Kurze Geschichte des Hauptaltarbildes in der Kathedrale unseres Bistums

Für den neuerbauten Dom zu Temeswar schuf Michael Angelo – er selber unterschieb auch als Michael Engel – Unterberger, der Direktor der Wiener Kunstakademie, das große Bild zum Hochaltar, das den hl. Georg hoch zu Roß und den Drachen tötend, zeigt. Unterberger, der aus einer südtiroler Familie stammte und zu Fleims, heute Cavalese genannt, am 11. August 1695 getauft wurde, gehört zu den herausragenden Malerpersönlichkeiten des Barock.
Der hl. Georg, bereits vom ersten Bischof der Diözese Csanád zum Schutzpatron der Kathedrale erwählt, war dreimal Thema für verschiedene Arbeiten im Atelier des Wiener Direktors Unterberger: Als Fahnenbild der Sattlerzunft – heute im Historischen Museum der Stadt Wien –, als Seitenaltarbild in der Pfarrkirche zu Stotzing im Burgenland, sowie als Hochaltarbild für den Dom zu Temeswar, die Kathedrale der alten Diözese Csanád.
Das Bild, das bis in die Farbgebung hinein bei allen dreien das gleiche ist, wurde am 16. Januar 1754 in Auftrag gegeben und binnen kurzer Zeit fertiggestellt, denn Anfang September war es bereits in Temeswar. Der Meister war laut Vertrag verpflichtet, nach Fertigstellung desselben, dieses gut in eine Kiste zu verpacken und es an den Wiener Donauhafen bringen zu lassen, von wo es auf dem Wasserweg wohl bis Pantschowa gebracht wurde und von dort auf dem Landweg nach Temeswar kam.
Der schwarze Rahmen, der es heute umfaßt, ist allerdings nicht mehr der originale. Das Bild stellt den hl. Georg hoch auf einem Schimmel, in einen weiten, flatternden roten Umhang gehüllt, in Ritterrüstung, mit der Linken die Zügel des Pferdes haltend und mit der Rechten den Speer sicher durch das weit aufgesperrte Maul und den Rachen des Drachen stoßend, dar. Vor dem Drachen liegen Totenschädel und verstreute Knochen umher, während am linken Bildrand die schon zurückweichende hl. Margareta mit Krone auf dem Haupt in Dreivierteldarstellung zu sehen ist. Über der Szene schwebt ein großer Engel aus dem himmlischen Lichtglanz herab mit einer Märtyrerpalme in der Linken und einem Lorbeerkranz in der hocherhobenen Rechten. Von den umgebenden Engelsköpfchen stammen die beiden unteren Paare nicht von der Hand des Meisters. Das Bild wurde zu späterer Zeit an einigen Stellen übermalt.
Zu unserem Bild gibt es auch zwei Ölskizzen: die eine in der Sammlung der Magnifica Communità von Fleims/Cavalese, die wohl die ursprünglichere ist – nach dem Urteil von Dr. Johann Kronbichler, dem besten Kenner Unterbergers – und eine im Städtischen Museum zu Schwäbisch-Gmünd in Baden-Württemberg. Beide entstanden wohl um 1753/54.

(Martin Roos, Erbe und Auftrag, Band I,2a, Kap. 4)

Im Rahmen des Renovierungsprojekts der Domkirche wird auch das Hauptaltarbild, gerade in dieser Zeitspanne, aufwändigen Restaurierungsmassnahmen unterzogen.

Pressebüro der Diözese Temeswar