Im Ungarischen Katholischen Lexikon sowie im Deutschen lesen wir über den Begriff „Schutzheiliger“ folgendes: „Schutzpatron, Patron, Patronin: ein von einem Volk, einer Diözese, einer Ortschaft oder einer amtlichen Person mit Zustimmung des Heiligen Stuhls als himmlischer Beschützer gewählter Heiliger. Bei Kirchen ist es der Titularheilige, zu dessen Ehren der Hauptaltar geweiht ist und unter dessen Schutz das betreffende Kloster oder die betreffende Siedlung oder Einrichtung gewöhnlich steht“. Und der Titel einer Kirche (lateinisch: titulus ecclesiae) ist „eine göttliche oder irdische Person (Heiliger), zu deren Ehren eine Kirche geweiht oder benannt ist. Neben dieser Person kann der Titel der Kirche auch das göttliche Geheimnis sein, das zu ihr gehört“.

Memorare, O piissima Virgo Maria,
a saeculo non esse auditum, quemquam ad tua currentem praesidia,
tua implorantem auxilia, tua petentem suffragia,
esse derelictum. Ego tali animatus confidentia,
ad te, Virgo Virginum, Mater, curro,
ad te venio, coram te gemens peccator assisto.
Noli, Mater Verbi, verba mea despicere;
sed audi propitia et exaudi. Amen.

„Gedenke, gütigste Jungfrau Maria,
es ist von Ewigkeit nicht gehört, dass jemand, der zu Dir seine Zuflucht nahm,
deinen Beistand anrief, um deine Fürsprache flehte,
von dir verlassen worden sei.
Von diesem Vertrauen beseelt, eile ich zu dir, Jungfrau der Jungfrauen;
Mutter, zu Dir komme ich; vor Dir stehe ich seufzend als Sünder.
O verschmähe nicht meine Worte, du Mutter des Wortes,
sondern höre mich gnädig an  und erhöre mich. Amen!

Dieses schöne Gebet gehört zu den bekanntesten, die dem heiligen Bernhard von Clairvaux zugeschrieben werden – einem Zisterzienserabt, Kirchenlehrer und geistlichen Patron der Kirche in Russberg/Banat. Den verfügbaren Dokumenten und Informationen zufolge scheint diese Gemeinde keine direkte Verbindung zum Zisterzienserorden gehabt zu haben, und der Grund, warum die Kirche dem heiligen Bernhard geweiht wurde, wird nicht ausdrücklich erwähnt. Der heilige Bernhard wird in der katholischen Kirche am 20. August gefeiert.
Bei der Generalaudienz am 21. Oktober 2009 auf dem Petersplatz widmete Papst Benedikt XVI. seine Katechese dem heiligen Bernhard und sagte: „Bernhard wurde 1090 in Frankreich, in Fontaines, in einer großen und wohlhabenden Familie geboren. Der junge Bernhard widmete sich dem Studium der sogenannten freien Künste – insbesondere der Grammatik, Rhetorik und Dialektik – an der Schule der Chorherren der Kirche Saint-Vorles in Châtillon-sur-Seine. Seine Entscheidung, in das klösterliche Leben einzutreten, reifte langsam. Im Alter von etwa 20 Jahren trat er in Cîteaux ein, eine neue monastische Gründung, die beweglicher war als die alten ehrwürdigen Klöster jener Zeit und zugleich strenger in der Befolgung der evangelischen Tugenden. Einige Jahre später, im Jahr 1115, wurde Bernhard von Stephan Harding, dem dritten Abt von Cîteaux, ausgesandt, um das Kloster Clairvaux zu gründen. Dort konnte der junge Abt – er war erst 25 Jahre alt – seine eigene Vorstellung vom klösterlichen Leben weiterentwickeln und bemüht sich, sie in die Praxis umzusetzen. (…) Für Bernhard besteht die wahre Erkenntnis Gottes in der persönlichen, tiefen Erfahrung von Jesus Christus und seiner Liebe.“
„Die katholischen Priester von Russberg und Ferdinandsberg stellen die Gründungen ihrer Ortschaften, aber auch die von Russkitza, schon vor dem Jahr 1787 unter dem Einsatz der Familien Hoffmann und Maderspach, die gemeinsam eine Bergbau- und Metallurgie-Gesellschaft mit Niederlassungen in den drei Ortschaften besaßen. Nicolae Cornean, der Historiker des Karansebescher orthodoxen Bistums ist der Meinung dass, die Ortschaft Russberg erst 1803 gegründet worden ist“ – ist auf der Webseite des Heimatverbands der Banater Berglanddeutschen, die heute in Deutschland leben, zu lesenn. Diese letzte Aussage finden wir auch beim Historiker Frigyes Pesty in seinem Werk A Szörényi bánság és Szörény vármegye története („Die Geschichte des Banats und des Komitats Severin“): „Diese Ortschaft entstand im Jahr 1803, als hier mit der Suche nach Bodenschätzen (Erze) begonnen wurde. Im Interesse des Bergbaus hatten sich bis zum Jahr 1807 bereits 200 Einwohner hier angesiedelt. Gegenwärtig (im Jahr 1878) gibt es in Rusca Montană 483 Hausbesitzerfamilien und 15 Bauernfamilien; die Gesamtbevölkerung beträgt 2736 Personen, überwiegend Deutsche, aber auch Rumänen, Ungarn und Slowaken. Es gibt auch tschechische Einwohner. In Russberg bestehen je eine römisch-katholische und eine orthodoxe Pfarrei. Beide wurden im Jahr 1810 von der damaligen königlichen Bergwerkskasse gegründet. Das Bergbauunternehmen der Familien Hofmann und Maderspach, das in der Geschichte unserer nationalen Industrie als unvergessliche Erinnerung geblieben ist, gründete im Jahr 1825 eine Schule. Die deutsche Schule verfügt über drei Klassen und zwei Lehrer, die rumänische Schule über zwei Klassen und einen Lehrer. Die Kirche der rumänischen Bevölkerung wurde im Jahr 1857 durch Beiträge der Bewohner der Bergbausiedlung erbaut. Die römisch-katholische Kirche befindet sich noch im Bau, im gotischen Stil, und wird eine der schönsten Kirchen der benachbarten Komitate sein. Die Kosten wurden durch freiwillige Spenden der Bewohner der Bergbausiedlung gedeckt.“
Die Website www.banater-berglanddeutsche.de bietet weitere wertvolle Informationen über die römisch-katholische Kirche in Rusca Montană, ein historisches Denkmal, das unter dem Code LMI CS-II-m-B-11191 in die Liste der historischen Denkmäler aufgenommen wurde: „Die Kirche wurde 1850-1855/ nach anderen Quellen 1857-1863/ von der Gessellschaft „Eisen- und Gruben A.G.“ aus Kronstadt, am Platz einer anderen, älteren erbaut. Das Schematismus von 1847 spricht schon im selben Jahr von einer dem hl. Bernhardt geweihte Kirche! Angeblich ist die im Jahr 1847 erwähnte Kirche noch die alte, deren Baujahr wie Bauherr man nicht mehr kennt. 1887 fiel die neue Kirche teilweise den Flammen zum Opfer, wurde jedoch gleich wiedererbaut. Konsekriert wurde sie schon 1863 durch Bischof Alexander Bonnaz, der 1878 hierher – wegen seinem gesundheitlichen Zustand – auf Luftkur kam. Ihre Mauer bestehen vorwiegend aus Stein und weniger aus Bauziegel. Sie ist die einzige Kirche im Bistum Temeswar und im Banat die dem hl. Bernhard geweiht wurde. Bemahlt wurde die Kirche im Jahr 1900, von einem Wiener Maler, dem ein Russberger Gläubiger, Karl Tiefenbeck, bei den Arbeiten geholfen hat. Die Malerei ist bis heute relativ gut und schön erhalten. Das Gemälde des Hauptaltars stellt den hl. Bernhard dar und wurde vom Maler Emil Hoffmann 1888 bemalt. Die Nebenaltäre zeigen die Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel, die hl. Barbara – Schutzpatronin der Bergleute – den hl. Florian – Schutzpatron des einstmaligen Russberger Hammerwerks – und den hl. Wendelin – Schutzpatron der Viehzüchter und der Tiere dar. Ein sehr interessantes Element, in der Kirche zu sehen, sind die Treppen, die von der Sakristei zur Kanzel und zum Oratorium führen und in Spiralform, aus montierte Gußeisenteile bestehen. Die Pfarrei wurde schon 1808 auf Initiative der Königlichen Bergkammer gegründet. Seitdem und bis in die ´70er Jahren des 20. Jahrhunderts führte sie eigene Matrikeln. Die Königliche Bergkammer übte dementsprechend bis 1817 auch die Patronatsrechte aus. In der Zeitspanne 1817-1827 wurde Russberg wieder der Pfarrei Karansebesch einverleibt. Ab 1827 erlangte die metallurgische Gesellschaft der Familien Hoffmann und Maderspach die Neuaktivierung der Pfarrei und übte selber die Patronatsrechte noch gute Jahren von nun an aus.“
Die lokale Tradition von Russberg – gestützt durch einige Hinweise – berichtet, dass im Jahr 1849, nach der Niederschlagung der ungarischen Revolution, eine Gruppe von Revolutionären unter der Führung des damaligen Premierministers Bertalan Szemere versuchte, die königlichen Insignien Ungarns vor der österreichischen Verwaltung zu retten. Auf ihrem Weg nach Orschowa sollen sie durch Russberg gezogen sein und vermutlich eine Nacht dort verbracht haben, sowie eine weitere in Ferdinandsberg (heute Oțelu Roșu). Es heißt, dass sie in Russberg von den Familien Hoffmann und Maderspach beherbergt wurden. In Ferdinandsberg wurden die Krone und die anderen königlichen Insignien angeblich im Brunnen (oder im Keller) der Villa der Familie Hoffmann versteckt. Später wurde der Brunnen mit einer Gedenktafel versehen, doch während des kommunistischen Regimes wurde diese zerstört und der Ort dem Erdboden gleichgemacht.
Heute schreibt die Gemeinschaft von Russberg weiterhin die Chronik ihrer Pfarrei und ihrer Kirche. Am 13. November 2024 wurde mit viel Hoffnung im Herzen eine Facebook-Seite ins Leben gerufen, die der Renovierung der römisch-katholischen Kirche gewidmet ist. Nur ein halbes Jahr später verkündete die kleine katholische Gemeinde mit Freude, dass die Renovierungsarbeiten an der Fassade und am Turm im Gange sind. Dank der Wohltäter wurden durch Spenden 82.000 RON gesammelt, zu denen die Gemeindeverwaltung von Russberg weitere 20.000 RON hinzufügte. Im Laufe des Jahres 2024 unterstützte das Bürgermeisteramt, vertreten durch Herrn Bürgermeister Sergiu Toma, die Arbeiten mit zusätzlichen 30.000 RON. Im Rahmen des Projekts wurden durch Kolping Concept und den Kolpingverband Rumänien weitere Sponsoringmittel und Spenden in Höhe von 30.000 RON gewonnen. Das Initiativkomitee bestand aus Pfarrer Călin Ciocian, Pfarrer von Ferdinandsberg, zu dessen Seelsorge auch die Filiale Russberg gehört, sowie aus Eduard Dobre, Emil Pribil, Ramona Iova, Gerda und Edmund Piess. Obwohl die Kirche auf den Bildern noch „versteckt“ hinter dem Baugerüst erscheint, bleibt ihre architektonische Schönheit sichtbar. Damit bestätigt sich die Einschätzung des Historikers Frigyes Pesty, der dieses Gotteshaus als „eine der schönsten Kirchen jener Gegend“ bezeichnete.
Hier wirkte auch Pfarrer Nikolaus Schwarz, geboren am 28. Juli 1900 in Kreuzstätten, heute im Kreis Arad (Cruceni), der im Jahr 1933 zum Pfarrer von Russberg ernannt wurde. Am 15. Januar 1945 „wurde Pfarrer Nikolaus Schwarz, damals im 45. Lebensjahr, in Rußberg festgehalten. Mit den aus Rußberg und Ruskitza zusammengetriebenen Deutschen wur de er über Ferdinandsberg und Karansebesch nach Lugosch gebracht, wo die Einwaggonierung erfolgte und die Fahrt ins Ungewisse begann. Endstation war Tschistjakowo im Donbass (heute Tores, Ost-Ukraine). Von dort wurde er im Juli 1945 in ein anderes Lager nach Stalino (heute Donezk) verlegt. Nach seiner Flucht Ende 1945 landete Pfarrer Schwarz in einem Kriegsgefangenenlager in Nikolajew (Mykolajiw), wo er acht Monate verbrachte. Im September 1946 kam er in ein Straflager in Dnjepropetrowsk (heute Dnipro), wo man ihn auf die Liste der krankheitshalber Heimkehrenden setzte. Die Entlassung erfolgte am 15. November in Frankfurt an der Oder. Über die englische und amerikanische Besatzungszone Deutschlands, über Österreich und Ungarn kehrte er zurück nach Rumänien. Am letzten Tag des Jahres 1946 kam Pfarrer Schwarz in Rußberg an, wo er seine Mutter in die Arme schließen konnte und in „seiner“ Kirche eine Danksagungsmesse (am Jahresende) feierte. Bis zu seinem Tod am 21. März 1975 wirkte er als Seelsorger in dieser Pfarrei. Zwei Jahre zuvor konnte er sein Goldenes Priesterjubiläum feiern. Seine letzte Ruhestätte fand Pfarrer Nikolaus Schwarz neben seiner Mutter auf dem Friedhof in Rußberg“ – kann im Artikel über Pfarrer Nikolaus Schwarz nachgelesen werden, der in der Banater Post vom 5. Februar 2021 veröffentlicht wurde.
Am Fuße des Poiana-Ruscăi-Gebirges, an der Grenze zu den Kreisen Hunedoara/Eisenmarkt und Temesch gelegen, ist Russberg heute auch ein beliebtes Ziel für Touristen. Im Herbst 2020 wurde hier das Haus des Kolpingverbandes Rumänien feierlich wiedereröffnet und gesegnet – ein Gästezentrum mit 25 Übernachtungsplätzen, Speisesaal, Küche und Seminarraum. Das Gebäude, das heute dieses Zentrum beherbergt, war einst das Pfarrhaus, das nach dem Tod von Pfarrer Schwarz veräußert wurde, jedoch unmittelbar nach 1990 zurückgekauft werden konnte.
Im Herzen des Banater Berglands ist Russberg nicht nur ein Punkt auf der Landkarte, sondern eine lebendige Gemeinschaft, Hüterin des Glaubens und der würdevollen Erinnerung. Die römisch-katholische Kirche, dem heiligen Bernhard geweiht, ist ein Symbol einer Geschichte, die von Leid, Hoffnung und Liebe geprägt ist. Durch die Restaurierungsbemühungen, das Gebet der Gemeinde und das Engagement all jener, die sich mit diesem Ort verbunden fühlen, wird ein neues Kapitel in der Geschichte der Pfarrei geschrieben – ein Kapitel, das Generationen miteinander verbindet.

Pressestelle der Diözese Temeswar