Der von der Römisch-Katholischen Diözese Temeswar über das Diözesanbüro für Erwachsenenpastoral organisierte Bildungskurs für Erwachsene wurde mit dem Treffen am 18. September 2026 um 18.00 Uhr auf der Plattform Zoom fortgesetzt. Zu Beginn begrüßte Domherr Zsolt Szilvágyi, Pastoralvikar, die Teilnehmer.
Den Vortrag hielt Pfr. Daniel Pozsonyi, Pfarrer von Hatzfeld und Karpinisch. Im Mittelpunkt stand das Gebet „Vater unser“, das Gebet, das Jesus Christus selbst die Apostel gelehrt hat und das von Christen so häufig gebetet wird. Pfr. Daniel Pozsonyi lud die Teilnehmer dazu ein, dieses seit Kindheit bekannte Gebet neu zu entdecken und zu erfahren, wie sich sein Verständnis verändern und vertiefen kann, wenn der Mensch auf seinem Weg geistlicher Reifung voranschreitet.
Ausgehend vom Wesen des Gebets betonte der Referent, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir uns an Gott wenden und mit Ihm in Dialog treten können, sondern ein Geschenk. Durch das Gebet wird unsere Beziehung zu Gott genährt und gestärkt; zugleich führt uns das Gebet in eine Dynamik ein, die uns verwandelt und uns dabei hilft, unseren Willen immer mehr dem Willen Gottes anzunähern. In diesem Zusammenhang wurde auch der Ausdruck „Lex orandi, lex credendi“ erwähnt – die Art und Weise, wie wir beten, steht in Verbindung mit der Art und Weise, wie wir glauben, und folglich auch damit, wie wir leben.
Besondere Aufmerksamkeit galt den beiden in der Heiligen Schrift überlieferten Fassungen des Gebets „Vater unser“, in den Evangelien nach dem heiligen Matthäus und nach dem heiligen Lukas. Das Gebet umfasst sieben Bitten: Die ersten drei richten sich an Gott – die Heiligung Seines Namens, das Kommen Seines Reiches und die Erfüllung Seines Willens –, während sich die übrigen vier auf die Bedürfnisse des Menschen beziehen: das tägliche Brot, die Vergebung, die Versuchung und die Erlösung vom Bösen.
Bei der Erklärung der ersten Worte des Gebets, „Vater unser im Himmel“, hob Pfr. Daniel Pozsonyi die Dimension der Gotteskindschaft und der Familie hervor. Wenn Gott unser Vater ist, dann sind wir Seine Söhne und Töchter und zugleich Brüder und Schwestern füreinander. Das Bild der Pilgerschaft und des Exils unterstrich, dass der Mensch noch nicht „zu Hause“ ist, sondern sich auf dem Weg zum Haus des Vaters befindet.
Die Bitte „Geheiligt werde dein Name“ wurde mit der Heiligkeit Gottes und mit der Art und Weise in Verbindung gebracht, wie unser Leben und unsere Taten Zeugnis für diese Heiligkeit geben können. „Dein Reich komme“ eröffnet wiederum die Perspektive auf das Kommen Christi: in der Vergangenheit durch die Menschwerdung, in der Gegenwart durch Seine Gegenwart in der Heiligen Messe und in der Eucharistie und in der Zukunft durch die Erwartung der Wiederkunft des Herrn.
Ein weiterer wichtiger Gedanke des Treffens war die Verbindung zwischen Gebet und Eucharistie. Das Gebet ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Bitten, mit denen wir versuchen, etwas von Gott zu erhalten, sondern es formt unsere Wünsche und richtet uns auf das aus, was Gott für uns will. In diesem Sinne wird das „Vater unser“ auch zu einem Gebet, durch das wir lernen, unseren Willen mit dem Willen Gottes zu vereinen.
Im zweiten Teil des Gebets richten sich die Bitten auf die konkreten Bedürfnisse des Menschen: das tägliche Brot, die Vergebung der Sünden, Hilfe in den Prüfungen und die Erlösung vom Bösen. So verbindet das Gebet das Vertrauen auf Gott mit der Wirklichkeit des täglichen Lebens. In diesem Teil des Gebets zeigt sich eine unmittelbare Verbindung zwischen der Vergebung, um die wir Gott bitten, und der Vergebung, die wir anderen schenken: Wir bitten darum, dass uns vergeben wird, wie auch wir denen vergeben, die an uns schuldig geworden sind. Dies fordert uns dazu heraus, ernsthaft darüber nachzudenken, nach welchem Maßstab wir anderen Vergebung gewähren.
Besondere Aufmerksamkeit wurde auch der Bitte um das tägliche Brot gewidmet. Bei der Auslegung des griechischen Wortes „epiousios“ lenkte der Referent die Aufmerksamkeit auf die Eucharistie, auf Christus als die wahre Nahrung unseres Lebens. So erinnert uns das „Vater unser“ nicht nur an unsere leiblichen Bedürfnisse, sondern auch daran, dass wir Christus erbitten und erwarten und Ihn in die Mitte unseres Lebens stellen.
Auch der Platz des Gebets in der Ordnung der Heiligen Messe ist nicht zufällig: Es wird unmittelbar nach der Anamnese des Eucharistischen Hochgebets und vor der Heiligen Kommunion gesprochen.
Die Teilnehmer wurden auch zu einer persönlichen Reflexion eingeladen: Welcher der beiden Teile des Gebets „Vater unser“ nimmt im eigenen Gebetsleben einen wichtigeren Platz ein? Wie sehr beten wir um das Reich und den Willen Gottes und wie sehr konzentrieren wir uns auf unsere eigenen Bedürfnisse, Schwächen und Prüfungen?
So bot das Treffen nicht nur eine Vertiefung des Textes des Gebets „Vater unser“, sondern auch eine Rückbesinnung auf das eigene Gebetsleben. Ein Gebet, das wir seit unserer Kindheit kennen, kann mit der Reifung unseres Glaubens eine neue Tiefe gewinnen und uns dabei helfen, neu zu entdecken, wer wir vor Gott und in unserer Beziehung zu den anderen sind.
Das Treffen endete mit dem Zeugnis der Familie Costea, Alin und Cătălina, die darüber berichteten, wie das Gebet für ihre Familie in Zeiten der Prüfung zur wichtigsten Stütze geworden ist – sei es, dass sie gemeinsam beten oder in Stille. Die Offenheit und Verletzlichkeit im Gebet bringt sie Christus und einander näher und hilft ihnen, Spannungen, Müdigkeit und die Herausforderungen des Familienlebens zu bewältigen. Selbst im täglichen Chaos bleibt das Gebet – auch wenn es gemeinsam mit ihrem kleinen Kind gesprochen wird – das Fundament, das ihnen Frieden, Verständnis und die Kraft schenkt, weiterzugehen.
Zum Abschluss stellten die Organisatoren das Programm der Wallfahrt und des Treffens der Priester, Ordensleute sowie der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Pfarreien und der Diözese in Maria Radna vor. Die Veranstaltung findet am Samstag, dem 3. Oktober 2026, von 9.00 bis 16.00 Uhr statt und umfasst die Heilige Messe in der Basilika, einen Vortrag, Gespräche in Kleingruppen, Workshops und eucharistische Anbetung.
Pressebüro der Diözese Temeswar







