Das Sankt Gerhards-Werk e.V. lud auch in diesem Jahr zur Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben im „Herzen Bayerns“, nach Altötting, heuer am 13. und 14. Juli 2019 organisiert, ein.

Weit über tausend Jahre Geschichte, davon über 500 Jahre Pilgerschaft zählt dieser wichtigste Wallfahrtsort Süddeutschlands und einer der bedeutendsten Europas und ist im Laufe der Jahrhunderte zu einem Zentrum des Glaubens und der Volksfrömmigkeit für Menschen aus allen Windrichtungen geworden. Im Mittelpunkt von Altötting steht die kleine Gnadenkapelle in der Mitte des „Papst Benedikt“-Platzes und drinnen das um 1300 am Oberrhein oder Burgund entstandene, aus Lindenholz geschnitzte, 70 cm hohe, frühgotische Marienbild im Oktogon der ehemaligen Taufkapelle, Marienbild, das um 1330 nach Altötting gekommen sein dürfte. Drei Päpste besuchten Altötting im Laufe der Geschichte: Papst Pius X. (8. Juli 1913), Papst Johannes Paul II. (19. November 1980), und am 11. September 2006 Papst Benedikt XVI., der nicht weit von Altötting entfernt, in Marktl am Inn, am 16. April 1927 das Licht der Welt erblickt hatte.

So war es für die aus Rumänien anreisende Gruppe (das Jugendblasorchester „Lambert Steiner“ aus Sanktanna – Dirigent: Dan Miculit; Leiter der Reise: Meinhard Höniges – und ich aus Reschitza) eine geistliche Freude, nach Altötting eingeladen zu werden. Für die aus dem rumänischen Banat Kommenden war es eine große Ehre, dass auch unser Diözesanbischof Msgr. József Csaba Pál an der Wallfahrt teilnahm.

Aller Einladung folgte in Verbindung mit der 60. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben, die alle Jahre, am zweiten Sonntag im Juli in Altötting, stattfindet. Warum Gelöbniswallfahrt? Sie geht zurück auf ein Versprechen von Pfarrer Wendelin Gruber (den ich persönlich gekannt habe) und vieler Donauschwaben, besonders von denen aus dem damaligen Jugoslawien, die der Mutter Gottes in den Nachkriegswirren des II. Weltkriegs versprochen haben, wenn sie lebend durchkommen, alle Jahre eine Gelöbniswallfahrt zur Mutter Gottes zu organisieren. Und das geschieht nun bereits schon zum 60. Mal, also in diesem Jahr eine Jubiläumswallfahrt. 

Unter dem Motto „Maria, Mutter der Hoffnung“ begann am Samstag-Nachmittag die 60. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben in der Altöttinger zweitürmigen gotischen Stiftskirche „St. Philipp und Jakob“. Als Erstes fand eine Glaubenskundgebung mit der Begrüßung vom Stiftskanoniker Johann Palfi (ein gebürtiger Tschakowaer) statt. Ihm zur Seite standen der Visitator Emeritus der Donauschwaben und der Deutschen aus Südosteuropa, Msgr. Andreas Straub (ein ehemaliger Banater) und Pfr. Paul Kollar, Vertriebenenseelsorger in der Diözese Mainz (auch ein ehemaliger Priester aus dem Banat). Im Programm stand auch der Vortrag von Prof. Dr. Michael Prosser-Schell zum Thema: „Heimatvertriebenenwallfahrten in Deutschland – Zeugnisse der Integration, Zeugnisse der europäischen Versöhnung“. Musikalisch wurde alles durch dem Banater Chor „St. Pius“ aus München, mit Dr. Franz Metz an der Orgel, umrahmt.

Nächster Höhepunkt der Gelöbniswallfahrt war der Vorabendgottesdienst in der Altöttinger päpstlichen „St. Anna“-Basilika. Hauptzelebrant der Heiligen Messe war Diözesanbischof Msgr. József Csaba Pál. Konzelebriert hatten Erzbischof emeritus Dr. Robert Zollitsch aus Freiburg im Breisgau, Präsident der Deutschen Bischofskonferenz a.D., ein gebürtiger Donauschwabe in Filipova, heute Serbien, und der Weihbischof von Waitzen / Vác in Ungarn, Dr. Lajós Várga. Gepredigt hat Markus Martin Eller, Abt der Heilig-Kreuz-Abtei Scheyern. Es wurde die „Missa Brevis von Josef Weikert (1837 – 1907, Weisskirchen) mit den Kirchenchören aus München, Ulm und Waldkraiburg unter der Gesamtleitung von Dr. Franz Metz gesungen.

Anschließend folgte die Lichter-Prozession von der „St. Anna“-Basilika zum Kapellplatz, vor der Gnadenkapelle. Prälat Günther Mandl (Stadtpfarrer, Stiftspropst und Wallfahrtsrektor der Pilgerstätte Altötting) hielt eine Gebetsandacht, musikalisch durch die Blasmusik aus Altötting und das Jugendblasorchester „Lambert Steiner“ aus Sanktanna umrahmt.

Bereits um 9:30 Uhr, am Sonntag, dem 14. Juli 2019, versammelten sich die Donauschwaben aus allen Richtungen, teils mit Vereins- und Kirchenfahnen, mit Mutter-Gottes-Statuen und nicht zuletzt die Sanktanna-Blasmusik aus Deutschland. In einem festlichen Zug, voran das Kreuz, die Sanktannaer Marienmädchen und die Geistlichen, zog man andächtig in die „St. Anna“-Basilika, wo das Pontifikalamt stattfinden sollte. Davor aber stand das Wort des Laien im Programm. Paul Nemeth, Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg, sprach zum Thema: „Versöhnt mit der Vergangenheit und mit Hoffnung in die Zukunft“.

Das Pontifikalamt wurde vom Erzbischof emeritus Dr. Robert Zollitsch, dem Temeswarer Diözesanbischof Msgr. József Csaba Pál und dem Weihbischof von Waitzen (Ungarn), Dr. Lajós Várga, konzelebriert. Dabei waren u.a. Msgr. Andreas Straub, Stiftskanoniker Johann Palfi, Pfr. Paul Kollar und Pfr. Robert Dürbach, alle vier Banatschwäbischer Abstammung. Begrüßt wurden zu Beginn des Pontifikalamts alle Anwesenden vom Prälat Günther Mandl. Musikalisch wurde das Pontifikalamt durch die Donauschwäbische Singgruppe aus Landshut (Dirigent: Reinhard Scherer), die Blaskapelle der Heimatortsgemeinschaft Sanktanna (Dirigent: Josef Wunderlich) und das Jugendblasorchester „Lambert Steiner“ aus Sanktanna umrahmt. 

Tief ergreifend war für alle Teilnehmer – dabei waren in diesem Jahr nebst Pilgern aus Deutschland – darunter Peter Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben, mit Gattin Hiltrud, auch Gäste und Vertreter der Donauschwaben aus Ungarn (Budapest und Raum), Rumänien und aus Serbien (Sombor) – als zum Schluss des Pontifikalamtes die Sanktanna-Blasmusik vor dem Hauptaltar den Totenmarsch für alle verstorbenen Donauschwaben blies.

Anlässlich des 60. Jubiläums hat der Erste Bürgermeister Herbert Hofauer anschließend zu einem Empfang in den Großen Sitzungssaal des Altöttinger Rathauses eingeladen. Die Ehrengäste Dr. Robert Zollitsch, Erzbischof emeritus von Freiburg, Weihbischof Dr. Lajós Várga aus Waitzen / Ungarn und Bischof Jószef Csaba Pál aus Temeswar trugen sich in das Goldene Buch der Kreisstadt Altötting ein. Ansprachen hielten der Erste Bürgermeister Herbert Hofauer, der Parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer MdB, stellv. Landrat Konrad Heuwieser, Erzbischof emeritus Dr. Robert Zollitsch und der Organisator der Wallfahrt, Josef Lutz.

Den Abschluss der 60. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben bildeten das Marienliedersingen und die Marienandacht in der „St. Anna“-Basilika. Geleitet wurde sie durch Msgr. Andreas Straub. 

Die Donauschwaben gingen alle wieder aus Altötting heim, aber nicht mit leeren Händen. Ein jeder Teilnehmer trug den Segen der Muttergottes von Altötting und die Hoffnung, wieder hierher zu kommen, mit sich nach Hause. 

Dazu sei noch ein Dankwort für die Organisatoren und Gastgeber unsererseits aus dem Banat Kommenden ausgesprochen, in erster Reihe Josef Lutz, stellvertretender Vorsitzender des Sankt Gerhards-Werks e.V. in Stuttgart. Besonders für die jungen Bläser aus Sanktanna war diese Reise und der vielfältige Auftritt an beiden Tagen, sowohl in den Gotteshäusern, aber auch im Freien, auf Hauptplätzen von Altötting ein einmaliges Erlebnis, das sie lange nicht vergessen werden. 

Für das Jugendblasorchester „Lambert Steiner“ aus Sanktanna gab es auch ein Rahmenprogramm. Am Vortag des Beginns der 60. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben wurde in der benachbarten Gemeinde Burgkirchen a.d. Alz ein Banater Kulturabend organisiert. Dabei war der Erste Bürgermeister Johann Krichenbauer anwesend. Die Sankannaer Bläser gaben ihr Bestes, es wurde gesungen, Gedichte vorgeführt und Erlebnisse aus der Vergangenheit im Banat vorgetragen. Zu erwähnen sei, dass die Stadt seit vielen Jahren eine Partnergemeinde von Großsanktnikolaus ist.

Am 15. Juli wurden die Bläser im Alten Rathaus von Nürnberg von den Stadträten rumäniendeutscher Abstammung, Helmine Buchsbaum und Werner Henning, herzlichst willkommen geheißen. Am Nachmittag fand in der „St. Wolfgang“-Kirche ein Banater Gottesdienst statt, zelebriert vom Banater Pfarrer Josef Hell (z.Z. in Trockau, stellv. Dekan von Auerbach). Musikalisch hat das Jugendblasorchester „Lambert Steiner“ aus Sanktanna den Gottesdienst festlich umrahmt. Banatschwäbische Trachtenpaare aus Nürnberg und Sanktanna sowie die Marienmädchen aus Sanktanna standen links und rechts vom Altartisch während der ganzen Zeit der Heiligen Messe. Anschließend sorgten die Sanktannaer Bläser im Kirchhof für gute Stimmung bei Märschen, Polkas und Walzermusik.

von Erwin Josef Ţigla

(Fortsetzung folgt) (Banater Zeitung  Wochenblatt für Temesch, Arad und das Banater Bergland 27. Jahrgang/Nr. 1323 Mittwoch, 24. Juli 2019 S. II.)