Im Rahmen der geistlichen Vorbereitung auf das 1000‑jährige Jubiläum der Gründung des Bistums Tschanad – dessen Nachfolgerin auf dem Gebiet Rumäniens die Diözese Temeswar ist – nahm vom 13. bis 16. April d.J. eine Gruppe von Diözesanpriestern, Seminaristen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bischöflichen Ordinariats sowie Pfarrmitarbeitern an einer vom Ordinariat organisierten Pilgerreise nach Italien teil.
Die Teilnehmer machten sich von Temeswar aus auf den Weg nach Venedig und zur Insel Murano, dem Geburtsort des heiligen Gerhard, des ersten Bischofs und Märtyrers des Bistums Tschanad. Über Padua führte der Weg weiter nach Loppiano (ein Vorort von Florenz), dem Zentrum der Fokolar-Bewegung – auf der Suche nach der Verbindung zwischen historischen Wurzeln und dem lebendigen Glauben von heute.
Über die Eindrücke und Erfahrungen dieser Pilgerreise haben wir mit S. E. Bischof Josef Csaba Pál gesprochen.
– Hochwürdigste Herr Bischof, mit welcher Gruppe sind Sie von Temeswar aufgebrochen?
– Wir waren 39 Personen: viele Priester aus der ganzen Diözese, vier Theologiestudenten, ein Ständiger Diakon mit seiner Ehefrau, Mitarbeiter des Bischöflichen Ordinariats, Katecheten und verschiedene Pfarrmitarbeiter.
– Nach einem Reisetag war Ihr erstes Ziel Venedig und die Insel Murano. Wie verlief dieser Besuch?
– Wir besuchten die Basilika Santa Maria e Donato, in der die Reliquien des heiligen Gerhard aufbewahrt werden, und feierten dort gemeinsam die Heilige Messe. Es war für uns eine tief bewegende Erfahrung, den dortigen Sarkophag des Heiligen zu sehen, in dem sich der größte Teil seiner Reliquien befindet, und über das große Opfer nachzudenken, das er gebracht hat: Er verließ Venedig, eine blühende und christliche Stadt, um – dem Willen Gottes folgend – in einem ihm unbekannten, heidnischen Land ein Bistum zu gründen.
Es war wichtig, diese Wallfahrt zu den Wurzeln unseres Christentums, zum Ursprung unserer Diözese zu machen, um den heiligen Gerhard besser zu verstehen. Besonders beeindruckt hat mich der Moment, als wir mit dem kleinen Vaporetto fuhren – und man sich bewusst wird, dass es für den heiligen Gerhard ganz selbstverständlich war, sich mit dem Boot fortzubewegen, wie für die Menschen dort, damals wie heute. Ebenso selbstverständlich war es wohl, dass die Bevölkerung bereits christlich war und der Glaube dort blühte.
Von hier aus brach der heilige Gerhard ins Heilige Land auf und gelangte schließlich an einen Ort, den er nicht selbst gewählt hatte, wo er sich aber dem Willen Gottes anpasste: ein Land ohne Meer, in dem der Großteil der Bevölkerung noch heidnisch war. Und dennoch blieb er und schuf etwas sehr Schönes. Schließlich gründete er dieses Bistum, das Bistum Tschanad. Auf Murano konnten wir besser verstehen, was es für ihn bedeutete, diesen Ort zu verlassen und sich dem Willen Gottes zu fügen.
Bei unserem Ad-limina-Besuch, vor einigen Jahren, fragte einer der Bischöfe Papst Franziskus nach seiner Meinung über Wurzeln und Tradition. Der Heilige Vater antwortete, dass ein Baum ohne Wurzeln nicht existieren kann. Wurzeln sind wichtig, aber der Baum schaut nicht ständig auf sie hinab; durch sie nimmt er Nahrung auf, um Früchte zu tragen. Für mich war es schön zu sehen, dass wir am Ende unseres Besuchs auf Murano lebendige Früchte erkennen konnten: Jeder von uns hatte etwas aus dem Leben des heiligen Gerhard mitgenommen – seine Ausdauer, seine Begeisterung, seinen Mut, keine Angst vor Leiden zu haben.
Anschließend trafen wir S. E. Francesco Moraglia, den Patriarchen von Venedig, der uns sehr herzlich empfing. Er betonte, dass die Kirche sich auch durch das Beispiel der Heiligen erneuert. Wir müssen unseren Blick wieder auf Christus richten – denn eine Kirche, die sich nicht erneuern kann, kann keine Zukunft aufbauen. Mit seiner Hilfe und der eines freiwilligen Führers konnten wir auch die Markusbasilika besuchen, was angesichts der vielen Touristen nicht einfach war. Wie der Patriarch hervorhob, wird Venedig jährlich von fast 30 Millionen Menschen besucht.
– Die nächste Station war Padua. Welche Eindrücke haben Sie dort gesammelt?
– In der dem heiligen Antonius geweihten Basilika hat uns besonders das Gebet, der Glaube und die tiefe Verbundenheit der Menschen berührt. Es ist kein spekulativer, philosophisch begründeter Glaube, sondern ein Glaube, der aus dem Inneren kommt – und das hat auch mich ergriffen. Ich blieb lange am Grab des heiligen Antonius stehen und betete. Ich hatte es nicht geplant, ich blieb einfach stehen und konnte nicht mehr weggehen, als wären meine Füße dort verwurzelt.
Der heilige Antonius lebte nur sechsunddreißig Jahre, davon vielleicht zehn in Padua – und doch kennen wir Padua heute fast ausschließlich wegen ihm. Vielleicht fühlen sich die Menschen diesem Ort besonders verbunden, weil dort ein Heiliger lebte, der sein Leben Gott schenkte. Einer unserer Seminaristen bemerkte auch, welch große Gnade es war, an einem einzigen Tag vier Heilige zu besuchen: den heiligen Gerhard, den heiligen Donatus, den heiligen Markus und den heiligen Antonius.
– Die letzte Station war Loppiano, das Zentrum der Fokolar-Bewegung. Wen haben Sie dort getroffen?
– Loppiano ist das erste und größte Zentrum dieser Bewegung. Weltweit gibt es dreiundzwanzig solcher „Städtchen“, aber dieses ist das lebendigste und stärkste. Wir trafen Mitglieder der Bewegung sowie das Ensemble Gen Verde. Sie empfingen uns mit großer Herzlichkeit, sangen für uns und gaben Zeugnis von ihrem Leben. Ein Vertreter der Sophia-Universität sprach über die Arbeit und den Geist dieser Einrichtung.
Es kamen auch Familien, die sowohl aus ihrem eigenen Leben erzählten als auch darüber, was es für sie bedeutet, dort ein kleines Familienzentrum aufgebaut zu haben. Ebenso sprachen Priester und ein Seminarist. In der Maria Theotokos-Kirche feierten wir gemeinsam mit der örtlichen Gemeinschaft die Heilige Messe. Es war wunderschön, diese Gemeinschaft zu erleben: Sie sangen, wir sangen, und in den Fürbitten waren auch wir eingeschlossen.
Ich fragte eine junge Frau aus Gen Verde, was sie tun, wenn Spannungen oder Missverständnisse unter ihnen auftreten. Sie antwortete, dass sie zuerst in ihrem Inneren Ordnung schaffen müsse – mit Gottes Hilfe – und sich neu entscheiden müsse, den anderen mit Liebe anzunehmen; und wenn sie ihn verletzt habe, um Verzeihung zu bitten.
Auf der Rückreise wurde deutlich, dass drei Dinge besonders stark in unseren Herzen geblieben sind: der heilige Gerhard – sein Leben, die Quellen seines Glaubens und dass wir ihn gewissermaßen von Murano bis Tschanad begleiten durften; das Glaubenszeugnis in Padua; und die lebendige Gemeinschaft, die Früchte des Glaubens in unserer Zeit in Loppiano. Auf dieser Pilgerreise spürten wir weniger die Müdigkeit als vielmehr die Freude, dass wir im Glauben und in der Hoffnung gestärkt wurden.
– Vielen Dank für das Gespräch.
Pressestelle der Diözese Temeswar















