Im Kalender stand der 14. November, der Volkstrauertag. Deutschlands Konsul in Temeswar, Regina Lochner, reiste auf Einladung des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen und des Bürgermeisteramts Anina ins Banater Bergland, um am Gedenken der Opfer der beiden Weltkriege, der Flucht, Gefangenschaft, Deportation und Vertreibung teilzunehmen. Das Programm sah einen Besuch des deutschsprachigen Gottesdienstes in der Steierdorfer „Allerheiligste Dreifaltigkeit“-Kirche und eine Gedenkveranstaltung auf dem Sigismunder Friedhof von Steierdorf – Anina vor. Die Sonntags-Messe zelebrierte der römisch-katholische Stadtpfarrer von Anina, Martin Jäger.
Konsul Regina Lochner sagte am Grabe der Gefallenen am Sigismunder Friedhof u.a. folgendes: „Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker. Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren. Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde. Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten. Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren. Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt Opfer geworden sind. Wir gedenken der Opfer von Terrorismus und Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land. Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten und teilen ihren Schmerz. Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“
Weiter sagte Konsul Regina Lochner in ihrer Gedenkrede folgendes: „Deutsche und den Deutschen Verbundene finden sich jedes Jahr am Volkstrauertag zusammen, um der Opfer von Krieg und Gewalt zu gedenken. Auch wir versammeln uns heute an einer Stelle, an der deutsche und rumänische Soldaten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben – entzweit am Ende ihres Lebens, im Tode an diesem Ort des Friedens zusammengeführt. Was mögen sie für Menschen gewesen sein? Wir wissen fast nichts mehr über sie, lediglich ihre Namen künden noch von ihrer Existenz. Auf vielen Soldatenfriedhöfen gibt es nicht einmal das: unbekannt steht dann auf so manchem Grabstein. Es ist bitter, dass ein hoffnungsvoll und zuversichtlich begonnenes Leben auch so enden kann, wenn Krieg und Gewalt einen Strich durch Lebensentwürfe machen. Dabei wäre es zu simpel, pauschal aller Gewalt abzuschwören: wenn unsere Liebsten angegriffen werden, wenn ein äußerer Feind unser Land bedroht, werden Bitten und Beschwörungen allein vielfach nichts bewirken. Es ist eine bittere Erkenntnis, dass man manchmal nicht anders kann, als auch in einer gerechten Sache noch schuldig zu werden. An einem Ort wie diesem wird uns daher die Verantwortung deutlich, die uns zuerst und unausweichlich trifft: nämlich mit unserem eigenen Leben und Handeln dafür einzustehen, dass Gewalt und Krieg, Unfrieden, Hass und Vernichtung keinen Platz in unserem Miteinander haben, nirgendwo: nicht im Miteinander von Familien, nicht im Miteinander von Staaten. Und mit dafür zu sorgen, dass auch dort, wo kein Frieden herrscht, Maß und Menschlichkeit doch immer noch eine Stimme haben.“
Der ehemalige Bürgermeister von Anina, Gheorghe Românu sagte u.a.: „Wir haben uns heute hier auf dem Sigismunder Friedhof in Anina versammelt, am Helden-Grab, wo die während des Zweiten Weltkriegs in Anina Gefallenen begraben sind, am Gedenktag der Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft, um aller Gefallenen der Kriege und Toten in Folge anderer gewalttätiger Handlungen zu gedenken, gleichgültig ihrer Staatsangehörigkeit. Opfer eines ungerechten und schrecklichen Krieges, in diesem Grab fanden den ewigen Frieden, sowohl rumänische als auch deutsche und russische Soldaten, Tatsache die den heutigen und zukünftigen Generationen bewusst machen müssen, dass wir vor Gott und dem Tod alle gleich sind. Wir möchten, dass alle Nationen die notwendigen Lektionen lernen, damit sie in Frieden und Ruhe leben, ohne jemals die traurige Erfahrung des Krieges zu erleben.“ Pfarrer Martin Jäger sang und sprach sodann Gebete für die in diesem Grabe und weltweit beigesetzten Gefallenen.
An der Gedenkveranstaltung in Steierdorf – Anina, die vom DFBB-Vorsitzenden moderiert wurde, nahmen noch Vertreter der Aninaer Kommunalverwaltung, des DFBB, der freiwilligen Feuerwehr von Steierdorf sowie ein Trompeter, der würdig das Gedenken musikalisch umrahmte, teil.
Erwin Josef Ţigla
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