„Sein geistiges und intellektuelles Erbe hat im Herzen Europas eine besondere Bedeutung.“ Am Montag, dem 19. Oktober dieses Jahres, fand auf Initiative der Botschaft Rumäniens beim Heiligen Stuhl eine internationale Konferenz statt, die dem Ehrwürdigen Diener Gottes Márton Áron gewidmet war. Im Anschluss an die Konferenz, die in der „Accademia di Romania“ in Rom ausgerichtet wurde, sammelte die rumänische Redaktion von Radio Vatikan einige Eindrücke und Zeugnisse.
Vatikanstadt – Adrian Dancă
- Oktober 2026 – Vatican News. „Eine Hommage an die leuchtende Persönlichkeit des ehrwürdigen Bischofs Márton Áron“ – mit diesen Worten beschrieb Bischof László Böcskei, Vorsitzender der Rumänischen Bischofskonferenz, die internationale Konferenz, die am Montag, dem 19. Oktober dieses Jahres, in Rom auf Initiative des Botschafters Rumäniens beim Heiligen Stuhl, George Bologan, veranstaltet wurde. Die Veranstaltung, die im Kulturinstitut „Accademia di Romania“ stattfand, steht zugleich im Zeichen des Gedenkjahres, das das rumänische Parlament für 2026 anlässlich des 130. Geburtstags von Bischof Márton Áron ausgerufen hat.
„Sein Leben“, erklärte Bischof László Böcskei in seiner Ansprache, „erinnert uns daran, dass sich die Größe eines Bischofs nicht daran bemisst, ob er von Stürmen verschont bleibt, sondern an der Standhaftigkeit, mit der er Christus treu bleibt, wenn ringsum alles ins Wanken zu geraten scheint. Angesichts von Verfolgung, Inhaftierung und den unmenschlichen Ideologien seiner Zeit wählte Bischof Márton Áron nicht den Weg des Kompromisses, sondern den Weg der Wahrheit, die vom Licht der Liebe erhellt wird. Er war die Stimme der Stimmlosen, der Verteidiger der Verfolgten, ein Zeuge für die Freiheit der Kirche und für die Heiligkeit jedes menschlichen Lebens.“
Márton Áron wurde 1896 in Sândominic geboren, unweit von Miercurea Ciuc/Szeklerburg. Von 1938 bis 1980 war er Bischof der römisch-katholischen Diözese Alba Iulia /Karlsburg. Sein Leben trägt die Spuren der Wunden, die die Ideologien des 20. Jahrhunderts geschlagen haben. Die Auswirkungen dieser Ideologien – vom Ersten Weltkrieg über die Tragödie des Holokausts, gegen dessen Auswirkungen er öffentlich Stellung bezog und die Entscheidungen der ungarischen Pfeil-Kreuz-Behörden anprangerte, bis hin zum Zweiten Weltkrieg und zur Verfolgung durch das kommunistische Regime in Bukarest – prägten sein Leben zutiefst, aber auch sein mutiges christliches Zeugnis.
Es war daher kein Zufall, dass Bischof László Böcskei ihn auf der Konferenz in Rom als „einen Hirten bezeichnete, der es verstand, die Wunden der Geschichte in ein Glaubenszeugnis, das Leid in Hoffnung und die Treue zur Kirche in einen mutigen Dienst an der Menschenwürde zu verwandeln“.
Der Ehrwürdige Márton Áron, so erinnerte der Bischof, „hat uns eine Mahnung hinterlassen, die auch heute noch wie ein echtes Programm der Versöhnung klingt: ‚Achtet und liebt jeden Menschen, besonders jene, mit denen ihr zusammenlebt!‘
Diese Worte haben für mich eine besondere Bedeutung, denn ich habe die Ehre, eine Bischofskonferenz zu vertreten, die einen unschätzbaren Reichtum an Sprachen, Kulturen und liturgischen Traditionen in sich vereint. Als Bischöfe des lateinischen und des byzantinischen Ritus, als Hirten unterschiedlicher Gemeinschaften, sind wir aufgerufen, Zeugnis davon abzulegen, dass die Einheit der Kirche nicht aus Gleichförmigkeit erwächst, sondern aus dem Leben in Gemeinschaft. Sie setzt die Aufhebung der Vielfalt nicht voraus, sondern deren Harmonisierung im Licht der Liebe Christi.
So kann unsere Vielfalt, wenn sie im Licht des Glaubens gelebt wird, zu einem Zeichen der Hoffnung für ein Europa werden, das noch immer unter Spaltungen und gegenseitigen Missverständnissen leidet. Dies ist die Botschaft, die Bischof Márton Áron den Rumänen, den Ungarn und allen Völkern unseres gemeinsamen Europas als Vermächtnis hinterlassen hat: Die Treue zu den eigenen Wurzeln kann niemals im Widerspruch zur Nächstenliebe stehen, und die Erinnerung an die Wunden der Vergangenheit kann sich in einen Samen der Versöhnung und des Friedens verwandeln.“
In einem Interview mit der rumänischen Redaktion von Radio Vatikan hob der Erzbischof von Alba Iulia/ Karlsburg, Msgr. Gergely Kovács, eine der Eigenschaften des ehrwürdigen Dieners Gottes hervor, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Er war lange Zeit Postulator im Selig- und Heiligsprechungsverfahren für Márton Áron; vor Kurzem wurde diese Aufgabe von Cristiana Marinelli übernommen.
Anschließend sammelten wir einige Erinnerungen aus dem Leben von Bischof Márton Áron, die sein vorletzter Sekretär, Msgr. Dénes Csiki, mit uns teilte. Mit Gelassenheit, aber auch mit einem Hauch von Wehmut angesichts der Erinnerung an den ehrwürdigen Bischof erzählt uns sein ehemaliger Sekretär, wie er für diese Aufgabe ausgewählt wurde, berichtet von der Disziplin und Pünktlichkeit des Bischofs und hebt vor allem hervor, dass Márton Áron ein Mann des Gebets war.
Danach fragten wir den Botschafter Rumäniens beim Heiligen Stuhl, George Bologan, aus welcher Perspektive er die Konferenz über das Zeugnis von Márton Áron vorbereitet hatte. Mit Blick auf die Formen des Extremismus, die sich in einigen Ländern des alten Kontinents ausbreiten, betonte Botschafter Bologan, wie dringend notwendig es sei, das historische Gedächtnis wachzuhalten und zugleich die Treue des ehrwürdigen Dieners Gottes gegenüber dem Menschen und dem Evangelium stärker ins Bewusstsein zu rücken.
Schließlich beantwortete der Vorsitzende der Rumänischen Bischofskonferenz, Bischof László Böcskei, die Anfrage unserer Redaktion. Er erläuterte eine Eigenschaft des ehrwürdigen Márton Áron, die seiner Ansicht nach angesichts der heutigen Herausforderungen von besonders dringlicher Aktualität ist. Dabei hob er die europäische Bedeutung eines geistigen und intellektuellen Erbes hervor, das größere Bekanntheit verdient.
Quelle: www.vaticannews.va/ro







