Die Wallfahrt der bulgarischstämmigen römisch-katholischen Gläubigen aus der Diözese Temeswar zur Basilika Maria Radna wird traditionell in den Tagen vor dem Fest Mariä Geburt organisiert. Heuer werden am 6. und 7. September in Maria Radna mehrere Heilige Messen gefeiert für die Pilger, die aus Temeswar sowie aus den Pfarrgemeinden von Winga, Alt-Beschenowa, Breschtea und anderen Gemeinschaften angereist sind.
Die Marienverehrung bei den bulgarischen Gläubigen ist tief in der Seele der hier lebenden Generationen verwurzelt. Wie es Pfarrer Gjuka (Georg) Augustinov, der Seelsorger der Bulgarischen Personalpfarrei in Temeswar, formulierte: „Wenn es die Gottesmutter nicht gäbe, wären wir Waisen. Doch wir haben eine himmlische Mutter, an die wir uns voller Vertrauen wenden können, die uns beschützt und hilft. Und das ist nicht nur leeres Gerede – das ist Wirklichkeit.“
Nach dem Abschluss des Theologischen Instituts in Karlsburg (Alba Iulia) wurde Pfarrer Gjuka Augustinov am 21. April 1963 von Bischof Áron Márton zum Priester geweiht. Als Kaplan kam er nach Alt-Beschenowa, später wurde er zum Pfarrer in Breschtea ernannt, wo er fast dreißig Jahre lang der Kirche und den Gläubigen diente. Im Jahr 1993 übernahm er die Pfarrei Mehala in Temeswar. 2000 wurde er zum Dechant des Dekanats Temeswar ernannt und später Mitglied des wiedererrichteten Domkapitels. Derzeit ist Pfarrer Msgr. Augustinov Seelsorger der Bulgarischen Personalpfarrei in Temeswar. Anlässlich der Wallfahrt zum Fest Mariä Geburt in Maria Radna baten wir ihn um ein Gespräch.

– Herr Pfarrer, würden Sie sich bitte unseren Leserinnen und Lesern vorstellen?
– Ich wurde 1939 im Dorf Bulgarische Kolonie geboren, und kurz darauf zogen meine Eltern nach Alt-Beschenowa, wo ich aufgewachsen bin. Nach dem Abschluss der sieben Klassen wurde ich 1953 an die Kantorenschule in Karlsburg (Alba Iulia) aufgenommen, anschließend an das Theologische Institut, wo ich zehn Jahre später zum Priester geweiht wurde. Als Pfarrer wurde ich zunächst nach Omor entsandt, wo ich die Heilige Messe auf Ungarisch und Rumänisch zelebrierte. Da jedoch in der benachbarten Gemeinde Breschtea deutlich mehr Gläubige bulgarischer Herkunft lebten, zog ich bald dorthin um. Während meiner Jahre dort pendelte ich täglich zwischen den beiden Orten, sodass die Gemeinde in Omor durch den Wechsel kaum beeinträchtigt wurde. Ein Jahr später wurden weitere Gemeinden der Pfarrei angeschlossen: Denta, wo ebenfalls bulgarische Gläubige lebten, Kleinomor, das damals als rein deutsche Gemeinde galt, sowie Partosch, das als Filiale überwiegend von Ungarn bewohnt war. Nach der Auflösung der Pfarrei in Groß-Scham im Jahr 1991 übernahmen wir gemeinsam mit dem Seelsorger aus Gataja die geistliche Betreuung der zugehörigen Ortschaften. Mit der bulgarischen Gemeinde in Breschtea, die etwa tausend Seelen zählte, verbinden mich viele schöne Erinnerungen. Wir hatten drei Jugendgruppen, und ich betreute rund 200 Kinder und Jugendliche. Neben dem Religionsunterricht bereiteten wir uns zu Weihnachten mit einem Krippenspiel und zu Ostern mit dem Kreuzweg vor. Wir machten Ausflüge – allerdings wurden wir in der kommunistischen Zeit am nächsten Tag oft zur Befragung (bei der Sekuritate oder Militz) vorgeladen – und gemeinsam mit den Gläubigen setzten wir die Kirche instand. Die Menschen halfen immer, wenn es nötig war, denn dort gingen sogar Parteimitglieder in die Kirche und standen mir bei, wenn es ernst wurde. Und es gab durchaus Situationen, in denen das notwendig war. Im zweiten Jahr meines Wirkens als Pfarrer, 1965, bereiteten wir uns gerade auf die Erstkommunion und Firmung vor, als die Behörden das Gerücht verbreiteten, im Dorf sei die Schweinepest ausgebrochen. Die Ortschaft wurde vollständig abgeriegelt – niemand durfte hinein oder hinaus. Damals hatte fast jeder einen Mastschwein oder Ferkel im Stall – ich ebenfalls – und es fehlte nicht viel, dass auch das Pfarrhaus, wie viele andere Häuser im Dorf, versiegelt worden wäre. Ein Großteil der Männer wurde isoliert und in Desinfektionsstationen gebracht, damit sie nicht an der gemeinsamen Heiligen Messe teilnehmen konnten. Mehr noch: Selbst Hochwürden Dr. Ferdinand Cziza, Generalvikar, der zur Firmung angereist war, wurde erst nach einer „gründlichen Desinfektion“ in die Kirche gelassen. Schweiß und Tränen liefen ihm über das Gesicht. Meine seelsorgliche Tätigkeit in Temeswar begann im Oktober 1993 in der Pfarrei Mehala. Gleichzeitig betreute ich auch die slowakische und bulgarische Gemeinde der Stadt und zelebrierte die Heilige Messe meist in vier Sprachen.

– Die Wallfahrt der bulgarischen Gläubigen nach Maria Radna ist auch heute ein schönes Beispiel für die Marienverehrung. Wie verlief diese Wallfahrt in den vergangenen Jahrzehnten?
– Wie ich bereits im Interview zum 500-jährigen Jubiläum des Wallfahrtsortes Radna im Jahr 2020 erzählt habe, bin ich zum ersten Mal mit meiner Mutter nach Radna gepilgert – ich war damals etwa zehn Jahre alt. Der Kreuzweg auf dem Hügel hinter der Wallfahrtskirche war voller russischer Soldaten; sie kümmerten sich zwar nicht um uns, aber ihre Anwesenheit war weder für uns Kinder noch für unsere Mütter unbedeutend. Ich erinnere mich auch daran, dass ich zu Hause als Ministrant mit dem Pfarrer zum Dorfrand ging, wo sich die Pferdewagen versammelten, bereit zur Abfahrt nach Radna. Der Pfarrer segnete sie, und wir zählten die Wagen: hundert, hundertdreißig, manchmal sogar hundertfünfzig. Bei den Wallfahrten nach Maria Radna ging vorne das Kreuz, gefolgt von den Kirchenfahnen, dann die Gläubigen zu Fuß und schließlich die Wagen, auf denen bei Bedarf müde Kinder oder Frauen mitgenommen wurden, die sich nicht wohl fühlten. Ich kann mit voller Gewissheit sagen, dass die Pfarrei in Breschtea die einzige war, die weder während der kommunistischen Zeit noch später – bis zum Ausbruch der Covid-Pandemie – jemals ihre jährliche Fußwallfahrt nach Maria Radna unterbrochen hat. Die Strecke beträgt etwa 130 Kilometer. Das bedeutete, dass die Wallfahrer um 3 oder 4 Uhr morgens aufstanden, an der Heiligen Messe in der örtlichen Kirche teilnahmen und sich dann auf den Weg machten. Sie hielten für eine kurze Pause und das Frühstück in Wojteg, das Mittagessen gab es in Schebel, und gegen 18–19 Uhr kamen sie in Temeswar an. Nach der ersten Übernachtung in Temeswar verbrachten die Pilger die zweite Nacht in der Gemeinde Aliosch, und am dritten Tag trafen sie am Nachmittag, etwa zwischen 14 und 16 Uhr, in Maria Radna ein. Die Gläubigen aus Alt-Beschenowa übernachteten früher am ersten Tag in Perjamosch und am zweiten in Arad-Mikalaka. Während der kommunistischen Zeit waren die Behörden durchaus bereit, Wallfahrer aus dem Zug oder Bus zu holen – oder sie stattdessen direkt aufs Feld zum Zuckerrübenernten zu schicken. In Breschtea gab es in den mittleren und späten 1960er-Jahren keinen September, in dem der Kommandant der Polizeistation in Denta nicht ein oder zwei Wochen vor dem Fest Mariä Geburt erschien, um mir zu befehlen, die Wallfahrt nach Radna einzustellen und den Gläubigen – vor allem in Gruppen – das Pilgern zu untersagen, damit es nicht auffällt. Ich erklärte ihm vergeblich, dass ich das nicht tun werde – denn die Menschen gehen nicht zum Vergnügen auf Wallfahrt, sondern jeder hat ein Anliegen: manche beten für Gesundheit, andere bringen Dank dar, wieder andere kommen aus Not oder Schmerz – ich kann sie also nicht aufhalten! Es gab jedoch eine Taktik, die sich als wirksam erwies: Wenn wir sehr früh aufstanden und still durch Denta und später durch Detta zogen, ließ uns in der Regel niemand mehr belästigen. Damals begleiteten nur ein oder zwei Pferdewagen die Wallfahrer, die das Gepäck transportierten.

Die Gläubigen aus Alt-Beschenowa und Winga auf dem Weg nach Maria Radna – 1925

– Ist diese Verbundenheit mit der Gottesmutter für die gesamte bulgarische Gemeinschaft typisch?
– Ja. Einige unserer Landsleute flohen nach der Niederschlagung des anti-osmanischen Aufstands von 1688 in Čiprovci (Чipровци, Bulgarien) in die Gebiete der Habsburgermonarchie – auch in diese Region – und brachten eine Ikone der Heiligen Jungfrau Maria mit sich. Diese Auswanderungs- und Fluchtbewegung verstärkte sich erheblich nach den österreichisch-türkischen Kriegen im 17. bis 19. Jahrhundert. Auch in Karlsburg (Alba Iulia) hatten wir eine Kirche, die nach der Revolution von 1848–1849 niederbrannte. Der Mathematikprofessor József Mogyorósi behauptete, dass dabei auch das Gnadenbild der dortigen bulgarischen Gemeinde zerstört wurde. Es steht fest, dass sowohl in unserer Herkunftsregion als auch hier, wo wir heute leben – ebenso in Serbien oder sogar in Bulgarien – nahezu alle Kirchen der Heiligen Jungfrau Maria geweiht sind: Mariä Himmelfahrt, Mariä Namen, Königin des Rosenkranzes, Mariä Geburt usw. So sind ganze Generationen mit Liebe und Vertrauen zur Gottesmutter aufgewachsen. Wir sagen oft: Wir sind keine echten Banater Bulgaren (Balgare-palćene), wenn wir die Gottesmutter nicht verehren. Als unsere Vorfahren sich hier niederließen, war Radna für sie alles. Die Bulgaren, ein landwirtschaftlich geprägtes Volk, machten keinen Urlaub – und der größte Wunsch der Kinder war, von ihren Eltern mit nach Radna genommen zu werden. Es gibt ein altes Foto, das zeigt, wie sich die Gläubigen aus Alt-Beschenowa, als sie durch Winga zogen, mit den dortigen Wallfahrern vereinigten. Auf dem Bild ist deutlich zu erkennen, wie sich die beiden Pilgergruppen verbinden – wie zwei Flüsse, die ineinander münden. Von dort gingen sie gemeinsam weiter…
In den überwiegend von Bulgaren bewohnten Dörfern gab und gibt es eine tragbare Statue der Gottesmutter, die bei Prozessionen mitgeführt wurde und vor der die Gläubigen bei jeder besonderen Gelegenheit – sei es Hochzeit, Taufe, Begräbnis oder ein anderes Ereignis – kniend beteten. An den Sonntagen standen die Mädchen, die zur Erstkommunion gingen, in weißen Kleidern und mit weißen Kränzen im Haar, sowie die Jungen, die nach ihrer Erstkommunion als Ministranten dienten, mit kleinen Fahnen in den Händen während der gesamten Messe in zwei Reihen vor der Statue der Gottesmutter. Ich möchte anmerken, dass in unserer Gemeinschaft fast jedes Mädchen bei der Taufe den Namen Maria erhält. Zum Beispiel hießen beide meiner Großmütter Maria, ebenso meine Mutter und meine Schwester – und auch meine Tante. Ein weiterer beliebter Name ist Anna – der Name der Mutter der Gottesmutter – oder Annamaria. Unter den Heiligen verehren wir als landwirtschaftlich geprägtes Volk besonders den heiligen Wendelin, und natürlich die heilige Anna. Ihre Statue schmücken wir jedes Jahr am 26. Juli, ihrem Namenstag, mit einem Sonnenblumenkranz oder -strauß. Diese Tradition lebt bis heute fort. Wie ich bereits sagte, verehren wir in unserer Gemeinschaft neben dem Schöpfergott und Jesus ganz besonders die Gottesmutter. Wie ein kleines Kind einmal im Religionsunterricht fragte, als ich das Kreuzzeichen erklärte: „Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist – aber wo ist die Mutter?“ Nun, bei uns Bulgaren ist die Gottesmutter immer in unseren Gebeten gegenwärtig. Als ich Pfarrer in Breschtea war, hatten wir etwa fünfzig Rosenkranzgruppen – und heute sind es immer noch rund dreißig. In der Temeswarer Gemeinde gibt es derzeit zwölf solcher Gruppen. Früher trugen die bulgarischen Frauen den Rosenkranz in der Hand – ob sie zur Kirche gingen, zu einer Beerdigung, zu einer Litanei oder zu einer anderen liturgischen Feier. Ohne ihn verließen sie das Haus nicht. In der Adventszeit vor Weihnachten beteiligten sich viele Gruppen an der Tradition „Herbergssuche der Heiligen Familie“. Auch dabei stand die Gottesmutter im Mittelpunkt – sie, die den Erlöser in die Welt brachte. Bei uns gehören das Vaterunser und das Gegrüßet seist du, Maria untrennbar zusammen. Ich war schon ein großer Bursche, als ich erkannte, dass es sich eigentlich um zwei verschiedene Gebete handelt – denn bei uns war es undenkbar, das Vaterunser zu sprechen, ohne gleich danach das Ave Maria zu beten. In unseren Häusern hing das Kruzifix in der Mitte des Raumes (der guten Stube), zwischen den beiden Fenstern – rechts und links davon die Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Bilder. Die Mädchen trugen stets eine Marienmedaille um den Hals, die wir „mărijce“ nennen – eine liebevolle Diminutivform des Namens Maria. Viele Völker betrachten die Gottesmutter als ihre Schutzpatronin – und das ist gut so, denn sie hilft allen. Wir Bulgaren haben oft das Gefühl, dass wir nirgendwo wirklich dazugehören. Oft waren wir ohne Priester, die unsere Sprache sprechen, und in vielen Fällen ohne Schule, also ohne die Möglichkeit, in unserer Muttersprache zu lernen. Wenn es die Gottesmutter nicht gäbe, wären wir Waisen. Aber wir haben eine himmlische Mutter, zu der wir voller Vertrauen beten können, die uns beschützt und uns hilft. Und das ist nicht nur ein schönes Wort, das ist Wirklichkeit…

– Gelingt es Ihnen, diese Verehrung und Verbundenheit mit der Gottesmutter an die nächsten Generationen weiterzugeben?
– Heute ist es schwieriger, denn wir leben verstreut in der Welt, und die Menschen sind viel bequemer geworden – sie kommen nicht mehr jeden Sonntag in unsere Pfarrkirchen. Auch die Zahl der Mischehen nimmt zu. Doch zu den Feiertagen tragen die jungen Leute gerne die schöne Volkstracht – natürlich ermutigen wir sie im Hintergrund dazu. Wir bemühen uns, die Kinder im christlichen Geist zu erziehen: Ich halte Vorbereitungsstunden für die Erstkommunion und Firmung, und die Betrachtungen sind auch über soziale Medien zugänglich, ebenso wie die Gebete und Lieder in bulgarischer Sprache.

– Vielen Dank für das Gespräch!

Historische Daten über die Banater Bulgaren

In seinem mehrbändigen Werk Erbe und Auftrag, das die Geschichte der Diözese Tschanad präsentiert, schreibt der emeritierte Temeswarer Bischof Martin Roos Folgendes über unsere Bulgarischen Mitchristen (Band I/2a, Kap 3, passim).
„Die heutigen Bulgaren sind keine Slawen, eher ein slawisierter türkischer Stamm. Als sie das heutige Bulgarien besetzten, waren sie nur zum Teil Christen. Mittelalterliche Franziskaner, die hier eine Zeitlang ungehindert wirken konnten, gewannen einen kleinen Teil von ihnen für die katholische Kirche. Während des Großen Türkenkrieges leisteten diese Katholiken dem kaiserlichen Heer oft wertvolle Dienste und waren bei dessen Rückzug gezwungen, zwischen Rächung und Flucht zu wählen.
Da durch den Friedensschluß von Karlowitz die Kleine Walachei an den Kaiser fiel, ließ sich ein Teil dieser flüchtenden Bulgaren – viele kamen aus der Gegend von Čiprovac (Tschiprowatz) – hier nieder, während andere nach Osten in die Große Walachei zogen, wo ihre Nachkommen, stark rumänisiert, heute noch in Cioplea und Popeşti-Leordeni bei Bukarest leben, während andere weiterzogen nach Norden, nach Siebenbürgen.
Starke bulgarische Gemeinden lebten Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Râmnicu-Vâlcea oder in Krajowa, wo 1694 zum Beispiel, auch der spätere Bischof von Nikopel und Csanád Frater Nikolaus Stanislavich geboren wurde, ebenfalls Franziskaner. In der Krypta unserer Domkirche ist der Grabstein Bischof Stanislavichs noch erhalten. Die bescheidene Inschrift lautet: Gott dem Dreieinen, dem Besten und Größten (die Ehre!). Hier liegt Frater Nikolaus Stanislavich aus der Bulgarisch-Walachischen Provinz zur Unbefleckten Empfängnis des Ordens des hl. Franziskus der Minderen (Brüder) von der Observanz, Bischof von Csanád, (ein) Sünder. Bittet Gott für ihn!
Anhand ihrer ältesten Matrikelbücher läßt sich heute noch der Weg ihrer abenteuerlichen Wanderung rekonstruieren. Aus ihrer Mitte gingen ständig sowohl Diözesan- wie Ordenspriester hervor.

Ostern, Vinga 1973

Der unglückliche Friedensschluß von Belgrad nach dem Türkenkrieg von 1737/1739 zwang diese Katholiken – sie nennen sich nicht nur Bulgaren, sondern auch Paltjene, Paulizianer, wohl nach einem ihrer großen Missionare – zu weiterer Flucht mit den sich zurückziehenden kaiserlichen Heeren und so kamen sie ins Banat. Hier wies man ihnen die leerstehenden Prädien zu: bei Rekasch, Alt-Beschenowa und Winga. Diese Ereignisse spielten sich 1738/39 ab, als sie, erneut heimatlos geworden, die beste Möglichkeit ergriffen und sich hier, gemäß allerhöchstem Befehl, niederließen. Es ist ein kleines, fleißiges und intelligentes Völkchen mit einem gehörigen Maß an Selbstbewußtsein. Man schreibt mit lateinischen, nicht mit kyrillischen Buchstaben, spricht einen Dialekt, den man nur hier kennt, und pflegt die eigene Tradition mit großer Hingabe. Man ist stolz auf seinen Glauben und hält auch in der Fremde zusammen. Die Bulgaren in unserem Bistum sind gute Gärtner, hervorragende Feinbäcker und verstehen zu wirtschaften.
Außer den beiden großen Pfarreien Alt-Beschenowa und Winga, das 1744 sich Marktprivilegien von Kaiserin Maria-Theresia erkaufte, besiedelten bulgarische Familien Lowrin, Denta, Brestye und Modosch, heute im serbischen Banat; außer in diesen Ortschaften leben kleinere Gruppen in Skorenovac/Székelykeve, Busenje/Káptalanfalva, Belo Blato/Elisenhain, heute alle drei im serbischen Banat gelegen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ließen sich Bulgaren auch in den großen Städten des Banats nieder, wie in Temeswar und Arad, aber auch in Groß-Sankt-Nikolaus, das nahe bei Alt-Beschenowa liegt.“