Am Römisch-Katholischen Theologischen Lyzeum Gerhardinum in Temeswar wird zwei Wochen vor Schulbeginn fleißig geputzt, geräumt und organisiert. Auf den Fluren mischt sich der frische Farbgeruch mit der warmen Sommerluft, die durch die offenen Fenster strömt. In den meisten Klassenzimmern ist bereits alles an seinem Platz: Tische und Stühle stehen in ordentlicher Reihe vor dem Lehrerpult, anderswo sind noch Staubtücher und Besen gefragt. „Den Großteil der Arbeit haben wir abgeschlossen, jetzt folgen nur noch die letzten Feinarbeiten“, bemerkt Domherr Zoltán Kocsik, der Direktor der Schule, im Gespräch mit dem Pressebüro der Diözese Temeswar, anlässlich des bevorstehenden Schuljahres.
– Wie viele Schülerinnen und Schüler beginnen das neue Schuljahr am Gerhardinum-Lyzeum?
– Insgesamt mehr als vierhundert Schüler, ganz genau vierhundertzwanzig. Es ist sehr wichtig, dass wir die Schülerzahl stabil halten konnten. In den Vorbereitungsklassen beginnen das neue Schuljahr 22 Kinder im rumänischsprachigen Unterricht und 10 im ungarischsprachigen Unterricht. Auch in den beiden fünften Klassen haben sich viele angemeldet. In der neunten Klasse werden 25 Schüler bei der rumänischen Abteilung und 14 in der ungarischen Abteilung sein. Für die Kindergartengruppe erwarten wir noch weitere Anmeldungen, für beide Abteilungen. Besonders in der kleinen Gruppe freuen wir uns auf Kinder, die bereits zwei Jahre alt sind. Ideal ist es, wenn sie nach dem dritten Lebensjahr zu uns kommen.
– Bis wann können sich die Kinder anmelden?
– Der Anmeldeschluss ist der 29. August d.J.
– Noch gar nicht lange her verabschiedete der Klang des Schulglöckleins die frischen Absolventen. Wie war das vergangene Schuljah?
– Wenn ich auf das Schuljahr 2024–2025 zurückblicke, kann ich sagen, dass wir ein gutes Jahr abgeschlossen haben. Es freut uns sehr, dass wir sowohl im geistlichen Bereich als auch im Lernen und in der Vorbereitung gute Ergebnisse erzielt haben. Unsere Schüler nehmen aktiv an Heiligen Messen, Gebeten und Exerzitien teil, und die Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum der Diözese ist eng: Wir nehmen regelmäßig an deren Veranstaltungen teil, und mehrfach waren unsere Schüler nicht nur als Teilnehmer, sondern auch als freiwillige Helfer dabei. Besonders hervorheben möchte ich das Jugendfestival im Mai d.J., bei dem wir als Pilger der Hoffnung teilgenommen haben. 25 Schüler übernahmen freiwillig Aufgaben bei der Essensausgabe, beim Packen, bei der Organisation und der Betreuung der Teilnehmer. Ich habe festgestellt, dass diese jungen Menschen nicht nur geistlich bereichert wurden, sondern auch die Freude am Ehrenamt erlebt haben. Was die schulischen Leistungen betrifft: Die Erfolgsquote beim Abitur lag bei 81 % und bei der Prüfung der Achtklässler bei 76 %. Unsere Klassen sind sehr vielfältig: Es gibt Schüler mit hervorragenden Fähigkeiten und solche mit bescheideneren Leistungen. Wir bemühen uns, in dieser Diversität Harmonie zu schaffen – damit die besonders klugen Schüler sich im Unterricht nicht langweilen und die schwächeren die Möglichkeit haben, aufzuholen. Das ist keine einfache Aufgabe, sondern eine Herausforderung für Lehrkräfte und Klassenleiter gleichermaßen. Die überwiegend mit der Note 8 oder 9 bewerteten Leistungen bei verschiedenen nationalen Wettbewerben zeigen einerseits, dass jeder, der lernen möchte und Freude daran hat, die Möglichkeit dazu bekommt, und andererseits, dass wir bei den Schülern gezielt jene Fähigkeiten fördern sollten, in denen sie besonders erfolgreich sind. Wir haben an mehreren Facholympiaden teilgenommen, zum Beispiel in Ungarischer Sprache und Literatur, Religion, Mathematik sowie an interdisziplinären Wettbewerben wie „Örökségünk őrei“ („Bewahrer unseres Erbes“), bei dem zwei unserer Teams beim Landesfinale den dritten und vierten Platz belegten. Ich sehe, dass solche Wettbewerbe dazu beitragen, die Neugier und den Wissensdurst der Kinder zu bewahren. Außerdem lernen sie, im Team zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen, denn es handelt sich nicht um Einzelwettbewerbe – sie verstehen, was es bedeutet, eine Aufgabe im Sinne des gemeinsamen Erfolgs zu lösen. Es war ebenfalls eine große Freude, dass unsere Turnhalle dank gemeinsamer Anstrengung renoviert werden konnte. Ein Drittel der benötigten Summe wurde von der Elternschaft beigesteuert, und wir erhielten bedeutende Unterstützung von der römisch-katholischen Pfarrei Temeswar-Elisabetstadt. Zu den Arbeiten gehörten die Erneuerung der Heizungsanlage, der Austausch des Bodens sowie Innenputz und Anstrich. Aber ebenso wichtig ist: Es hat sich gezeigt, dass wir alles erreichen können, wenn wir es wirklich wollen. Um die nötigen Mittel zu sammeln, haben wir zahlreiche Veranstaltungen organisiert: einen Sporttag mit bekannten Athleten aus dem ganzen Land, ein Kulturprogramm, einen Weihnachtsmarkt, ein Weihnachtskonzert und wir haben am Sportevent Timotion teilgenommen. Tatsächlich haben sich viele engagiert – Groß und Klein, Lehrkräfte und Eltern – und dafür bin ich allen sehr dankbar. Wir bemühen uns, die Schule zu einem heimeligen Ort für die Kinder zu machen, wo jeder seinen Platz findet, sich wohlfühlt und sich zugleich auf das Leben und die Zukunft vorbereiten kann.
– Werden diese Veranstaltungen fortgesetzt?
– Ja. Der Sporttag, der Weihnachtsmarkt und das Konzert stehen auf jeden Fall auf dem Programm. Den Sporttag würden wir im Rahmen der sogenannten „Grünen Woche“ veranstalten und einen ganzen Tag der Bewegung widmen.
– Welche weiteren Pläne haben Sie?
– Auch das kommende Schuljahr wird nicht einfach, denn wir stehen vor zwei sehr wichtigen Aufgaben. Zum einen möchten wir die ungarischsprachige Grundschule akkreditieren lassen – ein Vorhaben, das eine große Herausforderung darstellt. Und im Frühjahr, im April, wird bei uns erneut die landesweite Religionsolympiade auf Rumänisch stattfinden. Im Jahr 2017 waren wir zum ersten Mal Gastgeber dieses Wettbewerbs, und nun wurden wir wieder ausgewählt. Was das Lernen betrifft, achten wir weiterhin auf Qualität. Auch auf Wettbewerbe, denn durch solche Herausforderungen entwickeln sich die Schüler, lernen viel und sammeln wertvolle Erfahrungen. Zum Beispiel erkennen sie, dass Wissen einen Wert hat, und während der Vorbereitung entsteht eine enge Lehrer-Schüler-Beziehung, die ebenfalls sehr wichtig ist. Wir bieten auch viele Fördermaßnahmen an in allen Fächern. Auf Einladung des St. Gerhards-Werks Stuttgart nahmen im vergangenen Jahr vierzehn Schüler an einer einwöchigen Studienreise nach Baden-Württemberg teil – und auch dieses Jahr wird es wieder diese Möglichkeit geben. Für viele Jugendliche bedeutete die Reise neue Erlebnisse, einen Einblick in die westeuropäische Realität und eine zusätzliche Motivation, Deutsch zu lernen. Der diesjährige Erfahrungsaustausch findet vom 18. bis 24. Oktober statt. Wieder werden vierzehn Schüler und zwei begleitende Lehrkräfte nach Deutschland reisen. Das Programm wird voraussichtlich ebenso abwechslungsreich sein wie im Vorjahr, als die Teilnehmer Straßburg und das Gebäude des Europäischen Parlaments, die Stadt Stuttgart, Tübingen und das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm besichtigten. Ziel dieser Reisen ist es, dass die Jugendlichen die Geschichte der hier lebenden Deutschen kennenlernen, das kulturelle Erbe der Banater Schwaben entdecken und erfahren, bzw. wie die aus dem Banat nach Deutschland zurückgekehrten Deutschen heute leben. Das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm hat u.a. eine beeindruckende Ausstellung, die zeigt, wie die deutschen Siedler einst mit den sogenannten Ulmer Schachteln über die Donau ins Banat gelangten. Dabei wird auch die Rolle der Donau hervorgehoben – als verbindendes Element zwischen Mittel- und Osteuropa. Solche Gelegenheiten helfen den Jugendlichen, europäische Werte zu verstehen und sich bewusst zu machen, dass wir – ob im Westen oder Osten, Süden oder Norden – alle Europäer sind.
– Zurück zu den Wettbewerben: Nehmen die Schüler gerne an solchen Herausforderungen teil oder lassen sie sich eher überreden?
– Wer bereits „Wettbewerbsluft geschnuppert“ hat, nimmt gerne wieder teil. Es gibt jedoch auch Schüler, denen man den Wettbewerb erst schmackhaft machen muss. Dabei spielt die gute Zusammenarbeit mit den Eltern eine große Rolle: Wenn das Kind von beiden Seiten ermutigt wird, macht es mit und nimmt die Vorbereitung ernst. So talentiert ein Schüler auch sein mag – vieles hängt von der Vorbereitung ab. Wichtig ist außerdem, dass er ein Fach wählt, das seinen Fähigkeiten entspricht. Das stellt auch für die Lehrkräfte eine große Herausforderung dar, denn die Vorbereitung findet außerhalb des regulären Unterrichts statt und erfordert sowohl von Lehrern als auch von Schülern Ausdauer und Disziplin. Neben Wettbewerben, Olympiaden und Themenwochen möchten wir die Kinder auch musikalisch fördern. Deshalb halten wir den Chor und das Instrumentalspiel für besonders wichtig. Herr Bajkai-Fábián Róbert, der Organist der Domkirche, kommt wöchentlich zu den Grundschülern und übt mit ihnen an der Orgel, während Schönstatt-Schwester Böbe M. Tari den Kindern die Gitarre näherbringt. Der Chor wird von Musiklehrer Iustin Călin und Lehrerin Noémi Deák geleitet.
– Sind im Internat weiterhin nur Schüler der Lyzeumsklassen untergebracht?
– Es gibt auch jüngere Schüler, aus den mittleren Klassen (5.-8.). Natürlich muss man bei ihnen besonders aufmerksam sein. Für diese Klassen haben wir inzwischen auch ein Nachmittagsprogramm („After School“) eingeführt, da wir festgestellt haben, dass es sowohl für Internatsschüler als auch für Kinder, die in der Stadt wohnen, eine große Hilfe ist. Oft ist es so, dass das Kind nach Hause kommt und niemand da ist – die Eltern kommen erst am späten Nachmittag von der Arbeit – und für sie ist es beruhigend zu wissen, dass ihr Kind hier ein warmes Mittagessen bekommt und einen Großteil der Hausaufgaben erledigt hat. Das bedeutet, dass der Schüler acht Stunden in der Schule verbringt, von acht Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags. Damit das nicht zu anstrengend wird, gibt es nach dem Mittagessen eine kurze Pause, Bewegung oder sportliche Aktivität. In dieser Zeit findet zum Beispiel auch der Gitarrenunterricht statt – wir versuchen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Allgemein lässt sich sagen, dass die Schüler im Internat schnell selbstständig werden. Auch die Jüngeren. Neben den Lehrkräften kümmern sich drei Nachmittagspädagogen und zwei Nachtpädagogen um sie. In vielen Fällen folgt das jüngere Geschwister dem älteren, sodass sie im Internat nicht ganz allein sind.
– In der kommenden Woche, vom 25. bis 29. August, findet hier in der Schule das fakultative Ungarisch-Sprachcamp statt. Mit welchen Programmen werden die Kinder erwartet?
– Das Vormittagsprogramm besteht aus „spielerischer Grammatik“. Fast zwanzig Schüler haben sich angemeldet, sie lernen in drei Gruppen. In der ersten Gruppe sind diejenigen, die nur wenige ungarische Wörter verstehen, in der zweiten Gruppe jene, die die Sprache verstehen, aber nicht sprechen, und in der dritten Gruppe diejenigen, für die die Sprachkenntnisse keine große Herausforderung mehr darstellen. Mit den Gruppen arbeiten die Lehrerinnen Alexandra Kócsó, Laura Luda und Boglárka Marossy. Am Nachmittag stehen verschiedene Spiele, Workshops, Gesangsunterricht, Sport und ein Ausflug nach Maria Radna auf dem Programm. Bei der Durchführung helfen Schwester Emese Kászoni und Schwester Böbe M. Tari aus der Schönstatt-Gemeinschaft.
– Vielen Dank für das offene und gehaltvolle Gespräch. Es war eine Freude, Einblick in den Schulalltag, die Pläne und Werte der Einrichtung zu erhalten. Wir wünschen viel Erfolg bei den kommenden Programmen und weiterhin gute Arbeit für die gesamte Gemeinschaft!
Pressestelle der Diözese Temeswar













