Im Ungarischen Katholischen Lexikon sowie im Deutschen lesen wir über den Begriff „Schutzheiliger“ folgendes: „Schutzpatron, Patron, Patronin: ein von einem Volk, einer Diözese, einer Ortschaft oder einer amtlichen Person mit Zustimmung des Heiligen Stuhls als himmlischer Beschützer gewählter Heiliger. Bei Kirchen ist es der Titularheilige, zu dessen Ehren der Hauptaltar geweiht ist und unter dessen Schutz das betreffende Kloster oder die betreffende Siedlung oder Einrichtung gewöhnlich steht“. Und der Titel einer Kirche (lateinisch: titulus ecclesiae) ist „eine göttliche oder irdische Person (Heiliger), zu deren Ehren eine Kirche geweiht oder benannt ist. Neben dieser Person kann der Titel der Kirche auch das göttliche Geheimnis sein, das zu ihr gehört“.
In der Diözese Temeswar ist der Schutzpatron der römisch-katholischen Kirchen von Horia/Neupanat (Kreis Arad) und Grănicerii/Tschawosch (Kreis Timiș/Temesch) der Heilige Ignatius von Loyola, Gründer des Jesuitenordens (Societas Jesu, S.J.). Keine dieser Gemeinden oder Kirchen hat jedoch irgendeine Verbindung zum Jesuitenorden. In beiden Fällen war der Taufname des Adeligen oder Grundbesitzers, der die Kirche errichtete, Ignatius, so dass der Heilige Ignatius von Loyola in erster Linie ihr persönlicher Schutzpatron war und dann auch zu jenem der Pfarrkirche wurde.

Neupanat
Die Gemeinde Neupanat (heute Horia / früher Panatul Nou), Kreis Arad, ist heute eine Filiale der Pfarrei Vladimirescu/Glogowatz und wird vom Pfarrer von Arad-Micălaca/Mikelaka verwaltet. Die Kirche wurde vor 200 Jahren, im Jahr 1825, zu Ehren des Heiligen Ignatius von Loyola geweiht. Die Jubiläumsfeierlichkeiten werden am 2. und 3. August dieses Jahres von der etwa 60 Mitglieder zählenden Kirchengemeinde organisiert, die sich aus ungarischen, rumänischen, slowakischen und deutschen Gläubigen zusammensetzt, sowie aus der Gruppe der ehemaligen deutschsprachigen Einwohner, die sich im Laufe der Jahre in Deutschland niedergelassen haben und in einer Heimatortsgemeinschaft organisiert sind.
Im Diözesanschematismus aus dem Jahr 1913 ist über Neupanat Folgendes zu lesen: Die Pfarrei wird in den päpstlichen Zehntlisten von 1333 erwähnt; sie wurde unter der osmanischen Herrschaft zerstört und 1789 als lokale Kaplanei (capellania localis) wiedererrichtet; die ersten Matrikeln stammen aus diesem Jahr.
Die deutschen Siedler, die dem Ruf Kaiser Josephs II. und seiner Anwerber aus Frankfurt, Rothenburg am Neckar, Koblenz und Bonn folgten, trafen zwischen dem 28. Mai 1785 und etwa September desselben Jahres in Arad ein. Ende 1786 konnten sie endlich ihre neu errichteten Häuser in „Puszta Panath“ beziehen. Im Januar 1787 wurden weitere 56 Familien in Neupanat angesiedelt, und die letzten Siedler kamen im Herbst desselben Jahres. Nachzulesen ist dies auf der Website der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Neupanat, die von den inzwischen nach Deutschland ausgewanderten Bewohnern von Neupanat gegründet wurde. Der Internetauftritt erwähnt auch, dass der Grundstein der Kirche 1819 von Graf Ignatius Gyulai gelegt wurde.
Als der Geistliche Georg Quesar von Persanova, der damalige Pfarrer von Neupanat, am 29. Januar 1825 starb, hinterließ er in seinem Testament die Summe von 1011 Gulden für die Fertigstellung der Kirche. Zusätzlich zu dieser Summe wurden von jeder Familie 2 Gulden für denselben Zweck erhoben. Am 27. November 1825, dem ersten Adventssonntag, wurde die Kirche von Dechant Johann Nyeky, Pfarrer von Pecica/Petschka, eingeweiht. Auf der Website wird auch berichtet, dass der Schutzpatron der Gemeinde Neupanat bis 1825 der Heilige Wendelin war. Das Gemälde auf dem Hauptaltar, das den Hl. Ignatius von Loyola darstellt, wurde der Gemeinde von Graf Gyulai gestiftet, der es aus Wien brachte.

Tschawosch
Die Ortschaft Grănicerii (dt. Tschawosch / früher Ciavoș) im Kreis Temesch ist heute eine Filiale der Pfarrei Otelek. Es wird im oben zitierten Diözesanschematismus von 1913 als Siedlung im Komitat Torontal erwähnt, die laut den Listen der päpstlichen Dezimalen bereits zwischen 1333 und 1335 bestand. Die Pfarrei wurde im Jahr 1839 wiedererrichtet.
In dem dem Komitat Torontal gewidmeten Band aus der Reihe „Komitate und Städte Ungarns“, das von Samu Borovszky herausgegeben wurde, ist über diesen Ort Folgendes zu lesen: „Es ist eine große Gemeinde am linken Ufer des Flusses Temesch. Sie hat 218 Häuser und 1058 Einwohner, von denen die meisten deutschstämmig und römisch-katholisch sind. Es gibt ein Postamt und ein Telegrafenamt, aber der Bahnhof ist in Modosch [heute Jaša Tomić, Serbien] (…). Auch auf der Karte von Mercy (1723-1725) erscheint es als bewohnte Siedlung. Da die meisten serbischen Einwohner in der Militärgrenze des Banats zogen, kamen 1783 deutsche Familien an ihre Stelle (…). Im Jahre 1850 wurde das Gut in der Nähe des Dorfes von dem Adligen Ignatius Csávossy gekauft. Im Jahr 1861, am Ostersonntag, zerstörte ein großes Feuer das Dorf. Ignatius Csávossy gab damals wie auch während der Dürre und der Hungersnot von 1863-64 ein glänzendes Zeugnis der Aufopferung“. Auch das Ungarische Katholische Lexikon erwähnt, dass die örtliche römisch-katholische Kirche, die dem heiligen Ignatius von Loyola geweiht ist, im Jahr 1896 mit Unterstützung des Grundbesitzers Ignác Csávossy erbaut wurde – somit wird sie nächstes Jahr 130 Jahre alt. Zu den Besonderheiten der Kirche zählen die wunderschönen Buntglasfenster, die den heiligen Wolfgang, die selige Königin Gisela, den heiligen Bischof Adalbert, den heiligen Josef, die heilige Anna, den heiligen Antonius von Padua, die heilige Franziska und den heiligen Karl Borromäus darstellen, die alten Kirchenfahnen sowie der Hauptaltar, der mit der Inschrift „Geschenk des ehrenwerten Patronen Ignácz Csávossy aus Csávos und Bobda im Jahr 1896“ versehen ist und das Reliefbild den Schutzpatron zeigt.
Nach Angaben des in Hatzfeld geborenen österreichischen Schriftstellers Karl Kraushaar wurde das Dorf 1805 von Deutschen kolonisiert. Demselben Autor zufolge wurde das Dorf 1829 durch Deutsche „vergrößert“.
Laut der Website der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Tschawosch, die von den nach Deutschland ausgewanderten Einwohnern von Tschawosch gegründet wurde, „hatte Tschawosch 1827: 551 Einwohner, von denen 413 Katholiken und 4 Protestanten waren“, d. h. wahrscheinlich deutscher Nationalität. Im November 1940 gab es 676 Einwohner mit deutscher Herkunft und Muttersprache. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten viele aus den russischen Arbeitslagern nicht mehr zurück, wohin sie im Januar 1945 deportiert worden waren. Die rumänischen kommunistischen Behörden deportierten 1951-1956 eine Gruppe von 60 Einwohner (51 Deutsche und 9 Serben) aus dem Dorf in den Bărăgan.
Im Laufe der Jahrzehnte verlor Tschawosch seinen Status als eigenständige Pfarrei und wurde, der reihe nach, zur Filiale von Cruceni/Kerestesch, Dolatz und schließlich Otelek. Leider besteht die römisch-katholische Gemeinde des Dorfes heute nur noch aus 7 Ungarn, und es gibt keine Deutschen mehr im Dorf.

(Unser Dank gilt Pfarrer József Heinrich aus Otelek und Herrn Pál Lázár, Mitglied der Gemeinde Csávos/Tschawosch, die die Besichtigung der Kirche ermöglicht und den Mitarbeitenden des Pressebüros unseres Bistums wertvolle Informationen zur Verfügung gestellt haben.)

Schutzpatron
„Ignatius wurde 1491 als das zwölfte Kind einer Adelsfamilie auf der Burg Loyola im Baskenland in Spanien geboren. Im Alter von vierzehn Jahren erhielt er die Klerikertonsur, den ersten Schritt zum priesterlichen Leben. Da er jedoch keine Neigung zu einem solchen Leben hatte, legte er das Ritterschwert an und schlug eine militärische Laufbahn ein. Während einer Schlacht zur Verteidigung der Stadt Pamplona (in Nordspanien) brach ihm eine Granate das Bein und bringt ihn sogar in Lebensgefahr (…). Als er vollständig geheilt war, hängte er sein Schwert im Schrein Unserer Lieben Frau und Jungfrau Maria im Kloster von Monserrat an den Nagel und legte ein Keuschheitsgelübde auf Lebenszeit ab (…). Mit dem Gedanken, von Gott die Gnade zu erlangen, den Weg zu kennen, den er im Leben gehen sollte, unternahm er eine Pilgerreise zu den Heiligen Stätten, ins Heilige Land, bettelte demütig um das Lebensnotwendige und die Reise, wobei er die Beleidigungen, die er von einigen der Reisenden erhielt, gerne in Kauf nahm. Nach seiner Rückkehr wußte er, was er zu tun hatte, und beginnt zu studieren, zunächst in Barcelona, dann in Salamanca und schließlich in Paris (…) Eine Gruppe von acht angesehenen, gut ausgebildeten jungen Männern, die von den apostolischen Idealen des Ignatius fasziniert sind, schart sich um ihn, und am 15. August 1534 legen sie gemeinsam ein Gelübde ab, um den Glauben an Christus unter den Heiden zu verbreiten (…).Im Jahr 1540 genehmigte Papst Paul III. die von ihnen gegründete Gesellschaft, die sich Gesellschaft Jesu nannte, mit dem Motto: „Ad majorem Dei gloriam“ – „Zur größeren Ehre Gottes“ – heißt es auf der Website für katholische Heilige.
Anlässlich seines Festes (31. Juli) gedenken wir ihm auch mit diesem Zitat: „Selbst der rohe und unförmige Stumpf ahnt nicht, dass aus ihm eine Skulptur gemacht werden kann, die als Wunder der Kunst angesehen werden kann; aber der Bildhauer weiß, was aus ihm gemacht werden kann: so dass viele, die nicht zu wissen scheinen, was es heißt, ein Christ zu sein, nicht sehen, dass sie in der Hand Gottes zu Heiligen gemacht werden könnten, wenn sie dieser künstlerischen Hand nicht widerstehen würden.“ (Quelle: www.ppek.hu)

Pressestelle der Diözese Temeswar