Nur 20 Kilometer von Temeswar entfernt, in Richtung Chevereșu Mare/Groß-Keweresch, liegt die Ortschaft Dragschina – ein Dorf in der Nähe des Flusses Temesch. In seinem Werk Magyarország vármegyéi és városai/ Temes vármegye (1896–1914) (Die Komitate und Städte Ungarns / Komitat Temesch (1896–1914)) beschreibt der Historiker Samu (Samuel) Borovszky den Ort als eine Siedlung, die bereits im 15. Jahrhundert von rumänischen Familien besiedelt war. „Auf der Karte des Grafen Mercy aus den Jahren 1723–1725 ist die Ortschaft unter dem Namen Dragschina verzeichnet. Im Jahr 1835 ließen sich hier ungarische Familien nieder, die die Ortschaft weiterentwickelten“ – ergänzt der Autor und erwähnt, dass es damals eine orthodoxe Kirche sowie ein kleineres Gebetshaus der griechisch-katholischen Gläubigen gab.
Über die von der römisch-katholischen Gemeinde errichtete Kirche finden wir weitere Einzelheiten im Archiv der Römisch-Katholischen Diözese Temeswar. In einem Schreiben vom 28. Oktober 1938, das an Bischof Augustin Pacha – den damaligen Hirten der Diözese – gerichtet war, vermerkt Pfarrer Wendelin Lindner aus Bakowa, zu dessen Pfarrei die Filiale Dragschina damals gehörte und bis heute gehört, Folgendes: „Der Katholische Volksbund hat über Generalsekretär József Fodor die Kirchengemeinde von Dragschina darüber informiert, dass das neue Gotteshaus mit einem Kreuzweg beschenkt wird. (…) Falls Sie die Kirche am 6. November dieses Jahres zu weihen, das heißt zu segnen, geruhen sollten, (…) würde ich Sie in tiefer Demut bitten, auch den Kreuzweg zu segnen – vorausgesetzt, wir haben ihn bis dahin erhalten. Ein weiteres Schreiben vom 28. Januar 1939 informiert darüber, dass die Kirche in Dragschina von der Diözese und der Leitung des Theologischen Seminars die alten Bänke dieser Einrichtung erhalten hat, die zuvor in der Kirche von Fratelia verwendet wurden. Das Harmonium der Kirche wurde in Budapest in der Werkstatt Pajkr Rezső és Társa angefertigt.
Die Schutzpatronin der Kirche ist die hl. Thérèse von Lisieux. In diesem Jahr feierte die Gemeinde das Kirchweihfest am Sonntag, dem 5. Oktober. Die Heilige Messe wurde um 11:00 Uhr von S.E. Bischof Josef Csaba Pál zelebriert. Konzelebriert haben Pfr. Zoltán Kocsik, Direktor des Römisch-Katholischen Theologischen Lyzeums „Gerhardinum“ und Pfarrer Eugen Vodila, dem Seelsorger von Bad Busiasch und Bakowa. Die musikalische Gestaltung des Hochamtes übernahm Herr János Fodor aus Rekasch.
Vor der Heiligen Messe wurde der Diözesanbischof herzlich empfangen – sowohl von Pfarrer Eugen Vodila, als auch von den Mitgliedern der kleinen Gemeinde. Denn zu den ersten Pfarreien, die der heutige Hirte der Diözese vor vierzig Jahren betreute, gehörte auch die Pfarrei Bakowa mit ihren Filialen. Viele Gläubige waren damals Kinder oder Jugendliche und erinnerten sich jetzt mit Rührung und Freude im Herzen, vielleicht auch mit etwas Nostalgie, an jene Jahre. „Auch ich habe schöne Erinnerungen an die Gemeinde von Dragschina – es sind herzensgute Menschen. Mit den Jugendlichen habe ich nach der Heiligen Messe Religionsstunden und Bibelkreise gehalten“, sagte der Diözesanbischof in seinem Grußwort.
In seiner Predigt sprach der Bischof über die Schutzpatronin des örtlichen Gotteshauses, die hl. Thérèse von Lisieux: „Ich gebe zu, dass ich jeden Morgen zur hl. Thérèse von Lisieux bete. So habe ich es mir seit meiner Kindheit angewöhnt. Thérèse hatte ein außergewöhnlich großes Vertrauen in Gott. Sie war so sehr auf Gott ausgerichtet, dass sie, als sie Novizenmeisterin war, von einer jungen Schwester gefragt wurde: »Thérèse, macht es dich nicht traurig, wenn du deine eigenen Schwächen siehst?« Und Thérèse antwortete: »Früher hat es mich traurig gemacht, aber jetzt nicht mehr.« Als ich diesen Satz las, blieb ich nachdenklich: Warum hat sie so geantwortet? Weil es nicht Gottes Wille ist, dass ich mich mit meinen Schwächen beschäftige. Thérèse war immer auf Jesus ausgerichtet. Und so sollen auch wir Vertrauen in Gott haben. Die hl. Thérèse von Lisieux ist auch die Patronin der Missionare, obwohl sie von ihrem 15. bis zu ihrem 24. Lebensjahr, als sie zum Herrn heimgegangen ist, nur im Kloster lebte. Sie war nie auf Mission, aber sie hat ihre Gebete den Missionaren gewidmet. Auch wir sollen nicht denken, dass wir keine großen Fähigkeiten haben. Jeder Tag hat 24 Stunden, die wir Gott schenken können – und das sollen wir mit Freude tun.“
Nach dem Schlusssegen dankte Pfarrer Eugen Vodila dem Diözesanbischof für die Feier der Kirchweihmesse und lud alle Anwesenden zu einer Agape im Hof der Kirche ein.
Pressestelle der Diözese Temeswar












