Der kriegerische Überfall der Russischen Föderation auf die Ukraine hat uns alle überrascht, aber im Rahmen der Vorstandssitzung, die gerade während dieser Zeit in Kronstadt/Brașov tagte, wurden sofort unterstützende Hilfsmaßnahmen für die Menschen in der Ukraine in die Wege geleitet.
Am Abend des 25. Februars wurden 130 Plätze zur Unterbringung von Flüchtligen identifiziert, in 8 Einrichtungen des Verbandes, in den römisch-katholischen Diözesen Jassy/Iași, Karlsburg/Alba-Iulia und Temeswar/Timișoara. Zwei Kleinbusse mit einem ersten humanitären Hilfstransport erreichten schon am 4. März das ukrainische Tschernowitz.
Der Transport startete aus Temeswar, mit Halt in Kronstadt/Brașov und Oituz, um daselbst die gekauften Güter aufzunehmen. Im Grenzort Sereth/Siret stieß der zweite Kleinbus dazu, gefahren von Mitgliedern des Kolping-Vereins Niklasmarkt/Gheorgheni. Alle Einkäufe waren anhand einer von den Kolpingfreunden und -kollegen aus der Ukraine zugeschickten Bedarfsliste getätigt worden.
Die Ladung umfasste vor allem Hilfsmittel zur Wundversorgung wie Tourniquets (Abbindesystem zur Blutstillung), Verbandszeug alles Art und viele Arzneien – gegen Erkältung, Antibiotika, Hämostatika, Analgezika usw., Rettungs- und Thermodecken, Desinfektionslösungen, Lebenmittel wie Öl, Pasta, Konserven, Energieriegel, dann Pflegemittel für Babys und Kinder und Hygienartikel für Erwachsene, Taschenlamepn und Batterien, Ladegeräte, Thermounterwäsche, feste Schuhe.
Viele dieser Artikel konnten aus Eigenmitteln besorgt werden, mit finanzieller Unterstützung von Kolping International mit seinen vielen Spendern, dann gab es private Spenden aus Rumänien und einen tollen engagierten Einsatz der Kolping-Vereine aus Rumänien. Am 27. Februar schon lancierte Pfarrer Daniel Dumitru im Rahmen des sonntäglichen Gottesdienstes in der Millenniumskirche Temeswar einen Spendenaufruf zugunsten der Bevölkerung aus der Ukraine und der Flüchtlinge. Die Pfarreiangehörigen reagierten sofort und bereite eine der Hilfssendungen für Tschernowitz vor.
Der innerhalb kürzester Zeit zusammengestellte Hilfstranport aus West und Ost erreichte den Norden Rumäneins, wo über die aus der Zivilgesellschaft erwachsene Solidarität an der Grenze und die offene Unterstützung der rumänischen Behörden nur gestaunt werden konnte. Ohne Probleme konnte die Stadt Tschernowitz errreicht werden.
Was innerhalb der Ukraine von der Bevölkerung während dieser Tage geleistet wird, ist mehr als überwältigend. Die Bevölkerung reagiert selbstlos. Wir konnten eine Küche besuchen, die im Untergeschoss einer Schule eingerichtet wurde, in der Freiwillige täglich bis zu 200 Portionen Essen für Bedürftige, Krankenhäuser, die Armee zubereiten. In den Schulklassen werden Erste-Hilfe-Beutel für Soldaten genäht. Flüchtlingskinder aus Harkow zeichnen und schneiden Herzen aus, die zur Ermutigung der Soldaten in die Beutel gelegt werden. Männer schneiden aus Gummiresten und Kautschukartikeln Aderpressen zu, für jene, die an vorderster Front kämpfen. Im Sportsaal werden Lieder gesungen und aus Fischernetzen und Kleiderresten Tarndecken für Panzer gefertigt…
Inspiriert von diesem Mut und Durchhaltewillen kehrten wir motiviert zurück, um auch weitere Lieferungen vorzubereiten und durchzuführen.
Die nächsten Sendungen nach Tschernowitz umfassen vor allem weitere Arzneimittel, haltbare Lebensmittel und Süßigkeiten, aber vor allem Schuhe, Schlafsäcke, Zelte, Stromgeneratoren, Wasserreservoirs. Kolping Rumänien konnte 5 weitere Kleinbusse beladen. Großzügige Unterstützung kam vom Verein der Hausärzte und vom Verein der Arbeitgeberschaft aller Hausärzte aus Bukarest-Ilfov mit Arzneien und Mittel für die Wundversorgung.
Eine zweite Priorität ist für Kolping Rumänien die Unterstützung der Bevölkerung, die vor dem Krieg auf der Flucht ist und in Rumänien Zuflucht sucht und Hilfe. Menschen, die sich mitten im einer Kriegssituation wiederfinden, brauchen Schutz und Unterstützung. Deswegen richtet Kolping Rumänien ebenfalls an unsere Bevölkerung den humanitären Aufruf „Solidarität für die Ukraine“!
Die ersten Flüchtlinge kamen auch schon bei uns in Kronstadt/Brașov an, einige auch in Temeswar/Timișoara. Von diesen entschieden sich einige hierzubleiben und auf der Kolping Gesellenhaus-Bauselle zu arbeiten – sich in der glücklichen Situation befindend, vereint zu sein, als ganze Familie.
Mitgebracht vom ersten Weg in die Ukraine hatten wir eine junge Mutter, die auf die Fragen ihrer kleinen vierjährigen Mädchen keine Antwort hatte: Wohin gehen wir – Wo bleibt die Großmutter? Warum ist Vater nicht bei uns?
Die tragische Situation in der Ukraine wird tragische Folgen für die Zivilbevölkerun haben, das Land zerstören, die Infrastruktur – man denke nur an die fehlende Versorgung mit Wasser, Strom, Wärme. Schrecklich ist die Massenflucht der Menschen, die durchlittenen Traumata, furchtbar die getrennten Familien, die vermissten, die getöteten Menschen…
Täglich leiden hunderttausende Menschen in den Konflikzonen an der fehlenden Versorgung mit dem Allernotwendigsten. Die Läden sind leer, auch wenn noch Geld vorhanden ist – es nützt nicht mehr.
Kolping Ukraine, die Menschen aus der Urkaine braucht unsere Hilfe! Im Kolpinghaus Tschernowitz wurde ein Zentrum für die Lagerung und Verteilung der internatioanen Hilfsgütern eingerichtet. Die Hilfen werden weitervermittelt an Spitäler, Armenküchen, Rehabilitationszentren, andere humanitäre Vereine die sich um die Versorgung der Bevölkerung bemühen.

Eduard Dobre
10.03.2022, Temeswar/Timișoara