„Die Wallfahrt ist für eine aus religiösen Gründen unternommene Wanderung bzw. Fahrt an einen Pilgerort (Wallfahrtsort), eine besonders geheiligte Stätte. Pilgerziele sind zunächst Orte im Heiligen Land, dann auch die Gräber von Martyrern, Bekennern und anderen Heiligen, schließlich Erscheinungsorte oder Orte mit einem besonderen «Gnadenbild». Eine Wallfahrt ist mit den Glauben verbunden, an diesen Orten Gott, der Gottesmutter oder einem bestimmten Heiligen als Fürsprecher bei Gott nahe zu sein. Die Gründe für eine Wallfahrt können gemeinsame oder persönliche Anliegen sein, wie z. B. die Bitte um Vergebung von Sünden, Hilfe in persönlichen Notlagen, Dank für erfahrene Hilfe, die Heilung von Krankheiten oder die Erfüllung eines Wunsches (z. B. Kinderwunsch). Daneben kann die Wallfahrt für den einzelnen Pilger wie auch für eine Pilgergemeinschaft ein besonderes Bekenntnis des eigenen Glaubens in der bestärkenden Glaubens- und Gebetsgemeinschaft der Kirche sein“ – so lautet die „Definition“ der Pilgerfahrt auf https://www.katholisch.de/lexikon/1462-wallfahrt, dem Nachrichtenportal der katholischen Kirche in Deutschland. Heuer reisen viele Pilger nach Rom, im Heiligen Jahr 2025, das Papst Franziskus, seligen Angedenkens noch ausgerufen hat. Gleichzeitig reisen auch viele Pilger zu den beiden Marienwallfahrtsorte unserer Diözese: Maria Radna und Maria Tschiklowa, um an der Heiligen Messe und den liturgischen Feiern anlässlich verschiedener Feste teilzunehmen.

Die Tradition der Wallfahrten in unserer Diözese reicht mehrere hundert Jahre zurück, was in den Chroniken der religiösen Orden oder Pfarreien dokumentiert ist. Ebenso reich sind die Legendenliteratur und die volkstümlichen Überlieferungen, die sich mit wundertätigen Ikonen und Wallfahrtsorten verbinden.

Neuhof liegt etwa 50 Kilometer von Temeswar entfernt, an der Grenze zwischen den Kreisen Temesch und Arad (bis 1899 unter dem Namen Bogdarigós bekannt, auf Rumänisch Bogda, auf Ungarisch Rigósfürdő) – eine Ortschaft, die Ende des 19. Jahrhunderts vor allem durch ihre heilkräftige Quelle und das Kurbad Berühmtheit erlangte. Während der kommunistischen Regime wurde sie zudem durch das hier in den 1960er-Jahren eröffnete Pionierlager (Schullager) bekannt. Zugleich war sie mal auch ein Wallfahrtsort gewesen…
Samu Borovszky beschreibt in seinem Werk mit dem Titel Die Komitate und Städte Ungarns (Magyarország vármegyéi és városai) die Ortschaft wie folgt: „Rigósfürdő (früher Bogda-Rigós genannt). Ein kleines Dorf im Bezirk Lippa. Es zählt 83 Häuser und 474 Einwohner, von denen zwei Drittel deutschsprachig und römisch-katholisch sind, während ein Drittel rumänisch-orthodox ist. Das Postamt befindet sich im Ort, das Telegrafenamt in Lippa und der Bahnhof in Charlottenburg. Im Mittelalter gehörte die Siedlung zum Komitat Arad. In den ältesten Urkunden erscheint sie unter dem Namen Bagd. Im Jahr 1436 existierten in dieser Region zwei Orte mit diesem Namen: Unterbagd und Oberbagd, beide im Besitz der Familie Bagdi. (…) Nach dem Ende der türkischen Herrschaft erscheint das Dorf als verlassen, und auf der von Mercy angeordneten und angefertigten Karte wird er unter dem Namen Bogdán ebenfalls als unbewohntes Dorf verzeichnet. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde er von Rumänen besiedelt. Im Jahr 1771 ließ der Salzbeamte Carl Sammuel Neumann Edler von Buchholdt 42 Häuser an der Stelle des alten Bagd errichten und siedelte Tiroler deutsche Familien dort an. Die neue Siedlung erhielt den Namen Neuhof. József Pottyondy erwarb 1782 das Gut vom Fiskus. Im Jahr 1845 befand sich das Anwesen im Besitz der Witwe von Tamás Pottyondy und von Zsigmond Rakovits. Zwischen 1882 und 1885 waren Ede (Eduard) Altmann und Herman Stark die Grundherren, zwischen 1885 und 1892 Dr. János Steiner und ab 1892 Mathias Remmel und Anton Nägele.“
In seinem Werk aus dem Jahr 1836 mit dem Titel Der gegenwärtige Zustand Ungarns und der angeschlossenen Provinzen in statistischer und geographischer Hinsicht (Magyar országnak, ’s a‘ hozzá kapcsolt tartományoknak mostani állapotja statistikai és geographiai tekintetben) erwähnt Elek Fényes die Ortschaft unter ihrem deutschen Namen Neuhof. Er beschreibt sie als ein deutsch-rumänisches Dorf, gelegen etwa eineinhalb Stunden südlich von Lippa; mit 214 römisch-katholischen und 112 orthodoxen Einwohnern. Es verfügt über eine katholische Pfarrkirche, Mineralbäder, ein Agrarboden der dritten Kategorie sowie 14 6/8 vollständige Lehensparzellen. Die Eigentümer waren Anna Potyondy und Graf Buttlér.”
Die römisch-katholische Kirche des Dorfes wurde 1846 erbaut und trägt das Patrozinium der Heimsuchung Mariens (2. Juli). Dennoch kamen die Gläubigen aus der Umgebung nicht in erster Linie zur Pfarrkirche, am Patroziniumsfest nach Neuhof, sondern vor allem als Pilger zur bescheidenen Marienkapelle, die sich hier im Wäldchen befindet.
Der Legende nach, wie sie auch im oben genannten Werk von Samu Borovszky beschrieben ist, entdeckten die deutschen Kolonisten beim Bau der Siedlungen Neuhof und Altringen – während sie Steine aus den umliegenden Felsen für die Fundamente ihrer Häuser brachen – ein Marienbild, das sie in eine in den Berghang gehauene Vertiefung einfügten. Aus eben diesem Felsen entsprang später eine heilkräftige Quelle. Der Ort wurde zu einem Wallfahrtsziel, und aus den Spenden der Gläubigen ließ die Familie Pottyondy eine Kapelle errichten.“
„Neuhof wird auch in der Studie von Zoltán Magyar, mit dem Titel Das wundersame Bild – Legenden über Kultikonen im ungarischen Volksglauben (A csodás képmás – Kegyképekhez fűződő mondák a magyar folklórban) erwähnt. In diesem Studium ordnet der Autor – basierend auf der Legende – das Marienbild der Kategorie‚ aus der Erde hervorgekommene Ikonen zu.
Über die Ortschaft und die Pfarrei, die 1771–1772 während der Amtszeit des Bischofs Franz Anton Engl von Wagrain gegründet wurden, sowie über den Wallfahrtsort und die damit verbundenen Wallfahrten schrieb der Banater Pädagoge und Heimatforscher Erhard Recktenwald im Banater Kalender 2015 (Hrsg. Dr. Walther Konschitzky) Folgendes: „Eine breite Allee führte zur Wallfahrtskapelle mit dem Gnadenbild: der Gottesmutter mit dem Jesuskind auf dem Arm. Der Legende nach war das Bild an dieser Stelle gefunden worden. (…) Wann die Wallfahrt zum Gnadenbild begann, ist schriftlich nicht belegt. Bekannt ist, dass schon vor dem Ersten Weltkrieg Prozessionen in die Rigosch gepilgert kamen. Über die Errichtung der Kapelle berichtet die Legende, dass ein himmlisches Zeichen ausschlaggebend war: Bei der Suche nach der Heilquelle waren die Arbeiter auf ein verrusstes Marienbild gestossen. Sie brachten es in die Neuhofer Kirche. Am nächsten Morgen war das Bild aber wieder an der Fundstelle im Wald. Dies geschah noch zweimal. Anton Nägele liess daraufhin eine Kapelle in den weichen Sandstein hauen und diese mit Mauerziegeln ausbauen. Das Marienbild stand auf einem Altar, der von Votivzeichen, von Krücken und Dankestafeln der dort Geheilten umgeben war. Seitlich standen je zwei Kirchenbänke; ein hohes schmiedeeisernes Tor gewährte tagsüber Einblick in die Kapelle. Auf dem darüber liegenden Hügel wurde der Kreuzweg mit einem hohen Steinkreuz errichtet. Ob 1892 ein Teil des Geldes, das Bischof Alexander Bonnaz vorher der Neuhofer Kirche gespendet hat, auch zur Einrichtung der Kapelle eingesetzt wurde, ist nicht belegt. Zwischen den Weltkriegen gab es ein reges Wallfahrtsgeschehen in der Rigosch.
Es kamen zahlreiche Prozessionen: Schwaben aus Deutschbentschek, Deutsche und Schokatzen aus Rekasch, aus Stantschowa kamen die Slowaken und kleinere Gruppen aus Neuarad, Glogowatz und anderen Dörfern. Die Königshofer machten zunächst einen Abstecher in das Seitental vor Neuhof; dort legten sie an einem Holzkreuz Blumen nieder und entzündeten Kerzen. Lehrer Jakob Hutterer erfuhr später, dass hier bosnische Franziskaner in einem Massengrab beerdigt sind. Sie wurden verraten, dass sie hier eine Einsiedelei mit einer Kapelle unterhielten, und in der Türkenzeit wurde so etwas mit dem Tod bestraft. Schon 1812 liess die Frau des ersten Gutsbesitzers Thomas Pottyondy hier eine Holzkapelle errichten. Auch das gefundene Marienbild im byzantinischen Stil lässt die Vermutung zu, dass sich an der Heilquelle eine Einsiedelei befand. Maria mit dem Jesuskind mit goldenem Heiligenschein war im Mittelalter die Gestalt des Heilwillens und der Heilwirklichkeit Gottes. Die griechischen Buchstaben bedeuten: Maria, Gottesgebärerin und Jesus Christus, Retter der Welt. Im unteren Bereich, steht mit kyrillischen Buchstaben folgender Text: Prineo Stefan Antonović 1870 (geschenkt/geopfert (?) durch Stefan Antonović 1870). Nach der Schliessung der Kapelle durch die Kommunisten brachte man das Inventar der Kapelle in die Neuhofer Pfarrkirche. Gegenwärtig befindet sich das Marienbild in der bischöflichen Kapelle in Temeswar, wo jeden Morgen die hl. Messe zelebriert wird. Die vielen kleinen und grösseren Höhlen in der Gegend, die wir als Kinder nur in Gruppen besuchten, lassen gleichfalls vermuten, dass es hier mal eine Einsiedelei gegeben hat.“
Leider ist die Wallfahrtskapelle in den Jahrzehnten der kommunistischen Diktatur verfallen, und heute ist nur noch die in den Hügel gehauene Vertiefung erhalten, einige historische Daten, die Legende sowie die Erinnerung an das Glaubenszeugnis jener Christen, die einst hierher pilgerten und in Andacht zur Heiligen Jungfrau Maria beteten.

Pressestelle der Diözese Temeswar