Das vorletzte Treffen der Teilnehmer des Kurses, der im großen Saal des Salvatorianerklosters in Temeswar-Elisabethstadt unter der Leitung von Dr. Theol. Imogen Tietze, Bildungsreferentin der Diözese Temeswar, stattfindet, wurde am Samstag, dem 21. März d.J., zwischen 10.00 und 16.00 Uhr (mit Mittagessen) abgehalten. Die Hauptthemen des Tages waren die Umwandlung Judäas in eine römische Provinz nach dem Tod von König Herodes dem Großen, das Konzept der messianischen Könige, der Große Jüdische Aufstand sowie der Fall Jerusalems.

Die Vorstellung eines von Gott gesalbten Königs (mashiach = der Gesalbte) entstand bereits in der Zeit der Könige von Israel und Juda, von denen David und Salomon die bekanntesten sind. Nach der Teilung des Reiches (Israel im Norden, Juda im Süden) wurden die Gestalten dieser beiden Könige idealisiert, und die Propheten wie auch das Volk begannen von einem zukünftigen König zu sprechen, der ihnen ähnlich sein würde, aus dem Hause Davids hervorgehen, das alte Reichsgebiet wiederherstellen, Gerechtigkeit und Frieden bringen und das Volk im Namen Gottes führen würde. Diese Erwartungen verstärkten sich umso mehr, je schwieriger die politische Lage wurde. So versuchten bereits Herodes der Große – der faktisch als Vasall Roms herrschte – und einige seiner Nachfolger, sich das Bild eines von Gott gesandten Königs zu geben. Nach dem Tod von Herodes dem Großen musste die Thronfolge geregelt werden. In seinem Testament bestimmte er drei seiner Söhne, Herodes Antipas, Philippus und Archelaus zu Erben. Da sie jedoch nicht ohne die Zustimmung des römischen Kaisers regieren konnten, reiste Archelaus nach Rom, um diese Genehmigung zu erhalten. Diese Reise des Archelaus wird in zwei Gleichnissen erwähnt: im Lukasevangelium 19, 11–17 und im Matthäusevangelium 25, 14–30 – erklärte Frau Dr. Imogen Tietze. Sie betonte, dass ein Gleichnis keine Allegorie sei. „Ein Gleichnis ist immer konzentriert auf einen Vergleichspunkt, aus dem die beabsichtigte Lehre zu erschliessen ist. In einer Allegorie hingegen hat jede Figur eine symbolische Bedeutung. So kann beispielsweise der König, der im Gleichnis als hart und streng beschrieben wird, nicht mit Gott oder mit Jesus Christus identifiziert werden“, erläuterte Frau Dr. Tietze.

Aus der chronologischen Tabelle dieser Epoche erfuhren die Kursteilnehmer unter anderem:

Um die Jahre 1–2 n.Chr. ließ Philippus, der Sohn von Herodes dem Großen und Tetrarch, die Städte Julias (auch bekannt als Betsaida, Heimat der Apostel Petrus, Andreas und Philippus) sowie Paneas bzw. Cäsarea Philippi ausbauen. Dort bekannte der Apostel Petrus Jesus als den Messias: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“

Zwischen 6–15 n.Chr. wurde Paulus in Tarsus geboren. Er war Schüler des Gamaliel.

Um das Jahr 17 n.Chr. gründete Herodes Antipas die Stadt Tiberias.

Zwischen 26–36 n.Chr. war Pontius Pilatus römischer Statthalter (Prokurator) von Judäa.

Im Jahr 27 n.Chr. heiratete Herodes Antipas Herodias, die Frau seines Halbbruders Philippus, obwohl er bereits mit der Tochter des nabatäischen Königs verheiratet war. Dafür wurde er vom hl. Johannes dem Täufer kritisiert.

Um das Jahr 35 n.Chr. kam es zum samaritanischen Aufstand auf dem Berg Garizim, bei dem auf Befehl von Pontius Pilatus viele Samaritaner von römischen Soldaten getötet wurden.

Im Jahr 43 oder 44 n.Chr. ließ Agrippa I. Jakobus, den Bruder des Johannes töten und den Petrus gefangen nehmen, da er glaubte, damit christenfeindlichen jüdischen Kreisen einen Gefallen zu tun (Apg 12). Die Spaltung zwischen Christen und Juden begann sich zu vertiefen.

Auch die Spannungen zwischen Juden und Rom verschärften sich, ebenso der Wunsch des jüdischen Volkes nach nationaler und religiöser Unabhängigkeit. So brach im Jahr 66 n.Chr. ein jüdischer Aufstand in Alexandria aus, gefolgt von Unruhen in Jerusalem und Cäsarea. Der Konflikt weitete sich aus und gipfelte in der Belagerung Jerusalems und der Zerstörung des Zweiten Tempels im Jahr 70 n.Chr. durch die Truppen des Titus, Sohn des Kaisers Vespasian.

In der Diskussion in Kleingruppen wurde ein Ausschnitt aus dem ersten Brief des heiligen Apostels Paulus an die Thessalonicher besprochen. Dieser ist das älteste Dokument des Neuen Testaments und damit der früheste erhaltene christliche Text. Er wurde etwa 52 n.Chr. in Korinth verfasst (vgl. Apg 17–18). Der Brief ist älter als die Evangelien sowie älter als die Briefe an die Römer, Galater oder Korinther. Er stellt das erste schriftliche Zeugnis über den Glauben an die Auferstehung Christi und das Leben der frühen christlichen Gemeinschaft dar.

Das letzte Treffen des Kurses findet am 18. April d.J. statt.

Pressestelle der Diözese Temeswar