Im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus, dem Sitz des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar, fand am Montag, dem 4. Mai d.J., um 15.00 Uhr im Rahmen der Volksuni – der „Volksuniversität Temeswar“ /„Volkshochschule“ – ein Vortrag über das Leben und den Hirtendienst von Bischof Dr. h.c. Augustin Pacha an der Spitze der Diözese Temeswar statt. Referent war Dr. Claudiu Călin, Diözesanarchivar.
Im Laufe der Konferenz erfuhren die Anwesenden Näheres über die Eltern und die Familie von Bischof Pacha – er hatte auch einen Bruder Stefan Pacha, der ebenfalls Priester war –, über seine Studienzeit und die ersten Jahre seines Dienstes, zunächst als Aktuar, später als Sekretär im Bischöflichen Ordinariat unter den Bischöfen Alexandru Dessewffy de Csernek et Tarkeő, János Csernoch und Gyula Glattfelder de Mór. Weiter wurde seine Konsekration zum Bischof der Diözese Temeswar, seine pastorale Tätigkeit, seine Sorge um die Erziehung der Jugend sowie seine Unterstützung kultureller Initiativen dargestellt. Abschließend wurde auf seine Verhaftung und Verurteilung durch das kommunistische Regime in Rumänien eingegangen – im Rahmen der gegen die katholische Kirche gerichteten Repressionen, in einem Schauprozess gegen den damals 80‑jährigen Bischof.


„Der Prozess gegen die Pacha-Gruppe gilt als eine der größten gerichtlichen Inszenierungen in der Nachkriegsgeschichte Rumäniens. Von der Securitate auf perfide Weise politisch und ideologisch inszeniert, war er ein perfektes Beispiel für Manipulation und teuflischer Konstruktion eines „Falls“, der ein Exempel stellen sollte für alle, die es von da an wagen würden, auch nur mit dem Westen zu flirten. Andererseits sollte dieser Prozess zum einen zeigen, wie angeblich korrupt die politische Klasse vor dem 23. August 1944 gewesen war, und andererseits die Verunglimpfung und Diskreditierung der katholischen Kirche in den Augen der Bevölkerung und, warum nicht, auch der eigenen Gläubigen. Diese Kirche wurde von den Kommunisten als einer der größten Feinde des „Regimes der Volksdemokratie“ angesehen, sowohl wegen ihres politischen Einflusses, vor allem aber wegen ihrer supranationalen Struktur, moralischen Stärke und der Treue des Klerus und der Gläubigen. Bischof Pacha war eines der Opfer dieser Inszenierung; ihm wurde, trotz seines hohen Alters, der vorderste Platz in der „Gruppe“ vorbehalten, die sogar seinen Namen tragen sollte.“– bemerkte Dr. Claudiu Călin in seinem Vortrag.
Am Ende der Veranstaltung informierte Frau Professor Luise Finta, Koordinatorin der Volksuni, die Teilnehmer über die kommenden Programme: Am Sonntag, dem 10. Mai 2026, unternehmen die Mitglieder der Volksuni eine Wallfahrt nach Maria Radna und besuchen anschließend den emeritierten Domherr Andreas Reinholz. Am Montag, dem 11. Mai, um 15.00 Uhr besteht für Interessierte die Möglichkeit, im Hohen Dom zum Hl. Georg, der römisch‑katholischen Kathedrale von Temeswar, die Ausstellung „Millennium Csanadiense 1030–2030“ zu besichtigen. Die Führung übernimmt Dr. Claudiu Călin, Diözesanarchivar.
Die Volksuni, also die deutschsprachige Volksuniversität/Volkshochschule, wurde 1968 von Professor Erich Pfaff gegründet. Zunächst fanden monatliche, später zweiwöchentliche und ab 1972 wöchentliche Vorträge statt – mit einer thematischen Vielfalt, die Literatur, Musik, Architektur, Geographie, Lokalgeschichte, Naturwissenschaften und viele weitere Bereiche umfasste. Ab 1971, als Prof. Erich Pfaff zum Direktor ernannt wurde, wurde das Nikolaus‑Lenau‑Lyzeum Sitz der deutschen Abteilung der Volksuniversität. Aufgrund des großen Interesses wurden die Vorträge ab 1973 zweimal wöchentlich und ab 1974 zeitweise sogar viermal pro Woche wiederholt. Erich Pfaff war nicht nur Gründer und Organisator der Volkshochschule, sondern auch ihr Hauptreferent und hielt im Laufe der Jahre mehrere tausend Vorträge. Einige Veranstaltungen wurden von nahezu 600 Zuhörern besucht. (Quelle: Raluca Nelepcu, Das deutsche Schulwesen im Banat zwischen 1918 und Ende der 1960er Jahre. Fallstudie: Das „Nikolaus-Lenau“-Gymnasium in Temeswar, 2024)
Über die heutige Tätigkeit der Einrichtung erklärte Prof. Luise Finta: „Die Volksuni funktioniert heute im Rahmen des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar. Die teilnehmenden Mitglieder treffen sich jeden Montag um 15.00 Uhr. Die behandelten Themen sind ebenso vielfältig wie früher: Literatur, Musik, Architektur, Geographie, Geschichte usw. Neben diesen Vorträgen stehen Ausflüge, Hobbykreise, Gymnastik, eine Volkstanzgruppe und ein Chor auf dem Programm. „Wir verfügen auch über eine Bibliothek, die von Frau Dagmar Șiclovan betreut wird. All diese Aktivitäten finden hier im Adam‑Müller‑Guttenbrunn‑Haus statt. Mit der Volkstanzgruppe und dem Chor besuchen wir auch andere Ortschaften, zu denen wir eingeladen werden. Wir pflegen freundschaftliche Kontakte zum Deutschen Forum in Großwardein, in Reschitza – zu Herrn Erwin Josef Țigla –, ebenso zum Deutschen Forum in Sathmar, Oberwischau, Suceava sowie zu Gruppen in Ungarn. Die Gymnastikprogramme und die Proben der Tanzgruppe werden von Frau Mihaela Faur koordiniert. Der Chorleiter ist Herr Arthur Funk. Wir sind eine Seniorengruppe, die gerne gemeinsam an verschiedenen Programmen teilnimmt. Alles geschieht ehrenamtlich, aber wenn ich sehe, wie die Augen der Teilnehmer strahlen, motiviert mich das, weiterhin Programme zu organisieren.“

Pressebüro der Diözese Temeswar