Über den Diener Gottes Áron Márton, Bischof von Siebenbürgen, wurde bereits viel geschrieben: Historiker, Archivare, Theologen und Zeitzeugen haben die Ereignisse seines Lebens in Büchern, Studien und Dokumentenbänden festgehalten. Der Reichtum und die Vielfalt dieser Literatur zeigen schon für sich, welch außergewöhnliche Gestalt er für Siebenbürgen im 20. Jahrhundert und für die katholische Kirche in unserem Lande war. Und doch gibt es Erinnerungen, die nirgendwo sonst zu finden sind als im Herzen jener Menschen, die ihm persönlich begegneten.
Diese Interviewreihe, die im Rahmen des Áron‑Márton‑Jahres (am 18. Februar dieses Jahres von der Abgeordnetenkammer durch ein Gesetz verabschiedet, das zuvor den Senat passiert hatte, wodurch das Jahr 2026 zum „Bischof-Márton-Áron-Jahr“ erklärt wurde, um den 130. Jahrestag der Geburt des Bischofs zu begehen), entstanden ist, möchte keine neuen historischen Daten hinzufügen und kein weiteres Kapitel zu den bestehenden Monografien bieten. Vielmehr will sie jenes persönliche Erbe bewahren, das nur das menschliche Gedächtnis bewahren kann: die Wärme eines Händedrucks, den ermutigenden Blick, das Gewicht eines Wortes oder Satzes, die prägende Kraft einer Begegnung.
Jede Erinnerung ist einzigartig – und gerade deshalb bergen diese Interviews besondere Schätze. Nicht, weil sie neue Informationen liefern, sondern weil sie zeigen, wie Áron Mártons Gestalt in denen weiterlebt, die ihn aus der Nähe erlebten. Wie er auf sie wirkte, was sie von ihm lernten, was für ein Mensch er für sie war. Und wie sie ihn heute, Jahrzehnte später, mit Respekt, Dankbarkeit und Zuneigung im Gedächtnis bewahren.
Jede einzelne Erinnerung ist ein einmaliges Zeugnis, ohne das unser gemeinsames Gedächtnis ärmer wäre.

Interview mit Msgr. György Kóbor, emeritierter Generalvikar und emeritierter Pfarrer von Tschakowa, Leiter des Caritas-Verbands in Tschakowa

Pfr. György Kóbor wurde am 26. November 1941 im Dorf Dejan/Deschan im Kreis Temesch geboren. Er absolvierte sein Theologiestudium am Priesterseminar in Alba Iulia/ Karlsburg, wo er am 5. April 1964 in der St.-Michael-Kathedrale vom Diener Gottes Bischof Áron Márton zum Priester geweiht wurde.
Pfr. Kóbor war als Pfarrer in Arad-Micălaca, Cruceni-Timiș und Tschakowa tätig. Er betreute die Pfarrei Tschakowa mehr als drei Jahrzehnte lang und musste im Laufe der Zeit auch die umliegenden Pfarreien und Filialen übernehmen: Folea, Ghilad, Satu Iosif, Liebling und Obad. Mit der Wiederbelebung des Domkapitels nach 1990 wurde Pfarrer Kóbor zum Domherr (Canonicus Junior) und am 9. Juni 1993 zum Generalvikar von Bischof Sebastian Kräuter ernannt. Bischof Martin Roos erhob Domherr Kóbor am 19. Mai 2002 in das Amt des Praepositus Minor (Kleinprobst) des Domkapitels von Temeswar.

– Herr Direktor, Sie haben ab 1955 in Karlsburg studiert. Wie erinnern Sie sich an diese Zeit und an Bischof Áron Márton?
– Als Bischof Áron Márton 1955 aus dem Gefängnis entlassen wurde und nach Hause zurückkehren konnte, kehrten auch jene Theologiestudenten ins Seminar zurück, die die Einrichtung aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit den Priestern der sogenannten Friedensbewegung aus der Zeit des Kommunismus verlassen hatten. So verfuhr beispielsweise auch Pfr. Ladislaus Túry, unser ehemaliger Groß-Domprobst. Er war nach Bărăgan zu seinen Eltern gezogen, die einige Jahre zuvor dorthin deportiert worden waren. Als sie also hörten, dass Bischof Áron Márton aus dem Gefängnis entlassen worden war, kehrten die Theologiestudenten nach und nach ins Seminar zurück. Unter ihnen befanden sich auch einige griechisch-katholische Studenten. Sie waren nicht im ersten Studienjahr; einige hatten bereits einen zivilen Beruf und eine Anstellung, praktizierten als Ärzte oder arbeiteten als Ingenieure. In jenem Jahr, 1955, kam auch ich nach Karlsburg an die Kantorschule. Es war offensichtlich, wie erschöpft die Lehrerschaft war. Zum Beispiel war Pfr. Károly Troján, Professor für Theologie, im Ersten Weltkrieg Oberfeldwebel gewesen, und so sehr er sich auch bemühte, er konnte nicht mehr mit jugendlichem Elan unterrichten. Bischof Márton musste das Seminar neu organisieren und sich auch um das Lehrpersonal kümmern.
Damals lud er Dr. Mihály Tyukodi ein, am Seminar zu unterrichten; dieser war auch in den Zwangsarbeitslagern am Donau-Schwarzmeer-Kanal inhaftiert gewesen. Normalerweise achte ich nicht darauf, wie sich jemand kleidet, doch damals fiel mir auf, dass er einen von Motten zerfressenen Lodenmantel trug. Bevor er mit dem Unterrichten begann, teilte Bischof Márton ihm mit, welche Erwartungen er an ihn habe: in erster Linie sollte er geistlich sein, aber gleichzeitig auch eine Art „Universallehrer“. Er war sowohl auf Latein als auch auf Geschichte spezialisiert, wie es die damaligen Umstände erforderten. Unter seiner Anleitung bauten wir unseren Fußballplatz, und zu unseren Spielen kam oft auch Bischof Áron Márton. Er brachte den Preis, den Pokal, mit und amüsierte sich über unsere Ungeschicklichkeiten. Leider konnte er sich nicht lange an der Freiheit erfreuen, denn ab dem Frühjahr 1957 wurde er im Bischofspalast unter Hausarrest gestellt, was bedeutete, dass ihm nur die Strecke zwischen seiner Wohnung und der Erzbischofskathedrale als Bewegungsradius gestattet waren. Zu jener Zeit kamen in Karlsburg nicht viele katholische Gläubige in die Kirche, und es lebten dort nur wenige Ordensmänner und Nonnen. Wir sorgten für die Teilnehmerzahl und die Beteiligung. Denn sobald sie hörten, dass der Bischof zu Hause war, strömten die jungen Leute, die meisten aus dem Szeklerland, in so großer Zahl in die Kantorschule, dass es unmöglich war, alle Bewerber aufzunehmen. Bischof Márton erkannte, dass es physisch unmöglich war, einen so großen Studentenstamm aufrechtzuerhalten, und erklärte daher vielen von ihnen freundlich, dass sie benachrichtigt würden, sobald einige Plätze frei würden. Und genau so kam es auch: Wenn jemand aus verschiedenen Gründen sein Studium nicht fortsetzte, fand sich immer ein anderer Kandidat, der seinen Platz einnahm.
Da es Bischof Áron Márton nicht gestattet war, seine Wohnung zu verlassen, kamen die Gläubigen zu ihm. So kamen beispielsweise jedes Jahr zahlreiche Firmlinge nach Karlsburg, und die Spendung des Heiligen Firmungssakraments war stets ein schönes Fest. Da Seine Exzellenz nicht den ganzen Tag zwischen vier Wänden bleiben konnte, arbeitete er oft im Garten. So kam es, dass eines Tages jemand auf ihn schoss, doch glücklicherweise verfehlte die Kugel ihr Ziel. Auch die Situation der Priestergruppe aus der „Friedensbewegung“ gelang es ihm, nach und nach zu lösen.

– Gab es viele solcher Priester?
– Ich weiß nicht genau, wie viele es waren. Wir als junge Schüler der Kantorschule konnten ohnehin nicht viel wissen, aber hier und da drangen doch gewisse Nachrichten zu uns durch. Zum Beispiel die Tatsache, dass Bischof Áron Márton trotz der Verfolgungen seinen Prinzipien und der Unabhängigkeit der Kirche treu blieb und jeden Kompromiss mit der kommunistischen Macht in inneren Angelegenheiten der Kirche und in Glaubensfragen ablehnte. Diejenigen, die dem Regime dienten, kannten keine Skrupel: Sie schikanierten nicht nur ihn, sondern auch die Priester. So verschwand beispielsweise der Pfarrer einer Dorfgemeinde. Nachdem er Bischof Márton in Karlsburg besucht hatte, kehrte er nicht mehr nach Hause zurück. Zuletzt wurde er in Teiuș gesehen. Etwa drei Monate später wurde er in einem Arbeitslager am Donau-Schwarzmeer-Kanal gefunden. Auch andere Priester beschwerten sich bei Seiner Exzellenz, denn mit ihm konnten sie ganz offen sprechen. Bei wem sonst hätten sie Verständnis und Schutz suchen können? Und wenn er sah, dass manche Priester von den Machthabern brutal behandelt wurden, nahm er sie ins Bistum auf. Er gab ihnen dort Arbeit und befreite sie so aus den Fängen der Securitate. „De internis non iudicat praetor“ – sagte er oft, das heißt, über interne Angelegenheiten hat niemand von außen das Recht zu urteilen. Allerdings konnte auch er nicht viel dagegen tun, dass die Seminaristen manchmal oder sogar öfter zur Securitate vorgeladen wurden. Ich gehörte zu den Ersten, obwohl ich weder hübscher noch klüger war als die anderen, aber ich stammte, wie man so sagt, aus einer ethnisch gemischten Gegend. Sie verlangten meinen UTM-Ausweis (Verein der Arbeiterjugend), fragten mich, in welcher Armee mein Vater gedient hatte, welche Schule meine Mutter besucht hatte und andere Dinge dieser Art. Die griechisch-katholischen Theologiestudenten wurden von einem Tag auf den anderen aus dem Seminar verwiesen. Der angeführte Grund lautete: „Du hast kein Recht auf zwei Studiengänge.“ (Sie waren 1955 von Bischof Márton, der gerade aus dem Gefängnis entlassen worden war, im Seminar von Alba Iulia aufgenommen worden. Schließlich wurden im vierten Studienjahr die letzten beiden griechisch-katholischen Studenten, Pantelimon Aștelean und Lucian Mureșan (später Kardinal), vom Kultusministerium aus dem Seminar exmatrikuliert – Anm. d. Red.)“

– Was für ein Professor war Bischof Márton?
– Seine Exzellenz Márton stand bis 1967 unter Hausarrest. Dreimal pro Woche empfing er uns, die Studenten seines Jahrgangs – zwölf an der Zahl –, im Bischofssitz und unterrichtete uns dort. Er war ein Mensch von außerordentlicher Bescheidenheit. Manchmal brachte er uns im besten Sinne des Wortes auch den einen oder anderen kleinen Trick bei. Der Unterricht fand in einer angenehmen Atmosphäre statt, niemand hatte Angst. Er unterrichtete Hodegetik. Er war gut und verständnisvoll zu uns, und wir gingen sehr gerne zu seinen Vorlesungen. Nach unserer Weihe im April, im Juni, noch vor Ende des Studienjahres, rief er jeden von uns einzeln zu einem Gespräch. Mich ermutigte er so: „Mein Sohn, hab keine Angst! Erfülle mutig deine Pflicht!“ In den Studienjahren war ich nicht allzu oft Teil der Assistenz, das war nicht meine Stärke. (Die Assistenz umfasst alle Personen, die den liturgischen Dienst ausüben – zum Beispiel Ministranten, Akolythen, Diakone –, die den zelebrierenden Priester oder Bischof während der Feier unterstützen – Anm. d. Red.) Josef Hoffman, also Pater Pius, ein aus Glogowatz stammender Salvatorianerpater, der später auch im Kloster in Temeswar–Elisabetstadt tätig war, bat mich vor seiner Priesterweihe, dort zu bleiben, um ihm zu helfen. Seine Weihe fand am 26. Juni nach Abschluss des akademischen Jahres statt, und damals war es so, dass die Seminaristen am Ende des Jahres sofort nach Hause geschickt wurden, denn solange sie im Seminar waren, mussten sie verpflegt werden. Pater Pius bat mich jedoch, noch ein paar Tage zu bleiben, denn bei der Weihe und dann auch bei seiner ersten Heiligen Messe, die er zu Hause zelebrierte, wäre es gut gewesen, jemanden an seiner Seite zu haben, der in Karlsburg studiert hatte. So kam es, dass ich bei der Weihe-Messe gleichzeitig Infulist und Baculist war. Mit einer Hand nahm ich die Mitra vom Kopf des Bischofs, und in der anderen hielt ich den Bischofsstab. Seine Exzellenz sagte zu dieser „Geschicklichkeit“ von mir nichts, er lächelte nur. Bei einer anderen Gelegenheit, bei einer anderen Weihe, versteckte ich mich in der Sakristei. Ich bemerkte, dass große Aufregung herrschte: Der Bischof verlangte nach seiner Brille. Ich sah von der Sakristeitür aus, dass er die Brille trug, aber ich hatte niemanden, dem ich das sagen konnte. Als bereits der fünfte Messdiener nach seiner Brille suchte, fasste einer von ihnen den Mut zu sagen: „Eure Exzellenz, wir finden sie nirgends.“ Inzwischen hatte aber auch der Bischof bemerkt, wo seine Brille war, und sagte nur: „Vielen Dank, ich brauche sie nicht mehr.“
Der Bischof war so bescheiden, dass sich seine Mitbrüder schon dafür schämten, wie abgetragen sein alter Mantel war. Der Pfarrer von Bărăbanț fasste sich ein Herz und „stahl“ ihm den Mantel. Bevor er ihn jedoch mitnahm, hinterließ er an seiner Stelle einen neuen. Der Bischof suchte danach: Wo ist er, wer hat ihn genommen? – „Eure Exzellenz, ich bitte um Verzeihung, ich habe ihn genommen“, gestand der „Täter“.
Aber nicht nur als Lehrer/Professor, sondern auch als Diözesanbischof war er verständnisvoll und gutherzig. Als sich beispielsweise einer unserer Mitbrüder, ein Priester, übermäßig dem Alkohol zugewandt hatte, suspendierte er ihn nicht, sondern nahm ihn zu sich und half ihm, sich von seiner Sucht zu befreien. Und das zeigt, wie sehr ihm das Schicksal der ihm anvertrauten Priester am Herzen lag. Ich freue mich unendlich, dass wir uns in diesem Jahr auf besondere Weise an Bischof Áron Márton erinnern können.

– Vielen Dank für das Interview.

Pressestelle der Diözese Temeswar