In der Temeswarer Domkirche wird am Donnerstag, dem 23. April, um 11 Uhr die nächste Etappe der Ausstellungsreihe MILLENNIUM CSANADIENSE MXXX–MMXXX eröffnet. Die Schau, die dem nahezu tausendjährigen Bestehen des im Jahr 1030 gegründeten alten Bistums Tschanad gewidmet ist, präsentiert bis zum Jubiläumsjahr 2030 jährlich eine weitere historische Epoche des einstigen Bistums sowie der drei Diözesen – Temeswar, Szeged-Csanád und Großbetschkerek/Zrenjanin –, die nach dem Friedensvertrag von Trianon (1920) auf seinem ehemaligen Gebiet entstanden sind. Auch diese Ausstellung wird gemeinsam von den drei Schwesterdiözesen organisiert. Über die Vorbereitungen und das Ausstellungsmaterial sprachen wir mit S. E. Martin Roos, dem emeritierten Bischof von Temeswar und Koordinator der Arbeitsgruppe für die Jubiläumsausstellung.
– Hochwürdigster Herr Bischof, die Ausstellung des vergangenen Jahres führte die Besucher von der Gründung des Bistums Tschanad im Jahr 1030 bis 1552, dem Beginn der osmanischen Herrschaft. Setzt die diesjährige Ausstellung diese zeitliche Linie fort?
– Ja. Die diesjährige Ausstellung umfasst jene Jahrzehnte – genauer gesagt die 164 Jahre –, die von der Einnahme Temeswars im Jahr 1552 und der Unterstellung des gesamten Bistumsgebiets unter osmanische Herrschaft bis zu seiner Befreiung im Jahr 1716, beziehungsweise bis zum Abschluss des Friedens von Požarevac/Passarowitz am 21. Juli 1718 vergingen.
– Welche Institutionen haben das Material für die Ausstellung zur Verfügung gestellt?
– Wir möchten an dieser Stelle unseren aufrichtigen Dank all jenen Privatpersonen und Institutionen aussprechen, die zum Zustandekommen der Ausstellung beigetragen haben: das Apostolische Archiv des Vatikans, die Bayerische Staatsbibliothek in München, das Kloster- und Pfarrarchiv von Maria Radna, das Franziskanerkloster Szeged-Alsóváros (Untere Stadt), das Nationalmuseum des Banats in Temeswar sowie die Bibliothek, das Archiv und die Sammlungen der Römisch-Katholischen Diözese Temeswar.
– Welches Material ist in der Ausstellung zu sehen?
– Die Jahre der osmanischen Herrschaft im Bistum Tschanad waren äußerst bewegte Zeiten. Ein Teil der katholischen Gläubigen und der Priester floh, doch viele blieben. Die Realität und die Ereignisse jener Jahrzehnte wurden von Historikern seit dem 19. Jahrhundert bis heute erforscht, und zahlreiche Bücher und Studien sind erschienen. So wurde das Gebiet des Bistums Tschanad in jener Zeit mehrfach von Missionspriestern und Missionsbischöfen bereist, die hier seelsorglich tätig waren und regelmäßig Berichte über die Lage an den Heiligen Stuhl sandten. All diese Berichte befinden sich im Archiv des Heiligen Stuhls. Daher war es nicht schwierig, das Material zusammenzustellen. Im Vergleich zur Ausstellung des Vorjahres erwarten die Besucher heuer mehr Tafeln, insgesamt 36. Was die Themen betrifft, habe ich versucht, ein umfassendes Bild des damaligen religiösen Lebens und der Situation der Ortskirche zu vermitteln. Die ersten Tafeln zeigen die Arbeit und die Reisen der Missionsbischöfe. Die südungarischen Diözesen – von Fünfkirchen/Pécs bis Tschanad/Csanád und sogar über Temeswar hinaus, genauer gesagt das Gebiet zwischen Drau, Save, Donau und Theiß bis zu den Südkarpaten – unterstanden damals der Jurisdiktion des Bischofs von Belgrad-Semendria (Semendrien), da der örtliche Diözesanbischof von den Türken nicht in das Gebiet seiner Diözese gelassen wurde. Aus den ausführlichen Berichten der Missionsbischöfe wissen wir taggenau, wohin sie reisten und was sie taten: sie firmten, zelebrierten hl. Messen, tauften und predigten. Nach Temeswar kam erstmals im Jahr 1572, zwanzig Jahre nach dem Fall der Festung, Bonifatius Stivanić, Bischof von Ston in Dalmatien, ein Franziskaner aus Ragusa/Dubrovnik, der im Auftrag von Papst Gregor XIII. als apostolischer Visitator entsandt wurde. Die seelsorgliche Betreuung der verbliebenen katholischen Gläubigen übernahmen zunächst Weltpriester, später Ordenspriester, vor allem Franziskaner und Jesuiten. Auf den Tafeln findet sich außerdem ein Verzeichnis der türkischen Paschas sowie die Vorstellung dreier in Temeswar geborener osmanischer Geschichtsschreiber: ‘Alī, der Siegelbewahrer des älteren Ca‘fer Pascha, ʽOsman Ağa und Ibrahim Na‘imeddin, der um 1702 hier geboren wurde. Die letzten Tafeln sind der Befreiung Temeswars und des Bistums sowie dem Frieden von Požarevac/Passarowitz gewidmet, als die Türken mit großem Schmerz vermerkten: „Ah, gitdi Tımıșvar elimizden!“ – „Ach, Temeswar ist uns verloren!”.
– Was für Neuigkeiten oder interessante Aspekte können die Besucher noch entdecken?
– Zum Beispiel wurde nun klar, auf welchen Wegen die Briefe der Missionare damals zum Heiligen Stuhl gelangten und wie die Antworten nach Temeswar zurückkamen. Eine Route führte über Land: Rom, Venedig, Wien, Budapest, Arad, Temeswar. Die andere Route verlief über das Meer: von Rom nach Ancona, einem italienischen Hafen, oder nach Venedig, von dort nach Dubrovnik und anschließend über Belgrad nach Temeswar. Aus den Berichten geht auch hervor, dass die Missionare – vor allem die Franziskaner – nach Konstantinopel reisten, um Genehmigungen für Kirchenbau, Renovierungen, Steuererhebungen und anderes zu erhalten. Wie gelangten sie dorthin? Aus einem Brief erfahren wir, dass der katholische Leibarzt des Sultans, ein gewisser Dr. Vincenzo Timoné, als Vermittler fungierte und bei der Beschaffung der Genehmigungen half. Natürlich kam es vor, dass man bei der Rückkehr auch den örtlichen türkischen Behörden etwas bezahlen musste, damit diese Genehmigungen anerkannt wurden – mit anderen Worten: es brauchte Tschubuk/ Schmiergeld. Auch dies ist ein neuer Aspekt, der die damalige Situation gut charakterisiert. In jener Zeit wurden auf diese Weise Kirchen in Radna, Rekasch und Bobda gebaut, jedoch außerhalb der Ortschaft, da die örtlichen osmanischen Behörden für das, was außerhalb des Dorfes geschah, keine Verantwortung übernahmen. In Rekasch verband man die Kirchweihe mit Priesterweihen und Primizfeiern. Erwähnenswert ist auch, dass im Jahr 1579 drei junge Männer zu Fuß aus dem Bistum Tschanad in das weit entfernte Lelesz – im heutigen Südosten der Slowakei – aufbrachen, zur Propstei, in der der damalige Diözesanbischof Balthasar Melegh lebte, um von ihm zu Priestern geweiht zu werden. Dies wissen wir aus den Tagebuchaufzeichnungen eines Jesuitenpaters aus der Umgebung. Es ist ein beredtes Beispiel für den selbstlosen Einsatz der damaligen Priester, die bei der kleinen Zahl der Gläubigen ausharrten. In Loreto, Italien, gab es ebenfalls ein Kolleg, in dem junge Männer aus dem Bistum Tschanad studierten. Zugleich hatten die meisten Priester, da es nur wenige gab, weltliche Helfer, die sogenannten Lizenziaten. Nach einer Grundausbildung beim Pfarrer wurden sie vom Diözesanbischof geprüft und predigten dann in den Pfarreien und Filialen, tauften, assistierten bei Eheschließungen und unterrichteten an katholischen (Dorf)Schulen, wodurch sie das religiöse Leben in den Gemeinden aufrechterhielten. Im Wesentlichen ist es dem aufopferungsvollen Wirken der ausländischen Missionsbischöfe sowie der örtlichen Priester und Laien zu verdanken, dass der katholische Glaube in jenen unruhigen Zeiten in dieser Region erhalten blieb. Aus dem Bericht eines Missionsbischofs geht schließlich auch hervor, worüber Historiker schon länger diskutierten: Wie viele Türme hatte die Kathedrale von Tschanad? Bischof Mato Benlić schreibt: „Die Kathedrale des Bischofs von Tschanad (vescovo Canadiensi!) war eine schöne Kirche (è stata bella chiesa) mit vier Glockentürmen (campanile), wird jedoch derzeit teilweise als Moschee und teilweise als Getreidespeicher (granaro) der Festung genutzt.“
– Hochwürdigster Herr Bischof, wann begann die Sammlung des Materials für die diesjährige Ausstellung?
– Das ist im Grunde eine kontinuierliche Arbeit – man könnte sagen, sie hat bereits vor Jahrzehnten begonnen. Immer wenn ich während meiner Forschungen zufällig auf etwas Interessantes stieß, habe ich es vermerkt und für mich festgehalten.
– Nach welchem Programm kann die Ausstellung besichtigt werden?
– Die Eröffnung der zweiten Etappe der Ausstellung MILLENNIUM CSANADIENSE MXXX–MMXXX findet am Donnerstag, dem 23. April, um 11 Uhr in der Temeswarer Domkirche/Kathedrale zum Hl. Georg statt. Nach unseren Plänen wird die Ausstellung bis Ende Juli ebenfalls hier, in der Kathedrale, zu sehen sein; anschließend wird sie nach Szeged überführt.
– Wir danken Ihnen für das Gespräch.
Pressestelle der Diözese Temeswar










