In dem hellen Raum, auf dem kleinen, aber praktischen Schreibtisch, der in der Nähe des Fensters steht, befinden sich viele Zettel mit ordentlich und sorgfältig geschriebenen Notizen: Namen, Zitate, Kommentare oder nützliche Informationen. – „Ich höre Radio und schreibe alles auf, was ich in den Sendungen interessant finde, denn die Worte fliegen, aber das Geschriebene bleibt und es hilft mir später, mich daran zu erinnern“ – erklärt Pfr. i.R. Péter Pál Tamáskó, Domherr, die Existenz der Notizen und schiebt den Zeitungsstapel, auf dem Tisch, beiseite, um Platz für den Besucher zu machen.
Wann immer er aufgrund von Versetzungen von einer Gemeinde in eine andere umziehen musste, füllten Bücher, Schallplatten, CDs und Zeitungen viel mehr Kartons als seine anderen persönlichen Besitztümer, und diejenigen, die ihm nahe standen, wussten, dass es lange dauerte, bis er für jeden Gegenstand einen Platz in seinem neuen Zuhause fand. Und wie es die Notizen auf seinem Schreibtisch zeigen, sind seine Liebe zur Kultur, seine Weltoffenheit und sein ständiger Wissensdurst noch immer grundlegende Eigenschaften von Professor Tamáskó, der jetzt sein Goldenes Jubiläum, den 50. Jahrestag seiner Priesterweihe, erreicht hat.
Arad, Rom, Alba Iulia/ Karlsburg, Temeswar – wichtige Stationen auf dem priesterlichen Weg, den der junge Péter Pál Tamáskó Mitte der 1960er Jahre sich wählte. Er war Theologiestudent im vierten Jahr, als der Diener Gottes, Áron Márton, Bischof von Siebenbürgen, 1969 aus Rom mit vier Stipendien für Theologiestudenten aus Karlsburg zurückkehrte. Zusammen mit László Vencser, Árpád Szabó und György Jakubinyi reiste Péter Pál Tamáskó in die Ewige Stadt, um sein Studium an der Fakultät für Kirchenrecht der renommierten Päpstlichen Universität Gregoriana, kurz Gregoriana genannt, fortzusetzen. Die Priesterweihe empfing er am 10. Oktober 1972 in der Kirche St. Ignatius in Rom durch den Wiener Erzbischof Franz Kardinal König. Er kehrte 1978 aus Rom zurück und begann seine Lehrtätigkeit am Römisch-Katholischen Theologischen Institut in Karlsburg, auch Seminarium Incarnatae Sapientiae genannt. Hier arbeitete Péter Pál Tamáskó als Professor für Kirchenrecht und Liturgik. Nach mehr als zehn Jahren wurde er 1990 Mitglied des Diözesangerichts des Bistums Temeswar und kehrte am 30. August 1992 in die Diözese, in der Pfarrei Lugosch zurück. Im selben Jahr wurde er als Pfarrer dieser Stadt und zum Ehrendomherr ernannt. Im August 2000 wurde er in die Pfarrei Neuarad versetzt, wo er auch die Würde des Erzdechants des Erzdekanats an der Marosch übernahm. Zwei Jahre später, am 19. Mai 2002, wurde er Mitglied des Temeswarer Domkapitels und bekleidete das Amt des Canonicus Lector. Im selben Jahr, am 24. Juli 2002, wurde er in die Pfarrgemeinde Temeswar II. Fabrikstadt berufen und wurde Seelsorger der Millenniumskirche, der größten Pfarrkirche der Stadt. In kurzer Zeit brachte er die italienische Gemeinde von Temeswar hier zusammen, und in der Kirche fanden mehrere Konzerte statt. Gleichzeitig nahm Kanonikus Tamáskó aktiv an den von der Diözese Temeswar organisierten Fortbildungskursen für Laienmitarbeiter und Gläubige teil und hielt Vorträge. Er unterrichtete sowohl in Klassenzimmern als auch von der Kanzel aus oder wann immer er die Gelegenheit hatte, sein Wissen an jüngere Menschen oder Lernwillige weiterzugeben. Für seine ehemaligen Studenten ist er immer noch „Herr Professor“, bei dem dank seines besonderen Humors auch Scherze und Heiterkeit erlaubt sind.
Anlässlich des 50. Jahrestages seiner Priesterweihe haben wir Péter Pál Tamáskó um ein Interview gebeten.
– Vor der Priesterweihe wählen sich die jungen Theologiestudenten ein Motto. Wie kann man die Richtung, in die dieses Motto weist, ein Leben lang beibehalten und verfolgen?
– Als ich 1972 in Rom von Kardinal Franz König zum Priester geweiht wurde, verwendete ich zwei Mottos auf den Einladungen und Heiligenbildchen, die ich an alle mir bekannten Menschen verschickte: „Ich bin allen Menschen alles geworden“. (1 Kor 9,22) und „…ich wollte nichts anderes kennen als Jesus Christus, und den als Gekreuzigten.“ (1. Kor 2,2). Beide Zitate erschienen mir so aussagekräftig und passend, dass ich mich nicht nur für eines entscheiden konnte, sondern für beide. Denn, lasst uns der Reihe nach vorgehen: Ich bin allen Menschen alles geworden – das heißt, meine Mission ist für alle Menschen. Wenn wir etwas geben wollen, müssen wir zunächst herausfinden, was andere am meisten brauchen – geistige Unterstützung, Verständnis, Stärkung im Glauben oder auch Informationen – und ihnen damit helfen. Der Priester muss wissen, was in seinem Umfeld und in der Welt geschieht. Während meiner Studienzeit hatte ich die Gelegenheit, Menschen zu treffen, die mehr als nur Vorbilder waren: Bischof Áron Márton, Papst Paul VI, Kardinal Franz König, Kardinal Josef Höffner… Ich bin schon allein für die Tatsache dankbar, dass ich sie kennen gelernt habe. Aber sie waren für mich da, sie haben mich mit ihren Gebeten und ihrer Freundschaft unterstützt und mich in meinem Entschluss bestärkt: Ich will nur Christus, den Gekreuzigten, kennen lernen. Es ist wichtig, das Evangelium zu lehren, die Wahrheit zu kennen und weiterzugeben, sowohl von der Kanzel als auch im täglichen Leben. So sind die beiden Mottos miteinander verbunden: in ständigem Kontakt mit den Menschen sein, ihnen zuhören und die Lehre Christi verkünden.
– Wie haben die Studienjahre in Rom Ihre späteren Aktivitäten und Ihren Dienst beeinflusst?
– Als ich 1970, fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils, nach Rom kam, lebte Papst Paul VI. noch. Die lateinischen Konzilsdokumenten waren inzwischen ins Italienische übersetzt worden, so dass dem Lernen im Geiste des Konzils nichts mehr im Wege stand. In Rom fanden wir eine moderne Kirche vor, was eine große Veränderung gegenüber dem war, was wir zu Hause erlebt hatten. Während meiner Uni-Kurse habe ich mir viele Notizen gemacht, und als ich als Professor am Theologischen Institut nach Hause zurückkehrte, hatte ich großes Glück mit ihnen. Es gab nur wenig Material, vom Konzil, in ungarischer Sprache, Auslegungen und Erklärungen waren nicht vorhanden, so dass ich viel Zeit damit verbrachte, das für Theologiestudenten Wichtige vom Italienischen ins Ungarische zu übersetzen. Da ich damals, in den späten 1970er Jahren, kaum etwas von Computern gehört hatte, tippte ich das gesamte Material ab. Erst dann konnte ich sie unterrichten und die notwendigen Erklärungen hinzufügen. Als wir nach Hause zurückkehrten, erhielten wir alle Unterstützung, die wir brauchten, von der Kirchenleitung und von Bischof Áron Márton. Allerdings hatte die Staatsmacht das religiöse Leben so sehr unterdrückt, dass die neue Kirchenvision und die Ideen des Konzils die Priester kaum erreichten. Daher wurde die Aufgabe gestellt, die Lehre des Konzils all jenen bekannt zu machen und zu vermitteln, die vor allem aufgrund dieser Umstände den Kontakt zur Kirche verloren hatten, wenig (oder gar keine) religiöse Kultur und keine Kenntnis des Christentums besaßen.
– Hochwürdiger Domkapitular, wo haben Sie Ihre Jubiläums-Dankmesse gefeiert?
– Am Montag, den 31. Oktober, in der Erzbischöflichen Kathedrale in Karlsburg! Der 31. Oktober ist das Fest des Seligen Todor Romzsa, griechisch-katholischer Bischof und Märtyrer aus Mukatschewo, der am Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom und später am Collegium Russicum studiert hat. Wir haben seinen Gedenktag wegen des Russisch-Ukrainischen Krieges gewählt. Und warum Karlsburg? Vor allem wegen des Bischofs Áron Márton. Zur Dankesmesse habe ich die ehemaligen Absolventen des Collegium Germanicum et Hungaricum eingeladen: Erzbischof Gergely Kovács, Spezialist für kanonischen Recht, den emeritierten Erzbischof György Jakubinyi und Weihbischof László Kerekes.
– Was waren Ihre schönsten Erinnerungen an die letzten fünfzig Jahre?
– Ich denke gerne an all diese Jahre zurück: an meine Zeit in Karlsburg als Professor und an meine Jahre als Pfarrer in den Kirchengemeinden. Für die Diözese da zu sein… das war mein Leben. Gott tut alles zum Wohle des Menschen. Ich denke dabei an die Art und Weise, wie Gott mein Leben geordnet hat, an die Art und Weise, wie er mich in verschiedene Gemeinden geschickt hat. Als ich die imposante Millenniumskirche betrat, kniete ich vor dem Hauptaltar nieder, auf dem die Gottesmutter abgebildet ist, und fragte: „Gott, was soll ich von nun an tun?“ Gott hat mir nicht mit Worten geantwortet, aber er hat mich geführt. Und er hat immer Leute eingesetzt, die mich unterstützen.
– Hochwürdiger Domkapitular, wie würden Sie die jungen Menschen von heute ermutigen, sich für die Priesterberufung zu entscheiden?
– Wenn ein junger Mann den Ruf Gottes hört, soll er ihm folgen! Er soll nicht zu viele Fragen stellen, er soll sich nicht sorgen, sondern Gott vertrauen. Er ist unser Gott, der uns in Jesus Christus als Freund und Bruder zur Seite steht und uns eine wunderbare Mutter, Maria, und einen Vater in der Person des heiligen Josef geschenkt hat.
– Hochwürdiger Pfr. Tamáskó, ich danke Ihnen für Ihre Zeit und fürs Interview!
x x x
Anlässlich des Priesterjubiläums beglückwünschte Seine Exzellenz Josef Csaba Pál, Diözesanbischof von Temeswar, Kanonikus Péter Pál Tamáskó mit den folgenden Worten:
Mein lieber Altarbruder und Jubilant!
Während Sie nun dem Herrn mit einem Herzen voller Dankbarkeit für Ihre Berufung und für die Gnade der letzten fünfzig Jahre priesterlichen Dienstes danken, schließen sich Ihnen die Priester und Gläubigen, die mit Ihnen feiern, die ganze Diözese an und danken Ihnen für Ihren treuen und aufrichtigen Dienst: Ihre Fürsorge und Sorge für Jung und Alt, für die Kranken und Leidenden.
Ich wünsche Ihnen, dass der himmlische Vater, der uns zu seinem Dienst ruft, Ihr Lohn, Ihre Ermutigung und Ihr Trost sein möge.
† Josef,
Bischof
Pressestelle der Diözese Temeswar










