau Präfektin Cornelia Elena Micicoi sowie einem Vertreter der Stadtverwaltung Temeswar. Die Redner betonten, dass es die Aufgabe der Nachkommen der Deportierten ist, die Erinnerung lebendig zu halten, denn das Vergessen des erlittenen Leids würde bedeuten, das Unrecht zu relativieren. Diese Gedenkfeier richtet sich nicht nur auf die Vergangenheit, sondern ist zugleich ein Appell an die heutige Gesellschaft, unsere Menschlichkeit zu bewahren und die Würde jedes einzelnen Menschen zu verteidigen. Wie Herr Fernbach erwähnte, leben im Jahr 2026 im Banat noch 17 Personen von jenen, die aus den Lagern der UdSSR zurückgekehrt sind. „Wir erinnern uns an diese Gräuel jedes Jahresbeginns, um ein Zeichen an die kommenden Generationen zu senden: Solche Ereignisse dürfen sich niemals wiederholen“, sagte Herr Fernbach, der Vorsitzende des DFDB.
Ignaz Bernhard Fischer, Vorsitzender des Vereins der ehemaligen Russlanddeportierten, selbst Überlebender der Deportation, geboren am 2. Oktober 1926, teilte seine im Lager gemachten Erfahrungen: „Hunger, schwere Arbeit und fast kein Essen. Und das war wohl das Schwerste, was zu ertragen war. Wenn man weiß: Heute kann ich mich nicht stärken, morgen nicht, übermorgen nicht, auch in einem Monat noch nicht. Und die Läuse und das andere Ungeziefer haben uns Tag und Nacht gequält. Wir wussten uns nicht mehr zu helfen. So ist die Zeit vergangen. Man wusste nicht: Werde ich morgen, werde ich am nächsten Tag, werde ich in der nächsten Woche noch leben – oder nicht? Und stellt euch vor, wie viele von uns jungen Leuten dortgeblieben sind, zum Tode verurteilt, ohne einen Richter. Sie standen nie vor einem Richter. Es war Hunger, Not, Verzweiflung. So sind sie gestorben. Möge Gott ihnen gnädig sein. Wir hatten also noch Glück und konnten schließlich 1949 nach Hause kommen. Aber das, was wir erlebt und erduldet haben, hat sich so tief in unsere Herzen eingegraben, dass man sagen kann: So etwas darf nie wieder auf der Welt geschehen. Und darum setzen wir uns ein, so gut wir Kraft haben, um andere zu überzeugen: Der Mensch soll Mensch bleiben und nicht zum Unmenschen werden. Aber das ist nur möglich, wenn die Menschen zuerst Liebe und Glauben an Gott haben. Ist der Glaube nicht da – woher soll der Mensch dann die Kraft nehmen? Ohne Essen wird man körperlich schwach. Ohne Glauben wird man geistig schwach. Wir brauchen beides. Und wenn Menschen gottlos werden, dann werden sie auch unmenschlich. Das haben wir alle erlebt – sowohl bei den Braunen als auch bei den Roten. Und da kann ich nur eines sagen: Wenn wir eine bessere Zukunft wollen, dann hilft nur ein fester, überzeugender Glaube an Gott.“
Nach der Heiligen Messe begaben sich die Anwesenden zum Deportierten-Denkmal im Garten des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses, wo ein Moment des Gebets und der Ehrung stattfand. Durch das Niederlegen von Kränzen wurde der Respekt und die Dankbarkeit gegenüber jenen zum Ausdruck gebracht, die gelitten haben.
Pressestelle des Bistums Temeswar















