„Lehre mich Herr, Deinen Willen zu tun“. Diesen Leitspruch aus dem Psalm 40 wählte Josef Hell, als er am 21. Juni 1981 in Alba Julia in Rumänien zum Priester geweiht wurde. Auch heute, zum 40-jährigen Priesterjubiläum, steht er wieder auf dem Gedenkbild, hat er den jetzigen Trockauer Pfarrer trotz aller Schicksalsschläge doch sicher durchs Leben geführt und ihm zu seinem Traumberuf verholfen.
Hell erinnert sich lebhaft daran, wie er schon als kleines Kind daheim Pfarrer gespielt hat. „Ich habe regelmäßig auf einer Lade in der Wohnstube einen Altar aufgebaut und mein Opa hat ministriert.“ Diese Neigung blieb auch dem damaligen Kaplan von Sanktanna nicht verborgen und so begleitete er ihn nach dem Abitur zum Vorstellungsgespräch beim Bischof. Nach dem Studium der katholischen Theologie wurde Hell 1980 zum Diakon und 1981 zum Priester geweiht. Der mit 27 Alumnen stärkste Weihejahrgang aller Zeiten in der Diözese Alba Julia pflegt bis heute einen intensiven Zusammenhalt. Besonders freut man sich, dass mit Josef-Csaba Pál einer aus ihren Reihen zum Bischof von Temeswar geweiht worden ist.
Bald wechselte Hell aus der Großstadt einige Kilometer weiter hinaus aufs Land, wo die fünf Gemeinden, die er dort betreute, als „Hell-Linie“ in die Kirchengeschichte eingegangen sind. Es war eine schöne Arbeit damals, erinnert er sich bei den alljährlichen Besuchen in seiner alten Heimat, kein Wunder, konnte er doch in den rein katholischen Orten jeweils 90 Prozent seiner Gläubigen in den Gottesdiensten begrüßen. Es war aber auch eine schwere Arbeit, mit kilometerlangen Fußmärschen zu den Kirchen, wenn das Benzin kontingentiert oder gar ein Fahrverbot ausgesprochen war. Heute unvorstellbar, hat er damals über die Weihnachtsfeiertage nicht weniger als 27 Messen gelesen.
Auch als Baumeister hat sich Hell im Banat einen Namen gemacht. So hat er vier der fünf Gotteshäuser auf der „Hell-Linie“ grundlegend saniert. „Das Leben hat mich gelehrt, dass man notwendige Arbeiten rechtzeitig erledigen muss, um nicht irgendwann vor unlösbaren Aufgaben zu stehen.“ Nur in Guttenbrunn, ausgerechnet der reichsten Gemeinde, hat das nicht geklappt und das sieht man dem Gotteshaus bis heute an.
So sehr Hell in seiner Seelsorgearbeit aufging, so schnell musste er aber auch erkennen, dass er in sterbenden Gemeinden arbeitete. Immer mehr Deutsche verließen das Land, zunächst über die grüne Grenze. Als dann nach der Revolution und dem Sturz von Nicolae Ceausescu plötzlich Reisefreiheit galt, gab es kein Halten mehr: Innerhalb von nur einem Jahr siedelten mehr als 110.000 Bürger aus dem Banat wieder nach Deutschland zurück.
Nach Überfall kurzentschlossen geflohen
Auch Josef Hell entschied sich 1990 zu diesem Schritt. Den letzten Anstoß dazu gaben ausgerechnet überraschende Hilfslieferungen aus Deutschland. Er selbst wurde überfallen, das Zwischenlager in der Kirche geplündert. Als er Drohbriefe erhielt, bis hin zur Androhung, ihn aufzuhängen, war dies zu viel für den Pfarrer. Da er ohnehin eine Versetzung fürchten musste, regelte er alles, packte seine Habseligkeiten in sein Auto und machte sich nach dem Abendgottesdienst auf den Weg nach Deutschland, ohne mit jemandem darüber gesprochen und ohne sich verabschiedet zu haben. Nur seine Familie war eingeweiht.
„Hell-Linien“ im Banat und in Franken
Nach Zwischenstationen in Bönnigheim, Mögglingen und Böbingen ist seit 2004 Trockau zu seiner zweiten Heimat geworden. Mit der Kuratie Trockau, der Pfarrei Büchenbach, seit 2010 zudem mit der Pfarrei Troschenreuth sowie dem langjährigen Seelsorgedienst am Pegnitzer Krankenhaus betreut er auch hier wieder eine „Hell-Linie“. Wieder gab es viele Baustellen, etwa als die Kirche in Troschenreuth wegen des baufälligen Dachstuhls urplötzlich gesperrt werden musste. Heute ist sie genauso grundsätzlich saniert wie St. Vitus in Büchenbach. Besonders freut Hell dabei, dass die Gotteshäuser heute mit neuen Beleuchtungskonzepten in hellem Licht erstrahlen.
In Trockau wurde in seiner Amtszeit nicht nur der Kirchturm saniert, sondern auch das Dach neu eingedeckt und eine umweltfreundliche Geothermie-Heizung eingebaut. Weil die Marktgemeinde seit jeher eng mit der vorbeiführenden A9 verbunden ist, war die Erhebung von St. Thomas zur Autobahnkirche im Jahr 2010 folgerichtig. Seither nützen alljährlich Tausende von Reisenden einen Stopp in Trockau nicht nur zur leiblichen, sondern auch zur geistlichen Einkehr.
Maria Radna als geistige Heimat
Fest eingebunden ins gesellschaftliche Leben ist Hell über die Jahre längst zum Trockauer geworden. Trotzdem vergisst er seine alte Heimat nicht. So hat er sich finanziell wie ideell intensiv an der millionenschweren Generalsanierung von Maria Radna beteiligt, einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte in Südosteuropa, der ihm, betreut von seinem Studienkollegen Andreas Reinholz, zur geistigen Heimat geworden ist.
In seinem früheren Heimatort Sanktanna arbeitet er intensiv im Förderkreis zur Sanierung der Mutter-Anna-Kirche mit. Nachdem inzwischen mit hohem Aufwand die Arbeiten am Kirchturm, am Dach und an der Fassade erledigt sind, steht nun noch die Erneuerung des Putzes im Innern an. Kleiner Tipp für die Besucher des Jubiläumsgottesdienstes am Montag, 21. Juni, um 18 Uhr in der St. Thomas Kirche in Trockau: Über eine Spende für seine Heimatkirche im Banat als Geschenk würde sich Josef Hell sicher am meisten freuen: „Ich selbst brauche keine Geschenke, ich habe doch alles.“
Einen Wunsch aber hat er doch noch: „Ich hoffe, dass sich die Menschen nach all den Einschränkungen durch Corona wieder auf Gott besinnen und erkennen, wie wichtig die Kirche als geistige Heimat ist.“





