Am Samstag, dem 3. Oktober 2026, tauchte die Morgensonne die imposante Wallfahrtskirche Maria Radna in ein sanftes Licht, das durch die halb geöffnete Tür auch ins Innere drang und dort in Form eines Lichtstrahls auf dem Gnadenbild der Gottesmutter über dem Altar verweilte. In der tiefen Stille war nur das Echo der Schritte der ersten Pilger zu hören. Sie gehörten zum Team der Pastoralbüros der Diözese Temeswar, die gemeinsam mit der Pfarrei Radna und Pfarrer Andreas Reinholz sowie der Verwaltung des Klosterkomplexes und Pfarrer Ioan Cădărean (Lippa-Neudorf) die Wallfahrt und das Treffen organisiert hatten. Bevor sie ihre Tätigkeit aufnahmen, betraten sie die Basilika, um die Heilige Jungfrau Maria im Gebet zu begrüßen.
Auf dem vor der Kirche aufgestellten Tisch warteten zahlreiche Namensschilder auf die angemeldeten Teilnehmer. Bei der Eröffnungsmesse, die um 10.00 Uhr von S. E. Josef Csaba Pál, Diözesanbischof, gemeinsam mit allen anwesenden Priestern gefeiert wurde, waren bereits alle Bänke im Kirchenschiff besetzt – insgesamt etwa 300 Personen. Zu den Priestern und Mitarbeitern, die aus fast allen Pfarreien unserer Diözese gekommen waren, gesellten sich auch Pilger aus Sanktanna (Kreis Arad), darunter die Gruppe der Mädchen der Heiligen Jungfrau Maria. Sie trugen ihre traditionelle Tracht, bestehend aus einem weißen Faltenrock, einer weißen Bluse mit Stickereien und schwarzen Schuhen, und trugen die Statue der Gottesmutter mit sich.
Dem Programm entsprechend begann das Treffen mit einer in der Basilika gefeierten Heiligen Messe, auf die ein Vortrag und Gespräche in Kleingruppen folgten. Nach dem Mittagessen fanden mehrere Workshops zu verschiedenen Formen des Gebets statt. Die Veranstaltung endete mit einer Eucharistischen Anbetung in der Basilika.

„Die Kirche existiert nicht für sich selbst“
In seiner Predigt während der Heiligen Messe zitierte der Diözesanbischof vollständig die Ansprache des Heiligen Vaters Papst Leo XIV. an die Teilnehmer der Diözesanversammlung in Rom, die am Freitag, dem 18. September 2026, stattgefunden hatte.
Wie der Heilige Vater sagte: „Ich lege euch heute kein neues Pastoralprogramm vor. Wir beginnen nicht bei null, und nichts von dem, was wir erlebt haben, darf einfach archiviert werden. Unsere Arbeit zu den ‚geistlichen Krankheiten‘ hat uns gelehrt zu erkennen, was in unserem kirchlichen Leben der Heilung, der Korrektur oder der Umkehr bedarf. Der synodale Pfad hat uns gelehrt, wie wir gemeinsam zuhören und unterscheiden können, als Mitverantwortliche für die eine Sendung.
Stattdessen möchte ich vorschlagen, eine dritte Dimension weiterzuentwickeln: die der pastoralen Überprüfung. (…) Um euch dabei zu helfen, eine pastorale Bewertung vorzunehmen, möchte ich euch einige Punkte zur Beachtung vorlegen, die ich zwar unterscheide, die aber eine einzige Dynamik bilden.
Der erste Punkt: die Begegnung mit Christus und anderen zu ermöglichen, ihm zu begegnen. Die Kirche existiert nicht für sich selbst, sondern um jeden Menschen zu einer Begegnung mit dem Herrn zu führen. Deshalb genügt es nicht, uns zu fragen, ob eine Tätigkeit gut organisiert ist, ob sie gut besucht wird oder ob sie schon viele Jahre besteht; wir müssen uns fragen, ob sie tatsächlich zu Christus führt, ob sie das Evangelium in das konkrete Leben der Menschen bringt.
Der zweite Punkt: Gemeinschaft schaffen. Aus dem Pascha Christi entstehen neue, freie und versöhnte Gemeinschaften. Wir wollen den Mut haben, uns um das Wesentliche zu kümmern und Raum für echte Beziehungen zu schaffen, in denen die Menschen sich als Teil eines Volkes fühlen: angenommen, begleitet, wertgeschätzt und mitverantwortlich. Wir wollen uns dafür einsetzen, den jungen Menschen Zeit und ein aufmerksames Ohr zu schenken – innerhalb und über die bestehenden Initiativen hinaus.
Der dritte Punkt: in der Stadt leben und ihr dienen. Rom ist nicht der gleichgültige Hintergrund unserer Gemeinschaften: Es ist der Ort unserer Sendung. Die vom Auferstandenen geschaffene Gemeinschaft kann nicht in sich selbst verschlossen bleiben, sondern teilt die Erwartungen, die Schwächen und die Fragen der Menschen; und sie lernt, in dem, was sich in den verschiedenen Bereichen der Stadt ereignet, jene Fragen zu erkennen, auf die das Evangelium eine Antwort geben kann, wenn es neu angenommen wird.“
Die Heilige Messe wurde musikalisch vom Chor unter der Leitung von Frau Andreea Bodroghi, der Organistin der Basilika, mitgestaltet.

Bei Jesus anfangen
Der Vortrag, der nach der Heiligen Messe folgte, wurde von Frau Julianne Stanz, Leiterin für Außenbeziehungen und Jüngerschulung beim Loyola Press Verlag (Chicago, Illinois), gehalten. Sie ist Autorin des Buches „Start with Jesus – Bei Jesus anfangen“. Da Frau Stanz in den Vereinigten Staaten von Amerika lebt, wurde der Vortrag aufgezeichnet und auf die Bildschirme in der Basilika übertragen. Die Übersetzung aus dem Englischen ins Rumänische wurde von Prof. Christine Maria Surdu übernommen.
In ihrem Vortrag betonte Julianne Stanz, dass die Erneuerung der Pfarreien nicht in erster Linie von Programmen, Veranstaltungen oder Kommunikationsmitteln abhängt, sondern von den Menschen und von der Erneuerung ihres persönlichen Glaubens. Ausgehend von einer Begebenheit aus ihrer eigenen Familie wies sie darauf hin, dass in christlichen Gemeinschaften Freude und ein lebendiger Glaube auch für die Menschen im Umfeld sichtbar sein müssen, insbesondere für die Kinder. Ausgangspunkt der Jüngerschaft ist die Person Jesu: Ein Christ vermittelt nicht nur Wissen, sondern führt andere durch persönliche Beziehungen in eine Lebensweise ein.
Die Erfahrung der Diözese Green Bay (USA) hat gezeigt, dass eine Pastoral, die auf Evangelisierung, die Ausbildung von Führungspersönlichkeiten, klare Kommunikation und vor allem auf persönliche Beziehungen ausgerichtet ist, langfristig zur Erneuerung der Gemeinschaften beitragen kann. Nach Ansicht der Referentin muss die Kirche zu ihren Wurzeln zurückkehren: Die „Wurzel“ des pfarrlichen Lebens ist die Jüngerschaft, aus der die verschiedenen pastoralen Aktivitäten erwachsen. Der erste Schritt ist das Gebet, denn Jesus selbst hat seine Jünger im Gebet ausgewählt und ausgebildet. Zu den Elementen der Methode Jesu zählte Julianne Stanz die Berufung, die Heilung, die Verkündigung des Evangeliums, die Freundschaft, die Lehre, das persönliche Zeugnis, die Vorbereitung auf die Sendung und das Bleiben in der Gemeinschaft.
Die Pfarreien sind dazu berufen, Orte der Hoffnung, der Heilung und der Gastfreundschaft zu werden, an denen Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen und in ihren Leiden aufgenommen und begleitet werden. Julianne Stanz hob auch die Bedeutung des Teilens der persönlichen Glaubensgeschichte und des gemeinsamen Gebets für die Evangelisierung hervor. Zum Abschluss lud sie die Teilnehmer ein, darüber nachzudenken, welche Dinge sie in ihrem Dienst beginnen, welche sie beenden und welche sie fortsetzen sollten, wobei sie sich bewusst machen sollten, dass das Ziel jeder Aktivität darin besteht, die Menschen zur Begegnung mit Christus zu führen.
Im Rahmen der Gespräche in Kleingruppen suchten die Teilnehmer gemeinsam nach Antworten auf die Frage: „Was muss ich in meinem persönlichen Leben und in meinem Dienst beginnen zu tun, was muss ich aufhören zu tun und was muss ich weiterhin tun, um Jünger zu bilden?“

Workshops und Eucharistische Anbetung
Nach dem Mittagessen wurde das Tagesprogramm mit Workshops fortgesetzt, in denen die Teilnehmer verschiedene Formen des Gebets vertiefen konnten: die Kreuzwegandacht, den Heiligen Rosenkranz, das Breviergebet, das Schönstatt-Gebet, das kontemplative Gebet und die Lectio Divina.
An der Leitung der Workshops beteiligten sich Dr. László Bakó, Pfarrer von Iratoșu, die Diakone Francisc Craia und Mario Karnel, Sr. Marie Therese Gabor CFCJM (Karansebesch), Sr. M. Böbe Tari, Schönstatt-Marienschwester (Temeswar), sowie mehrere Mitarbeiter aus den Pfarreien.
Das Treffen endete mit einer Eucharistischen Anbetung in der Basilika Maria Radna, die von Diakon Mario Karnel geleitet wurde.

Pressebüro der Diözese Temeswar

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