Vor 500 Jahren, zu Beginn des 16. Jahrhunderts, fand weniger als 300 Kilometer westlich von Temeswar eine Schlacht statt, die später sowohl das Schicksal der Diözese Tschanad – der Vorgängerin der heutigen Diözese Temeswar – als auch deren bischöflichen Sitz entscheidend beeinflusste. Gemeint ist die Schlacht bei Mohács (Ungarn) vom 29. August 1526, in der das osmanische Heer unter der Führung von Sultan Süleyman I., genannt „der Prächtige“ und „der Gesetzgeber“, auf die Streitkräfte des Königreichs Ungarn traf, die durch deutsche, böhmische und polnische Truppen verstärkt und von König Ludwig II. geführt wurden.
In dieser Auseinandersetzung besiegten die zahlenmäßig überlegenen Truppen des Osmanischen Reiches das königliche Heer – ein Sieg, der zugleich das Ende des unabhängigen Königreichs Ungarn bedeutete. Nach dieser Niederlage wurde das Territorium des Königreichs in drei Teile geteilt: der Zentralraum geriet unter osmanische Herrschaft, die westlichen und nördlichen Gebiete kamen unter die habsburgische Herrschaft von König/Kaiser Ferdinand I., der östliche Teil bildete den Kern des Ostungarischen Königreichs unter Johann Zápolya, aus dem später das Fürstentum Siebenbürgen hervorging.
Nach der Schlacht bei Mohács setzte die osmanische Offensive ihren Vormarsch in Europa fort, und im Jahr 1552 eroberten die Türken die Festung Temeswar – und damit den größten Teil des Gebiets der Diözese Tschanad.
Franz von von Chahol, Bischof von Tschanad (1514–1526)
Das bekannteste „Porträt“ dieses jungen Bischofs, dessen Lebensweg jedoch ein tragisches Ende nahm, verdanken wir dem Historiker Koloman (Kálmán) Juhász, Theologieprofessor und römisch katholischer Priester der Diözese Tschanad, Autor zahlreicher Bücher, Studien und Artikel. In seinem siebenbändigen Werk über die Geschichte dieser Diözese, mit dem Titel A Csanádi Püspökség története / Geschichte der Diözese Tschanad, zeichnet Juhász das Bild von Franz von Chahol mit besonderer Sorgfalt.
„König Ladislaus Dobzse versprach einst, in einem Moment heiterer Stimmung, seinem bevorzugten Oberkellermeister Mihály Pálóczi Folgendes: «Ich verleihe dir das Recht, den Bischof des ersten Bischofssitzes zu ernennen, der vakant wird. Sobald einer der Bischofssitze von Wesprim, Raab, Tschanad, Waitzen oder Neutra oder das Präposituramt von Stuhlweißenburg – das dem Rang eines Bistums entspricht – frei wird, werde ich ihn demjenigen übertragen, den du bestimmst.»“ Obwohl dies wie eine Seite aus einer Erzählung klingt, führt der Autor Koloman Juhász in den Fußnoten klare Belege dafür an, dass die Übertragung eines solchen Patronatsrechts kein Einzelfall war während der Regierungszeit von König Vladislav II. von Ungarn, der polnischer Herkunft war und später den Beinamen Ladislaus Dobzse erhielt. (Das polnische Wort dobrze bedeutet „gut“, „in Ordnung“, und über den König hieß es, dass er seinen Günstlingen auf deren vielfältige Bitten meist mit dobrze antwortete.)
Gewiss ist, dass Pálóczi aus Vorsicht auch eine königliche Urkunde erwirkte, die dieses Versprechen bestätigte: König Vladislav II. hatte sich schriftlich verpflichtet, eine dieser kirchlichen Würden der Person zu verleihen, die der Obermundschenk benennen würde.
Der erste Bischofssitz, der vakant wurde, war jener von Tschanad, denn Bischof Miklós Csáky wurde während des Bauernaufstands unter György Dózsa in Nadlak getötet. So konnte Mihály Pálóczi seinen Neffen, den Sohn seiner Schwester, Franz von Chahol, zum Bischof von Tschanad ernennen.
Dieser junge Mann, damals etwa zwanzig Jahre alt, war höchstwahrscheinlich Student in Bologna. Mit der bischöflichen Würde und der Diözese Tschanad erhielt Franz von Chahol gemäß der königlichen Ernennungsurkunde die Burg Tschanad, die Städte, Dörfer, Güter und deren Einkünfte, sowie die Abtei Egresch, die zuvor rechtmäßig mit der Diözese Tschanad vereinigt worden war. (Koloman Juhász: A Csanádi Püspökség története, 1500–1552, S. 41.)
Der Heilige Stuhl jedoch verzögerte die Bestätigung seiner Ernennung mehrere Jahre lang. Franz musste sechs Jahre auf die päpstliche Bulle warten. Schließlich gestattete der Papst Franzs de Chahol, den üblichen Eid vor dem Nuntius abzulegen. Elf Jahre nach seiner Ernennung zum Bischof beschrieb ihn der venezianische Gesandte Vinzenzo Guidoto als „einen gelehrten Mann aus guter Familie“, der damals erst 29–30 Jahre alt war.
Er war ein Bischof von renaissancezeitlicher Bildung und Geisteshaltung. Er ließ die Festung von Tschanad sowie die Kathedrale der Diözese wiederaufbauen, die während des Aufstands unter György Dózsa zerstört worden waren. Leider sind die Verzierungen der Kathedrale verloren gegangen, doch das Innere der Kirche wurde restauriert.
Obwohl Franz von Chahol – den Gepflogenheiten jener Zeit entsprechend – bei der Vergabe von Besitzungen „nicht von den Interessen der Kirche, sondern von «Verwandtschaftserwägungen» geleitet wurde, finden wir dennoch bereits in dieser Periode kirchliche Amtsträger mit herausragenden Verdiensten, die aufgrund ihrer höheren Ausbildung hochrangige Funktionen in der Diözese Tschanad innehatten.“ Koloman Juhász zitiert hierzu den bedeutenden Historiker Samu Borovszky und dessen Werk „Csanád Vármegye története 1715‑ig” / „Die Geschichte des Komitats Tschanad bis zum Jahr 1715“ (S. 175), und fährt fort mit der Aufzählung jener Prälaten, die an den berühmten Universitäten ihrer Zeit studiert hatten: Szerafin Szegedi, Propst des Kollegiatkapitels, und Benedek Nagysarlói, Kanoniker – an der Universität Wien; Balázs Zákány Szegedi, Archidiakon von Sebus – an der Universität Bologna; János Szegedi, Archidiakon von Temeswar, János Temesvári, sowie die Kanoniker Tiborcz Ilyei, Gergely Szegedi und Tóbiás Orosházi – sie alle erwarben ihre höhere Ausbildung an der Universität Krakau. (Koloman Juhász: A Csanádi Püspökség története, 1500–1552, S. 47.)
Heroisches Ende auf dem Schlachtfeld
Über den Verlauf der tragischen Ereignisse des Jahres 1526 bei Mohács zitieren wir aus dem ersten Band des Werkes Erbe und Auftrag von E.S. Martin Roos, emeritiertem Bischof von Temeswar: „Akut und immer spürbarer wurde auch die Gefahr, die von den Türken ausging. Unter Chaholy fielen die ersten Festungen entlang der Donau in türkische Hände, (Turn-)Sewerin und Orschowa. An den Vorbereitungen zur entscheidenden Konfrontation mit dem jungen Sultan Sulejman, die allmählich auch auf höchster Ebene im Lande begannen, nahm Chaholy aktiven Anteil. Im August 1526 stellte er seine Truppe zusammen, die er selber zu befehligen hatte, und begab sich in die Gegend von Mohatsch. Hier traf er auf das Heer mit dem König und seinen Bischofskollegen. Als man dem kaum zwanzigjährigen König den Helm aufsetzte – so wird berichtet – sei er mit einem Male kreidebleich geworden. Unter den zwei Erzbischöfen und fünf Bischöfen, die am 29. August 1526, dem Feste der Enthauptung Johannes des Täufers, auf der Wallstatt ihr Leben ließen, war auch der Bischof von Csanád. Er war inzwischen höchstens 34 geworden.“
Später wurde der Hut‑Helm von Bischof Chahol auf dem Schlachtfeld gefunden.
Der Historiker Koloman Juhász schließt die dem Bischof Chahol gewidmeten Seiten mit folgenden Worten: „Der halb Helm, halb Bischofshut des Franz von Chahol, der auf dem Schlachtfeld von Mohács gefunden wurde, zeigt, dass sich ihre Wege selbst angesichts des unheilvollen Schicksals nicht trennten, und dass die größte nationale Tragödie zugleich den Untergang der glanzvollen Epoche der alten Diözese markierte. Chahol, dieser typisch renaissancezeitliche Hierarch, mochte vielleicht nicht mit jener Frömmigkeit gelebt haben, die die schweren Zeiten verlangten, doch er wusste umso heroischer zu sterben. Und dieses – das Sterben – ist eine schwierigere, erhabenere Kunst als das Leben; es ist der Beweis einer größeren Liebe. Reichtum, Macht, Lebensfreude galten nichts; es erschien ihm selbstverständlich, sein Schwert zu nehmen und für die gemeinsame Sache der Christenheit zu sterben.“ (Koloman Juhász: A Csanádi Püspökség története, 1500–1552, S. 56.)
Pressestelle der Diözese Temeswar
Foto: Hut-Helm des Bischofs Chahol vom Schlachtfeld bei Mohács; heute im Heeresgeschichtlichen Museum, Wien.







