Anlässlich des Heiligen Jubiläumsjahres 2025, das vom inzwischen verstorbenen Papst Franziskus ausgerufen wurde, pilgerten mehrere Gruppen aus der Diözese Temeswar nach Rom. Priester, Ordensleute und Laien machten sich auf den Weg in die Ewige Stadt, um die Heiligen Pforten zu durchschreiten und gemeinsam mit Hunderttausenden von Pilgern aus aller Welt ihren Glauben und ihre Gemeinschaft zu feiern. Mit dem römischen Treffen der synodalen Gruppen Ende Oktober fanden die vom Bistum Temeswar organisierten Jubiläumspilgerreisen auf diözesaner Ebene ihren Abschluss. Über die in Rom gesammelten Erfahrungen sprachen wir mit S.E. Josef Csaba Pál, Diözesanbischof.
– An wie vielen Jubiläumspilgerreisen hat Eure Exzellenz teilgenommen?
– Im März nahm ich an einem ökumenischen Jubiläumstreffen teil, im Rahmen dessen wir zur Basilika St. Paul vor den Mauern pilgerten und durch die dortige Heilige Pforte schritten. In der Basilika durfte ich an einem schönen ökumenischen Gebet teilnehmen, das mein Inneres auf besondere Weise öffnete. Es folgte die Jubiläumswallfahrt der Familien vom 30. Mai bis zum 4. Juni, bei der mehrere Hundert Teilnehmer aus dem Land dabei waren – aus unserer Diözese etwa vierzig Personen. Es war bereichernd, Einblick in die Familienpastoral aus aller Welt zu gewinnen. Was mich besonders berührt hat, war die Tatsache, dass Familien verschiedene Vereinigungen, Gruppen und Gemeinschaften gründen, weil sie einander unterstützen möchten. Diese Vereinigungen sind meist nicht tätigkeitsorientiert, sondern beziehungsorientiert. Das bedeutet, sie organisieren sich nicht, um gemeinsame Aktivitäten durchzuführen, sondern um ihre Sorgen miteinander zu teilen. Als interessante Randnotiz erwähne ich, dass es beispielsweise eine Vereinigung von Schwiegermüttern gibt oder eine Vereinigung von Eltern, deren Kinder homosexuell sind. Ebenso wird es als sehr wichtig erachtet, dass verschiedene Vereinigungen zum Thema Kindererziehung entstehen, denn Kinder achten besonders aufeinander und bemerken, wenn manchen ihrer Kameraden von den Eltern mehr erlaubt wird als ihnen selbst. Es ist gut, wenn sie sehen, dass viele ähnlich denken. Vom 23. bis 28. Juni fand die Wallfahrt der Bischöfe und Priester statt. Aus unserer Diözese nahmen 23 Personen teil: ein Bischof, ein Diakon und 21 Priester. Es war eine sehr, sehr schöne Pilgerreise, bei der wir spürten, wie viel näher wir einander gekommen sind – wir suchten gemeinsam ein Restaurant zum Essen, gingen gemeinsam zu Fuß, warteten gemeinsam auf den Bus… Wir nahmen an der Priesterweihe in der Petersbasilika teil, die vom Heiligen Vater zelebriert wurde, und es war für uns ein schönes internationales Erlebnis zu sehen, wie Priester und Gläubige aus verschiedenen Nationen und Kontinenten diese Liturgie erleben. Bei dieser Gelegenheit besuchten wir auch das römische Zentrum der Sant’Egidio-Gemeinschaft, und es war bewegend zu sehen, wie diese Gemeinschaft heute zum Beispiel gemeinsam mit Jugendlichen für Arme oder Drogenabhängige arbeitet, die Hilfe benötigen. Wir speisten in einem Restaurant, in dem Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen bedienten – sie wurden eingestellt, um durch ihre Arbeit die eigene Würde und ihr Selbstvertrauen zurückzugewinnen. Zuletzt nahm ich an der Wallfahrt der synodalen Gruppen Ende Oktober teil, bei dem von den 13 Mitgliedern unserer diözesanen Synodalgruppe 12 Personen an diesem Treffen teilnehmen konnten. Es war ein großes Erlebnis für uns, dass der Heilige Vater zwei Stunden mit uns verbrachte. Vertreter verschiedener Kontinente berichteten darüber, wie der synodale Prozess in ihren Regionen verläuft. Nach den Berichten stellte jeder von ihnen dem Heiligen Vater eine Frage, auf die er direkt vor Ort antwortete. Wir nahmen auch an Kleingruppengesprächen, Workshops und Vorträgen teil. Mehrere Themen kamen zur Sprache, wie zum Beispiel: Wie beginnt man einen synodalen Prozess? Wie definiert man dessen Ziel? Für wen ist er gedacht? Wie geht man mit Einwänden um und was kann man daraus machen? Es war eine schöne Lektion in Unterscheidung – und zugleich eine große Hilfe. Es war schön, all dies vor Ort gemeinsam mit anderen zu erleben, denn wir wurden sehr aktiv in die Programme und Workshops eingebunden. Es war beeindruckend zu sehen, wie auf der ganzen Welt versucht wird, in diese Richtung Schritte zu unternehmen. Mancherorts ist das Tempo etwas schneller, andernorts geht es langsamer voran. Wichtig ist, dass wir den guten Willen und das Bestreben gesehen haben, durch synodale Aktivitäten zur Erneuerung der Kirche beizutragen. In unserem Fall wurde besonders hervorgehoben und gewürdigt – unter anderem von Kardinal Hollerich –, dass wir den teilnehmenden Gruppen die Themen und Fragen der synodalen Gespräche im Voraus zusenden, damit die Mitglieder Zeit haben, darüber nachzudenken und sich so leichter in den ihnen zur Verfügung stehenden drei Minuten äußern können. Zugleich konnten wir viel von anderen lernen – etwa, dass es Orte gibt, an denen spezielle Büros eingerichtet wurden, die diese Aktivitäten koordinieren, sei es auf diözesaner oder nationaler Ebene. Auch während der Heiligen Messe, die der Heilige Vater am Sonntag, dem 26. Oktober zelebrierte, erhielten wir viel Ermutigung. Papst Leo XIV. betonte, dass niemand die volle Wahrheit besitzt. Wir alle suchen nach einer immer größeren Fülle der Wahrheit – dazu brauchen wir Gott, aber auch einander, denn wir müssen gemeinsam danach suchen. Der Kern der Synodalität besteht genau darin, gemeinsam den Willen und den Plan Gottes zu erkennen.
– Jede Pilgerreise brachte gewiss neue Erfahrungen mit sich. Was aber war ihnen allen gemeinsam, und welches besondere Erlebnis trägt Eure Exzellenz im Herzen im Zusammenhang mit diesen Wallfahrten?
– Gemeinsam war die Erfahrung, dass die Pilger nicht nach Rom kamen, weil sie dazu gezwungen wurden oder weil es eine Pflicht war. Dort waren Tausende, Zehntausende von Menschen, die nicht als Mitglieder vorab geplanter Jubiläumsgruppen teilnahmen, sondern aus freiem Willen Zeit für diese Gelegenheiten aufbrachten – Zeit für geistliche Erbauung, für Erneuerung, für den lieben Gott. Es war ein schönes Gefühl, Teil dieser weltweiten Bewegung zu sein, im Herzen der Kirche zu stehen, die Begeisterung, Freude und den Glauben der Menschen aus aller Welt zu sehen. Ich bin überzeugt, dass die meisten von uns, die dort waren, in der Hoffnung gestärkt wurden. Genau das war das Ziel des Heiligen Vaters mit diesem Jubiläum: dass wir in der Hoffnung gestärkt werden. Wir waren dort als Pilger der Hoffnung, und der Glaube der anderen, der Vielen, hat uns gestärkt – denn wir sahen, dass auch andere mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, und dennoch mit Begeisterung und Freude dem Herrn folgen und für die Kirche wirken wollen. Ich denke, das hat vielen von uns, die aus der Diözese an diesen Pilgerreisen teilgenommen haben, einen starken Impuls gegeben. Erneuerung geschieht nicht so, dass man sie heute plant und übermorgen verwirklicht. Sie vollzieht sich dadurch, dass wir jeden Tag einen kleinen Schritt in diese Richtung machen. Zum Beispiel bei den synodalen Gesprächen: dadurch, dass wir dem anderen zuhören und selbst den Mut haben auszusprechen, wie wir Gottes Willen in dem jeweiligen Bereich sehen, bereichern wir uns gegenseitig. Wir erleben, dass wir gemeinsam am Aufbau des Reiches Gottes mitwirken. Nicht so, dass einige befehlen und andere ausführen, sondern gemeinsam. Diese „Gemeinsamkeitserfahrung“, die wir nach und nach gewinnen, wird mit der Zeit nicht nur ein Erlebnis bleiben, sondern zur Gewohnheit werden – dass wir gemeinsam arbeiten wollen und dass jeder wichtig ist. Manchmal ist es schwierig, denn manche äußern Meinungen, an die wir selbst gar nicht gedacht haben, und wir können kaum nachvollziehen, wie solche Ideen entstehen. Doch die synodale Haltung hilft uns, dennoch darüber nachzudenken. Und am Ende ist es nicht sicher, ob meine oder die Meinung des anderen ausschlaggebend ist – sondern aus dem gemeinsamen Nachdenken entsteht etwas, das uns auf den Weg des Handelns führt. Denn es reicht nicht aus, nur zu entscheiden, dass wir losgehen – wir müssen es auch verwirklichen.
– Wurde beim Pilgerweg der synodalen Gruppen eine Botschaft, eine Ermutigung oder ein Vorschlag geäußert, der sich besonders auf unsere Diözese bezieht oder den Eure Exzellenz als besonders wichtig empfindet?
– Für unsere Diözese – wie auch für andere – ist es wichtig, dass wir eine lebendige persönliche Beziehung zu Jesus Christus haben, denn von Ihm kommt die Hilfe, von Ihm erhalten wir den Anstoß, die Ermutigung und die Führung – und wenn wir fallen, ist Er es, der uns aufrichtet. Ich sehe unsere besondere Stärke darin, dass unsere Diözese multikulturell geprägt ist. Auf den ersten Blick mag das eine Herausforderung sein – und manchmal ist es das auch – doch zugleich ist es ein großer Reichtum, ein Geschenk, das uns noch offener für Verschiedenheit macht. Und was wir schon so oft betont haben: Hier im Banat, in dieser Diözese, haben die Menschen gelernt, dass der andere anders ist – und dass er auch anders sein darf. Ja sogar: Es ist gut, dass er anders ist, denn so kann er die anderen bereichern. Und das ist nicht nur ein schöner Leitsatz, sondern gelebte Realität, denn die sprachliche, kulturelle oder religiöse Verschiedenheit fließt auch in das Leben der Familien ein, wo Mann und Frau erkennen, dass sie den anderen nicht vereinheitlichen wollen, sondern ihn in seiner Andersartigkeit akzeptieren, respektieren und einander helfen, diese zu leben. Ich denke, dass der Geist der Synodalität sehr gut zu unserer Diözese passt und für uns besonders viel bedeutet. Vielleicht spürt man dort, wo die Pastoral nur in einer Sprache stattfindet, diese Notwendigkeit nicht so stark. Aber ich bin voller Hoffnung aus Rom nach Hause zurückgekehrt – und setze den synodalen Weg mit großer Hoffnung fort.
– Wir danken Ihnen für das Gespräch!








