Im Programm des Diözesanpastoraljahres 2024-2025 wurde auch die Berufungsbegleitung für Jugendliche aufgenommen, nämlich das Programm der Treffen zur Berufungsklärung, für das in der Diözese Temeswar Domherr Zoltán Kocsik, Direktor des römisch-katholischen Lyzeums Gerhardinum, verantwortlich ist. Seine Arbeit wird von Priestern und Ordensleuten unterstützt. Begleitet von Lehrer István Iakab nahmen zwei Schüler des Lyzeums an den vom 21. bis 23. November veranstalteten Tagen der offenen Türe des Priesterseminars Seminarium Incarnatæ Sapientiæ in Karlsburg teil, die für Schüler der Klassen IX–XII organisiert wurden. Angesprochen werden Jungs, die bereits an die Möglichkeit einer priesterlichen Berufung nachgedacht haben. Aus diesem Anlass fragten die Mitarbeiter des Pressebüros der Diözese Temeswar Direktor Zoltán Kocsik, wie sich die heutigen Jugendliche für die priesterliche Berufung entscheiden, wovor sie sich fürchten und welche Fragen sie zum pastoralen Dienst haben?
– Im vergangenen pastoralen Jahr hat das Diözesane Berufungszentrum fünfmal Berufungsklärungsbegegnungen für Jugendliche organisiert. Wie viele Jugendliche haben an diesen Treffen teilgenommen?
– Die Gruppe bestand aus acht Jugendlichen, die aus mehreren Pfarreien der Diözese kamen, die meisten offensichtlich Schüler des Gerhardinum-Lyzeums. Zählt man zusammen, so haben im Laufe der Jahre seit dem Bestehen dieser Schule mehr als dreißig Priester hier ihren Abschluss gemacht.
– Wie sehen Sie die Rolle der Berufungsbegleitung in der Pastoral?
– Wenn wir über die pastorale Berufungsbegleitung sprechen, wird meist sofort der Priestermangel erwähnt und dass es keinen Nachwuchs gibt. Die Berufungsbegleitung ist meiner Meinung nach wie eine Schatzsuche: man muss aufmerksam sein, wenn ein Jugendlicher gerne ministriert oder Fragen zum Priestertum stellt. Zum pastoralen Dienst ruft immer Gott, unsere Aufgabe jedoch ist es, auch auf die kleineren Zeichen zu achten und die Jugendlichen anzusprechen. Was ich außerdem feststelle, ist, dass die Jungen niemals das Gespräch beginnen. Immer müssen wir Priester fühlen, wann es passend ist, dieses Thema anzusprechen. Manche freuen sich, wenn sie angesprochen werden, andere hingegen nicht, da sie es als zu intim und persönlich empfinden und ungern darüber sprechen.
– Gibt es bei den Jugendlichen auch eine gewisse Zurückhaltung, wie Familie, Klassenkameraden und Freunde zu ihnen stehen werden?
– Viele denken, dass sie nicht mehr als „normale“ Jugendliche angesehen werden und fürchten tatsächlich, stigmatisiert oder ausgeschlossen zu werden. Dies verursacht einen ernsthaften inneren Konflikt. Oft kommt es vor, dass ein Jugendlicher sich nach dem Priestertum sehnt und den Ruf Gottes spürt, doch wenn niemand da ist, der dies in ihm erkennt und ihn anspricht, wenn es kein unterstützendes, ermutigendes Umfeld gibt, das ihn darin bestärkt, dann verkümmert die Berufung. Manchmal stelle ich fest, dass es auch für die Familien schwer ist zu akzeptieren, wenn der liebe Gott jemanden aus ihrer Mitte zum Priester, Ordensmann oder Ordensfrau beruft. Zugleich habe ich das Gefühl, dass auch wir Priester nicht genug Zeit mit den Jugendlichen verbringen und nicht ausreichend mit ihnen sprechen, damit sie den Mut haben, sich zu öffnen. Heutzutage haben die Eltern nicht genügend Zeit sich mit ihren Kindern intenssiver zu beschäftigen. Diese verstehen es bis zu einem gewissen Grad, dass Vater und Mutter müde, erschöpft und nervös sind, zugleich sehnen sie sich aber danach, beachtet und angehört zu werden. Die heutige Welt ist oberflächlich, und die Jugendlichen mögen das nicht. Sie erwarten, dass wir ihnen genügend Zeit widmen. Ich habe einmal einen Film gesehen, dessen Titel mir jetzt nicht einfällt, in dem ein alter Mann eine Blume fotografieren wollte, die nur alle fünfzig Jahre blüht, und er wartete jahrelang auf diesen Augenblick. Irgendwie sehe ich es auch so, dass man in der geistlichen Führung jene Momente finden muss, in denen der Jugendliche bereit ist, sich zu öffnen. Man kann ihn nicht überfallen oder direkt fragen, sondern muss immer den richtigen Augenblick abwarten, um ihn anzusprechen, eine Frage zu stellen oder ein bestimmtes Thema zur Sprache zu bringen. Meine Aufgabe – und natürlich auch die der Priester, die in den Pfarreien dienen – besteht darin, das passende Umfeld zu schaffen, damit der Jugendliche über die pastorale Berufung sprechen kann, den Mut hat auszusprechen, was er denkt, seine Fragen zu formulieren, seine Ängste oder seine Freude in Worte zu fassen, damit er schließlich „Ja“ zum Ruf Gottes sagen kann. Es gibt zum Beispiel jemanden, der erschrickt darüber, dass ihn der liebe Gott ruft, und er braucht Ermutigung: wenn der liebe Gott eine Aufgabe gibt, schenkt er auch die Kraft dazu. Das mag wie ein sehr abgenutzter Satz klingen, dennoch bin ich überzeugt, dass derjenige, den der liebe Gott erwählt, auch in seiner Berufung begleitet wird.
– Dies wirft bereits die nächste Frage auf: wie gelangen die Jugendlichen vom Ruf zur Entscheidung??
– Man muss gleich hinzufügen, dass nicht reife, erwachsene Menschen diese Entscheidung treffen sollen, sondern junge Männer. Und ihre Fragen reihen sich aneinander: Ruft mich der liebe Gott wirklich? Will er das tatsächlich von mir? Ist dies wirklich mein Weg? In solchen Momenten ist es gut, wenn die Jungen dem lieben Gott im Gebet möglichst oft begegnen. Es ist außerdem von großer Bedeutung, dass die Jugendlichen bei solchen Berufungsklärungstreffen auch miteinander sprechen. So teilen Jungen in ähnlicher Lage ihre Gefühle und Erfahrungen, stärken sich gegenseitig auf diesem Weg und können Themen besprechen, die sie mir als Erwachsenen zum Beispiel aus Scham nicht erzählen würden. Was die Entscheidung betrifft, habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Jugendlichen vor allem davor Angst haben, auf bestimmte Dinge verzichten zu müssen und dadurch die „Andersartigkeit“ des priesterlichen Berufes auf sich zu nehmen. Zum Beispiel, wenn sie vor Vater und Mutter, vor Verwandten, die diese Entscheidung vielleicht nicht gutheißen, oder vor ihren Klassenkameraden – auch hier im katholischen Lyzeum – stehen müssen. Gleichzeitig lastet mit dieser Entscheidung ein weiterer Druck auf dem Jugendlichen: die moralischen und sonstigen Erwartungen seitens der Familie, der Verwandten, der Freunde und der Lehrer. So sehr sie auch geneckt oder herausgefordert werden, ihr Umfeld betrachtet dennoch kritisch ihr Verhalten, ihren schulischen Fortschritt, ihre Freundschaften und mitunter treten sogar Konflikte in Bezug auf Partnerschaften auf.
– Haben alle Jugendlichen, die an diesen Treffen teilgenommen haben, bereits eine Entscheidung getroffen?
– Nein. Sie bildeten eine sehr gemischte Gruppe und kamen mit unterschiedlichen Zielen: bei einigen war die Entscheidung teilweise gereift, bei anderen stellten sich eher Fragen, und es gab auch einen Jugendlichen, der nach einigen Teilnahmen sagte, dass dies nicht sein Weg sei. Er fühlt sich mit der Kirche verbunden, besucht regelmäßig die Heilige Messe, engagiert sich gerne ehrenamtlich und hilft, wo es nötig ist, möchte aber lieber einen anderen Dienst verrichten, nicht den pastoralen. Neben den Priestern braucht die Kirche auch engagierte Laien, auf die sie sich verlassen kann. In dieser Hinsicht waren diese Gespräche ebenfalls nützlich. Dabei zeigt sich auch, mit welchem Jugendlichen sich der Pfarrer zu Hause beschäftigt und wer noch nicht mit dem Ortspfarrer über die pastorale Berufung gesprochen hat. Denn dort, wo der Priester und der Jugendliche eine gesunde, direkte und gute Beziehung pflegen, nicht nur eine offizielle, klärt sich bereits sehr vieles.
– Bei jedem Berufungsklärungstreffen wurde ein bestimmtes Thema besprochen: Geschöpf Gottes sein, Lebensweg, Entscheidungen, was Gottes Plan ist usw. Welche Programme haben Sie für die Teilnehmer organisiert?
– Im Rahmen der Meditationen haben wir zunächst die Stelle aus dem Alten Testament besprochen, in der der Herr den jungen Samuel ruft. Dabei können auch die teilnehmenden Jugendlichen ihre Gefühle ausdrücken, jene „Stimme“, die ganz anders ist als das, was sie bisher erlebt haben. Neben Meditationen und Gesprächen gab es auch die Heilige Messe und gemeinsames Gebet, ebenso gemeinsames Essen, Filmsehen, Abwaschen, Ausflüge, Spaziergänge und Kochen. Bei diesen Treffen habe ich mit Pfarrer Lóránd Máthé aus Dorobanți, mit Erzdechant Veniamin Pălie, Pfarrer von „Maria Schnee“ in Reschitza, sowie mit Schwester Victoria Condac CJ zusammengearbeitet. Aus den gemeinsamen Programmen und Gesprächen mit den Jugendlichen habe auch ich sehr viel gelernt – von ihnen und über sie.
– Welche Programme werden am Gerhardinum-Gymnasium für jene Schüler organisiert, die nicht die kirchliche Berufung wählen?
– Wir nennen sie Aktivitäten zur Berufsorientierungs und veranstalten solche Programme mehrmals im Jahr für die Schüler der 11. und 12. Klassen. In diesem Jahr haben wir bereits auch die Zehntklässler einbezogen. Während des Schuljahres besuchen uns zum Beispiel Vertreter verschiedener Universitäten aus Temeswar, die das dortige Studium, die Fakultäten und Studiengänge vorstellen. Für die ungarischen Schüler hielten auch die Babeș-Bolyai-Universität aus Klausenburg, die Sapientia-Universität aus Siebenbürgen und die Christliche Universität Partium Präsentationen. Wenn wir die Statistik betrachten, schließen die meisten unserer Schüler ihr Studium an der Agrar- und Veterinärmedizinischen Universität in Temeswar ab. Die Naturwissenschaften schrecken unsere Schüler etwas ab, aber auch das Profil unseres Gymnasiums liegt nicht darin, dennoch gibt es Bewerber und Absolventen auch an der Polytechnischen Universität Temeswar. Viele wählen die Ausbildung zum Krankenpfleger/-in, und auch verschiedene Berufe sind ziemlich beliebt. Jedes Jahr im April organisieren wir ein interaktives Programm namens „Berufsmesse“, bei dem wir Gäste aus verschiedenen Fachbereichen einladen: Anwalt, Arzt, Universitätsprofessor, Ingenieur, Landwirt, Buchhalter usw., die ihren Beruf konkret vorstellen und den Jugendlichen die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen. Mehrmals haben wir bereits ehemalige Schüler eingeladen, die in verschiedenen Bereichen tätig sind. Das Programm dauert zwei Stunden, und unsere Schüler müssen an mindestens vier Werkstätten teilnehmen. Die häufigste „Erwartung“ in Bezug auf den Arbeitsplatz ist, dass sie das, womit sie sich beschäftigen, gerne tun und davon auch leben können. Es gibt auch eine Ausbildung im Unternehmerwesen, die von Frau Ilona Iakab gehalten wird. Wir Lehrer und Erzieher können die Schüler darin unterstützen, indem wir ihnen sagen, welcher Beruf für sie eventuell geeignet wäre und auf welchem Weg sie erfolgreich sein könnten.
– Vielen Dank für das Gespräch.
Pressestelle der Diözese Temeswar







