„Bereits auf dem Konzil von Vienne in Frankreich 1311/1312 wurde der Beschluß gefaßt, den bedrängten Christen im Heiligen Land zu helfen und die Christenheit – einschließlich des Klerus – mit dem Zehnten, dem zehnten Teil des Einkommens, zu besteuern. Da man aber Ungarn zunächst vergessen hatte, kamen die ersten Zehnteinnehmer erst 1332 ins Land. Es waren dies die beiden Priester Jacobus Berengarii und Raimundus de Bonofato, die Papst Johannes XXII., der damals in Avignon residierte, entsandt hatte. In die Diözese Csanád kam Jacobus Berengarii.
Die Listen, die damals zusammen mit dem Geld nach Rom gingen, sind erhalten geblieben und gewähren einen einzigartigen Einblick in die gesamte Struktur der Kirche im Königreich Ungarn. Dieses hatte damals zwei Erzbistümer und 12 Bistümer. Das Register bringt die Diözese Csanád an dritter Stelle und überschreibt den Text mit Regestrum trium annorum ecclesiae Chanadiensis / Register dreier Jahre der Kirche [=Diözese] von Csanád. Die Angaben erstrecken sich auf die Jahre 1333-1335, wobei die Daten von 1334 sehr undeutlich sind und zumindest teilweise Eintragungen aus zwei verschiedenen Jahren enthalten.
Das Register der Diözese Csanád beginnt mit dem Domkapitel und zählt folgende Archidiakonate mit ihren Pfarreien, Pfarrern und der bezahlten Summe Geldes auf:
Archidiakonat Pfarreien: 1333 1335
Arad 31 26
Bega, nördlich der 26 27
Csanád 20 16
Karasch 5 –
Marosch, nördlich der 8 4
Sebesch 7 7
Temesch/Bega 17 15
Temesch/Berzawa 21 17
Torontal 18 13
Schon aus dem Wenigen, das hier gesagt wird, gehen einige Anhaltspunkte hervor:
– Das Register beginnt mit dem Domkapitel von Csanád, einer spezifisch westkirchlichen Einrichtung.
– Das Gros der Pfarreien befindet sich im Flachland, nicht in der Gebirgsgegend der Diözese.
– Weder Szegedin, noch das Archidiakonat Pankota gehörten damals zur Diözese Csanád.
Das päpstliche Zehntregister wird im Vatikanischen Geheimarchiv unter der Signatur Camera Apostolica, Collectoriae, Bd. 183, aufbewahrt. Die Auflistung der Diözese Csanád findet sich auf den Folioseiten 70verso – 74recto. Neben der Legende des hl. Gerhard ist das Zehntregister des Vatikanischen Archivs die Quelle schlechthin, die uns das Mittelalter überliefert hat.” (M. Roos, Erbe und Auftrag, Band I,1, Kap. 3, S. 143)
Der zitierte Text wurde im ersten Band der von Seiner Exzellenz Martin Roos, Bischof em. von Temeswar, verfassten und herausgegebenen Reihe Erbe und Auftrag veröffentlicht, wo auf die Listen der päpstlichen Zehnten verwiesen wird. Mehrere der in diesem Register erwähnten Pfarreien wurden nach der Befreiung der Diözese von der osmanischen Herrschaft an demselben Ort neu gegründet, an dem sie zuvor bestanden hatten. So gibt es in der Diözese Temeswar Pfarreien, die in diesem Jahr ihr 690-jähriges Bestehen erreicht haben. Im Folgenden werden wir auf der Website unserer Diözese jede Gemeinde oder Pfarrkirche / Filiale vorstellen, deren „Grundstein“ irgendwann im Mittelalter gelegt wurde, aber die ersten Informationen darüber aus dem Zeitraum 1333-1335 stammen.
Im Folgenden werden einige der 1333 bestehenden Pfarreien aufgeführt. In Klammern ist der Name des betreffenden Ortes angegeben, wie er im päpstlichen Zehntregister erscheint.
Temeswar Innere Stadt (Temeswar), Tschakowa (Chaac), Rumänisch-Sankt-Michael (Sanctus Michael), Schag (Sagad), Bruckenau (Pisky), Kleinbetschkerek (Pechkereky), Knees (Kenes), Orzydorf (Kakat), Sanktandres (de Sancto Andrea), Neubeschenowa, (Bessenev), Vinga (Vinga), Lugosch (Lucas), Perjamosch (Priamus), Warjasch (Voras), Gad (Suanad), Neupanat (de Panad), Pankota (Pankata, Pancata), Schöndorf (Sewdy), Saderlach (Zadarlaka), Sokodor (Secuduor), Schimand (de Symand), Sarafol (Zarafalua), Hatzfeld (Chumbul), Karansebesch (Sebus), Utvin (Hutuen), Alt-Moschnitza (Monisa), Janowa (Ilyeno), Monoster bei Mailat (Monostor), Deutsch-Sankt-Peter (Sancto Petro), Groß-Dorf (Magna Villa), Serbisch-Sanktmartin (de Sancto Martino), Cebza (Chevze), Sculea (Scalla), Karaschowa (Karasow), Tschawosch (Chauas), Liebling (Beesd), Tschene (Chene).
Pressestelle der Diözese Temeswar









