Eigentlich hatte Helmuth Kierer (Lovrin/Wolfsberg/Schweinfurt), festlich in donauschwäbische Tracht gekleidet, eine Votivkerze mit einer Abbildung des Altöttinger Gnadenbilds in Händen, geplant, mit seinem 75. Geburtstag, den er am 12. Juli am Gnadenort feiern konnte, auch zugleich seine „Abschluss-Gelöbniswallfahrt“ zu besiegeln, wie er am Kapellplatz erzählte. Doch seine donauschwäbischen Mitpilger haben ihn überredet, dass er noch mindestens um ein Jahr „verlängern“ muss. Er und viele andere waren Teilnehmer an der 64. „Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben“ am 12. und 13. Juli, eine Veranstaltung des St. Gerhards-Werk Stuttgart mit dem Gerhardsforum München unter Gesamtkoordination von Josef Lutz (Sanktanna) aus Nürnberg. Und da nächstes Jahr die 65. Wallfahrt ansteht, so Kierer schmunzelnd, wird halt noch ein Jahr drangehängt, wiederum ein Grund zum Feiern am Gnadenort der Gottesmutter! Das diesjährige Wallfahrtsmotto „Voll Vertrauen auf dem Weg“, das für die donauschwäbischen Landsleute einen Pilgerweg des unerschütterlichen Glaubens darstellt, steht im Zeichen des Kreuzes, aber auch des Brückenbauens zwischen alter und neuer Heimat im Zeichen von Versöhnung und Frieden.
Die donauschwäbischen Pilger aus dem ehemaligen Jugoslawien, Österreich, Ungarn und Rumänien, die nach der Vertreibung in der Zeit des Zweiten Weltkriegs vorwiegend in Bayern, ganz Deutschland und Österreich eine neue Heimat gefunden haben, wurden bereits am Samstag, 12. Juli zu einem Eröffnungsgottesdienst in die Altöttinger Stiftspfarrkirche eingeladen. Die „Weidenthaler Chormädels“ zusammen mit Dr. Franz Metz sorgten für die musikalische Gestaltung. Im Anschluss referierte Schuldirektor Pfarrer Zoltan-Josef Kocsik vom Römisch-Katholischen Lyzeum „Gerhardinum“ in Temeswar zur „Gründung und Fortbestand des dortigen Römisch-Katholischen Gymnasiums“ sowie dr. Claudiu Călin, Diözesanarchivar in Temeswar zum Thema „Tschanad, eine Diözese östlich der Theis“. Der vorabendliche Gottesdienst mit Abt Markus Eller OSB aus Scheyern, als Hauptzelebrant, mit anschließender feierlicher Lichterprozession sorgte für ein berührendes Erlebnis.
Auch wenn die landsmannschaftlichen Trachtengruppen mit ihren Fahnenabordnungen Jahr für Jahr weniger werden, so bot sich doch am Sonntag, 13. Juli, ein gewohnt farbenprächtiges Bild bei der Prozession vom Kapellplatz zur St. Anna-Basilika, begleitet von der Musikkapelle Sanktanna. Mit dabei als jüngste donauschwäbische Pilgerin war die vierjährige Almira, eine Trachtenpuppe im Arm haltend, an der Hand ihrer Mama Stephanie Schmidmair, erste Landesvorsitzende im Bund der Vertriebenen Bayerns. Es wurde auch ein Bild der Basilika Maria-Radna (Rumänien) und des dortigen Gnadenbildes, ein geliebter Wallfahrtsort der Donauschwaben, sowie ein Bild von P. Wendelin Gruber S.J. (1914, Filipowa – 2002, Zagreb) mitgetragen. Dieser hatte 1946 am Vorabend des Festes Maria Verkündigung im Vernichtungslager Gakowa (Jugoslawien) versprochen: „Wenn wir am Leben bleiben, wollen wir jährlich aus Dankbarkeit Wallfahren!“ Dem Gründer der Gelöbniswallfahrt galt das „Wort des Laien“, gesprochen von Dr. Petra Loibl als Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung München für Aussiedler und Vertriebene. P. Gruber sei für die donauschwäbischen Landsleute im Vernichtungslager ein „Zeichen der Hoffnung und tiefen Gottvertrauens geworden im Vorhof der Hölle“.
Höhepunkt der donauschwäbischen Gelöbniswallfahrt war der feierliche Gottesdienst mit dem Geistlichen Beirat Pfr. Paul Kollar, in Konzelebration mit Pfarrer GR Klaus Rapp, Pfarrer Karl Zirmer, Pfarrer Adam Possmayer, Domherr Zoltan-Josef Kocsik, Stiftskanonikus Johann Palfi, Paulinerpater Dr. Attila Hesz OSSPE sowie Pfarrer Peter Obermeier. Der Festprediger betonte, dass ein Wallfahrtsort seine Geschichte anhand von Daten belegen könne, aber auch wisse um die vielen Geschichten der tausenden von Pilgern, die ihre Bitten und Dank im gläubigen Vertrauen hierher tragen würden. Vieles im Leben werde zur Gewohnheit, manche nehme man gedankenlos hin, zu einer „guten Gewohnheit, eine Tradition zu wahren, im gläubigen Vertrauen und aus Überzeugung“ zähle sicherlich das Pilgern. So gelte die Empfehlung von Mose (Erste Lesung: Dtn 30,9c-14) an das Volk Israel auch heute: „Der Herr wird dir Gutes tun, denn du hörst auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, und bewahrst seine Gebote und Satzungen… das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten!“ Musikalisch gut unterhalten waren die donauschwäbischen Pilger durch die Gestaltung des Gottesdienstes durch die beiden Kirchenchöre des Pfarrverbands Maria Ramersdorf und St. Pius München unter Leitung von Dr. Franz Metz und Andrea Matschiner. Beim Marienliedersingen und der Marienandacht am Nachmittag in der St. Anna-Basilika wurde der Gnadenmutter von Altötting ehrend gedacht und für ihre Fürsprache gedankt.
Roswitha Dorfner
Redaktionsmitarbeiterin beim Passauer Bistumsblatt, Redaktion Altötting
(Redaktionelle Bearbeitung: Josef Lutz, Claudiu Călin)



















