Die Tradition der Verehrung des hl. Georg, eines Offiziers der römischen Armee, der in eine christliche Familie in Kappadokien hineingeboren wurde und im 4. Jahrhundert n. Chr. als Märtyrer der Christenheit starb, hat auf diesem Gebiet wohl auch dank eines weiteren Heiligen und Märtyrers Wurzeln geschlagen: des hl. Gerhard, des ersten Bischofs der Diözese Tschanad, deren Nachfolgerin heute die Diözese Temeswar ist. Laut der Legenda maior S. Gerardi trug der hl. Gerhard selbst den Namen Georg (bevor er Mönch wurde); in seiner Jugend wurde er im Benediktinerkloster San Giorgio in Venedig ausgebildet, später war er dort Abt, und als er Bischof der Diözese Tschanad wurde, stellte er die von ihm in seiner neuen Bischofsstadt errichtete Kathedrale, unter den Schutz dieses Heiligen.
Nachdem das Gebiet der Diözese von der osmanischen Herrschaft befreit worden war und der Bischofssitz nach Temeswar verlegt wurde, setzte sich diese Tradition fort: Die neue, im Herzen der Stadt ab der Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Kathedrale wurde ebenfalls zu Ehren des hl. Georg geweiht. Das großformatige Altarbild, das den Heiligen auf einem weißen Pferd im Kampf mit dem Drachen zeigt, wurde 1754 von Michael Angelo Unterberger, dem Direktor der Wiener Akademie der schönen Künste, geschaffen. Es sei hier jedoch erwähnt, dass auch Temeswar bereits um das Jahr 1323, also während der Regierungszeit von König Karl Robert von Anjou, über eine große Kirche verfügte, die dem Heiligen Georg geweiht war.
Heuer wurde das Patrozinium unserer Domkirche am 23. April nicht nur mit einem feierlichen Hochamt begangen, sondern auch mit zwei geistlichen und gemeinschaftlichen Programmen: vormittags mit der Eröffnung der Ausstellung Millennium Csanadiense 1030–2030 im Hohen Dom zum Hl. Georg und nachmittags mit dem Treffen der Priester aus den Diözesen Szeged‑Tschanad, Zrenjanin/Großbetschkerek und Temeswar – den Nachfolgerinnen der historischen Diözese Tschanad – in der Aula Magna des Römisch‑Katholischen Theologischen Lyzeums Gerhardinum.

„Wenn das Leben des Priesters authentisch ist, atmet die Kirche leichter“
Bei diesem Treffen verfolgten rund 60 Priester aus den drei Diözesen einen Vortrag von Pfarrer Dr. László Bakó, Pfarrer von Iratoșu und Dozent an der Römisch‑Katholischen Theologischen Fakultät der Babeș‑Bolyai‑Universität in Klausenburg sowie am Theologischen Institut in Karlsburg, und nahmen anschließend an Kleingruppengesprächen teil.
Thema des Vortrags war das Apostolische Schreiben von Papst Leo XIV. „Eine Treue, die Zukunft schafft“, das 2025 anlässlich des 60‑jährigen Jubiläums der Konzilsdekrete Optatam totius und Presbyterorum ordinis des Zweiten Vatikanischen Konzils veröffentlicht wurde. Pfarrer Dr. Bakó betonte: „Wie Papst Leo XIV. hervorhebt, sind die Dekrete Optatam totius und Presbyterorum ordinis aus einem einzigen Atemzug der Kirche hervorgegangen. Daher können wir sagen: Wenn das Leben des Priesters authentisch ist, atmet die Kirche leichter.“
Er erinnerte auch daran, dass der Heilige Vater vor allem die Dankbarkeit für das Zeugnis und die Hingabe der Priester hervorhebt, „die überall auf der Welt ihr Leben hingeben, das Opfer Christi in der Eucharistie feiern, das Wort verkünden, Sünden vergeben und sich Tag für Tag großzügig ihren Brüdern und Schwestern widmen, indem sie deren Gemeinschaft und Einheit fördern und sich besonders um jene kümmern, die am meisten leiden und in Not leben.“
Das Schreiben ist um mehrere Themen aufgebaut: Treue und Dienst, Treue und Brüderlichkeit, Treue und Synodalität, Treue und Sendung, Treue und Zukunft. Am Ende hob Dr. Bakó die tiefsten Mahnungen des Heiligen Vaters hervor: Treue bedeutet nicht Unbeweglichkeit; ständige Weiterbildung ist kein Luxus, sondern hält die Berufung lebendig; Brüderlichkeit ist kein optionaler Zusatz, sondern Teil der priesterlichen Identität; Synodalität richtet sich nicht gegen das Priestertum, sondern gegen priesterliche Selbstbezogenheit; und die priesterliche Identität erschließt sich aus der Sendung.

„Heute feiern und beten wir in Gemeinschaft“
Mit diesen Worten begrüßte S. E. Bischof Josef Csaba Pál die Priester und Gläubigen, die an der feierlichen Pontifikalmesse um 18.00 Uhr im Hohen Dom St. Georg teilnahmen. Konzelebranten waren S. E. Mirko Štefković, Bischof von Zrenjanin/Großbetschkerek, S. E. Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar, Msgr. Lajos Kondé, Bischofsvikar der Diözese Szeged‑Tschanad, Mitglieder des Domkapitels sowie Priester aus den drei Diözesen. Die musikalische Gestaltung übernahmen der Exultate‑Chor der Kathedrale unter der Leitung von Róbert Bajkai‑Fábián, Domorganist, sowie der ökumenische Jugendchor „Harmonia Christi“ unter der Leitung des Musiklehrers Iustin Călin.
Das Evangelium des Festtages wurde vom ständigen Diakon Péter Baum verkündet.
In seiner dreisprachigen Predigt (Rumänisch, Ungarisch, Deutsch) sagte Pastoralvikar Pfarrer Zsolt Szilvágyi: „Jesus sagt: ‚Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde.‘ Diese tiefe Freude kommt aus der Gewissheit, dass Gott mich liebt. Lassen wir uns in seiner Gegenwart stärken: im Gebet, in der Eucharistie, beim Lesen des Evangeliums und indem wir es in die Tat umsetzen. Der Weg der Gebote Gottes ist nicht immer leicht. Sicherlich irren wir uns manchmal. Aber kehren wir zu Ihm zurück. Fürchten wir uns nicht vor der Beichte, denn ein reines Gewissen schenkt Freude und Frieden.“
Am Ende der Heiligen Messe richtete S. E. Mirko Štefković, Bischof von Zrenjanin/ Großbetschkerek, einige Worte an die Anwesenden und sagte: „Der Psalmist spricht: ‚Wie gut und wie schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen!‘ Heute durften wir diese Worte erleben. Deshalb möchte ich den Hochwürdigsten Herren Bischöfen und allen danken, die diesen schönen gemeinsamen Tag organisiert haben. Am Vormittag konnten wir bei der Ausstellungseröffnung viel über unsere Vergangenheit lernen, und am Nachmittag konnten wir gemeinsam mit unseren Mitbrüdern im priesterlichen Dienst unsere Gegenwart betrachten. Nun, gestärkt durch die Heilige Messe, blicken wir in die Zukunft.“
Zum Abschluss stellten zwei Priester aus den Nachbardiözesen – Pfarrer József Mellár, Generalvikar der Diözese Zrenjanin/Großbetschkerek, und Pfarrer István Kopasz, Pfarrer von Mórahalom in der Diözese Szeged‑Tschanad – kurz die pastoralen Arbeitsfelder ihrer Diözesen vor.
Nach dem Schlusssegen waren die anwesenden Priester zu einer brüderlichen Agape im Bischöflichen Ordinariat eingeladen.
Im Licht dieses Tages der Gnade wurde das Treffen der Priester aus den drei Diözesen zu einem lebendigen Zeugnis der brüderlichen Verbundenheit unter den Priestern. Im Gebet, im Dialog und im Austausch pastoraler Erfahrungen wurde deutlich, was der Heilige Vater immer wieder betont: Der Priester lebt und dient niemals allein. In der Brüderlichkeit, im Gehorsam gegenüber dem Heiligen Geist und in der jedem anvertrauten Sendung findet die Kirche ihre Kraft und ihre Hoffnung.

Pressestelle der Diözese Temeswar