Nach der Ausgießung des Heiligen Geistes beginnen die Apostel Jesu, die „großen Taten Gottes“ zu verkünden. Zunächst nur in Jerusalem, vor „frommen Männern aus allen Völkern unter dem Himmel“, später jedoch machten sie sich auf den Weg und zogen von Stadt zu Stadt. Die Apostelgeschichte berichtet von ihren Reisen, ihren Taten, den Verfolgungen und Bedrohungen, denen sie ausgesetzt waren, den Auseinandersetzungen, die sie führten, vor allem aber von ihrer Treue zu Jesus und ihrem tiefen Glauben.
In dieser Reihe möchten wir die „Missionskarte“ der Apostel vorstellen: die zurückgelegten Entfernungen, die wichtigsten Stationen und die Wege, die sie oft zu Fuß zurückgelegt haben.
Über das Leben der Apostel verfügen wir nicht immer über Quellen gleicher Relevanz. Manche Dinge erfahren wir aus dem Neuen Testament, andere wurden durch die Überlieferung der Urkirche bewahrt, und bestimmte Details werden von Historikern rekonstruiert. In dieser Reihe werden wir jeweils angeben, aus welcher Art von Quelle die dargestellten Informationen stammen.
Bartholomäus – „ein Israelit, in dem keine Arglist ist!“
Aus der Heiligen Schrift erfahren wir relativ wenig über den Apostel Bartholomäus.
Der Name „Bartholomäus“ taucht im Neuen Testament nur viermal auf, und zwar ausschließlich in den Listen der zwölf Apostel: im Matthäusevangelium 10,3, im Markusevangelium 3,18, im Lukasevangelium 6,14 und in der Apostelgeschichte 1,13. Bei den drei Evangelisten wird Bartholomäus stets zusammen mit dem Apostel Philippus erwähnt.
Im Johannesevangelium hingegen wird Bartholomäus nicht erwähnt. Es erwähnt jedoch einen Mann namens Nathanael, „aus Kana in Galiläa“, den Philippus zu Jesus führte und der zu den ersten Jüngern gehörte (Joh 1,45–49; 21,2). Nach christlicher Überlieferung und der in der Bibelexegese weit verbreiteten Auffassung könnten Bartholomäus und Nathanael ein und dieselbe Person gewesen sein. Die Heilige Schrift bestätigt dies jedoch nicht ausdrücklich. Es ist jedoch bemerkenswert, dass in den Listen, in denen Bartholomäus erscheint, der Name Nathanael nicht vorkommt, während im Johannesevangelium das Gegenteil der Fall ist: Wir begegnen Nathanael, aber nicht Bartholomäus. Aufgrund dieser Tatsache hat sich bereits in der Urkirche die Vermutung herausgebildet, dass sich die beiden Namen auf dieselbe Person beziehen.
Der Name „Bartholomäus“ leitet sich vom aramäischen Ausdruck Bar-Talmaj (Bartholomeus) ab, was „Sohn des Talmai“ bedeutet. Es handelt sich also nicht um einen eigentlichen Vornamen, sondern um ein Patronym, also eine Bezeichnung, die sich nach dem Namen des Vaters richtet. Natanael (auf Hebräisch Netanél) hingegen ist ein Vorname mit der Bedeutung „Gott hat geschenkt“. Sollte die traditionelle Identifizierung zutreffen, wäre der Vorname des Apostels Bartholomäus Natanael gewesen, und sein väterlicher Name „Sohn des Talmai“.
Auf der Grundlage des Johannesevangeliums ergibt sich folgendes Bild des Apostels Bartholomäus (Natanael):
Anfängliche Skepsis – Zu Beginn steht er der Person Jesu skeptisch gegenüber. Als Philippus ihm erzählt, dass sie den Messias gefunden hätten, nämlich Jesus von Nazareth, zweifelt Bartholomäus: „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“ (Joh 1,46).
Aufrichtigkeit – Als Jesus ihn sieht, beschreibt er ihn wie folgt: „Siehe, das ist wahrlich ein Israelit, in dem keine Falschheit ist!“ (Joh 1,47).
Das Glaubensbekenntnis – Als Jesus ihm sagt, dass er ihn unter dem Feigenbaum gesehen habe, noch bevor Philippus ihn gerufen hatte, bekennt Bartholomäus offen: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels“ (Joh 1,49). Diese kurze Szene nimmt gewissermaßen seine künftige apostolische Mission vorweg: Aus dem Zweifel entsteht die Erkenntnis, und aus der Erkenntnis das Bekenntnis.
Anwesenheit am See Genezareth, wo Jesus den Jüngern erscheint – Er war dabei, als der auferstandene Christus sich den Jüngern zeigte, die am Ufer des Sees Genezareth fischten (Joh 21,2).
Was die Überlieferung bewahrt hat
Über die spätere Mission des Apostels Bartholomäus liefert das Neue Testament keine genauen Angaben mehr. Daher können wir uns bei dem Versuch, den Missionsweg des Apostels zu rekonstruieren, in erster Linie auf spätere kirchliche Überlieferungen, apokryphe Schriften und die Berichte einiger kirchengeschichtlicher Autoren stützen.
Diese Quellen stimmen nicht vollständig überein. Einige Überlieferungen verorten das Wirken des Bartholomäus in Indien, andere im Partherreich oder in Armenien. Aus diesem Grund kann die im Folgenden dargestellte Route nicht als historisch belegte Reiseroute angesehen werden. Sie zeigt vielmehr, wie das Gedächtnis der Kirche das Bild der Mission des Apostels Bartholomäus bewahrt hat.
– Das Apokryphon „Acta Bartholomaei“ / „Passio Bartholomaei“ (Die Taten und das Leiden des Apostels Bartholomäus), das in koptischen, arabischen, äthiopischen, lateinischen und griechischen Fassungen überliefert ist, ist die Hauptquelle für die Überlieferung, wonach der Apostel Bartholomäus nach Indien gereist sei. Der Text beschreibt, wie er die lokalen Götzen besiegte, wie er die Lehre Jesu in die Sprache der Inder übersetzte und wie er die Tochter des Königs dieses Landes heilte. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Bezeichnung „Indien“ in den antiken Quellen dasselbe geografische Gebiet bezeichnete wie heute.
– Die frühchristliche apokryphe Schrift „Acta Andreae et Bartholomaei“ (Die Taten des Andreas und des Bartholomäus) berichtet, dass Bartholomäus die Freude über die Auferstehung Jesu im Partherreich (auf dem Gebiet des heutigen Iran und Irak) verkündete und dass er einen Missionsauftrag auch „im Land der Griechen“ erhielt.
– Der orientalische apokryphe Text „Acta Bartholomaei et Barnabae“ (Die Taten des Bartholomäus und des Barnabas) verortet das Wirken des Bartholomäus im Schwarzmeerraum und im östlichen Mittelmeerraum.
– Die armenische Tradition und Geschichtsschreibung verehren Bartholomäus (zusammen mit dem Apostel Thaddäus) als direkten Gründer der Armenisch-Apostolischen Kirche. Den armenischen Chroniken zufolge gründete Bartholomäus christliche Gemeinden auf dem heutigen Gebiet von Aserbaidschan und Armenien, insbesondere in Albanopolis und in der Region um den Van-See.
Die Kirchenhistoriker des frühen Christentums (die Kirchenväter) haben in ihren Schriften mündlich überlieferte Traditionen festgehalten:
- Eusebius von Caesarea: Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica, 4. Jahrhundert): Eusebius schreibt, dass der berühmte christliche Philosoph Pantainos, als er Ende des 2. Jahrhunderts nach Indien reiste, dort Menschen traf, die den christlichen Glauben kannten. Diese zeigten ihm eine hebräische Fassung des Matthäusevangeliums, von der die Überlieferung besagt, dass sie vom Apostel Bartholomäus selbst dort zurückgelassen worden sei, als er in diese Gegenden kam.
- Der heilige Hieronymus: Über berühmte Männer (De Viris Illustribus, 4. Jahrhundert): Hieronymus berichtet in ähnlicher Weise und behauptet, dass Bartholomäus in Indien gepredigt habe, wobei er ausdrücklich die dortige Existenz des Matthäusevangeliums in hebräischer Sprache erwähnt.
- Der heilige Isidor von Sevilla (6.–7. Jahrhundert): In seinen Werken fasst er die Missionsgebiete der Apostel zusammen. Bei ihm kommt deutlich die westliche Überlieferung zum Ausdruck, wonach Bartholomäus gegen Ende seiner Missionsreisen in Armenien (in Lykien und Albanopolis) tätig war und dort den Märtyrertod erlitt.
- Jacobus de Voragine: Legenda Aurea (Goldene Legende, 13. Jahrhundert): Das meistgelesene hagiografische Werk des Mittelalters beschreibt den Weg des Apostels Bartholomäus: Er reiste zunächst nach Italien, dann nach Indien und schließlich nach Großarmenien (Armenia Maior). Dort wurde er auf Befehl des Königs Astiages bei lebendigem Leib gehäutet und anschließend enthauptet, weil er Polemius, den Bruder des Königs, bekehrt hatte.
Nach der Tradition der Kirche war Bartholomäus (Nathanael) somit einer der Apostel, die die frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu und der Erlösung am weitesten verbreiteten. Sein Weg war nicht nur geografisch, sondern auch kulturell und spirituell weit: Er gelangte in Gebiete, in denen die jüdisch-christliche Welt bis dahin kaum präsent gewesen war.
Die Missionsreisen des Apostels Bartholomäus
Die unten angegebenen Entfernungen geben keine Routen an, die sich genau rekonstruieren lassen, sondern stellen orientierende Schätzungen dar, die auf der Grundlage der in der Überlieferung überlieferten Missionsgebiete berechnet wurden. Die genauen Routen und zurückgelegten Entfernungen lassen sich heute nicht mehr bestimmen.
1. Jerusalem → Galiläa – die Anfänge
Entfernung: 120–150 km
Fortbewegungsmittel: zu Fuß
Quelle: Johannes 1,45–51; Apostelgeschichte 1
Bartholomäus gehörte zu den ersten Jüngern Jesu und trug in der Zeit nach Pfingsten wahrscheinlich zur Stärkung der örtlichen Gemeinde bei. Daher lässt die Entfernung zwischen Jerusalem und Galiläa den geografischen Rahmen der Anfänge der apostolischen Mission erahnen. Es handelt sich dabei nicht um eine dokumentierte Reise des Bartholomäus, sondern um die Größenordnung, in der die ersten apostolischen Aussendungen stattfanden.
2. Jerusalem → Missionsgebiete im Osten
Entfernung: ca. 1 200–1 500 km
Fortbewegungsmittel: mit Karawanen, zu Fuß, auf dem Seeweg
Quelle: kirchliche Überlieferung
Der Überlieferung zufolge führte eine der großen Missionsreisen, die Bartholomäus zugeschrieben werden, nach Kleinasien. Dort verkündete er in mehreren Städten das Evangelium und gründete Ortsgemeinden. Diese Reise bedeutete auch einen wichtigen kulturellen Übergang: Er betrat das Gebiet der griechisch-römischen Kultur, wo philosophisches Denken und heidnische Religionen erhebliche Herausforderungen darstellten.
3. Kleinasien → Armenien – „die ferne Mission“
Entfernung: ca. 600–800 km
Fortbewegungsmittel: zu Fuß, über Bergpfade
Quelle: armenische kirchliche Überlieferung
Armenien ist das Land, in dem der Dienst des Bartholomäus der Überlieferung zufolge besonders tiefe Spuren hinterlassen hat. Der armenischen Überlieferung zufolge:
- predigte auch am königlichen Hof;
- gründete Gemeinden in mehreren Städten;
- gilt als einer der „Gründungsapostel“ des armenischen Christentums.
So begann der christliche Glaube nicht nur in einigen Ortschaften, sondern unter einem ganzen Volk Fuß zu fassen.
4. Das Martyrium – die Besiegelung der Mission
Entfernung: der Überlieferung zufolge Albanopolis in der Region Großarmenien
Quelle: spätere kirchliche Überlieferung und hagiografische Quellen
Das Martyrium des Apostels Bartholomäus war der Überlieferung zufolge besonders grausam, wurde jedoch für das armenische Christentum zu einem Symbol der Treue und Standhaftigkeit. Die mit seinem Namen verbundenen lokalen Gemeinden bestanden weiter und wurden später zu einem wichtigen Teil der Geschichte der Armenischen Kirche.
Zusammenfassung
Wir können nicht genau sagen, wie viele Kilometer Bartholomäus zurückgelegt hat. Auf der Grundlage der verfügbaren biblischen, historischen und überlieferten Daten handelt es sich insgesamt um etwa 2.000–2.500 km, doch die tatsächliche Entfernung könnte weitaus größer oder sogar kleiner sein.
Wir wissen jedoch, dass die apostolische Mission nicht nur aus ein paar sicheren Schritten bestand. Für die Christen der ersten Jahrhunderte bedeutete die Verkündigung der Auferstehung Jesu und der Erlösung oft lange Reisen, die Begegnung mit fremden Kulturen, Gefahren und schließlich sogar das Martyrium.
Heute in die Fußstapfen der Apostel zu treten, bedeutet nicht unbedingt, geografische Entfernungen zurückzulegen. Die Geschichte des Bartholomäus führt uns zunächst zu einer einfachen Frage: „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“ Und die Antwort war nicht nur eine Lehre, sondern die Anerkennung einer Person: „Du bist der Sohn Gottes.“
Die Wege des Menschen von heute bestehen oft nur aus wenigen Schritten: bis zur Straßenecke, zu einem Nachbarn, zu einem Freund, der Ermutigung oder Hoffnung braucht. Apostolischer Auftrag bedeutet heute, Jesus anzuerkennen und dorthin aufzubrechen, wohin er uns sendet – selbst zu einem einzigen Menschen, der uns anvertraut ist.
So wird unser Leben zur Fortsetzung der Geschichte der Apostel: nicht in Kilometern, sondern in Treue, Achtsamkeit und Liebe.
Pressestelle der Diözese Temeswar







