Nach der Ausgießung des Heiligen Geistes beginnen die Apostel Jesu, die „großen Taten Gottes“ zu verkünden. Zunächst nur in Jerusalem, den „gottesfürchtigen Menschen aus allen Völkern unter dem Himmel“, später aber brechen sie zur Mission auf und ziehen von Stadt zu Stadt. Die Apostelgeschichte berichtet von ihren Reisen, ihren Taten, den Verfolgungen und Drohungen, denen sie ausgesetzt waren, von den Auseinandersetzungen, die sie führten, vor allem aber von ihrer Treue zu Jesus und ihrem tiefen Glauben.
In dieser Reihe möchten wir die „Missionskarte“ der Apostel vorstellen: die zurückgelegten Entfernungen, die wichtigsten Stationen und die Wege, die sie oftmals zu Fuß zurücklegten.
Über das Leben der Apostel verfügen wir nicht immer über Quellen von gleicher Aussagekraft. Manches wissen wir aus dem Neuen Testament, anderes wurde von der Tradition der frühen Kirche überliefert, während bestimmte Einzelheiten von Historikern rekonstruiert werden. In dieser Reihe werden wir jeweils angeben, aus welcher Art von Quelle die präsentierte Information stammt.
Simon und Judas Thaddäus – auf den Spuren, die sich verlieren
Unter den zwölf Aposteln befinden sich mehrere Personen, über die die Heilige Schrift nur wenige Angaben überliefert. Dazu gehören Simon – ein anderer als jener, der später Simon Petrus genannt wurde – und Judas – ein anderer als der Iskariot, der Jesus verriet. Ihre Namen erscheinen in der Liste der Apostel, über einen von ihnen wird auch eine kurze Begebenheit berichtet, doch über ihre späteren Wege sind nur Legenden aus verschiedenen kirchlichen Traditionen bekannt.
Simon, „der Zelot“ genannt
Er ist einer der Apostel, die im Neuen Testament am wenigsten erwähnt werden, doch sein Name wird von einem besonderen Beiname begleitet: „der Zelot“.
– Lukas 6,15: „…Matthäus und Thomas, Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot…“ – Der Zelot: Diese Bezeichnung verweist auf eine politisch-religiöse Gruppierung. Die Zeloten waren radikale jüdische Patrioten, die Israel durch bewaffneten Widerstand von der römischen Besatzung befreien wollten.
Im Fall Simons wissen wir jedoch nicht mit Sicherheit, ob er der Zelotenbewegung im späteren Sinn des Wortes angehörte. Daher ist es wichtig zu betonen, dass Simon kein Mitglied einer politischen Partei im modernen Sinn des Wortes war, da die Zelotenpartei als militärisch-politische Bewegung zu Lebzeiten Jesu und Simons noch nicht existierte. Obwohl nach Ansicht einiger Historiker die Grundlagen der zelotischen Ideologie bereits im Jahr 6 n. Chr. gelegt wurden, festigte sich die Bewegung erst später und spielte anschließend eine bedeutende Rolle im Ersten Jüdischen Krieg, der im Jahr 66 n. Chr. ausbrach.
Zu Simons Lebzeiten handelte es sich noch nicht um eine einheitliche Partei, sondern eher um eine radikale Form des Widerstands, die religiös motiviert war. In seiner Zeit konnte diese Bezeichnung daher den radikalen Wunsch nach Freiheit oder einen religiösen Eifer gegen die Fremdherrschaft zum Ausdruck bringen. Die grundlegende Bedeutung des griechischen Wortes zelotes ist schlicht „eifrig“, „begeistert“. Simon könnte diesen Beinamen auch deshalb erhalten haben, weil er die mosaischen Gesetze und die jüdischen Traditionen mit besonderem Eifer, großer Strenge und Konsequenz befolgte.
– Apostelgeschichte 1,13: Simon erscheint in der Liste jener Jünger, die sich nach der Himmelfahrt Jesu gemeinsam im Obergemach versammelten und auf das Herabkommen des Heiligen Geistes warteten: „Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben. Es waren Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus.“
– Matthäus 10,4: „…Simon, der Kananäer, und Judas Iskariot, der ihn verraten hat.“ (Die Berufung der Apostel)
– Markus 3,18: „…Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Thaddäus, Simon, der Kananäer…“ (Die Berufung der Zwölf)
Hier bezieht sich der Begriff „Kananäer“ nicht auf das Land Kanaan oder dessen Bewohner. Die traditionell anerkannte Interpretation bringt die griechische Bezeichnung Kananaios mit dem aramäischen Wort in Verbindung, das „eifrig“ oder „Zelot“ bedeutet. Somit bezeichnen Matthäus und Markus Simon mit derselben Bezeichnung, die Lukas auf Griechisch als zelotes wiedergibt, also als „den Zeloten“ beziehungsweise „den Eifrigen“.
Judas Thaddäus – „Diener Jesu Christi und Bruder des Jakobus“
In den Texten der Heiligen Schrift wurde besonders darauf geachtet, Judas Thaddäus keinesfalls mit Judas Iskariot, dem Verräter Jesu, zu verwechseln. Deshalb wird er von den Evangelisten unter verschiedenen Namen genannt. In den Evangelien nach Matthäus und Markus erscheint er in der Liste der zwölf Apostel unter dem Namen Thaddäus (kommt von Taddai).
– Evangelium nach Matthäus 10,3: „Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zöllner; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus“ (Die Berufung der Apostel)
– Evangelium nach Markus 3,18: „…Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Thaddäus, Simon, der Kananäer…“
– Evangelium nach Lukas 6,16: „…Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.“ (Die Berufung der zwölf Apostel)
– Apostelgeschichte 1,13: (die Jünger, die nach der Himmelfahrt Jesu in das Obergemach hinaufgingen) „…und Simon, der Zelot, und Judas, der Sohn des Jakobus.“
– Evangelium nach Johannes 14,22: „Judas – nicht der Iskariot – sagte zu ihm: ‚Herr, wie kommt es, dass du dich uns und nicht der Welt offenbaren willst?‘“
Diese Frage des Judas spiegelt die messianischen Erwartungen der Juden jener Zeit wider. Tatsächlich erwarteten einige, dass der Messias sich auf glorreiche Weise öffentlich vor der ganzen Welt offenbaren und eine politisch-militärische Befreiung herbeiführen würde. In seiner Antwort betonte Jesus jedoch, dass seine Offenbarung einen anderen Charakter hat: Ihr Wesen ist die Beziehung zu Gott, die im Leben jener Menschen Wirklichkeit wird, die ihn lieben und seine Gebote halten.
Auf Grundlage der Listen und Hinweise in der Heiligen Schrift war der Apostel Judas Thaddäus der Bruder des Apostels Jakobus; die kirchliche Tradition betrachtet ihn zudem als Verwandten Jesu. Nach der Einleitung des Judasbriefes im Neuen Testament wird dieser ihm zugeschrieben: „Judas, Knecht Jesu Christi und Bruder des Jakobus, an die Berufenen, die in Gott, dem Vater, geliebt und für Jesus Christus bewahrt sind.“
Dieser kurze Brief warnt vor Irrlehren, die die frühe Kirche bedrohten, sowie vor dem Abfall vom Glauben.
Was die Tradition überliefert hat
In der Heiligen Schrift finden sich keine Angaben über die spätere Tätigkeit des Apostels Simon und ebenso wenig über jene des Judas Thaddäus. Darüber hinaus hat auch die Tradition ihre Legenden nicht in einheitlicher Form überliefert.
Das Leben und die Mission des heiligen Apostels Simon gemeinsam mit dem heiligen Apostel Judas Thaddäus werden auch in der bekannten mittelalterlichen Legendensammlung aus dem 13. Jahrhundert, der Legenda Aurea (Goldenen Legende), ausführlich dargestellt, die von Jacobus de Voragine zusammengestellt wurde.
In diesem Werk wird berichtet, dass Simon die Freude über die Auferstehung Jesu in Ägypten verkündete, während Judas Thaddäus in Mesopotamien wirkte. Danach trafen sie sich und setzten ihre Evangelisierung gemeinsam in Persien fort.
Dort, in der Gegend von Babylon, in der Stadt Suanir, hetzten örtliche Zauberer und Götzendiener die Menge in einem heidnischen Tempel gegen sie auf. Die wütenden Menschen schleppten die beiden Apostel in den Sonnentempel, um sie zu zwingen, die Götzen anzubeten. Weil sie sich weigerten, die heidnischen Götter zu verehren, griff die Menge sie an.
Nach der am weitesten verbreiteten Überlieferung wurde Judas Thaddäus mit einer Keule oder einem Beil getötet, während Simon mit einer Säge entzwei geschnitten wurde. Es gibt allerdings auch eine Überlieferung, nach der beide mit einer Säge getötet wurden.
Auch hinsichtlich ihrer irdischen Überreste verbindet die Tradition die beiden Apostel eng miteinander: Ihre Reliquien befinden sich heute in der Basilika St. Peter in Rom, unter dem Josefsaltar, in einem antiken Sarkophag.
Da die christliche Tradition das Schicksal der beiden Apostel eng miteinander verbindet, feiert die katholische Kirche ihr Fest am selben Tag, dem 28. Oktober.
Die genauen Wege der Apostel Simon und Judas Thaddäus sowie die von ihnen zurückgelegten Entfernungen lassen sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Als Jünger Jesu werden sie zu Beginn wahrscheinlich dieselben Wege zurückgelegt haben wie die anderen Apostel.
Jerusalem → Galiläa – die Anfänge
- Entfernung: 120–150 km
- Fortbewegung: zu Fuß
- Quelle: Evangelium nach Matthäus 10,3; Evangelium nach Markus 3,18; Evangelium nach Johannes 14,22; Apostelgeschichte 1,13
Als Mitglieder des Apostelkreises gehörten Simon und Judas Thaddäus zur Gemeinschaft der ersten Jünger Jesu. Dennoch überliefert die Heilige Schrift keine Informationen, die es ermöglichen würden, konkrete Wege zu rekonstruieren, die sie zwischen Jerusalem und Galiläa zurückgelegt haben. Die Entfernung von 120–150 km wird daher hier lediglich als geografischer Richtwert angegeben und nicht als dokumentierter Weg der beiden Apostel.
Da die Tradition die späteren Wege der beiden Apostel nicht einheitlich überliefert hat, können diese nicht mit Sicherheit rekonstruiert werden.
Schlussfolgerung
Auch heute leben unter uns Menschen, deren Dienst wir nicht von Tag zu Tag genau verfolgen und auch nicht in Kilometern messen könnten. Vielleicht tun sie nichts Außergewöhnliches, wodurch sie besondere Aufmerksamkeit erregen würden. Dennoch ist ihr stiller Dienst gerade dort wertvoll, wo er geleistet wird.
Es sind Menschen, die sich um die älteren Menschen in ihrer Umgebung kümmern, die Kirche reinigen, den Friedhof pflegen und zu Allerheiligen auch an jenen Gräbern Kerzen anzünden und beten, die niemand mehr besucht. Es sind Menschen, die sich den Bedürftigen mit schützender Sanftmut und den Leidenden mit verständnisvoller Geduld zuwenden.
Nicht jede Sendung hinterlässt eine historische Spur, doch das bedeutet nicht, dass sie keinen bleibenden Eindruck im Leben anderer Menschen hinterlässt.
Pressebüro der Diözese Temeswar







