Ein Team, bestehend aus acht freiwilligen Jugendlichen des Malteser Hilfsdienst Rumänien, Filiale Temeswar, brachen am frühen Morgen des 3. März d.J. nach Marmaroschsiget/ Sighetu Marmației, an der rumänisch-unkrainischen Grenze auf. Ihr Ziel: den geflüchteten Menschen aus dem Nachbarland zu helfen. Ihre Hilfstätigkeit stand unter dem Gründungsmotto und im Geiste der Berufung des Souveränen Malteserordens – also des Ritterordens von Malta: Tuitio Fidei et Obsequium Pauperum (Verteidigung des Glaubens und der Dienst an den Armen) und tief verwurzelt in der Lehre Jesu Christi: „Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen“ (Mt 25, 35-36). Mit Bereitschaft und Freude wurden die vom Pressebüro der Römisch-Katholischen Diözese Temeswar gestellten Fragen von Karina FEILER – Verantwortliche der Malteser Jugendgruppe Temeswar, freiwillige Helferin und von Dr. Alexandru-Claudiu RÂȚĂ – Foundraising-Verantwortlicher des Malteser Hilfswerks Rumänien, Filiale Temeswar, freiwiliger Helfer, Koordinator des Temeswarer Teams welches nach Marmaroschsiget gefahren ist, beantwortet. 

– Haben Sie jemals Menschen getroffen, die Hilfe brauchten? Haben Sie jemals an Wohltätigkeitsaktionen teilgenommen?
Karina FEILER: – Ich kann sagen, dass ich jeden Tag Menschen treffe, die Hilfe brauchen, sei es körperliche Hilfe oder nur eine Schulter zum Ausweinen, ein freundliches Wort oder eine Ermutigung, die ich aussprechen kann. Ich engagierte mich schon früh für wohltätige Zwecke, da ich ein besonderes Gespür für gefährdete Gruppen entwickelt habe: oft bin ich gerne genau dort, wo es nötig ist, um den weniger Glücklichen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, wann immer ich die Gelegenheit dazu habe. Und dies macht mich glücklich. Ich bin ein kleiner und einfacher Mensch in dieser großen Welt, aber ich kann jederzeit aus meinem Bisschen geben, jedem, der es braucht.
Alexandru-Claudiu RÂȚĂ: – Ja, ich bin seit 2008 freiwilliger Helfer des Malteser Hilfsdienstes Rumänien, Niederlassung Temeswar – eine Situation, die mir die Möglichkeit gab, notleidenden Menschen meine Unterstützung anzubieten. Sowohl im Rahmen der Sozialprogramme, die von der Malteser Niederlassung in Temeswar durchgeführt werden, als auch durch die Aktivitäten, die von der Organisation auf nationaler Ebene durchgeführt werden. Und nicht nur das: Ich habe Erfahrungen gemacht, die mich während meiner gesamten ehrenamtlichen Tätigkeit zum Wohle der Betroffenen geprägt haben, sowohl auf individueller Ebene als auch auf der Ebene benachteiligter Gruppen. Eine meiner intensivsten Erfahrungen hatte ich als Teil eines Teams von Freiwilligen aus mehreren Ländern, die Flüchtlingen aus einem Zentrum auf der Insel Lesbos geholfen haben.

– Was hat Sie dazu bewogen, sich der Flüchtlingshilfe anzuschließen?
Karina FEILER: – Ich nehme immer mit großer Freude und Engagement jede zusätzliche Gelegenheit wahr, dort zu sein, wo man mich braucht. Oft brauchte ich nicht viele Gründe, um dem Team beizutreten, nur die Idee, anderen Gutes zu tun – in dieser Welt, in der die meisten Menschen nur ihr eigenes Wohl befriedigen wollen, ohne an andere zu denken – denn das war genug für mich.
Alexandru-Claudiu RÂȚĂ: – Die Entscheidung kam sehr schnell von jedem Mitglied unseres Teams und es war wichtig, dass im Mittelpunkt unseres Handelns überall auf der Welt stehen die Werte, die das Engagement in humanitären Krisensituationen mit hilfsbedürftigen Menschen motivieren, ein solides Systhem der Grundwerte. Und dieses Systhem wird im Laufe von fast tausend Jahren des heutigen malteser Phänomens generiert und getestet.

– Hat die Tatsache, dass Sie möglicherweise in Gefahr sein können, Ihre Entscheidung beeinflusst?
Karina FEILER: – Ganz und gar nicht. „Nihil sine Deo!“ („Nichts ohne Gott!“) ist eines der vielen Zitate, die mein Leben leiten. Nichts ist zufällig, und solange ich Seine Gegenwart spüre und an Ihn glaube, werde ich immer vor jeder Gefahr geschützt sein. Ich hatte nie gedacht, dass etwas Schlimmes passieren kann, solange ich da war, um Gutes zu tun.
Alexandru-Claudiu RÂȚĂ: – Menschen, die im Bereich der humanitären Hilfe tätig sind, sind ständig an Orten auf der ganzen Welt präsent, die mit Krisensituationen konfrontiert sind, und ihre Sicherheit kann gefährdet sein. Viele verloren ihr Leben, ihre Freiheit oder wurden bei der Arbeit verletzt. Die Risiken, denen wir durch unsere Präsenz dort ausgesetzt waren, waren jedoch deutlich reduziert, fast nicht existent, da unsere Tätigkeit nicht in einem Konfliktgebiet stattfand. Ich hätte nie gedacht, dass wir in irgendeiner Weise in Gefahr sein könnten.

– Welche Art von Unterstützung hat Ihr Team an der rumänisch-ukrainischen Grenze angeboten?
Karina FEILER: – Unsere Teammitglieder leisteten jede erforderliche Unterstützung. Manchmal war es notwendig, mit dem Gepäck zu helfen, das einige der Flüchtlinge möglicherweise zig Kilometer zu Fuß gebracht haben, manchmal haben wir sie zu den Kontrollpunkten geleitet, wo ihnen auch eine Unterkunft oder ein Transport angeboten wurde, oder wir boten ihnen Essen oder heißen Tee an. Persönlich blieb ich zusätzlich zu all dem eines Tages bei einer Familie, während sie auf den Fahrer warteten, der sie von der Grenze abholen würde, und in dieser Zeit ging ich spazieren mit dem Hund, den sie mitgebracht hatten. Ich hatte die Gelegenheit, mit der Mutter und den beiden Kindern ein wenig über ihre ganze Situation zu sprechen und ihnen geholfen den zusätzlichen Stress durch das kleine verängstigte Haustier loszuwerden. Jeder von uns hat versucht, dort präsent zu sein, wo es nötig war.
Alexandru-Claudiu RÂȚĂ: – Unser Team von Freiwilligen schloss sich unseren Malteser Kollegen unter der Koordination der Abteilung für Notsituationen an, und unsere Haupttätigkeit konzentrierte sich darauf, Flüchtlinge aus dem ukrainischen Staatsgebiet aufzunehmen und sie zu Informationspunkten für den Transport oder die Unterbringung zu führen. Wir haben dazu beigetragen, diesen Menschen seit der Einreise nach Rumänien in verschiedener Form zu helfen. Wir halfen den Menschen mit ihrem Gepäck, wir versuchten herauszufinden, ob sie medizinische Hilfe benötigten oder wir versorgten sie mit Essen und Getränken, aber wir nahmen auch an anderen Aktivitäten unter der Anleitung unserer Koordinatoren teil.

– Wie haben Sie diese Tage körperlich und geistig erlebt? Haben Ihnen die Menschen und die erlebten Situationen beeindruckt?
Karina FEILER: – Aus körperlicher Sicht war die Kälte die größte Unannehmlichkeit. Ein Teil unseres Teams war für die Nachtschichten zuständig, als der Grenzübertrittsstrom aus der Ukraine zwar geringer, aber die Kälte grösser war. Aber trotzdem waren wir mit Leib und Seele dabei.Mental und emotional war es eine ziemlich starke Erfahrung. Oft fanden wir uns mit Tränen in den Augen wieder, als wir Mütter mit Kindern ansahen, die gezwungen waren, ihr ganzes Leben in einem Koffer zu packen und an einem sicheren Ort zu flüchten, um den Kindern eine Zukunft zu suchen, die viel zu jung sind, um zu verstehen, was und warum Dinge so passieren.
Alexandru-Claudiu RÂȚĂ: – Es wäre unmenschlich zu sagen, dass wir in keiner Weise betroffen waren. Körperlich machte sich die angestaute Müdigkeit ebenso bemerkbar wie der Kälte, die mit dem Abend immer schwerer zu ertragen war. Zusammen mit meinen Kollegen habe ich 12-Stunden-Schichten gearbeitet, das war nicht immer sehr angenehm. Psychisch war der Aufprall noch schwerer zu bewältigen. Wir ahnten, dass es nicht einfach für uns werden würde, aber die Realität vor Ort hat immer einen größeren Einfluss. Die humanitäre Krise ist die andere schreckliche Seite des Krieges, jenseits des direkten Zusammenstoßes zwischen den beiden Lagern, des Rampenlichts der Medien oder der sozialen Netzwerke. Es gibt Situationen und Bilder, die landen nicht in den Studios und Sendern. Ein ausreichend relevantes Beispiel könnte sein, dass am Morgen unserer Ankunft zu Hause jeder von uns im Team das Gefühl hatte, dass wir bald zurück müssen, dass es noch mehr Hilfe benötigt wird. Ich hatte das Gefühl, zu wenig für die Bedürfnisse dieser Menschen getan zu haben.

– Werden die in diesen Tagen gesammelten Erfahrungen Ihre zukünftigen Tätigkeiten beeinflussen?
Karina FEILER: – Diese Erfahrung ließ mich zum ersten Mal erkennen, wie viel Glück ich habe. Ich werde von nun an sicherlich viel dankbarer für alles sein, was ich habe. Ich werde mehr die Momente genießen, die ich mit meiner Familie und meinen Freunden verbringe, den Frieden und die Sicherheit des Hauses, die Gelegenheit, auf der Straße zu gehen, ohne Angst zu haben, dass ein zusätzlicher Schritt mich ans Ende bringen könnte.Ich werde noch mehr implizierter sein, anderen zu dienen, ein Lächeln auf ihre Lippen und Freude in ihre Seele zu bringen.
Alexandru-Claudiu RÂȚĂ: – Definitiv, ja. Ich wünsche mir, dass sich das kürzlich innerhalb unseres Vereins gebildete Team, bestehend aus Freiwilligen, aber auch Mitarbeitern des Malteser Hilfsdienstes in Rumänien – Niederlassung Temeswar – und dessen Zusammensetzung: Ärzte, Krankenschwestern, Krankenpfleger, Sozialarbeiter und Personen mit psychologischer Ausbildung – seine Tätigkeit ausweitet und sich noch stärker auf den humanitären Bereich ausrichtet.

– Das Pressebüro der Diözese Temeswar bedankt sich herzlichst für das Gespräch!