Seit 2019 organisiert der Salvatorianerorden in Temeswar-Elisabethstadt jährlich einen Bibelkurs für gläubige Laien mit unterschiedlichen Themen: die vier Evangelien, die Apokalypse des heiligen Apostels Johannes, die Briefe des heiligen Apostels Paulus an verschiedene christliche Gemeinden oder die Heilige Liturgie. Die Kurse finden Samstags im großen Saal des Salvatorianerklosters von 10.00 bis 16.00 Uhr statt, beinhalten ein gemeinsames Mittagessen und umfassen Vorträge, Plenums- und Kleingruppendiskussionen sowie ein Wortgottesdienst. Das Programm wird von Dr. theol. Imogen Tietze, Ausbildungsreferentin, koordiniert.
Das Hauptthema in diesem Jahr lautet: „Der historische Kontext der biblischen Bücher“ – ein vielfältiges und interessantes Thema, denn die Untersuchung der historischen Umstände der Heiligen Schrift hilft, den sozialen, politischen und religiösen Hintergrund zu verstehen, in dem die einzelnen Texte entstanden sind. Dies bringt die Interessierten nicht nur der theologischen Botschaft näher, sondern auch der Realität des damaligen Lebens.
„So wie jeder Mensch in einer bestimmten historischen Epoche lebt, beeinflusst von Ereignissen, Neuerungen und sozialen Veränderungen, so haben diese Ereignisse auch die Abfassung der Bibel beeinflusst. Ziel dieses Kurses ist es, durch die Kenntnis des historischen Kontextes die biblischen Texte besser zu verstehen, auch weniger bekannte Passagen der Heiligen Schrift zu besprechen und zu sehen, warum das dort Beschriebene wichtig ist. Gleich zu Beginn können wir feststellen: Die menschliche Dimension ist durch Zeit und Raum bestimmt, daher verändert sich der historische Kontext. Gott jedoch nicht – Er bleibt stets derselbe. Was sich verändert, ist das Verständnis der Menschen und ihre Beziehung zu Gott“, betonte Dr. Imogen Tietze in ihrem einleitenden Wort und schlug zwei Diskussionsthemen vor: Die nomadischen Stämme wandern nach Palästina und Die Juden und die Großmacht Ägypten.
Im Anschluss reisten die Teilnehmer zurück bis zur neolithischen Revolution, der Revolution der Landwirtschaft, als sich die Lebensweise der Menschen grundlegend veränderte: Aus Jägern und Sammlern wurden Pflanzenbauer und Viehzüchter. Gleichzeitig entwickelte sich auch der Handel. „Das Leben Abrahams, Isaaks und Jakobs spiegelt die nomadische Welt des Nahen Ostens jener Zeit wider“ – so eine Schlussfolgerung der Diskussionen. Der zitierte Abschnitt aus der Heiligen Schrift, Kapitel 4 des Buches Genesis, die Geschichte von Kain und Abel, beschreibt den Konflikt zwischen Nomaden und Ackerbauern. Über einen weiteren Konflikt, zwischen Nomaden und den Bewohnern der ersten Städte, berichtet beispielsweise Kapitel 34 des Buches Genesis.
Auch die Ereignisse im Zusammenhang mit dem alten Ägypten, einer bedeutenden Militärmacht, haben historische Wurzeln. Die Teilnehmer kamen unter anderem zu dem Schluss, dass sich die Geschichte in der Heiligen Schrift widerspiegelt:
- im Leben Abrahams durch die Darstellung der nomadischen Welt;
- in den Konflikten zwischen Nomaden und Ackerbauern sowie zwischen Nomaden und Städtlern;
- in den biblischen Genealogien werden die fremden Völker als Verwandte des Volkes Israel dargestellt, nicht als Barbaren;
- die Berufe, die etwas gemeinsam haben – etwa „Zither- und Flötenspieler“ oder „Erz- und Eisenhandwerker“ – diese Handwerker werden in den Genealogien als Brüder dargestellt;
- in der Geschichte von Josef, in der der Pharao Ägyptens erscheint, verehrt wie ein Gott, sowie die Gruppe von Beamten, die das Land tatsächlich regierten;
- und darin, dass ein Teil der Arbeiter, die im Dienst des Pharaos standen, aus Ägypten floh.
Der historische Kontext des Alten Testaments ist besonders reich und komplex, da er über tausend Jahre an Ereignissen, Traditionen und Schriften umfasst. Daher werden auch die Themen der zukünftigen Kurse ebenso reich und komplex sein: das Ende der Königreiche Israel und Juda, das Babylonische Reich, die römischen Provinzen, die jüdischen Kriege, Aelia Capitolina usw. Das nächste Treffen findet am 13. Dezember 2025 statt.
Pressestelle der Diözese Temeswar







