Im Jahre 1030 gründete Stephan der Heilige, König des damaligen Ungarn, im Südosten seines Reiches an der Unteren Marosch ein neues Bistum, die Ecclesia ad Marusium, auch noch in den ersten Jahrhunderten Episcopatus a praeterlabente fluvio Moresenensis, genannt; erst später kam der Name Csanád in Gebrauch. Die Gründung des alten Bistums Csanád wird von den drei Nachfolgebistümern, die heute auf dem Gebiet des ehemaligen Kirchensprengels im Laufe der Geschichte entsanden sind: die Diözesen Temeswar, Szeged-Csanád und Groß-Betschkerek gemeinsam gefeiert. Teil der Vorbereitungen auf das MILLENNIUM CSANADIENSE 1030-2030 ist auch die Ausstellung die jedes Jahr bis 2030, dem Jahr des Jubiläums, einen historischen Abschnitt, der Vergangenheit und Gegenwart des alten Bistums präsentiert, vor Augen führt.
Bezüglich der Organisation und über Details zur Jubiläumsausstellung sprachen wir mit S.E. Dr. h.c. Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar und Koordinator des Vorbereitungsteams.

– Herr Bischof, wie hat die Organisation der Jubiläumsausstellung begonnen, welche waren die ersten Schritte?
– Wir haben 2020 das 990. Jahr in aller Stille und Bescheidenheit begangen. Damals aber haben wir bereit begonnen, entsprechendes Material zu sammeln, zu ordnen und auszuwählen. Das war nicht ganz einfach, zumal sich eine Menge an geeigneten Exponaten angesammelt hatte, eine begrenzte Auswahl zu treffen, da der Raum wie auch die technischen Möglichkeiten uns sehr eingeengt haben. Nach langer Erwägung haben wir uns auf 26 Themen festgelegt. Die Ausstellung bietet daher nicht eine zusammenhängende Darstellung der Vergangenheit unseres Bistums, sondern lediglich wichtige Schwerpunkte.

– Welche ist die Bedeutung und Botschaft der Ausstellungsreihe?
– Ein Millennium ist nicht ein schnell vorrübergehendes Eveniment, nachdem wir alle wieder in den alten Trott des Alltags versinken dürfen. Ein Jahrtausend verpflichtet und soll einen neuen Anfang auf unserem Glaubensweg darstellen, einen neuen gemeinsamen Glaubensweg, der die drei Schwesterdiözesen, die aus dem alten Mutterbistums Csanád hervorgegangen sind, enger als bisher zusammenführt und vertrauensvoll auf einem neuen Weg in die Zukunft voranschreiten lassen. Das Leitwort für die kommenden Jahre sei daher das Gebet Christi, unseres Herrn, der in den letzten Stunden seines irdischen Lebensweges den Vater um die Einheit der Seinen angefleht hat: Ut unum sint/Ut omnes unum sint, nach dem Johannesevangelium (17,11, 21).
Dieses Leitwort Christi verpflichtet Bischöfe wie Priester vor allem und allen anderen. Lasset uns dafür sorgen, dass wir als Hirten wie als Presbyterium unserer Diözesen miteinander in näheren Kontakt kommen und wieder zu einer einträchtigen Gemeinschaft zusammenwachsen, die das gemeinsame Presbyterium unseres geteilten Bistums darstellt in unserem priesterlichen Leben und Wirken, in unserem Zusammenstehen und Füreinander-Sorgen. Die Teilung unserer alten Diözese hat in erster Linie unsere damaligen Mitbrüder, die Priester, hart getroffen und tiefe Wunden geschlagen, sowohl nach 1923 wie auch in späteren Zeiten, allen voran den damaligen Bischof, Dr. Julius Glattfelder.
Wir Priester von heute sind für unsere Gläubigen da, die wir zu führen, zu leiten und auf ihrem Glaubensweg zu begleiten haben. Sorgen wir daher in den kommenden fünf kurzen Jahren dafür, dass unsere Pfarreien über die Landesgrenzen hinweg wieder zueinander finden und bewusst gemeinsam unseren Weg des Glaubens von nun an weitergehen können. Gott wird uns zur gegebenen Zeit Wege zeigen, die enger zueinander führen. Wir müssen nur hellhörig und wach bleiben, damit wir die einzelnen Gelegenheiten und Anlässe nicht versäumen.
Ein solches Jahrtausend verpflichtet und entlässt keinen aus der Verantwortung, weder einen Bischof, noch den Priester, Kaplan, Pfarrer oder Diakon. Jeder von uns ist gefordert und wird durch die Gnade Gottes auch gefördert. Übernehmen wir daher bereitwillig und voll des Heiligen Geistes die auf uns zukommende Verantwortung und beginnen wir sowohl innerhalb unseres eigenen Bistums wie auch in gemeinsamer Anstrengung die Feier und Durchführung dieses  MILLENNIUMS  CSANADIENSE  zum Segen unserer drei Schwesterdiözesen wahrnehmen. Erstmals treffen sich die Gläubigen aus den drei Schwesterdiözesen am Festtag des hl. Gerhard zu Csanád, zu einem Pontifikalamt, zelebriert von László Kardinal Német SVD, dem Erzbischof und Metropoliten von Belgrad. Kardinal Német hält auch die Predigt in Ungarisch und Deutsch. Dazu haben wir erstmals auch die drei Apostolischen Nuntien aus Ungarn, Rumänien und Serbien eingeladen, wie auch die drei Metropoliten von Bukarest, Blasendorf/Blaj und Kalocsa. Die Einladung an alle steht.

– Wie sieht das Programm der Ausstellung aus?
– Als erster Schritt in dieser Richtung haben wir diese Wanderausstellung vorbereitet, die wir zunächst in der Kathedrale zum hl. Georg in Temeswar am Mittwoch, dem 14. Mai 2025, 11 Uhr, eröffnen werden. Dazu ergeht heute schon herzliche Einladung an die drei Bischöfe, an die drei Nuntien in Ungarn, Rumänien und Serbien, an die zuständigen Metropoliten und alle Mitbrüder unserer drei Diözesen. Diese Ausstellung wird ab Mitte Juli 2025, und ab 1. Oktober 2025 auch in Szegedin und Großbetschkerek zu sehen sein. Dass auch die Hierarchen der anderen Konfessionen dazu eingeladen werden, halten wir für selbstverständlich.

– Welche Institutionen haben das Ausstellungsmaterial zur Verfügung gestellt?
Unser verbindlicher Dank gilt allen Personen und Institutionen, aus deren Eigentum wir Exponate in dieser Ausstellung zeigen dürfen: Archivum Secretum Vaticanum, Bibliotheca Apostolica Vaticana, Budapest – Magyar Nemzeti Múzeum, Országos Levéltár, Országos Széchényi Könyvtár, München – Bayerische Staatsbibliothek, Oradea – Biblioteca Episcopiei Romano-Catolice, Palatul Episcopal, Szeged – Magyar Nemzeti Múzeum, Timișoara – Biblioteca Episcopiei Romano-Catolice, Muzeul Național al Banatului, Venezia – Biblioteca Marciana, Wien – Heeresgeschichtliches Muzeum, Zagreb – Biblioteka Prvostolne Crkve, Nacionalni Muzej.

– Was gehört noch zu den Vorbereitungen?
– Wer an einem festlichen Ereignis teilnehmen will, legt auch ein Fest-Kleid an, denn in der alltäglichen Montur kann man nicht feiern. Zu einem Fest ohne Festkleidung zu erscheinen, ist ungehörig und zeugt von einer schlechten Erziehung. Deswegen legen sich vor allen die drei Kathedralen der Schwesterdiözesen von Szeged-Csanád, Großbetschkerek und Temeswar, ebenso die Bischöflichen Ordinariate gebührende Festkleider an. Ihnen folgen die Pfarrkirchen, Pfarrhäuser, die katholischen Institutionen wie Schulen, Kindergärten, Caritas-Stellen und alle kirchlichen Einrichtungen, auch sämtliche kirchlichen Gebäuden, gleich welcher Art, legen in den drei Diözesen „Festkleider“ an.
Diese unsere Festkleider bestehen zunächst in einer langen, frei herabhängenden, roten Fahne (Banner) mit dem Leitmotiv MILLENNIUM CSANADIENSE 1030-2030. Auf der Fahne erscheint erstmals in der Öffentlichkeit ein neugeschaffenes, gemeinsame Wappen. Die Fahne ist in verschiedenen Längen zu haben und kann über die Bischöflichen Kanzleien des jeweiligen Ordinariats bestellt werden.
Das gemeinsame Wappen der drei Diözesen ist zunächst als Vorschlag gedacht. Eine erste Deutung sei hier kurz versucht: Das intakte Rund zeigt auf das integre Ganze der alten Diözese Csanád, die dreigeteilte Fläche deutet auf die durch die schmerzliche Zerstückelung der alten Diözese entstandenen, heute drei selbständigen Bistümer hin.
Das rechte, vom Betrachter her gesehen das linke Feld, der vornehmste Platz im Schild, zeigt auf rotem Grund das silberne Kreuz vom Sarkophag des Heiligen in der Pfarrkirche zu Csanád. Das Rot weist auf das Martyrium Gerhards hin, das silberne Kreuz auf Christus und die Person des Heiligen, der seinem Herrn im Tode gefolgt ist.
Das linke Feld, vom Betrachter hergesehen, das rechte Feld: Auf blauem Grund, der Farbe der Gottesmutter, liegt als Zeichen der bischöflichen Würde und Verantwortung, der goldene Hirtenstab. Unter dem bewussten Schutz der Gottesmutter führte Bischof Gerhard sein Hirtenamt, unter dem Schutz der Gottesmutter stehe auch die Amtsführung unserer heutigen Bischöfe.
Durch das Grün des unteren Feldes, Zeichen des pannonischen Tieflandes und unserer Banater Tiefebene, schlängeln sich die Wasser der Marosch dahin, dargestellt durch das wellige blaue Band. „A Maros vize folyik csöndesen“, heißt es in einem bodenständigen ungarischen Volkslied, das Wasser der Marosch fließt gemächlich – in der Tiefebene schon träge – dahin.

– Das Jubiläum wird aber auch durch ein eigens dafür entworfene Plakat angekündigt, nicht wahr? Und ein würdiges, bleibendes Erinnerungsstück ist ebenfalls in Vorbereitung?
– Neben der freihängenden Fahne bieten wir ein Plakat in zwei Größen an, das die Kunde und Botschaft des Jubiläums in unseren Pfarreien ebenso wie unter unsere Leute, aber auch in die Öffentlichkeit, in der wir als Christen und Katholiken leben, hineintrage. Das Plakat ist mit dem gemeinsamen Wappen der drei Bistümer wie durch die Leitworte  MILLENNIUM CSANADIENSE  1030-2030  ausgezeichnet, wobei hier der Hirtenstab des Bischofs Falkenstein, gefertigt in Wien 1732, der älteste aus der Schatzkammer des Domes und wohl der schönste, was Proportion, Kunstfertigkeit und edle Gestaltung betreffen, wohl der edelste Hirtenstab, den wir haben. Der Stab ist vergoldetes Silber, belegt mit Akanthusblättern und Amethysten, Perlen und Edelsteinen.
Das Plakat ist durch sein vornehmes Rot, durch seine edle Anordnung und Gestaltung, eine Schöpfung von Zsolt Vakon, dem Kanzler des Bischöflichen Ordinariats zu Großwardein. Zsolt hat im Auftrag seines Bischofs László, uns seine hervorragenden Fachkenntnisse in Design bereitwillig zur Verfügung gestellt. Ihm gebührt daher unser besonderer Dank, unsere hohe Anerkennung. Ohne ihn, wäre manches nicht so zustande gekommen, wie es vollendet vor uns steht.
Dazu kommen, eigens für das Millennium angefertigte Gedenkmünzen, die Meister Thomas Szabó in Szegedin, seines Zeichens Münzgestalter und gleichzeitig Prägemeister, angefertigt hat.
Auf der Recto ist das gemeinsame Wappen der drei Diözesen, wie wir es beschrieben haben, zu sehen. Die Umschrift lautet oben MILLENNIUM CSANADIENSE 1030-2030; unten aber: UT UNUM SINT.
Auf dem Verso stehen, von einem grünen Kranz unterfangen die beiden Jahreszahlen des Jubiläums mit der Umschrift oben: JUBILAEUM COMMUNE CSANADIENSE, unten: TRIUM ECCLESIARUM AD MARUSIUM.
Die Münze bieten wir in zwei Ausführungen an, in Silber und in Bronze, Durchmesser 42,5 mm, Gewicht 33,6 g. Die Silbermünze kann in rotem Etui, mit entsprechendem CERTIFICATE bezogen werden. Bestellungen nehmen, wie auch in den obigen Fällen, die Bischöflichen Kanzleien ab sofort entgegen.
Mit diesen Emblemen wollen wir den Jubiläumsfeierlichkeiten unserer drei Bistümer ein äußeres Gesicht, entsprechende Würde und einen Ausdruck verleihen, der unserer persönlichen wie unserer gemeinsamen Überzeugung entspricht, die uns in unseren Bemühungen bisher getragenen und bestärkt haben. Es soll ein Ausdruck sein, der von dem, was in unseren Herzen lebendig ist, Zeugnis geben, ohne äußeres Getue und Zwang, aber in Würde und Wahrhaftigkeit, in Tatkraft und Glaubwürdigkeit.
Was bleibt uns als Priestern zum Schluss anderes übrig, als zu wünschen, dass diese Jahre der Vorbereitung als auch das Jubiläum selber dazu beitragen mögen, dass Klerus und Volk Gottes aus diesen drei Bistümern je näher wieder zu einander finden und zu einer einzigen Herde unter dem einzigen Hirten zusammenwachsen mögen, wie dies die beiden Heiligen, Stephan und Gerhard, die am Anfang dieser heute geteilten, in drei Schwesterdiözesen, in drei verschiedenen Ländern lebenden Bistümern stehen. Mögen die kommenden Jahre und unser persönliches Engagement mit dazu beitragen, dass unsere Bistümer in Haupt und Gliedern, „tam in Capite, quam in membris“ erneuert, gestärkt und mit neuem Mut in die nächsten tausend Jahre schreiten mögen. Das walte Gott der Dreieine, auf die Fürsprache der Seligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, sowie der beiden Heiligen vom Anfang unserer Mutterdiözese Csanád und all unserer Schutzpatrone.

– Eure Exzellenz, herzlichen Dank für das Gespräch! Ihnen, Gottes Segen und viel Kraft weiterhin! Möge Gott dieses umfangreiche Projekt unserer drei Schwesterdiözesen segnen!

Pressestelle der Diözese Temeswar