Erbschaft macht Bogaroscher Kirchenreparatur teilweise möglich
Viele der Bogaroscher im In- und Ausland glaubten fast nicht mehr daran, dass eine Reparatur der römisch-katholischen Dorfkirche in Frage kommen könnte. Doch seit einem Jahr kam wieder Hoffnung auf. Das Bürgermeisteramt Lenauheim, Bogarosch raint an diese Gemeinde an, informierte, dass es jährlich mit einer Geldsumme zur Renovierung der Bogaroscher Kirche beitragen wird. Doch allein damit war und ist es nicht getan. Die Heimatortsgemeinschaft Bogarosch startete einen Spendenaufruf, doch die eingegangene Summe ist weitaus nicht ausreichend.
Anfangs Mai 2019 trafen sich die Bogaroscher zum 20. Heimattreffen in Frankenthal, dabei wurde auch das 250. Jubiläum seit der Ansiedlung des Heimatortes begangen. Damals wurde der Rettungsanker für die Kirche bekanntgegeben: Johann Volk, ein gebürtiger Bogaroscher, der nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschlagen wurde und alleinstehend war, hat die HOG in seinem Testament mit einer Geldsumme bedacht. Und ab damals wurden konkrete Pläne zur Kirchenreparatur geschmiedet. Ewald Spang, Vorsitzender der HOG, reiste mehrmals in seinen Heimatort, der gesamte HOG-Vorstand stand ihm zur Seite. Doch auch die in Bogarosch verbliebenen Gläubigen legten tatkräftig mit Hand an, damit noch im Jahr 2019 mit der Kirchenrenovierung begonnen werden konnte. Pfarrer Daniel Poszonyi, für Bogarosch zuständig, begann die Renovierungsarbeiten zu koordinieren. Ihm steht der in Bogarosch lebende Petru Murariu, Gemeinderat, hilfreich zur Seite. Auch Ovidiu Gant, Abgeordneter der deutschen Minderheit im Rumänischen Parlament, will sich dafür einsetzen, dass Gelder seitens des Kultusministeriums im Jahr 2020 für die Bogaroscher Kirche locker gemacht werden.
Bogaroscher zu Spendenaktion aufgerufen
Ewald Spang gibt Auskunft: „Mittlerweile ist der Turm ganz fertig, ein neues Kreuz wurde auf die Turmspitze gestellt. Unsere rumänischen Landsleute aus Bogarosch haben mir gegenüber den Wunsch und die Bitte geäußert, jetzt ja nicht aufzuhören und wenigstens die Fassade auch fertigzustellen. Mit Petru Murariu und Pfarrer Poszonyi habe ich im Vorfeld besprochen, dass als nächstes das Dach in Angriff genommen werden soll, um der Witterung Einhalt zu gebieten, dann nach und nach Fassade und Inneres. Ich denke mal, dass die gleiche Firma, Andrei Haicu aus Vâlişoara/Kreis Hunedoara, in Frage kommt. Die Renovierung des Turmes hat die HOG Bogarosch 21 500 Euro gekostet (Arbeit, Kupferblech und weiteres Material), die Gemeindeverwaltung Lenauheim hat das Holz gestellt. Von diesen 21 500 Euro stammen 5500 aus Spendengeldern der Bogaroscher, der Rest aus den Rücklagen der HOG. Für weitere Renovierungsmaßnahmen müssen wir weitere Geldgeber finden. Die Rücklagen der HOG sind zwar nicht komplett erschöpft aber doch stark in Anspruch genommen worden. Von den fast 530 Spendenaufrufen, die ich im August 2019 versandt habe, haben gerade mal etwa 70 Familien für die Kirche gespendet. Ich denke, dass eine Spendenaktion bei den in Rumänien lebenden Bogaroschern für unsere Landsleute in Deutschland ein weiterer Ansporn zum Spenden sein könnte. Ich weiß, dass keine großen Summen zu erwarten sind, aber wie gesagt, zur Motivation“.
Hiermit richte auch ich die Bitte an alle Bogaroscher Landsleute, die in Rumänien leben, mitzuhelfen, damit die Reparatur unserer Heimatkirche in diesem Jahr fortgesetzt werden kann!
Helen Alba
x x x x
Die Bogaroscher Kirche, stets unser Begleiter
Glaube und Kirche waren Begleiter auf dem gesamten Lebensweg unserer Vorfahren: am Taufbecken wurde das Neugeborene in die christliche Gemeinschaft aufgenommen, vor dem Hochaltar vollzog der Priester die Trauungen und beim Ableben wurde der Sarg mit dem Verstorbenen beim Begräbnisgang in der Kirche ausgesegnet, bevor er beerdigt wurde. Aber auch viele andere Ereignisse und Feste hatten mit der Kirche zu tun: man denke an die Erstkommunion und die Firmung, an die „Kerwei“ und die kirchlichen Feiertage im Laufe des Jahres. Vor allem auch in schweren Zeiten suchte man den Trost des Glaubens. Es ist überliefert, dass der erste Weg der Rußlandheimkehrer in jener Nacht vom Bahnhof zur Kirche führte. Hier knieten die Heimkehrer ehrfurchtsvoll vor dem Hochaltar nieder und dankten Gott dafür, nach so viel Leid wieder die Heimat sehen zu dürfen.
Johann Thierjung (1841-1921) berichtet: Als im Jahre 1769 die meisten Häuser unter Dach standen wurden Stammholz und Bretter, die zum Häuserbauen nicht mehr notwendig waren, zum Bau einer hölzernen Kirche verwendet. Diese stand bis 1774, als die Kameralherrschaft auf ihre Kosten eine Kirche aus Brennstein bauen ließ, jedoch ohne Einfriedung des Kirchenplatzes. Hier sammelte sich noch 1898 das Regenwasser, dieses, im Winter zugefroren, diente als Spielplatz für die Dorfkinder.
Im Jahre 1859-1860 wurde das Schiff der Kirche zu beiden Seitenteilen durchbrochen und auf Kosten der Gemeinde eine Vergrößerung durch Neubau in Form eines Kreuzes angebracht, Die Sakristei wurde aufgestockt der Kirchenplatz wurde umfriedet, aufgeschüttet und vergrößert. 1880 wurde eine Kirchenuhr zu Lasten der Kirchenkassa angeschafft. Das Kirchenpatronat ist Maria Himmelfahrt am 15 August. 1901 wurde ein neuer Turm in Form einer Pyramide gebaut.
Im Ersten Weltkrieg wurden sämtliche Glocken vom Staat zu Rüstungszwecken beschlagnahmt und eingeschmolzen. Die Messingampel mit dem ewigen Licht, von Pfarrer Johann Daum gestiftet, wurde, um dem Schmelzofen zu entgehen, in ein sicheres Versteck gebracht.
Im 20. Jahrhundert wurde die Kirche elektrifiziert und mehrere Male renoviert, der Kirchengarten wurde mit der heute noch stehenden Mauer umfriedet.
(aus der Bogaroscher Homepage)
Fotos: Zoltán Pázmány, Ciprian Dan, https://www.bogarosch.eu/





